{"id":314447,"date":"2025-08-02T23:34:15","date_gmt":"2025-08-02T23:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314447\/"},"modified":"2025-08-02T23:34:15","modified_gmt":"2025-08-02T23:34:15","slug":"mitten-im-krieg-in-der-ukraine-blueht-der-buchmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314447\/","title":{"rendered":"Mitten im Krieg in der Ukraine bl\u00fcht der Buchmarkt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">In der Ukraine erlebt der Buchmarkt einen erstaunlichen Aufschwung. Neue Buchhandlungen entstehen, Verlage expandieren, Klassiker erscheinen neu: Mitten im Krieg w\u00e4chst das Interesse an ukrainischer Sprache und Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Lesen, w\u00e4hrend die Bomben fallen: Eine Frau hat in einer Metrostation in Charkiw Zuflucht gesucht \u2013 und liest. (11. April 2022)\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"7000\" height=\"4667\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/0a0ee0e1-f088-49b1-a77b-9b650b649642.jpeg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Lesen, w\u00e4hrend die Bomben fallen: Eine Frau hat in einer Metrostation in Charkiw Zuflucht gesucht \u2013 und liest. (11.\u00a0April 2022) <\/p>\n<p>Alkis Konstantinidis \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1frrpjn0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Zwischen B\u00fccherwand, Kunstwerken und h\u00e4ngenden Blumenk\u00fcbeln verbreiten gem\u00fctliche Sessel Wohnzimmerflair. Bis um 21 Uhr wird zur Lekt\u00fcre Kaffee oder Wein gereicht. \u00abEs gibt in Kiew gerade sehr viele dieser Buchhandlungen mit Caf\u00e9\u00bb, sagt die IT-Spezialistin Mariana Fuhalewich, die es sich im \u00abBuchl\u00f6wen\u00bb im Kiewer Szenequartier Podil gem\u00fctlich gemacht hat. Ihre Kollegin Darina Chrapach bittet sie, ein Foto von sich im Sessel zu machen. \u00abHier habe ich viele sch\u00f6ne Stunden verbracht.\u00bb Die Buchhandlungen dienen nicht allein zum St\u00f6bern: W\u00e4hrend der Stromausf\u00e4lle werden sie zu Zufluchtsorten f\u00fcr Nachbarn, Lesende und Schriftsteller. Und sie sind Zeichen eines erstaunlichen Aufschwungs mitten im Krieg.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Wo russische Truppen einmarschieren, verstecken die Menschen ihre B\u00fccher, bevor sie von den Besetzern vernichtet und durch Propagandawerke aus Moskau ersetzt werden. \u00abSie tauschen die B\u00fccher sofort nach der Besetzung aus\u00bb, erkl\u00e4rt Juri Belousow, der die Abteilung f\u00fcr Kriegsverbrechen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft leitet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1fopuat1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Rund 800 ukrainische Bibliotheken und Buchhandlungen wurden seit 2022 zerst\u00f6rt. Im Mai 2024 traf es die gr\u00f6sste Druckerei der Ukraine: Beim Raketenangriff auf die Charkiwer Factor Druk starben sieben Mitarbeiter. Mit den Maschinen verbrannten auch die druckfrischen Neuerscheinungen vieler Verlage, eine Woche vor der wichtigsten Buchmesse des Landes.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dh0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Angriffswelle kamen ukrainische Literaturbetriebe unter Beschuss: In Kiew wurde Anfang Juli ein Lager des Schriftstellerverbands PEN Ukraine in Mitleidenschaft gezogen. Dabei wurden B\u00fccher des Projekts \u00abUnzerst\u00f6rbare Bibliotheken\u00bb zerst\u00f6rt, das englische und zweisprachige B\u00fccher f\u00fcr 250 Bibliotheken in 17 Regionen des Landes sammelt. In derselben Nacht wurde das Lager des Verlags Nasch Format (Unser Format) teilweise zerst\u00f6rt und ein Teil der B\u00fccher unwiederbringlich vernichtet. Die Verlagsleitung schreibt: \u00abWir wissen, wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen. Wir publizieren B\u00fccher, die Kraft, kritisches Denken und W\u00fcrde verleihen \u2013 all das, was Russland am meisten f\u00fcrchtet.\u00bb<\/p>\n<p>Neue Buchhandlungen, mehr Umsatz<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dj0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dennoch trotzt die ukrainische Literatur der Zerst\u00f6rung und erlebt gar eine Renaissance: Inmitten von Luftalarm, Raketenterror und Kriegsalltag w\u00e4chst der Buchmarkt. Laut dem Ukrainischen Buchinstitut stiegen die Ums\u00e4tze 2024 um 31 Prozent. Die Zahl der aktiven Verlage kletterte von 300 auf 350. \u00abSeit Beginn der Invasion w\u00e4chst der Sektor sehr schnell\u00bb, sagt der \u00d6konom Hlib Wischlinski vom Centre for Economic Strategy. \u00abDass Menschen in Kriegszeiten mehr f\u00fcr B\u00fccher ausgeben w\u00fcrden, war nicht zu erwarten.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Verleger und Gesch\u00e4ftsmann Serhi Polituchi steht in seinem Verlagshaus in Charkiw, das bei einem russischen Raketenangriff zerst\u00f6rt wurde. (26. Mai 2024)\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der Verleger und Gesch\u00e4ftsmann Serhi Polituchi steht in seinem Verlagshaus in Charkiw, das bei einem russischen Raketenangriff zerst\u00f6rt wurde. (26.\u00a0Mai 2024) <\/p>\n<p>Valentyn Ogirenko \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dk0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Trend wird an Messen wie dem Bucharsenal in Kiew oder der Open-Air-Messe Buchland konkret sichtbar. Auf Letzterer wurden an vier Tagen 90\u00a0000 B\u00fccher verkauft. Buchhandelsketten expandieren, wie Zahlen des Ukrainischen Buchinstituts zeigen. Besonders gefragt ist ukrainische Literatur \u2013 vom Klassiker \u00fcber neue Kriegspoesie bis hin zum Fantasy-Roman. Stammte 2021 noch jedes f\u00fcnfte Buch im Land von einem ukrainischen Autor oder einer ukrainischen Autorin, waren es 2023 schon drei von f\u00fcnf.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dl0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mitten im Krieg er\u00f6ffnen unabh\u00e4ngige Buchhandlungen in Kiew, Lwiw und Odessa. So auch der \u00abBuchl\u00f6we\u00bb im August 2022 im Kiewer Szeneviertel Podil, als dieses nach Kriegsbeginn wie leergefegt war. Gefragt sind neben B\u00fcchern \u00fcber ukrainische Geschichte und Kunst auch \u00dcbersetzungen internationaler Literatur und Ratgeber zum Thema Psychologie. Titel der j\u00fcngsten Kriegsliteratur und -poesie verkaufen sich gut, etwa die Texte der dichtenden Sanit\u00e4terin und Drohnenpilotin Jarina Chornohuz oder die Kriegstageb\u00fccher des k\u00e4mpfenden Schriftstellers Artem Tschech. Auch Reportagen und Fotob\u00fccher \u00fcber die besetzten Gebiete und unwiederbringlich zerst\u00f6rten St\u00e4dte wie Mariupol sind beliebt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1fs4puc1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mittlerweile landeten immer mehr ukrainische Autoren unter den monatlichen Top Ten, sagt Katerina Iwanowa, Mitgr\u00fcnderin der Buchhandlung. \u00abWir haben an den ukrainischen Buchmarkt geglaubt und daran, dass gen\u00fcgend B\u00fccher erscheinen werden, um die Regale zu f\u00fcllen.\u00bb Sie ist sicher: Die Er\u00f6ffnung zum denkbar ung\u00fcnstigsten Zeitpunkt hat anderen Mut gemacht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Buchhandlung Buchl\u00f6we im Kiewer Szeneviertel Podil l\u00e4dt nicht nur zum gem\u00fctlichen St\u00f6bern ein, sondern ist auch Caf\u00e9 und Zufluchtsort bei Stromausf\u00e4llen.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Buchhandlung Buchl\u00f6we im Kiewer Szeneviertel Podil l\u00e4dt nicht nur zum gem\u00fctlichen St\u00f6bern ein, sondern ist auch Caf\u00e9 und Zufluchtsort bei Stromausf\u00e4llen. <\/p>\n<p>Kristina Thomas<\/p>\n<p> Renaissance der ukrainischen Klassiker<img decoding=\"async\" alt=\"\u00abWir haben an den ukrainischen Buchmarkt geglaubt\u00bb: Katerina Iwanowa hat die Buchhandlung Buchl\u00f6we in Kiew mitgegr\u00fcndet.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"369\" height=\"492\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    \u00abWir haben an den ukrainischen Buchmarkt geglaubt\u00bb: Katerina Iwanowa hat die Buchhandlung Buchl\u00f6we in Kiew mitgegr\u00fcndet. <\/p>\n<p>PD<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dn0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bemerkenswert ist die Renaissance, die Klassiker erleben: \u00abSch\u00f6ne Sammelb\u00e4nde ukrainischer Klassiker sind wahre Goldesel\u00bb, erkl\u00e4rt die Buchh\u00e4ndlerin. Ukrainische Literatur des 19. und vor allem des 20.\u00a0Jahrhunderts war in der Sowjetunion jahrzehntelang unterdr\u00fcckt oder gar verboten. Anfang der 1930er Jahre liess Josef Stalin die bl\u00fchende ukrainische Kultur brutal dezimieren. Fast dreihundert ukrainische Schriftsteller wurden erschossen, viele Kulturschaffende landeten im Gulag. In der Ukraine spreche man heute von der \u00aberschossenen Renaissance\u00bb, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/uebersetzer-und-psychoanalytiker-jurko-prochasko-ueber-krieg-in-der-ukraine-ld.1819606\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte der ukrainische \u00dcbersetzer und Psychoanalytiker Jurko Prochasko<\/a> gegen\u00fcber dieser Zeitung. Ihre literarischen Werke werden nun neu aufgelegt und dem Publikum n\u00e4hergebracht, etwa vom jungen Verlagshaus Wichola. Mit der Serie \u00abUnkanonischer Kanon\u00bb brachte Wichola literaturwissenschaftliche Begleittexte auf den Markt, um die vergessenen Stimmen neu zu verorten. Der Verlag publiziert ausschliesslich ukrainische Autoren \u2013 mit Erfolg.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3do0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abEs ist eine Frage der Identit\u00e4t. Die Menschen verstanden, dass die Russen gekommen waren, um sie zu t\u00f6ten, nur weil sie Ukrainer waren\u00bb, meint Bohdana Neborak, Managerin f\u00fcr Kulturprojekte und Redaktorin bei der Zeitschrift \u00abThe Ukrainians\u00bb. \u00abDeshalb fragten sie sich: Was bedeutet es eigentlich, Ukrainer zu sein? Oft gibt uns klassische Literatur diese Antworten.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\u00abEs ist eine Frage der Identit\u00e4t\u00bb, sagt die Kulturmanagerin und Redaktorin Bohdana Neborak.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"432\" height=\"577\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    \u00abEs ist eine Frage der Identit\u00e4t\u00bb, sagt die Kulturmanagerin und Redaktorin Bohdana Neborak. <\/p>\n<p>Kristina Thomas<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dp0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aber auch innovative Konzepte befeuern die Leselust: Die Buchhandlung Sens auf der Kiewer Flaniermeile Chreschtschatik vereint Co-Working, Eventreihen, Gastronomie und B\u00fccher. Seit der Er\u00f6ffnung im Februar 2024 sind die Besucherzahlen stetig gestiegen. Monatlich begegnen sich 50\u00a0000 Leser, Autoren und die Kreativszene. Das neue Buch des Historikers Serhi Plochi zum Niedergang der Sowjetunion findet sich auf B\u00fcchertischen, ebenso wie die \u00dcbersetzung von Timothy Snyders \u00ab\u00dcber Freiheit\u00bb. Ein kleiner Tisch pr\u00e4sentiert drei Werke des Starautors und k\u00e4mpfenden Soldaten Artem Tschech. Aber auch internationaler Bestseller wie die Fantasy-Trilogie \u00abIm Zeichen der Mohnblume\u00bb von Rebecca F.\u00a0Kuang sind beliebt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"In der neuen Buchhandlung Sens an der Kiewer Flaniermeile Chreschtschatik gibt es keine B\u00fccher russischer Autoren.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    In der neuen Buchhandlung Sens an der Kiewer Flaniermeile Chreschtschatik gibt es keine B\u00fccher russischer Autoren. <\/p>\n<p>Kristina Thomas<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Was man hier nicht findet: Werke in russischer Sprache oder von russischen Autoren. Dass die B\u00fcchertische voll sind mit B\u00fcchern der Landessprache, erf\u00fcllt den Sens-Gr\u00fcnder Olexi Erinchak mit Stolz. Denn dass sie einmal ganze Buchhandlungen f\u00fcllen, war lange kaum vorstellbar: Noch bis zum russischen \u00dcberfall 2014 auf die Krim und die Regionen Donezk und Luhansk im Osten des Landes dominierten auf dem Markt die B\u00fccher russischer Verlage und Autoren. \u00abEin ukrainisches Verlagshaus zu f\u00fchren, war lange Zeit eher ein Herzensprojekt\u00bb, erkl\u00e4rt der \u00d6konom Wischlinski. Gegen die russische Konkurrenz kamen sie nicht an. \u00abHeute ist es ein echtes Gesch\u00e4ft.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"In seiner Buchhandlung Sens gibt es keine B\u00fccher russischer Autoren: Olexi Erinchak.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"433\" height=\"577\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    In seiner Buchhandlung Sens gibt es keine B\u00fccher russischer Autoren: Olexi Erinchak. <\/p>\n<p>Kristina Thomas<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dq1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Zu den Gr\u00fcnden z\u00e4hlen die schrittweise Abkopplung vom russischsprachigen Buchmarkt seit 2016 und die R\u00fcckkehr zur ukrainischen Sprache. Seit 2023 sind der Import aus Russland und Weissrussland sowie die T\u00e4tigkeit russischer Verlage verboten. Zudem d\u00fcrfen die Verlage nur noch in Ukrainisch, in Sprachen der Minderheiten und der Europ\u00e4ischen Union publizieren. \u00abDas hat einen neuen Markt geschaffen, insbesondere im Bereich internationaler \u00dcbersetzungen\u00bb, so Wischlinski. Ob Thriller oder Liebesromane \u2013 Booktok, also Inhalte zu B\u00fcchern auf Tiktok, sch\u00fcrt auch in der Ukraine die Nachfrage.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dr0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dennoch grenzt es an ein Wunder, dass sich der Buchmarkt so rasant entwickelt, denn die Situation bleibt fragil. Zwar wurde die zerst\u00f6rte Druckerei Factor Druk dank einem grossz\u00fcgigen Spender wieder aufgebaut \u2013 doch Lieferketten sind unsicher, Papier teuer, \u00dcbersetzerinnen rar. \u00abTitel erscheinen versp\u00e4tet\u00bb, sagt der Buchh\u00e4ndler Olexi Erinchak. \u00abAber im Krieg muss man lernen, agil zu sein.\u00bb Daher kauft er ein, sobald sich Interesse an einem Titel abzeichnet.<\/p>\n<p>\u00abLesen hilft, unsere W\u00fcrde zu bewahren\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3ds0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein Grossteil der wachsenden Einnahmen der Buchbranche sei auf die gestiegenen Preise zur\u00fcckzuf\u00fchren, erkl\u00e4rt Olexandra Kowal, die das Ukrainische Buchinstitut leitet. Dass die Menschen dennoch B\u00fccher kaufen, f\u00fchrt der \u00d6konom Wischlinski auch darauf zur\u00fcck, dass sie weniger verreisen k\u00f6nnen und sich der Konsum verlagert. Er ist vorsichtig: Der Markt habe sich noch nicht stabilisieren k\u00f6nnen. \u00abNoch haben die Menschen Geld \u2013 das liegt auch an der Unterst\u00fctzung aus dem Westen\u00bb, sagt Wischlinski. Doch die Zukunft sei ungewiss. In zwei, drei Jahren werde sich zeigen, wie viele Buchhandlungen \u00fcberlebten. \u00abWenn die Menschen nur noch das N\u00f6tigste kaufen, fallen B\u00fccher als Erstes weg.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der sechsj\u00e4hrige Olexi Makarow bereitet, unterst\u00fctzt von seinem Vater, die B\u00fccher f\u00fcr den Online-Unterricht vor. Seine Schule in Kramatorsk wurde im August 2022 zerst\u00f6rt.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der sechsj\u00e4hrige Olexi Makarow bereitet, unterst\u00fctzt von seinem Vater, die B\u00fccher f\u00fcr den Online-Unterricht vor. Seine Schule in Kramatorsk wurde im August 2022 zerst\u00f6rt. <\/p>\n<p>Leo Correa \/ AP<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dt0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Krieg bedroht nicht nur B\u00fccher, Wirtschaft und Infrastruktur, sondern auch die Kreativen selbst. \u00abF\u00fcr diese Generation von Schriftstellern ist der Krieg verheerend\u00bb, sagt die Kulturmanagerin Bohdana Neborak. Zahlreiche Autorinnen und Autoren sind an der Front. Einige sind gefallen, andere im Kampf verschollen \u2013 wie der Dichter und Buchdesigner Mikola Leontowitsch. \u00abEr war brillant\u00bb, sagt Neborak \u00fcber ihren Freund. \u00abSeit zwei Jahren gibt es keine neuen Werke mehr von ihm.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3du0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Neborak moderiert an einem Abend im Juni eine Buchpr\u00e4sentation bei Sens. Vorgestellt wird die Neuauflage einer vergessenen \u00dcbersetzung von Hans Christian Andersens \u00abSchneek\u00f6nigin und andere M\u00e4rchen\u00bb, das in der Ukraine Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts erschien. Der Saal ist voll. \u00abDie Menschen haben ein Verlangen nach Klassikern und neuen Stimmen. Jetzt braucht es R\u00e4ume f\u00fcr neue Diskurse und Begegnungen rund um diese Literatur.\u00bb Immer mehr Buchhandlungen und Verlage gr\u00fcnden Buchklubs und Diskussionsformate.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j1b6e3dv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abHier sp\u00fcren die Menschen neue Emotionen\u00bb, sagt die Kulturmanagerin. Im Angesicht des Krieges ist Lesen nicht nur Zerstreuung, sondern auch Ausdruck von Menschlichkeit, Identit\u00e4t und Widerstand. \u00abLesen ist ein sehr humanistischer Akt\u00bb, sagt Bohdana Neborak. \u00abEs hilft, unsere W\u00fcrde zu bewahren \u2013 selbst in verheerenden Situationen.\u00bb Es geht um Hoffnung und Trost, und vor allem: \u00abDank der Lekt\u00fcre sp\u00fcren die Leute, dass sie nicht allein sind und dass sie immer noch Menschen sind.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Ukraine erlebt der Buchmarkt einen erstaunlichen Aufschwung. 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