{"id":314534,"date":"2025-08-03T00:27:11","date_gmt":"2025-08-03T00:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314534\/"},"modified":"2025-08-03T00:27:11","modified_gmt":"2025-08-03T00:27:11","slug":"depressionspraevention-erfordert-gesellschaftliche-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314534\/","title":{"rendered":"Depressionspr\u00e4vention erfordert gesellschaftliche Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Weltweit sind junge Menschen einem steigenden Depressionsrisiko ausgesetzt. Doch die Forschung in diesem Bereich fokussiert zu einseitig auf die innere Widerstandskraft. Als Ressource zumindest ebenso bedeutsam sind \u00e4u\u00dfere Faktoren.<\/p>\n<p>Welche <strong>Einflussgr\u00f6\u00dfen <\/strong>sch\u00fctzen junge Erwachsene vor einer <strong>Depression<\/strong>? Dieser Frage ging ein internationales Team um Prof.\u00a0Dr. Linda Theron von der Universit\u00e4t Pretoria im Rahmen eines systematischen Reviews nach. Eingeschlossen in die Analyse waren 139 seit dem Jahr 2000 publizierte Studien mit insgesamt \u00fcber 17.000\u00a0Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 29\u00a0Jahren. In allen Arbeiten taucht der Begriff der <strong>Resilienz<\/strong>, also die Widerstandsf\u00e4higkeit des Einzelnen gegen\u00fcber Stress, auf.<\/p>\n<p>In 70\u2009% der Studien bezog sich Resilienz auf <strong>Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale <\/strong>und individuelle Strategien zur Bew\u00e4ltigung von belastenden oder krisenhaften Lebensumst\u00e4nden. Hierzu z\u00e4hlten etwa eine optimistische Grundeinstellung, ein gutes Selbstwertgef\u00fchl sowie eine generelle kognitive Flexibilit\u00e4t. Einige Studien kamen zu dem Schluss, dass zudem Faktoren wie ein <strong>stabiles soziales Umfeld<\/strong> und famili\u00e4re Unterst\u00fctzung vor Depressionen sch\u00fctzen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Bildungschancen und andere Aspekte werden ignoriert<\/p>\n<p>Nur sehr wenige Arbeiten behandelten den Effekt von <strong>gesellschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen<\/strong>. So wurden etwa <strong>Bildungschancen <\/strong>der jungen Leute, <strong>wirtschaftliche Stabilit\u00e4t <\/strong>und Sicherheit sowie die <strong>kulturelle<\/strong> <strong>Zugeh\u00f6rigkeit <\/strong>eher selten ber\u00fccksichtigt. In nur sechs Studien waren protektive Faktoren aus mindestens drei derartigen Dimensionen zugleich ber\u00fccksichtigt worden. Diese wenigen Untersuchungen zeigten den Zusammenhang zwischen einem erh\u00f6hten Depressionsrisiko und fehlenden Ressourcen auf individueller, sozialer und institutioneller Ebene.\u00a0<\/p>\n<p>Auffallend ist, dass sich die demografische und geografische <strong>Realit\u00e4t <\/strong>nicht in den Studiendaten widerspiegelt, betont das Autorenteam. Denn die allermeisten Studienergebnisse bez\u00f6gen sich auf Nordamerika und andere wirtschaftlich starke Regionen. Erkenntnisse zu L\u00e4ndern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, in denen aber global gesehen 90\u2009% der jungen Menschen leben, gebe es kaum. Frauen sind in den Studien prinzipiell \u00fcberrepr\u00e4sentiert, wohingegen Menschen mit <strong>LGBTQ+-Zugeh\u00f6rigkeit<\/strong> und andere <strong>Minderheiten <\/strong>kaum vertreten sind.<\/p>\n<p>Naheliegenderweise sind es aber insbesondere die Menschen aus einkommensschwachen L\u00e4ndern und Angeh\u00f6rige von Minderheiten, die besonderem psychischen Druck und damit einem erh\u00f6hten <strong>Depressionsrisiko <\/strong>ausgesetzt sind, schreiben Prof.\u00a0Theron et\u00a0al. Das Nichtber\u00fccksichtigen dieser <strong>realen Belastungen<\/strong>, die Resilienz \u00fcberhaupt erst notwendig machen, ist ein grundlegendes strukturelles Problem der Forschung, hei\u00dft es weiter. Notwendig seien daher Studien, die pers\u00f6nliche, \u00f6konomische, soziale und gesellschaftliche Apekte sowie deren Zusammenspiel ber\u00fccksichtigen. Nur anhand derartiger Untersuchungen k\u00f6nnten effektive Ma\u00dfnahmen zur <strong>Depressionspr\u00e4vention <\/strong>bei jungen Menschen entwickelt werden.<\/p>\n<p>Resilienz auf Charaktereigenschaften und individuelle F\u00e4higkeiten zu beschr\u00e4nken, ist nach Ansicht der Studiengruppe <strong>zu einfach gedacht<\/strong>. Mit dieser Betrachtungsweise werde die Depressionspr\u00e4vention einseitig in den Verantwortungsbereich des Einzelnen geschoben.<\/p>\n<p class=\"small\">Quelle: Theron L et al. Lancet Psychiatry 2025; 12: 377-383; DOI: <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lanpsy\/article\/PIIS2215-0366(25)00044-6\/abstract\" target=\"_blank\" title=\"Factors that affect the resilience of young adults to depression: a systematic review\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">10.1016\/S2215-0366(25)00044-6<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weltweit sind junge Menschen einem steigenden Depressionsrisiko ausgesetzt. 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