{"id":314539,"date":"2025-08-03T00:31:17","date_gmt":"2025-08-03T00:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314539\/"},"modified":"2025-08-03T00:31:17","modified_gmt":"2025-08-03T00:31:17","slug":"belgisches-gericht-ordnet-sperre-der-open-library-des-internet-archive-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314539\/","title":{"rendered":"Belgisches Gericht ordnet Sperre der Open Library des Internet Archive an"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Belgisches Gericht ordnet Sperre der Open Library des Internet Archive an<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Handelsgericht in Br\u00fcssel hat eine umfassende Sperranordnung erlassen, die den Zugang zu sogenannten Schattenbibliotheken wie Anna\u2019s Archive, Libgen, Z-Library und OceanofPDF erschweren soll. Ziel solcher Plattformen ist es, Forschungsergebnisse allgemein leichter zug\u00e4nglich zu machen und wissenschaftliche Aufs\u00e4tze hinter Bezahlschranken hervorzuholen. Auff\u00e4llig ist, dass diese Verf\u00fcgung auch die Open Library des Internet Archive einschlie\u00dft. Dabei handelt es sich um ein Projekt einer gemeinn\u00fctzigen Organisation in Kalifornien nach US-amerikanischen Recht.<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlich an der Anordnung von Mitte Juli, <a href=\"https:\/\/torrentfreak.com\/images\/Beschikking-B-25-00051.pdf\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">die das Portal Torrentfreak ver\u00f6ffentlicht hat<\/a>, ist zudem: Bisher wurden bei solchen Sperren haupts\u00e4chlich Internetprovider zur Blockade von Webseiten verdonnert. Der neue Beschluss aus Belgien geht viel weiter. Er richtet sich nicht nur an Zugangsanbieter wie Telenet, Proximus, Mobile Vikings, Orange sowie Elon Musks Satellitendienst Starlink, sondern auch an viele weitere Unternehmen, die bei der Verbreitung von Webseiten eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren Suchmaschinen wie Google und Bing, DNS-Anbieter, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Oberlandesgericht-Cloudflare-haftet-als-Taeter-fuer-Urheberrechtsverletzungen-9355760.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Betreiber von Content Delivery Networks (CDNs) und Resolver wie Cloudflare<\/a>, die f\u00fcr die \u00dcbersetzung von Dom\u00e4nennamen in IP-Adressen zust\u00e4ndig sind, Host-Provider wie Amazon Web Services, Hostinger und GoDaddy sowie Werbetreibende. Erfasst sind sogar Zahlungsdienstleister wie PayPal, Cash App und Alipay. Die einbezogenen Firmen werden dazu verpflichtet, die betroffenen Websites aus den Suchergebnissen zu entfernen, das Hosting einzustellen und die Domainnamen zu deaktivieren.<\/p>\n<p>Fair-Use-Doktrin greift nicht<\/p>\n<p>Die Open Library leiht B\u00fccher nach dem Prinzip &#8222;ein Buch, ein Nutzer&#8220; aus \u2013 \u00e4hnlich wie eine traditionelle Bibliothek. Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern erstellt der Betreiber eigene digitale Kopien der B\u00fccher, anstatt Lizenzen zu kaufen. Verlage und Autoren halten dagegen, dass das Digitalisieren und Verleihen gesch\u00fctzter Inhalte ohne ihre Genehmigung illegal ist. Sie beziehen sich dabei auf einen aufsehenerregenden US-Rechtsstreit, den das Internet Archive verloren hat.<\/p>\n<p>Der Betreiber argumentierte hier, dass sein &#8222;kontrolliertes digitales Leihprogramm&#8220; eine rechtm\u00e4\u00dfige Nutzung auf Basis der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/US-Richter-staerkt-Fair-Use-Prinzip-im-Streit-um-tanzendes-Baby-198172.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Fair Use&#8220;-Doktrin<\/a> der USA darstelle. Damit konnte er sich aber nicht durchsetzen und musste schon zwischenzeitlich <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Copyright-Internet-Archive-musste-500-000-Buecher-aus-Online-Bibliothek-loeschen-9774885.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aufgrund der Copyright-Klage gro\u00dfer Verlage rund 500.000 B\u00fccher aus seinem Sortiment nehmen<\/a>.<\/p>\n<p>Die Rechteinhaber beschreiben die Open Library in dem belgischen Rechtsstreit als ein \u00f6ffentliches Portal, auf der registrierte Nutzer einfach auf ihre B\u00fccher zugreifen und sie herunterladen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren etwa 1542 Werke des Verlags Dupuis und \u00fcber 5000 B\u00e4nde von Casterman. Den Herausgebern zufolge sind die Betreiber der Online-Bibliothek nicht leicht zu identifizieren, obwohl das Internet Archive und dessen Macher wie der Internetpionier Brewster Kahle weithin bekannt sind. Es fehlen angeblich gesetzlich vorgeschriebene Informationen auf der Webseite. Die Rechteinhaber werten das als Hinweis darauf, dass die Plattform illegal betrieben wird.<\/p>\n<p>Das Internet Archive wurde nicht geh\u00f6rt<\/p>\n<p>Das Br\u00fcsseler Gericht schloss sich nun der Ansicht der Antragsteller und der US-Kollegen an und machte eine &#8222;eindeutige und erhebliche Rechtsverletzung&#8220; aus. Die Sperranordnung erlie\u00dfen die belgischen Richter, ohne Vertreter des Internet Archive anzuh\u00f6ren: Die Verf\u00fcgung erging &#8222;ex parte&#8220;, also ohne Information und Einbezug der zweiten Partei.<\/p>\n<p>Momentan ist die Open Library anscheinend auch aus Belgien noch erreichbar und nicht aktiv gesperrt. Ein Vertreter des Internet Archive <a href=\"https:\/\/torrentfreak.com\/belgium-targets-internet-archives-open-library-in-sweeping-site-blocking-order\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Torrentfreak<\/a>, dass ihm keine St\u00f6rungen bekannt seien. Mehrere Domains der vier Schattenbibliotheken sind bereits auf der offiziellen Sperrliste der zust\u00e4ndigen belgischen Beh\u00f6rde aufgef\u00fchrt, die Webadresse der Open Library aber noch nicht. Angesichts der weitreichenden Anordnung ist damit zu rechnen, dass einige der eingeschlossenen Internetvermittler Rechtsmittel dagegen einlegen werden.<\/p>\n<p>DNS-Resolver zunehmend im Visier<\/p>\n<p>Traditionelle Ma\u00dfnahmen f\u00fcr DNS-Sperren verpflichten lokale Internetanbieter dazu, den Zugriff ihrer Kunden auf rechtswidrige Seiten zu erschweren. Solche Mittel sind weltweit verbreitet, gelten aber als leicht zu umgehen. In j\u00fcngster Zeit richten sich die Sperrantr\u00e4ge daher verst\u00e4rkt auch gegen andere Vermittler wie DNS-Resolver. Entsprechende, heftig umstrittene Erlasse sind etwa aus Deutschland, Frankreich und Italien bekannt. Der in Z\u00fcrich ans\u00e4ssige DNS-Dienst Quad9 etwa sah sich 2023 gezwungen, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Quad9-sperrt-Warez-Seite-Canna-to-weltweit-angesichts-drohender-Strafe-9227604.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine globale Sperre gegen das Portal Canna.to und eine Zweitdomain einzurichten<\/a>. Grund: Das Landgericht Hamburg drohte dem DNS-Resolver im Streit \u00fcber die Zugangserm\u00f6glichung zu den Download-Seiten mit urheberrechtlich gesch\u00fctzten Songs von Sony Music ein Ordnungsgeld in H\u00f6he von 10.000 Euro an. Das Oberlandesgericht Dresden <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Urheberrecht-OLG-Dresden-stuft-DNS-Resolver-bei-Verstoessen-nicht-als-Taeter-ein-9566119.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">stufte Quad9 wenig sp\u00e4ter aber nicht als T\u00e4ter ein<\/a>.<\/p>\n<p>Seit einigen Monaten ergehen einschl\u00e4gige Anordnungen gegen Zugangsanbieter und DNS-Resolver auch in Belgien. Dies l\u00f6ste erheblichen Widerstand aus. So stellte etwa Cisco seinen OpenDNS-Dienst in dem Land ein. Schattenbibliotheken sind auch hierzulande Rechteverwertern ein Dorn im Auge: Vodafone, Telekom, 1&amp;1 sowie Telef\u00f3nica <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Websperren-Grosse-deutsche-Provider-blockieren-Schattenbibliothek-Sci-Hub-9684299.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erschweren den Zugang ihrer Kunden zu Sci-Hub seit 2024 mit DNS-Sperren<\/a>. Den Ma\u00dfnahmen zugrunde liegt eine Empfehlung der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Urheberrechtsverletzungen-auf-Streaming-Sites-Neuer-Anlauf-fuer-DNS-Sperren-5077644.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">privaten Clearingstelle Urheberrecht im Internet<\/a> (CUII), die sich <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Clearingstelle-Urheberrecht-Gremium-fuer-Websperren-setzt-kuenftig-auf-die-Justiz-10490090.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">j\u00fcngst neu ausrichtete<\/a>.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:nen@heise.de\" title=\"Niklas Jan Engelking\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nen<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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