{"id":312729,"date":"2025-08-02T07:05:10","date_gmt":"2025-08-02T07:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/312729\/"},"modified":"2025-08-02T07:05:10","modified_gmt":"2025-08-02T07:05:10","slug":"kirchen-sind-oft-viel-lebendiger-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/312729\/","title":{"rendered":"Kirchen sind oft viel lebendiger als gedacht"},"content":{"rendered":"<p>Hinter dem Eichenschrank mit Priestergew\u00e4ndern f\u00fchrt eine steile Stiege hinauf. An der Bronze-Turmglocke vorbei klettert Ute Wick auf den Dachboden der Martins-Kirche in Freiburg-Hochdorf.<\/p>\n<p>Jetzt ganz leise sein, hat sie dem Besucher eingesch\u00e4rft. Denn wenn die kleinen, noch flugunf\u00e4higen Turmfalken erschrecken, k\u00f6nnten sie in die Tiefe st\u00fcrzen. Dann aber erwidern die beiden Jungv\u00f6gel neugierig und entspannt den Blick der Besucher durch das Loch in ihrem Brutkasten.<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr mich sind alle Gesch\u00f6pfe rund um den Lebensraum Kirchturm Zeichen f\u00fcr die Gegenwart Gottes&#8220;, sagt die Gemeindereferentin.<\/p>\n<p>Vielleicht engagiert sich die Theologin auch deshalb so stark f\u00fcr verschiedene Artenschutzprojekte. Im Dachspitz der Martins-Kirche h\u00e4ngen Mausohr-Flederm\u00e4use. An Sandsteinsimsen hat die Mauerbiene ihre Eier abgelegt. \u00dcber der Kirche kreisen Mauersegler.<\/p>\n<p>Strategie f\u00fcr Biodiversit\u00e4t geplant<\/p>\n<p>Dass Kirchengeb\u00e4ude mit ihren luftigen, unbeheizten Gem\u00e4uern Lebensr\u00e4ume f\u00fcr selten gewordene Tiere sein k\u00f6nnen, ist nichts Neues. Neu ist, dass das Erzbistum Freiburg diese besonderen Biotope systematisch in den Blick nimmt und an einer Biodiversit\u00e4tsstrategie arbeitet. &#8222;Wir haben in einem Kirchenbezirk begonnen, um alle Tiere zu erfassen, die in den 160 kirchlichen Geb\u00e4uden leben&#8220;, berichtet der Leiter der di\u00f6zesanen Umweltabteilung, Reinhold John.<\/p>\n<p>Eine Biologin hat mit der Kartierung begonnen und ist dazu tags wie nachts unterwegs. Das Ziel der kirchlichen Umweltbeauftragten ist, mittelfristig m\u00f6glichst viele oder sogar alle Kirchengeb\u00e4ude in dem gro\u00dfen s\u00fcdwestdeutschen Bistum zu erfassen. Damit d\u00fcrfte die Di\u00f6zese bundesweit Vorreiterin sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Denkmalschutz bei Sanierungen, energetischen Ert\u00fcchtigungen oder Umbauten von historischen Geb\u00e4uden fest verankert ist, r\u00fcckt der Artenschutz erst langsam st\u00e4rker ins Bewusstsein. Im Erzbistum Freiburg soll k\u00fcnftig bei jeder Geb\u00e4udesanierung oder auch bei Installation von Photovoltaik auf Geb\u00e4uded\u00e4chern der Artenschutz mitgedacht werden.<\/p>\n<p>Pfarreien nicht \u00fcberfordern<\/p>\n<p>In den Kirchengemeinden machen sich die Planer damit nicht immer besonders beliebt. Viele Pfarreien f\u00fcrchten sich vor Verz\u00f6gerungen und h\u00f6heren Kosten. &#8222;Meine Erfahrung ist aber, dass man durch gute, fr\u00fchzeitige Information und Planung viele Bedenken ausr\u00e4umen kann&#8220;, sagt John. Ihm sei auch klar, dass die derzeit laufenden kirchlichen Strukturreformen hin zu neuen Gro\u00dfpfarreien den Engagierten vor Ort viel abverlangen. &#8222;Die haben im Moment erstmal andere Sorgen als die Zauneidechse, die rund um die Pfarrgartenmauer lebt.&#8220;<\/p>\n<p>Gemeindereferentin Wick erz\u00e4hlt, dass ihre Bitte, bei einer anstehenden Turmsanierung auf dort nistende Turmfalken R\u00fccksicht zu nehmen, f\u00fcr Konflikte sorgte. Gleichzeitig erlebt Wick eine gro\u00dfe Identifikation mit der eigenen Kirche, wenn bekannt ist, welche Tiere dort leben. Mehrere Storchennester auf Kirchend\u00e4chern haben sie und ihre Mitstreiter inzwischen mit einer Webcam ausgestattet.<\/p>\n<p>Ein F\u00f6rdertopf namens &#8222;Hundertf\u00fc\u00dfer&#8220;<\/p>\n<p>Zur Strategie des Bistums geh\u00f6rt, m\u00f6glichst viele kirchlich Engagierte f\u00fcr Umweltfragen zu sensibilisieren. \u00dcber den F\u00f6rdertopf &#8222;Hundertf\u00fc\u00dfer&#8220; stehen f\u00fcr kleine Umweltprojekte vor Ort niederschwellig zu beantragende Zusch\u00fcsse bereit, insgesamt 500.000 Euro pro Jahr. Seit Ende 2024 gibt es eine neue Arbeitsgemeinschaft Artenschutz im Erzbistum.<\/p>\n<p>Zugleich suchen die kirchlichen Umweltbeauftragten den bundesweiten Austausch mit anderen Bist\u00fcmern und Landeskirchen. Beim Bundesamt f\u00fcr Naturschutz haben die Bist\u00fcmer Freiburg, K\u00f6ln und die evangelische Nordkirche ein gemeinsames Forschungsprojekt beantragt, um Leitlinien f\u00fcr Artenschutz bei der Sanierung von Baudenkm\u00e4lern zu entwickeln.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit der Naturschutzstiftung Baden-W\u00fcrttemberg l\u00e4uft bereits eine Untersuchung, wie sich der Bau von Photovoltaik-Anlagen auf den Lebensraum Kirche auswirkt. Denn die Solarmodule absorbieren die Sonnenenergie. So kann es in den Dachb\u00f6den darunter einige Grad k\u00fchler werden. Im Fr\u00fchjahr k\u00f6nnte das es in den Fledermauskinderstuben zu einem Problem werden, so John: &#8222;weil es zu kalt wird&#8220;.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.domradio.de\/glossar\/erzbistum-freiburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>      Erzbistum Freiburg<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Das Erzbistum Freiburg geh\u00f6rt mit etwa 1,55 Millionen Katholikinnen und Katholiken zu den gr\u00f6\u00dferen der 27 katholischen Bist\u00fcmer in Deutschland. Es entstand 1827 als Folge der politischen Umbr\u00fcche nach der Franz\u00f6sischen Revolution. Zu wesentlichen Teilen ging die Di\u00f6zese aus dem im sechsten Jahrhundert gegr\u00fcndeten, aber im 19. Jahrhundert aufgel\u00f6sten Bistum Konstanz hervor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hinter dem Eichenschrank mit Priestergew\u00e4ndern f\u00fchrt eine steile Stiege hinauf. 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