{"id":314955,"date":"2025-08-03T04:32:11","date_gmt":"2025-08-03T04:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314955\/"},"modified":"2025-08-03T04:32:11","modified_gmt":"2025-08-03T04:32:11","slug":"bildschoenes-buch-dirk-reinartz-fotografisches-vermaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/314955\/","title":{"rendered":"Bildsch\u00f6nes Buch: Dirk Reinartz&#8216; fotografisches Verm\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/coverreinartz-100.webp\" alt=\"Cover: Dirk Reinartz:  &quot;Fotografieren, was ist&quot;\" title=\"Cover: Dirk Reinartz:  &quot;Fotografieren, was ist&quot; | Steidl Verlag\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 03.08.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Dirk Reinartz geh\u00f6rt zu den wichtigsten deutschen Dokumentarfotografen. Zur aktuellen Retrospektive im Landesmuseum Bonn hat der Steidl Verlag einen fast 300 Seiten starken Bildband herausgebracht.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Janek Wiechers<\/p>\n<p class=\"\">\nAuf dem Bretterfu\u00dfboden eines ansonsten menschenleeren Festzelts liegt ein langhaariger blonder Mann und schl\u00e4ft. Lang hingestreckt auf dem R\u00fccken, wie soeben vom Stuhl gefallen. Aufgenommen hat Dirk Reinartz diese Szene 1976 f\u00fcr die Serie &#8222;Buxtehude&#8220;, wo er jahrzehntelang lebte.<\/p>\n<p class=\"\">\nEine \u00e4ltere Frau im Haushaltskittel steht barfu\u00df im gerundeten Schaufenster des Caf\u00e9s Gnosa im Hamburger Stadtteil St.Georg. Sie putzt wie selbstvergessen die Scheibe, w\u00e4hrend daneben im Schaufenster geschmierte Brote auf Kundschaft warten. Eine banale Alltagszene mit skurrilen Details.<\/p>\n<p class=\"\">\nAus der Reportagereihe &#8222;Die Nacht des wei\u00dfen B\u00e4ren&#8220; stammt ein Bild, das Reinartz 1972 auf einer Gr\u00f6nland-Reise f\u00fcr das Magazin &#8222;Stern&#8220; ablichtete: eine karge Schneelandschaft, durchzogen von zerkl\u00fcfteten Eisverwerfungen. Inmitten dieser unwirtlichen Szenerie erkennbar, ganz klein, der schwarze Umriss eines Schlittenhunde-Gespanns mit drei Personen, das sich in der Weite fast verliert.<\/p>\n<p class=\"\">\nNur drei Beispiele aus dem 260 Bilder umfassenden Buch &#8222;Fotografieren, was ist&#8220;. Es versammelt einen repr\u00e4sentativen Querschnitt der bislang gesichteten Arbeiten aus dem Nachlass des Fotografen Dirk Reinartz. Sebastian Lux, Kurator bei der Hamburger Stiftung F.C. Gundlach, schreibt dazu im Einleitungstext:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Gepr\u00e4gt von einer empathisch-kritischen Haltung verlangt Dirk Reinartz\u2018 Werk geradezu danach, jene Spannungsfelder nachzuvollziehen, die der Fotograf empfunden und im Medium Fotografie ausgelotet hat. Anstatt die Biografie chronologisch nachzuerz\u00e4hlen, identifiziert die Retrospektive f\u00fcnf Begriffspaare, zwischen denen sich Reinartz in seiner fotografische Betrachtung der conditio humana bewegt hat.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Menschliches Leben zwischen N\u00e4he und Ferne<\/p>\n<p class=\"\">\nDas Buch n\u00e4hert sich dem umfangreichen Oeuvre in insgesamt f\u00fcnf thematischen Kapiteln. \u00dcberschrieben sind sie zum Beispiel mit &#8222;N\u00e4he\/Ferne&#8220;, &#8222;Macht\/Ohnmacht&#8220; oder &#8222;Geschichte\/Gegenwart&#8220;. Dirk Reinartz\u2018 sensibler Blick auf das menschliche Leben offenbart sich interessanterweise nicht unbedingt darin, dass Menschen anwesend sind. Streckenweise sind gar keine Personen zu sehen, lediglich als Ahnung, als Nachhall in die Fotografien eingeschrieben.<\/p>\n<p class=\"\">\nBeklemmend sind die menschenleeren Schwarz-Wei\u00df-Bilder der Serie &#8222;Von T\u00fcr zur T\u00fcr im Hochhaus&#8220;, f\u00fcr die Reinartz 1981 in trostlosen Wohnblocks im Hamburger Stadtteil Horn unterwegs war. Lange, traurige Flure, in die kaum Licht f\u00e4llt. Wenig einladende Treppenh\u00e4user. Klingelschilder mit hunderten Namen darauf. Alles menschliche Leben ordnet sich der Tristesse der Baustruktur unter, scheint sich im Inneren der Wohnblocks zu verkriechen.<\/p>\n<p>    Eindr\u00fcckliche Bildserien beleuchten gesellschaftliche Themen<\/p>\n<p class=\"\">\nDirk Reinartz machte zun\u00e4chst eine Fotografenausbildung in Aachen und studierte an der Folkwang Schule in Essen. Mit gerade mal 23 wurde er 1971 Fotograf f\u00fcr den &#8222;Stern&#8220; und steuerte zahlreiche Bildreportagen f\u00fcr &#8222;Merian&#8220;, das &#8222;ZEIT-Magazin&#8220; und die Kunst-Zeitschrift &#8222;art&#8220; bei. Neben dem Fotojournalismus realisierte Reinartz viele freie Fotoprojekte.<\/p>\n<p class=\"\">\nIn dem Bildband ebenfalls wiederzuentdecken: Fotos aus der bekannten Serie, f\u00fcr die er Bismarck-Denkmale in ganz Deutschland fotografierte. Au\u00dferdem: Bilder des Zyklus &#8222;totenstill&#8220;, in dem sich Reinartz fotografisch mit Konzentrationslagern der NS-Zeit besch\u00e4ftigte. Er behandelte in seinen Fotos oft geschichtliche, politische &#8211; manchmal auch abgr\u00fcndige Themen.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/wissenschaft113.webp\" alt=\"Aufgeschlagene B\u00fccher\" title=\"Aufgeschlagene B\u00fccher | Vladimir Melnikov fotolia, Vladimir Melnikov\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bildb\u00e4nde \u00fcber Architektur, Menschen oder Landschaften sind immer ein Genuss f\u00fcr die Augen. NDR Kultur stellt immer wieder herausragende Neuerscheinungen im Programm vor.<\/p>\n<p>    Licht, Schatten und der Blick auf Deutschland<\/p>\n<p class=\"\">\n&#8222;Das allerbeste am Licht ist seine andere Seite, der Schatten &#8211; f\u00fcr mich wahrscheinlich noch wichtiger als das Licht selbst&#8220;, sagte Reinartz. Das Zitat offenbart so etwas wie die \u00e4sthetische und inhaltliche Pr\u00e4misse seines Schaffens. Besonders interessierte sich der Fotograf f\u00fcr den Zustand der deutschen Gesellschaft. Vom Suchen nach deutschen Befindlichkeiten, nach mentalen und politischen Haltungen und Seelenzust\u00e4nden der Deutschen &#8211; davon zeugen etliche seiner Arbeiten.<\/p>\n<p class=\"\">\nZu den st\u00e4rksten geh\u00f6ren sicherlich die Fotos der lakonischen Serie &#8222;Kein sch\u00f6ner Land&#8220; &#8211; entstanden zwischen 1978 und 1987. Sie k\u00f6nnen als ironische, nicht selten verst\u00f6rende Kommentare auf deutsche Eigenarten gelesen werden. Bilder von sorgsam eingehegten Campingplatz-Parzellen, wenig einladenden Parkb\u00e4nke in betonierten Sitzecken. Und auf eine Grundst\u00fccksmauer hat jemand scharfkantige Glasscherben zementiert.<\/p>\n<p class=\"\">\nDirk Reinartz&#8216; klare, oft streng komponierte fotografische Sprache dokumentiert n\u00fcchtern das Sichtbare &#8211; und das, was dahinter liegen k\u00f6nnte. Es sind stille, ausdrucksstarke Bilder, die auch nach Jahrzehnten immer noch wirken. Seine\u00a0ethische Grundhaltung, sein humanistischer Respekt, leuchtet aus allen Fotos hervor &#8211; und das ist absolut zeitlos.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/coverreinartz-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/coverreinartz-100.webp\" alt=\"Cover: Dirk Reinartz:  &quot;Fotografieren, was ist&quot;\" title=\"Cover: Dirk Reinartz:  &quot;Fotografieren, was ist&quot; | Steidl Verlag\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Fotografieren, was ist<\/p>\n<p>von Dirk\u00a0Reinartz<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>272 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Bildband<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Steidl Verlag<\/dd>\n<dt>ISBN:<\/dt>\n<dd>978-3-96999-333-0<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>70 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.08.2025 06:00 Uhr Dirk Reinartz geh\u00f6rt zu den wichtigsten deutschen Dokumentarfotografen. 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