{"id":315363,"date":"2025-08-03T08:30:19","date_gmt":"2025-08-03T08:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315363\/"},"modified":"2025-08-03T08:30:19","modified_gmt":"2025-08-03T08:30:19","slug":"schwimmbaeder-manche-eltern-glauben-offenbar-sie-koennten-ihre-kinder-im-bad-wie-in-der-kita-abgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315363\/","title":{"rendered":"Schwimmb\u00e4der: \u201eManche Eltern glauben offenbar, sie k\u00f6nnten ihre Kinder im Bad wie in der Kita abgeben\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Hamburgische Badbetreiber B\u00e4derland bekommt eine neue F\u00fchrung: Auf Dirk Schumaier folgt Susan Zetzmann. Sie \u00fcbernimmt viele sanierte Anlagen, aber auch einige Herausforderungen \u2013 von denen manche allgemein gesellschaftlicher Art sind.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es ist einer der eher nassen Sommertage in Hamburg, im direkt angrenzenden Freibad-Bereich des Kaifu-Bads ziehen nur wenige Unerschrockene ihre Bahnen. \u201eWir machen nat\u00fcrlich dennoch auf, aber finanziell sind das keine guten Tage\u201c, sagt Dirk Schumaier. Ihm k\u00f6nnte das jetzt egal sein, nach 13 Jahren an der Spitze des st\u00e4dtischen Unternehmens B\u00e4derland \u00fcbergibt er zum August die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung an Susan Zetzmann, die er einige Wochen lang in Struktur und Themen des Badbetreibers eingearbeitet hat. Zetzmann leitete zuvor B\u00e4der in Jena, sie ist vom Fach \u2013 und doch ist die Metropole f\u00fcr sie in unterschiedlicher Hinsicht ein Sprung ins kalte Wasser.<\/p>\n<p><b>WELT AM SONNTAG:<\/b> Frau Zetzmann, wie lernen Sie in diesen Tagen das Unternehmen B\u00e4derland kennen? Schwimmen Sie erstmal in jedem Bad ein paar Runden?<\/p>\n<p><b>Susan Zetzmann:<\/b> Ganz so romantisch ist es nicht. Der erste Schritt war, alle Bereiche kennenzulernen. Die ersten Tage habe ich in der Zentrale verbracht, um die Verwaltungs- und F\u00fchrungskr\u00e4fte zu treffen, die Strukturen zu verstehen \u2013 und nat\u00fcrlich viel mit Herrn Schumaier zu sprechen. Danach habe ich Schritt f\u00fcr Schritt die einzelnen B\u00e4der besucht, die Teams vor Ort kennengelernt und mir ein Bild von den jeweiligen Gegebenheiten gemacht. Im Wasser war ich aber auch schon.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Man h\u00f6rt, dass Sie selbst begeisterte Schwimmerin sind. Was bedeutet die Bewegung im Wasser f\u00fcr Sie?<\/p>\n<p><b>Zetzmann: <\/b>Sehr viel. Schwimmen ist Gesundheit, Fitness, Sport \u2013 aber auch einfach eine wichtige F\u00e4higkeit, die jedes Kind beherrschen sollte. Wasser wird oft untersch\u00e4tzt, es ist gef\u00e4hrlich. Deshalb ist es wichtig, fr\u00fch mit der Wassergew\u00f6hnung zu beginnen. Schwimmen ist aber auch ein kulturelles Ereignis: Menschen begegnen sich, verbringen ihre Freizeit gemeinsam, alle Altersgruppen kommen zusammen.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die Bedeutung des Schwimmens und der B\u00e4der war in der Corona-Zeit zu sp\u00fcren, als die Anlagen oft geschlossen waren. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit?<\/p>\n<p><b>Dirk Schumaier: <\/b>Das war gesellschaftlich schwierig, aber auch personell f\u00fcr uns \u2013 der Weg zur\u00fcck war eine Herausforderung. Wir haben danach die Zahl der Schwimmkurse deutlich erh\u00f6ht. Die Stadt hat zus\u00e4tzliche Mittel bereitgestellt, um die entstandene L\u00fccke zu schlie\u00dfen. Zwei Jahrg\u00e4nge standen quasi vor der T\u00fcr, ein dritter kam dazu. Wir haben alles hochgefahren, was m\u00f6glich war. Nat\u00fcrlich sto\u00dfen wir da auch an Grenzen \u2013 gute Kursleiter wachsen nicht auf B\u00e4umen. Aber wir haben die Welle jetzt gut abgearbeitet.<\/p>\n<p><b>Zetzmann:<\/b> Aus meiner Erfahrung sehen wir aber \u2013 auch unabh\u00e4ngig von Corona \u2013 dass viele Kinder heute keine Wassergew\u00f6hnung mehr haben. Das bleibt ein gesellschaftliches Thema. Deswegen m\u00fcssen wir fr\u00fcher ansetzen, nicht erst in den Schulen, sondern im Kita-Alter. Daf\u00fcr erarbeiten wir Konzepte, um zu bef\u00e4higen, sinnvoll Wassergew\u00f6hnung in den Kinderalltag zu integrieren.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Am Ende bleibt das aber doch auch eine Aufgabe der Familien, insbesondere der Eltern, oder?<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Die Zusammensetzung der Stadtgesellschaft hat sich ver\u00e4ndert \u2013 in immer h\u00e4ufiger hier vertretenen Kulturen und Religionen geh\u00f6rt Wassergew\u00f6hnung nicht zur Tradition. Hier ist Aufkl\u00e4rung gefragt. Eltern m\u00fcssen verstehen, warum Schwimmen in Hamburg wichtig ist \u2013 und dass sie Verantwortung tragen. Das kann nicht allein Aufgabe von Stadt oder sozialen Einrichtungen sein.<\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Manche Ihrer Pressemitteilungen lesen sich mittlerweile wie Beipackzettel zum Schwimmbadbesuch, es gibt explizite Forderungen an die Eltern, ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen \u2026\u00a0<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> \u2026weil sich das Verhalten eben ver\u00e4ndert hat. Manche Eltern glauben offenbar, sie k\u00f6nnten ihre Kinder im Bad wie in der Kita abgeben. Aber sie haben die Aufsichtspflicht \u2013 die ganze Zeit. Viele sind abgelenkt, durch Handys, Social Media. Das f\u00fchrt zu gef\u00e4hrlichen Situationen. Wir sprechen Eltern an, und wenn sie nicht reagieren, m\u00fcssen sie das Bad verlassen. Unsere Mitarbeiter tragen eine gro\u00dfe Verantwortung, ein Badeunfall ist f\u00fcr alle hochbelastend.<\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>In anderen St\u00e4dten gibt es Sicherheitsdienste in Freib\u00e4dern, weil die Randale und Bel\u00e4stigungen zunehmen. Wie ist das in Hamburg?<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Hamburg ist da noch eine Insel der Gl\u00fcckseligen. In Berlin gibt es mobile Polizeiwachen im Freibad \u2013 das ist eine andere Welt, die sich bei uns zum Gl\u00fcck nicht so zeigt.<\/p>\n<p><b>Zetzmann:<\/b> Aus meiner Sicht provozieren gro\u00dfe Security-Trupps auch ungewollt. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter wissen, dass im Notfall Unterst\u00fctzung da ist.<\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Kommen wir zum Thema Preise. Ein Badbesuch in Hamburg ist nicht gerade g\u00fcnstig.<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Moment! Wenn man die Preisentwicklung mit der Inflation vergleicht, liegen wir darunter. Auch f\u00fcr uns steigen die Kosten \u2013 Material, Dienstleistungen, Verg\u00fctungstarife. Irgendwo muss das Geld herkommen. Es ist nicht akzeptabel, dass der st\u00e4dtische Zuschuss immer weiter steigt. Deshalb passen\u00a0wir die Preise moderat an. Seit 2021 haben wir ein neues Preismodell: Kinder bis zw\u00f6lf Jahre zahlen nur ein Viertel des regul\u00e4ren Preises, Jugendliche nur die H\u00e4lfte. Aber\u00a0Erwachsene zahlen eben den regul\u00e4ren Tarif.\u00a0Der allerdings trotzdem immer mit bis zu 18% rabattf\u00e4hig ist. Oder man wird Mitglied unseres Schwimmclubs, dann kostet \u2013 abh\u00e4ngig vom Nutzungsverhalten \u2013 ein Besuch umgerechnet nur noch 1,88 Euro pro Tag.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> In Th\u00fcringen gibt es viele Spa\u00df- und Rutschenb\u00e4der. W\u00fcrden Sie die auch gern in Hamburg haben? Die gibt es hier nur im Umland.<\/p>\n<p><b>Zetzmann:<\/b> In Th\u00fcringen hatten wir 38 solcher B\u00e4der, die alle um G\u00e4ste konkurrierten. Das war ein harter Markt. Hamburg ist grunds\u00e4tzlich gut aufgestellt: Es gibt Angebote f\u00fcr Kinder, tolle Spielbereiche, Wassergew\u00f6hnung. Ein klassisches Spa\u00dfbad ist nicht Teil des Portfolios. Hier geht es eher darum, bestehende B\u00e4der gut auszustatten und das Portfolio genau anzuschauen. Wenn es um die Entwicklung neuer Standorte geht, wird genau gepr\u00fcft, welcher Bedarf besteht f\u00fcr Schwimmenlernen, Vereinssport und individuelle Sport- und Freizeitnutzung. Besonders am Herzen liegt mir dabei, auch f\u00fcr die J\u00fcngsten passende Kleinkindbereiche zur Wassergew\u00f6hnung vorzuhalten, um ihre individuelle Entwicklung und die Freude am Wasser gezielt zu f\u00f6rdern.\u00a0<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Wir hatten vor einigen Jahren mal \u00fcberlegt, einen Rutschenpark f\u00fcr Jugendliche zu bauen. Aber das war wirtschaftlich nicht darstellbar. Solche Projekte treiben den Verlustausgleich in die H\u00f6he \u2013 und dann stellt sich die Frage, ob man sich alle Standorte noch leisten kann. Wirtschaftlichkeit ist das Fundament f\u00fcr den Erhalt der B\u00e4der.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Was hei\u00dft Wirtschaftlichkeit bei B\u00e4derland?<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Wir reden nicht \u00fcber Gewinne wie in einem DAX-Konzern. Wenn wir 60 Prozent Kostendeckung erreichen, ist das gut. Der Rest ist Zuschuss. Deshalb m\u00fcssen wir wirtschaftlich arbeiten \u2013 das ist auch Auftrag des Senats und unser Selbstverst\u00e4ndnis zum verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln \u2013 denn das ist ja der erw\u00e4hnte Zuschuss: das Geld der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Aber Trends und neue Anspr\u00fcche muss man ja aufnehmen. Welche sehen Sie?<\/p>\n<p><b>Zetzmann:<\/b> Das h\u00e4ngt vom Standort ab. Es gibt Sportb\u00e4der, da braucht es keine Sauna. Kombib\u00e4der hingegen profitieren von einem kleinen Wellnessbereich oder einem Kinderspielbereich. Man muss sich jeden Standort genau anschauen. Pauschale L\u00f6sungen machen keinen Sinn.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Herr Schumaier, Ihr gro\u00dfes Projekt war die Grundsanierung der Alsterschwimmhalle. Sind Sie darauf stolz?<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Es war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Projekt \u2013 und wir haben es im Kosten- und Zeitrahmen geschafft, trotz Corona. Das ist in Hamburg bekanntlich selten. Und es wird hervorragend angenommen. Wir werden im laufenden zweiten Betriebsjahr erneut mehr als 500.000 G\u00e4ste haben, diese Marke hatten wir uns f\u00fcr viel sp\u00e4ter gesetzt. Das zeigt: Wir haben das Richtige gebaut.<\/p>\n<p><b>WAMS: <\/b>Sie suchen wie viele andere Dienstleister auch nach Personal, das bei Ihnen ja spezielle Kenntnisse haben muss. Wie weit sind Sie damit gekommen?<\/p>\n<p><b>Schumaier:<\/b> Nach Corona war es schwierig. Der Arbeitsmarkt hat sich ver\u00e4ndert, unser Beruf ist auf den ersten Blick nicht der attraktivste: Schichtarbeit, Wochenenden, Reinigungsarbeiten. Das ist also ein Thema der gesamten B\u00e4derbranche. Aber wir haben viel getan, etwa mit Social-Media-Kampagnen. Die L\u00fccken sind kleiner geworden. Wir hatten mal 23 Ruhetage pro Woche \u00fcber alle Standorte, weil die Personaldecke zu d\u00fcnn war \u2013 jetzt sind es weniger als 10. Das ist vertretbar. Wir arbeiten daran auch hier noch mehr an die Zeit von vor 2019 anzukn\u00fcpfen, aber Ver\u00e4nderungen werden bleiben, das ist sicher.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Was machen Sie jetzt, Herr Schumaier?<\/p>\n<p><b>Schumaier: <\/b>Ich gehe zur\u00fcck nach Heide, wo mein Lebensmittelpunkt ist. Ich k\u00fcmmere mich um meine Familie und meine Gesundheit. Langweilig wird mir sicher nicht.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Und Sie schwimmen sich nach dem Stabwechsel jetzt erst einmal frei?\u00a0<\/p>\n<p><b>Zetzmann: <\/b>Mit Sicherheit. Ich profitiere dabei von der Vorarbeit von Herrn Schumaier und dem ganzen Team, das sehe ich schon jetzt. B\u00e4derland ist sehr gut aufgestellt.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Hamburgische Badbetreiber B\u00e4derland bekommt eine neue F\u00fchrung: Auf Dirk Schumaier folgt Susan Zetzmann. 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