{"id":315706,"date":"2025-08-03T11:46:11","date_gmt":"2025-08-03T11:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315706\/"},"modified":"2025-08-03T11:46:11","modified_gmt":"2025-08-03T11:46:11","slug":"fachveranstaltung-kreislaufwirtschaft-im-baugewerbe-ein-deutlicher-impuls-fuer-staedtebauliches-und-architektonisches-umdenken-in-mannheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315706\/","title":{"rendered":"Fachveranstaltung \u201eKreislaufwirtschaft im Baugewerbe\u201c \u2013 ein deutlicher Impuls f\u00fcr st\u00e4dtebauliches und architektonisches Umdenken in Mannheim"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kommunalinfo-mannheim.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Collini-Center_2016-09-05.jpg\" rel=\"lightbox[34706] nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-26500\" class=\" wp-image-26500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Collini-Center_2016-09-05-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"374\"  \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-26500\" class=\"wp-caption-text\">Collini-Center. In der Mitte das ehemalige Technische Rathaus. Nachdem der K\u00e4ufer dieser Immobilie diese an die Stadt zur\u00fcckverkauft hat, weil ihm die Puste f\u00fcr Abriss und Neubau von 3 Wohngeb\u00e4uden ausging, hat die Stadt jetzt angek\u00fcndigt, ein anderer (profitorientierter) Investor \u00fcbernehme den entkernten Bau und werde Studierenden-Appartements hineinbauen \u2013 hinter Hotelbauten die profitabelste Art, ein Geb\u00e4ude zu verwerten. Die Studi-Buden werden ihren Preis haben\u2026 (Bild: Kim-Archiv)<\/p>\n<p>\u201eAbriss und Neubau ist billiger als Sanierung\u201c \u2013 dieses Mantra kennen wir zur Gen\u00fcge. Im August 2021 wurden im <a href=\"https:\/\/kommunalinfo-mannheim.de\/2021\/08\/05\/stadthaus-n1-die-mannheimer-gebaeude-wegwerf-kultur\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kommunalinfo<\/a> ein paar Schlaglichter auf diese letztlich doch unwirtschaftliche, v.a. aber auch un\u00f6kologische Architektur- und st\u00e4dtebauliche Entwicklung geworfen. Inzwischen kommt Hoffnung auf, dass sich dies endlich \u00e4ndern k\u00f6nnte \u2013 vorausgesetzt, die Entscheider:innen von privaten Investitoren bis hin zu den Mandatstr\u00e4ger:innen im Mannheimer Gemeinderat \u00f6ffnen sich den gar nicht mehr so neuen und l\u00e4ngst validierten Ans\u00e4tzen der Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe und im St\u00e4dtebau. Eine vorz\u00fcgliche Fachveranstaltung der Gesch\u00e4ftsstelle des Local Green Deal am 3. Juli in der U-Halle erbrachte einen guten \u00dcberblick \u00fcber die M\u00f6glichkeiten, hier deutliche Fortschritte zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Geb\u00e4udesektor riesiger Emittent<\/strong><\/p>\n<p>Einleitend wies Kea Vehnekamp, Local Green Deal Managerin Zukunftsf\u00e4hig Bauen, darauf hin, dass der Geb\u00e4udesektor 40% der umweltsch\u00e4dlichen Emissionen verursache und zu 55% am Abfallaufkommen beteiligt sei. Recycling von Bestandsgeb\u00e4uden durch Umnutzung sowie \u2013 im Falle von Entkernung oder Abriss \u2013 Recycling des Baumaterials ist somit h\u00f6chst bedeutsam f\u00fcr die Emissionsverminderung. Und es kann das Bauen und Sanieren deutlich verbilligen. Eine wichtige Perspektive auch f\u00fcr die Erstellung leistbarer Wohnungen.<\/p>\n<p><strong>Fl\u00e4chen- und Immobilienrecycling<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst befasste sich Prof. Stefan Rettich, Uni Kassel, mit den Perspektiven der Umnutzung \u201eobsoleter\u201c (veralteter), nicht mehr gebrauchter Geb\u00e4ude und Fl\u00e4chen in St\u00e4dten. Mit Studierenden hatte er auch in Mannheim Station gemacht und Potenziale f\u00fcr Umnutzungen erfasst. Er konzentriert sich hierbei auf drei grundlegende gesellschaftliche Entwicklungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Klimawandel und Verkehrswende \u2013 Obsoleszenzen der autogerechten Stadt<\/li>\n<li>Digitalisierung \u2013 Obsoleszenzen von Arbeit und Handel<\/li>\n<li>Wandel der Religi\u00f6sit\u00e4t \u2013 Obsoleszenzen von kirchlichen Einrichtungen und Friedh\u00f6fen<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/kommunalinfo-mannheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/05.3-MLH_Jacobikirche_Stadtbibliothek_Bild_ErwinMeier_Wikipedia.jpg\" rel=\"lightbox[34706] nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34708\" class=\"wp-image-34708 size-medium\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/05.3-MLH_Jacobikirche_Stadtbibliothek_Bild_ErwinMeier_Wikipedia-400x275.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"275\"  \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-34708\" class=\"wp-caption-text\">Beispiel einer Kirchentransformation in die Stadtbibliothek M\u00fchlhausen\/Th\u00fcringen (Bild: Erwin Meier. Wikipedia)<\/p>\n<p>F\u00fcr Mannheim definierte er 10 Potenzialr\u00e4ume der Innenentwicklung von Sandhofen bis Neckarau, oft im Zusammenhang mit kleinteiligen Handels- und Gewerbefl\u00e4chen, aber auch rund um gro\u00dfe B\u00fcrokomplexe und Parkpl\u00e4tze. Bemerkenswert ist das Projekt \u201eMAKILE: Mannheimer Kirchen und Lebensmittelm\u00e4rkte\u201c, das mit Unterst\u00fctzung des Bundesbauministeriums und der Uni Kassel zusammen mit der Stadt Mannheim und der Evangelischen Kirche durchgef\u00fchrt wurde. Dabei wurden s\u00e4mtliche Kirchen, auch in Kooperation mit dem katholischen Stadtdekanat, und s\u00e4mtliche Lebensmittelsuperm\u00e4rkte in Flachbauweise zusammen mit den entsprechenden Handelskonzernen erfasst und diskutiert. In der Paul-Gerhard-Kirche, einer \u201eC-Kirche\u201c, die zur Schlie\u00dfung und Ver\u00e4u\u00dferung vorgesehen ist, wurden alternative Nutzungsm\u00f6glichkeiten durchgespielt. Die Trinitatiskirche in den Quadraten dient in diesem Sinne seit Jahren als \u201eEintanzhaus\u201c.<br \/>Die Lebensmittelm\u00e4rkte sind auf 10 bis 15 Jahre konzipiert, die Zeit bis zur vollst\u00e4ndigen Abschreibung. Abriss und Neubau bringen die Abschreibung wieder in Gang. Die Alternative w\u00e4re, Mikroareale auf die L\u00e4den zu bauen inkl. Wohnungsbau.<\/p>\n<p><strong>Baustoff-Zirkulation<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kommunalinfo-mannheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/05.2-TRIBRIQ.jpg\" rel=\"lightbox[34706] nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34707\" class=\"wp-image-34707\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/05.2-TRIBRIQ-353x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"340\"  \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-34707\" class=\"wp-caption-text\">Leimfreie Bauelemente aus Recycling-Bauholz (Bild: TRIQBRIQ AG)<\/p>\n<p>Von der Entwicklung des 100 ha gro\u00dfen Konversionsgel\u00e4ndes Patric-Henry-Village in Heidelberg berichtet Carla Jung-K\u00f6nig vom st\u00e4dtischen Baudezernat. Hier geht es um Nachnutzung von Bestandsgeb\u00e4uden, aber auch um sehr viel Abriss und Neubau, allerdings auf Basis von Rohstoffkreisl\u00e4ufen. Die Geb\u00e4ude werden hierzu genau vermessen, analysiert\u00a0 und digitalisiert einschlie\u00dflich aller Bauteile wir Fenster, T\u00fcren, Betonarten, Bauholz und ggf. Backsteinen. Das Verfahren ist sehr aufw\u00e4ndig und somit teuer. Allerdings bietet es die M\u00f6glichkeit, Baumaterialien in hohem Ma\u00dfe wieder einzusetzen. Daf\u00fcr sind zun\u00e4chst Lagerfl\u00e4chen und exakte Materialbeschreibungen erforderlich, so dass sie gezielt abgerufen werden k\u00f6nnen. In der Branche spricht man von Urban Mining, der Stadt als Bergwerk bzw. Rohstofflieferant.<\/p>\n<p>Dominik Campananella, CEO der Fa. Concular erl\u00e4utert, wie zirkul\u00e4res Bauen in der Praxis abl\u00e4uft: Die Firma hat inzwischen 12 Mio. m\u00b2 Material digitalisiert, und in \u00fcbersichtlicher Lagerung den \u00fcber\u00f6rtlichen Materialien-Markt erm\u00f6glicht. 15 Mio. Materialien seien in Neubau und Sanierung wieder eingebracht. Dadurch seien 30% der \u00fcblichen Kosten eingespart und 95% CO2 und Abfall er\u00fcbrigt. Die Fa. hat in Zusammenarbeit mit einer Versicherung ein Gew\u00e4hrleistungssystems f\u00fcr die von ihr gelieferten und teilweise auch eingebauten Waren errichtet und kann so mit Neuware konkurrieren. Sie hat an der Erarbeitung der DIN SPEC 91484 \u00fcber die Einf\u00fchrung einer verpflichtenden Bauteilesichtung wesentlich mitgearbeitet. Demn\u00e4chst werde diese DIN zu einer EU-Norm und somit international verpflichtend. Klinker- und Backsteine werden von den Verbundstoffen wie M\u00f6rtel befreit, Holzelemente werden \u00fcberarbeitet und sind wie Neuware einsetzbar. Sie werden z.T. von der Firma Triqbriq weiterverarbeitet zu Systembausteinen, aus denen ganze H\u00e4user errichtet werden k\u00f6nnen, die ihrerseits wieder vollst\u00e4ndig recyclebar sind.<\/p>\n<p><strong>Holzbau<\/strong><\/p>\n<p>Holzhausbau war auch bei einer weiteren Veranstaltung am 21. Juli in der Multihalle (auf dem Steg, au\u00dferhalb der Baustelle) Thema.<\/p>\n<p>Ausrichter war das MULTI_MA \u2013 Mannheimer Forum f\u00fcr Baukultur, ein \u201eneues gro\u00dfes \u00f6ffentliches Format f\u00fcr Baukultur\u201c, welches mit gut 100 Besucher:innen startete. Der erste Teil der Veranstaltung befasste sich mit dem st\u00e4dtebaulichen Vergleich zwischen dem 50 Jahre alten Herzogenried und dem immer noch im Aufbau befindlichen Franklin Village.<\/p>\n<p>Inspiriert durch die Holzgitterbauweise der Multihalle widmete sich der zweite Teil der Veranstaltung, an der auch OB Specht und BM Eisenhauer teilnahmen, der \u00fcberragenden Qualit\u00e4t von Holz als Baustoff. Es bindet CO2 und erspart die CO2-Emission bei der Zementherstellung, es isoliert gut, bietet die M\u00f6glichkeit, gro\u00dfe R\u00e4ume mit freitragenden Decken zu \u00fcberspannen, eignet sich f\u00fcr modulare und serielle Bauweise und verk\u00fcrzt die Bauzeit erheblich.<\/p>\n<p>Hauptreferentin war die Stuttgarter Architektin Liza Heilmeyer von Birk Heylmeier Frenzel Architekten, die auf Holzbau spezialisiert sind und schon viele pr\u00e4mierte Projekte erstellt haben. Heilmeyer ging besonders der Frage nach, warum das Bauen mit Holz oder Holz-Hybrid in Deutschland lange Zeit \u00fcberhaupt kein Thema war. Sie setzte sich in diesem Zusammenhang mit dem Vorurteil auseinander, dass Holzbauten bei Feuerausbruch brandgef\u00e4hrlich seien. Sie legte dar, dass genau das Gegenteil der Fall sei, Holz im Gegensatz zu Stahl bei einem Brand eine viel l\u00e4ngere Standzeit habe. Die Trittakustik sei zwar ein gewisses Problem, das aber beherrschbar sei.<\/p>\n<p>Als Bericht aus der Praxis wurden dann noch drei Holzh\u00e4user auf Spinelli vorgestellt, deren eines von der GBG errichtet wurde, die sich lange Zeit nicht mit der Holzbauweise anfreunden konnte. Dass Holzh\u00e4user fast nur auf dem j\u00fcngsten Mannheimer Konversionsgel\u00e4nde zu finden sind, spricht f\u00fcr sich. Die ersten zwei neuen Holzh\u00e4user stehen auf Turley: UMbau vom Mietsh\u00e4usersyndikat (2016) und das Holzhybridhaus Evergreen von Motorlab (2019). Beide sind auch energetisch sehr hochwertig. Es ist kein Wunder, dass die Pionierleistung des dreist\u00f6ckigen Umbau-Holzhybridhauses von einer ambitionierten selbstverwalteten Gruppe als Nonprofitbau erstellt wurde. Mittlerweile \u2013 so Dennis Ewert von der Architektenkammergruppe Mannheim im Einladungsschreiben \u2013 habe \u201edie h\u00f6lzerne Baukultur auch in Mannheim Hochkonjunktur\u201c. Ein deutlicher Beitrag zur Energiewende; denn der Baustoff Holz gilt als klimapositiv.<\/p>\n<p>Thomas Tr\u00fcper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Collini-Center. In der Mitte das ehemalige Technische Rathaus. 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