{"id":315454,"date":"2025-08-03T09:24:17","date_gmt":"2025-08-03T09:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315454\/"},"modified":"2025-08-03T09:24:17","modified_gmt":"2025-08-03T09:24:17","slug":"ausstellung-wim-wenders-in-der-bundeskunsthalle-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315454\/","title":{"rendered":"Ausstellung Wim Wenders in der Bundeskunsthalle Bonn"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nein, das ist kein Heiligtum. Eher eine Klinik. Ein Seziersaal der Bilder. Wei\u00dfe Stellw\u00e4nde stehen zwischen wei\u00dfen W\u00e4nden, wei\u00dfes Licht f\u00e4llt auf schwarz-wei\u00dfe und farbige Fotografien und Filmausschnitte. Ein Tempel des Kinos m\u00fcsste ganz anders aussehen, mit viel mehr Schattenzonen, Dunkelheiten, geheimen Kammern, verborgenen Orten. Aber hier, in der Bundeskunsthalle, geht es ja auch nicht um das Kino, sondern um sein Kino: das Lebenswerk des <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Wim Wenders\" data-rtr-id=\"c66c94f7f140b7b3b241447ecbada4396c0b587f\" data-rtr-score=\"17431.017078647354\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/wim-wenders\" title=\"Wim Wenders\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wim Wenders<\/a>, der in zehn Tagen achtzig wird. Das Bonner Museum gr\u00fc\u00dft ihn mit einer Ausstellung. Und Wenders gr\u00fc\u00dft herzlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber h\u00e4tte man ihm, dem gr\u00f6\u00dften lebenden deutschen Filmregisseur, nicht doch eine Art Tempel bauen m\u00fcssen? Schlie\u00dflich hat Wenders in den knapp sechzig Jahren seit seinen ersten Gehversuchen mit der Kamera nicht einfach nur Filme gedreht, sondern Kultfilme. Objekte der Verehrung. Sequenzen und Filmstills, mit denen sich die Museen der Welt schm\u00fccken. So wie das Grand Palais in Paris, das Wenders vor sechs Jahren seine gro\u00dfe Kuppelhalle f\u00fcr eine gewaltige Installation zur Verf\u00fcgung stellte: Szenen aus \u201ePina\u201c, \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c, \u201eParis, Texas\u201c, \u201eDer amerikanische Freund\u201c und zw\u00f6lf weiteren Filmen, die in dem Riesensaal zusammenflossen zu einem einzigen visuellen Rausch. Das war der Altar, den man sich f\u00fcr sein Kino gew\u00fcnscht hatte. Aber die Messe, die hier zelebriert wurde, feierte er f\u00fcr sich selbst. Machtvoller kann man den eigenen Kult nicht inszenieren. Es war, als h\u00e4tte Wenders seine eigene Geburtstagsfeier vorweggenommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Sein Engel \u00fcber der Stadt: Szene aus \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c, 1989\" height=\"1320\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/sein-engel-ueber-der-stadt.jpg\" width=\"2200\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Sein Engel \u00fcber der Stadt: Szene aus \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c, 1989Wim Wenders Stiftung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Deshalb ist es wom\u00f6glich ganz passend, dass die Bundeskunsthalle, die ihre Schau gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt erarbeitet hat, das Pathos der Pr\u00e4sentation auf Museumstemperatur herunterk\u00fchlt. Vor wei\u00dfem Hintergrund sieht man die Dinge klarer. Das harte Licht \u00e4tzt die Unsch\u00e4rfen weg, die oberfl\u00e4chlichen Effekte. Was dann noch \u00fcbrig bleibt, hat wirklich Bestand.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Da ist, ganz am Anfang, die Kunst. Dass Wenders Maler werden wollte, bevor er Filmemacher wurde, wusste man lang, aber die wenigsten haben seine fr\u00fchen Bilder gesehen. Hier h\u00e4ngen sie jetzt: Zeichnungen, Aquarelle, Mischformen. Industrielandschaften, T\u00fcrme und Schote, ein Blick ins Gr\u00fcne, eine Kirche. Eine Ahnung von C\u00e9zanne, ein bisschen Beckmann. Und ganz viel <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Paul Klee\" data-rtr-id=\"ec071dd9c3113b55fd2bcd3065fadf5d0b414db1\" data-rtr-score=\"73.09513560051658\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/paul-klee\" title=\"Paul Klee\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paul Klee<\/a>. Klees Talent, das Symbolische konkret, das Konkrete symbolisch zu machen, hat Wenders immer fasziniert, nicht nur im \u201eAngelus Novus\u201c, den er zum Leitbild seines ber\u00fchmtesten Films erkoren hat. Der \u201eAn\u00adge\u00adlus\u201c aber wurde sein Gl\u00fccksbringer.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Und so springt die Schau aus der Kindheit direkt in den \u201eHimmel \u00fcber Berlin\u201c. Von hier, von diesem Hauptwerk aus, lie\u00dfen sich die Etappen einer beispiellosen Regisseurskarriere wie eine Landschaft \u00fcberblicken: die Lehrjahre an der M\u00fcnchner Filmhochschule, die Reifezeit im Neuen Deutschen Film, das Trauma von \u201eHammett\u201c und die Selbstbefreiung mit \u201eParis, Texas\u201c, die R\u00fcckkehr nach Berlin und der Aufbruch nach Australien, die zweite amerikanische Phase, die abermalige R\u00fcckkehr und die Entdeckung von 3D, schlie\u00dflich die parallele Arbeit an erfolglosen Spiel- und erfolgreichen Dokumentarfilmen. Und zuletzt, wie ein Sonnenuntergang, das Wunder von \u201ePerfect Days\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Regisseur als Fotograf: \u201eEntire Family, Las Vegas, USA\u201c, 1983\" height=\"1160\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/der-regisseur-als-fotograf.jpg\" width=\"1417\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Der Regisseur als Fotograf: \u201eEntire Family, Las Vegas, USA\u201c, 1983Wenders Images<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber die Ausstellung sucht nicht nach chronologischen Mustern in diesem Fil\u00admemacherleben. Sie will das Ph\u00e4nomen Wenders aus einzelnen Facetten zusammensetzen: dem Fotografen, dem Cineasten, dem Reisenden, dem Freund von <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Peter Handke\" data-rtr-id=\"cc31d300eb0b017706062ad965c9bdfab2e4b01e\" data-rtr-score=\"42.651743435213085\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/peter-handke\" title=\"Peter Handke\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Handke<\/a> und Sam Shepard, dem Leser von Rilke, Paul Auster, dem Verehrer von Lou Reed, Anselm Kiefer, Sebasti\u00e3o Salgado und Yoji Yamamoto, dem Kunstkenner, dem Technikfreak und so fort. Sie h\u00e4tte auch noch den Filmprofessor, Opernregisseur und Pr\u00e4sidenten der Europ\u00e4ischen Filmakademie erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, ohne die Menge der m\u00f6glichen Mosaiksteinchen damit auch nur ann\u00e4hernd zu ersch\u00f6pfen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Denn Wenders ist nicht nur ein Kino-, sondern auch ein Arbeitstier. Wo andere ein Privatleben haben, hat er Projekte. Die administrative Struktur, die er 1977 mit seiner Produktionsfirma Road Movies begr\u00fcndete, ist l\u00e4ngst ein Konglomerat aus Filmproduktion, Fotostudio (das er mit seiner Frau, der Fotografin Donata Wenders, betreibt) und Wim-Wenders-Stiftung. Als einziger deutscher Regisseur besitzt er die Rechte an s\u00e4mtlichen Filmen, die er je gedreht hat.<\/p>\n<p>Wenders kontrolliert auch die Deutung seines k\u00fcnstlerischen Werks<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Auf diese Weise kontrolliert er nicht nur die Verwertung, sondern auch die Deutung seines Werks. Es ist kein Zufall, dass einer seiner ersten und zwei seiner letzten Filme in der Schau praktisch nicht auftauchen. Dass er die 1973 entstandene Adaption von Nathaniel Haw\u00adthornes Roman \u201eDer Scharlachrote Buchstabe\u201c mit Senta Berger und Lou Castel f\u00fcr keinen echten Wenders-Film h\u00e4lt, hat ihr Sch\u00f6pfer viele Male erkl\u00e4rt, aber auch \u201eEvery Thing Will Be Fine\u201c und \u201eGrenzenlos\u201c werden in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Bonn\" data-rtr-id=\"a660dc706007c47a4701928202ed2b1f094056a0\" data-rtr-score=\"48.442315970727506\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/bonn\" title=\"Bonn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bonn<\/a> ausgeblendet \u2013 zwei Spielfilme von 2015 und 2017, die k\u00fcnstlerisch wie kommerziell gescheitert sind, aber eben dadurch das Bild eines Regisseurs vervollst\u00e4ndigen, der sich gelegentlich in Ideen verrennt, die nicht zu ihm passen. Wenders hat sie aus seiner Bilanz gestrichen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die positive Seite dieser Allianz von Ausstellungsmachern und Ausstellungsgegenstand ist das Klima des Vertrauens, in das man unweigerlich hineingezogen wird. Wim Wenders selbst hat die Texte des Audioguides geschrieben und eingesprochen, und so ist der Guide zum wichtigsten Exponat in der Bundeskunsthalle geworden, schon deshalb, weil er einen ganzen Katalog jener goldenen Wenders-S\u00e4tze enth\u00e4lt, die sein Werk immer schon begleitet haben. \u201eDer Blick aus den Fenstern der Kindheitstage ist das erste Kino in unserem Leben.\u201c \u2013 \u201eDie Kamera ist ein Auge, das gleichzeitig nach vorne und nach hinten schauen kann.\u201c \u2013 \u201eIch mag keine Filme, die nur so tun, als ob sie irgendwo spielten.\u201c \u2013 \u201eEigentlich ist das das einzig m\u00f6gliche Erz\u00e4hlen: der Reihe nach.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Allein bis ans Ende der Welt: \u201eParis, Texas\u201c, 1984\" height=\"2008\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/allein-bis-ans-ende-der-welt.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Allein bis ans Ende der Welt: \u201eParis, Texas\u201c, 1984Wim Wenders Stiftung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Das ist nicht nur gut gesagt. Es ist, wenn man es als Text zu den Fotos liest, die Wenders von Autofriedh\u00f6fen in Australien, Parkh\u00e4usern in Houston,Texas, Stra\u00dfenecken in Butte, Montana und dem Niemandsland an der Berliner Mauer gemacht hat, auch gut gesehen, gut gedacht. Ein Reiz der Besch\u00e4ftigung mit Wenders liegt darin, dass man beim Anschauen seiner Filme sofort merkt, dass da einer nicht einfach nur Kino machen will. Sondern dass er aus dem Kino alles herausholen m\u00f6chte, was darin \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist: Selbst\u00ader\u00adkennt\u00adnis, Welterkenntnis, Gef\u00fchle, Gedanken, Wesen und Schein. Und darum ist die klinische Pr\u00e4sentation der Fotos, Filmstills, Poster und Projektionen an den wei\u00dfen W\u00e4nden vielleicht doch nicht der perfekte Schl\u00fcssel zur Welt des Wim Wenders. Denn bei ihm geht es in jedem Augenblick um viel mehr als Film. N\u00e4mlich auch um Literatur, Popmusik, Malerei, Fotografie, Moral und Metaphysik und vieles andere. Um Kunst und Leben. Und um ihn selbst.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Deshalb m\u00fcsste eine Ausstellung, die den ganzen Wenders zeigen wollte, auch von dem reden, womit er sich erg\u00e4nzt: der Kunst der anderen. Von Anfang an waren seine Bilder von Vorbildern gepr\u00e4gt \u2013 erst vom amerikanischen Western, dann von Truffaut und der Nouvelle Vague, danach wieder von den Amerikanern, Scorsese und Cassavetes, und schlie\u00dflich immer st\u00e4rker von Yasujir\u014d Ozu, dem unerreichbaren Vorbild, dem er sich mit \u201ePerfect Days\u201c, der Geschichte eines Toilettenreinigers in Tokio und seines einsamen, bescheidenen Gl\u00fccks, immerhin auf Sichtweite gen\u00e4hert hat. Dazu kommen die Dichter und Schriftsteller, die er gelesen und verehrt und oft auch in seinen Filmen untergebracht hat: Goethe, Rilke, Hammett, Shepard, Paul Auster und immer wieder Peter Handke, der \u00e4lteste Freund.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Stra\u00dfentanz in 3D: \u201ePina\u201c (2011), Wenders\u2019 Hommage an Pina Bausch\" height=\"1194\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/strassentanz-in-3d-pina-2011.jpg\" width=\"1795\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Stra\u00dfentanz in 3D: \u201ePina\u201c (2011), Wenders\u2019 Hommage an Pina Bauschpa\/obs\/ARTE \/ Donata Wenders<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein paar von ihnen h\u00e4ngen als Foto in der Bundeskunsthalle, andere stehen mit ihren B\u00fcchern in einer Handbibliothek, die in Absprache mit Wenders zusammengestellt wurde. Aber eigentlich m\u00fcsste der \u201eWilhelm Meister\u201c neben den Szenenbildern aus \u201eFalsche Bewegung\u201c h\u00e4ngen und die \u201eDuineser Elegien\u201c ne\u00adben dem \u201eHimmel \u00fcber Berlin\u201c, den sie befl\u00fcgelt haben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Und dann ist da noch die Einsamkeit. \u201eBeim Fotografieren muss ich grunds\u00e4tzlich allein sein.\u201c Die Orte der Welt, erkl\u00e4rt Wenders im Audioguide, \u00f6ffneten sich \u201enur f\u00fcr solche, die ihnen allein ge\u00adgen\u00ad\u00fcber\u00adste\u00adhen\u201c. Aber Kino ist Team\u00adarbeit. In jedem Wenders-Werk sp\u00fcrt man die Spannung zwischen der Gemeinschaft und dem Egomanen, die die Filme zerrei\u00dfen m\u00fcsste, wenn der Regisseur nicht Helfer gehabt h\u00e4tte, die ihm erm\u00f6glichten, sich gleichzeitig von allem abzuschotten und mit allen zu verbinden. Zu ihnen geh\u00f6ren die Kameram\u00e4nner Robby M\u00fcller und Franz Lustig, der Cutter Peter Przygodda, die Assistentin Dagmar Forelle und einige mehr.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Manche von ihnen sind schon gestorben. In Bonn w\u00e4re man ihnen gern wiederbegegnet, im Gegenschuss zu den Filmbildern. Denn das Kino der Einsamkeit ist keine einsame Angelegenheit, es braucht Komplizen. In der Bundeskunsthalle regiert der Schein der Filme: Es wirkt, als w\u00e4re Wenders mit seinen Schauspielern allein gewesen am Set. Aber selbst der Engel auf der Siegess\u00e4ule war in Gesellschaft. Er sa\u00df auf einem Studiorequisit, fern vom vergoldeten Original.<\/p>\n<p>Ein Brief an Willy Brandt vom Februar 1992<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Im letzten Saal sitzt das Gehirn der Ausstellung: ihr Archiv. Hier kommt man dem Betriebsgeheimnis des Wenders-Universums endlich ganz nah. Es ist eine Mischung aus Gr\u00fcndlichkeit und Improvisation. Da sind die Kassenzettel eines Bierlokals, auf denen Wenders mit Kugelschreiber zwei Dutzend alternative Filmtitel f\u00fcr den \u201eHimmel \u00fcber Berlin\u201c notiert hat, darunter \u201eHimmel und Erde\u201c, \u201eDas Himmelszelt\u201c und \u201eBerlin und das Ende der Ewigkeit\u201c. Und da ist das fehlerfrei getippte, mit Bleistift nachbearbeitete Typoskript seiner vernichtenden Rezension zu Joachim Fests Dokumentarfilm \u201eHitler \u2013 Eine Karriere\u201c, nach wie vor eine der besten Filmkritiken, die je in Deutschland verfasst wurden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Schlie\u00dflich ein Brief, der den schwer kranken Altkanzler <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Willy Brandt\" data-rtr-id=\"f76f241eb1db27488add419cfe7f388846cb9cc4\" data-rtr-score=\"54.007748600947046\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/willy-brandt\" title=\"Willy Brandt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Willy Brandt<\/a> im Februar 1992 erreichte: \u201eIch m\u00f6chte in diesem Fr\u00fchjahr wieder einen Film in Berlin drehen, diesmal einen weniger poetischen, daf\u00fcr mehr realit\u00e4tsbezogenen . . . und da denke ich nun vor allem an Sie.\u201c Brandt sollte in \u201eIn weiter Ferne, so nah\u201c einen der Prominenten spielen, denen Otto Sander als Engel Cassiel \u00fcber die Schulter schaut, aber er war bereits zu hinf\u00e4llig. An seine Stelle trat Michail Gorbatschow, der letzte Regent des sterbenden Sowjetreichs.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Legendenerz\u00e4hler ist immer in Gefahr, sich selbst zur Legende zu werden. Aus Wim Wenders wird Wim le Grand oder, wie in der Bonner Ausstellung, \u201eW.I.M.\u201c Folgerichtig \u00fcbergeht die Bundeskunsthalle die zahlreichen Br\u00fcche in seiner Karriere mit Schweigen. Dabei waren es gerade die negativen Impulse, die sein Kino immer wieder vorangebracht haben. Die traumatischen Erfahrungen der \u201eHammett\u201c-Produktion gaben ihm die En\u00ader\u00adgie, den \u201eStand der Dinge\u201c und \u201eParis, Texas\u201c zu drehen. Die Entt\u00e4uschung \u00fcber den Misserfolg des Gro\u00dfprojekts \u201eBis ans Ende der Welt\u201c und, mehr noch, die kalte Aufnahme seines zweiten Engelfilms in Deutschland trieben Wenders abermals nach Amerika, wo er mit Andie MacDowell (\u201eAm Ende der Gewalt\u201c) und Milla Jovovich (\u201eThe Million Dollar Hotel\u201c) drehte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Als die USA nach dem 11. September in patriotische Paranoia verfielen, kehrte er nach Europa zur\u00fcck, um mit \u201ePalermo Shooting\u201c seine Sammlung einsamer M\u00e4nner in Lebenskrisen zu vervollst\u00e4ndigen und in \u201ePina\u201c endlich Ernst mit der 3D-Technik zu machen. Und als die 3D-Spielfilme \u201eEvery Thing Will Be Fine\u201c und \u201eDie sch\u00f6nen Tage von Aranjuez\u201c nicht funktionierten, setzte er die dokumentarische Arbeit mit seinem Papstportr\u00e4t und seiner Huldigung an <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Anselm Kiefer\" data-rtr-id=\"44a28efbe10606612cee43b2a0ad84810d857dc5\" data-rtr-score=\"41.55832974601808\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/anselm-kiefer\" title=\"Anselm Kiefer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anselm Kiefer<\/a> fort.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein Leben im Zickzack, im Hin und Her. In der Bundeskunsthalle erscheint es als fertiges Puzzle, in dem ein Steinchen ins andere passt. Kann sein, dass Wim Wenders sich so sehen will, aber f\u00fcr seine Filme w\u00e4re es besser, wenn er weiter unfertig bliebe, neugierig, on the road. \u201eEigentlich denke ich, dass das mein eigentlicher Beruf ist: Reisender.\u201c Wie wahr. Ein wahres Bild \u00fcbrigens hat die Schau dann doch gefunden: Durch ein Fenster blickt man in den Innenhof, in dem ein Engelsfl\u00fcgelpaar auf dem Kies liegt. Bei Wenders ist der Himmelssturz kein Ende, sondern ein Anfang. Die Welt wird neu entdeckt. Seine und unsere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nein, das ist kein Heiligtum. Eher eine Klinik. Ein Seziersaal der Bilder. 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