{"id":313756,"date":"2025-08-02T16:53:10","date_gmt":"2025-08-02T16:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/313756\/"},"modified":"2025-08-02T16:53:10","modified_gmt":"2025-08-02T16:53:10","slug":"inklusion-bildung-sichtbarkeit-nuernberger-fuehrungen-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/313756\/","title":{"rendered":"Inklusion, Bildung, Sichtbarkeit: N\u00fcrnberger F\u00fchrungen f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"<p>Wissen so vermitteln, dass alle davon profitieren: Das ist eine schwierige Aufgabe f\u00fcr Bildungstr\u00e4ger, f\u00fcr Lehreinrichtungen und f\u00fcr Museen. Immerhin unterscheiden sich Menschen in ihrem Alter, ihrer Kultur, ihrer Sozialstruktur. Und auch in ihren Sinnen. Wer nichts sieht, kann mit einem Schaukasten wenig anfangen. Wer nichts h\u00f6rt, versteht die F\u00fchrung nicht. Damit auch Menschen mit einer Behinderung, mit Demenz oder schlechten Deutschkenntnissen einen Museumsbesuch genie\u00dfen k\u00f6nnen, braucht es mehr als nur Blindenschrift und Rollstuhlfreundlichkeit. <\/p>\n<p>&#8222;Kultouren&#8220; f\u00fcr alle<\/p>\n<p>Hier eine L\u00f6sung zu finden, ist die Aufgabe von Toni Munkert und Christine Schreier. Munkert ist Museumsf\u00fchrer im Germanischen Nationalmuseum in N\u00fcrnberg. Und er ist sehbehindert. Seine Kollegin Schreier nicht, zusammen bilden sie ein starkes Tandem. Beide sind Teil des Konzepts &#8222;Kultouren f\u00fcr alle&#8220; des N\u00fcrnberger Caritas-Pirckheimer-Hauses.<\/p>\n<p>In neun Touren f\u00fchren immer ein Mensch mit und einer ohne Behinderung durch ein Museum, durchs Rathaus oder die Stadt. Munkerts und Schreiers F\u00fchrung hei\u00dft &#8222;Vergangenheit verstehen, Zukunft gestalten&#8220; und besch\u00e4ftigt sich mit der Menschheitsgeschichte. <\/p>\n<p>F\u00fchrungen f\u00fcr alle Sinne<\/p>\n<p>Sie bieten die F\u00fchrung einmal im Quartal an. Bei ihrer Tour im Juli sind 16 Personen mit dabei. Munkert h\u00e4lt einen Blindenstock in der Hand. Tandem-Partnerin Schreier reicht ihm ein \u00fcberdimensioniertes Wollkn\u00e4uel und Munkert erkl\u00e4rt: &#8222;Ein Meter davon sind tausend Jahre&#8220;. Munkert spricht langsam und w\u00e4hlt die Worte sorgf\u00e4ltig aus. Schreier erg\u00e4nzt: &#8222;Um die Zeit greifbar zu machen, haben wir ein eigenes Messinstrument erfunden.&#8220; An den wichtigen Stellen der Menschheitsgeschichte h\u00e4ngen kleine Symbole an der Wolle. Wer nichts sieht, kann die Symbole ertasten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/ausgrenzung-2-0-wann-kommt-die-digitale-barrierefreiheit,UraoU9b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen, verstehen: Dass m\u00f6glichst viele Sinne einbezogen werden<\/a>, ist bei einer inklusiven F\u00fchrung wichtig. Und eine leichte, gut verst\u00e4ndliche Sprache, auch. Doch auch mit inklusiven F\u00fchrungen ist es in Museen noch nicht getan, sagt Birgit Tellmann, Inklusionsexpertin vom Bundesverband Museumsp\u00e4dagogik: &#8222;Es reicht nicht, eine Ausstellung zu planen und am Ende inklusive Elemente als Add-on draufzupacken&#8220;, sagt sie. Richtig ist es umgekehrt: &#8222;Das Museum von Anfang an inklusiv zu denken.&#8220; <\/p>\n<p>Inklusion auf allen Ebenen<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re auch, s\u00e4mtliche Mitarbeiter zu solchen Themen zu schulen und Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen ins Team mit aufzunehmen. Darin w\u00fcrden Museen immer besser werden, sagt Tellmann. &#8222;Aber es gibt noch viel Luft nach oben.&#8220; Besonders kleinere Museen mit wenig Budget h\u00e4tten manchmal Schwierigkeiten bei der Aufgabe. Dabei ist Inklusion in Deutschland seit 2009 Pflicht: Laut UN-Behindertenrechtskonvention haben Menschen mit Behinderung ein Recht an der Teilhabe im gesellschaftlichen Leben. Und eben auch an Bildungsangeboten.<\/p>\n<p>Mehr Sichtbarkeit<\/p>\n<p>Teilhabe bedeutet zudem nicht nur Wissensvermittlung, sagt &#8222;Kultouren&#8220;-Projektleiterin Diana L\u00f6ffler: &#8222;Eines unserer Ziele ist es, dass Menschen mit Behinderungen ganz selbstverst\u00e4ndlich im Stadtbild vorkommen.&#8220; Zwar geh\u00f6ren sie zur Gesellschaft, doch man sehe sie kaum. &#8222;Und bei den Touren k\u00f6nnen ja Menschen mit und ohne Behinderung teilnehmen&#8220;, sagt L\u00f6ffler. <\/p>\n<p>Aussagekr\u00e4ftige Zahlen dazu, wie viele inklusive F\u00fchrungen und Bildungsangebote es in den deutschen Museen gibt, existieren nicht. Angebote, an denen Menschen mit Behinderung die Touren aktiv mitgestalten, sind laut L\u00f6ffler aber eher die Ausnahme. Umso wichtiger ist es f\u00fcr Munkert, seine Touren weiterzuf\u00fchren. Denn: &#8222;Die Gesellschaft muss inklusiver werden&#8220;, findet er.<\/p>\n<p>Zukunft mitgestalten<\/p>\n<p>Doch bei allem Ernst bringt Munkert in seine Museumsf\u00fchrung auch viel Humor mit ein. &#8222;Ich bin hier schon so oft entlanggelaufen, ich w\u00fcrde die Wege blind finden&#8220;, sagt er, <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/aeltester-globus-der-welt-kann-digital-erkundet-werden,U8ll8Z3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">w\u00e4hrend er seine Gruppe zum \u00e4ltesten Globus der Welt f\u00fchrt<\/a>. Von dem aus geht es weiter zu den Steinzeitmenschen. Zum Schluss der F\u00fchrung bekommen die Teilnehmer jeweils selbst ein St\u00fcck Wolle in die Hand. &#8222;Damit k\u00f6nnt ihr die Zukunft selbst mitgestalten&#8220;, sagt Schreier. Und gibt zu bedenken: Vielleicht steckt in einem der F\u00e4den ja die n\u00e4chste Idee, um alle Menschen an Bildungsangeboten teilhaben zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wissen so vermitteln, dass alle davon profitieren: Das ist eine schwierige Aufgabe f\u00fcr Bildungstr\u00e4ger, f\u00fcr Lehreinrichtungen und f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":313757,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,2062,752,3364,29,6750,30,1648,89928,4156,2264,3783],"class_list":{"0":"post-313756","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-behinderung","10":"tag-bildung","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-fuehrung","14":"tag-germany","15":"tag-inklusion","16":"tag-kultouren","17":"tag-mittelfranken","18":"tag-museum","19":"tag-nuernberg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114960217218896176","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313756","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=313756"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313756\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/313757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=313756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=313756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=313756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}