{"id":315814,"date":"2025-08-03T12:48:13","date_gmt":"2025-08-03T12:48:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315814\/"},"modified":"2025-08-03T12:48:13","modified_gmt":"2025-08-03T12:48:13","slug":"wir-sind-hundert-und-noch-viele-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315814\/","title":{"rendered":"Wir sind hundert und noch viele mehr"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEine Revolution\u00e4rin, eine sicherheitsliebende Hausfrau und eine Sinnsuchende erz\u00e4hlen uns ihre so unterschiedlichen Lebensgeschichten aus ihrer jeweiligen Perspektive. Dabei stolpern sie \u00fcber Widerspr\u00fcchlichkeiten und Sollbruchstellen, die ihre Identit\u00e4tskonstruktionen hinterfragen lassen. Die Frauen \u2013 eine J\u00fcngere, eine Mittlere, eine \u00c4ltere \u2013 ringen um die richtige Darstellung ihres Lebens.\u201c Mit diesen Zeilen wurde das Theaterst\u00fcck \u201eWir sind Hundert\u201c von Jonas Hassen Kehmiri beschrieben, das 2022 im Rahmen der Salzburger Festspiele aufgef\u00fchrt wurde. Ein \u00e4hnliche Konstellation \u2013 wenngleich in einer g\u00e4nzlich anderen Erz\u00e4hlform \u2013 ist der Ausgangspunkt von Khemiris Roman \u201eDie Schwestern\u201c, der gerade in den internationalen Feuilletons mit Lobeshymnen gew\u00fcrdigt wird &#8211; v\u00f6llig zu Recht. Und auch der Vergleich mit Literatur-Granden wie Jonathan Franzen oder Karl Ove Knausg\u00e5rd ist nicht zu hoch gegriffen, denn auch Khemiri erz\u00e4hlt eineFamiliengeschichte, die die gesellschaftliche Gegenwart und ihre Verwerfungen widerspiegelt.<\/p>\n<p>Raffiniertes Verwirrspiel auf h\u00f6chstem Niveau<\/p>\n<p>Im Zentrum des Geschehens, das sich auf mehr als 700 Seiten im Zeitraum zwischen der Jahrtausendwende bis ins Zukunftsjahr 2035 erstreckt, stehen die Mikkola-Schwestern, wie der Autor selbst schwedisch-tunesischer Herkunft. Ina ist die vern\u00fcnftige Pedantin, Evelyn die funkelnde Geschichtenerz\u00e4hlerin und -erfinderin, Anastasia die charismatische K\u00fcnstlerfigur. Belegt ist das Trio mit einem Fluch \u2013 vermutlich selbst auferlegt \u2013 der besagt, dass alles, was sie lieben verlieren werden. Der Ich-Erz\u00e4hler wiederum hei\u00dft Jonas, ist ebenfalls schwedisch-tunesischer Abstammung \u2013 wie der namensgleiche Autor selbst. Ein raffiniertes Verwirrspiel auf h\u00f6chstem Niveau, die Autofiktion verkn\u00fcpft mit den fiktiven Schwestern-Biografien. Der Erz\u00e4hler Jonas begegnet den Mikkola-Schwestern als Kind in Stockholm und befreundet sich mit Evelyn. Oder nicht?<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hlstrom von Khemiri ist ebenso fluide wie es die Identit\u00e4ten seiner Figuren sind. Doch es w\u00e4re zu kurz gegriffen, \u201eDie Schwestern\u201c als reine Herkunftsgeschichte zu lesen. Vielmehr geht es um die literarische, aber auch reale Tatsache, dass wir zwar ein Leben f\u00fchren, aber meist nicht ein Leben lang dieselbe Person sind. Mit gewichtiger Leichtigkeit f\u00fchrt Jonas Hassen Khemiri durch Raum, Zeit und Milieus. Sein Stil ist ebenso orientalisch \u00fcppig wie nordisch schlicht. Am Ende vermischen sich die Biografien des Erz\u00e4hlers, Autors und der Mikkola-Schwestern immer mehr. Daraus ergibt sich ein m\u00e4chtiger Roman, der dieser gerne totgesagten Gattung pulsierendes Leben einhaucht. <\/p>\n<p><strong>Jonas Hassen Khemiri. <\/strong>Die Schwestern. Rowohlt, 732 Seiten, 26,50 Euro. <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" class=\"w-full my-0 max-h-100 object-contain bg-gray-100\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/91jl7wBxAWL._SL1500_.jpg\" title=\"\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"800\" height=\"400\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eEine Revolution\u00e4rin, eine sicherheitsliebende Hausfrau und eine Sinnsuchende erz\u00e4hlen uns ihre so unterschiedlichen Lebensgeschichten aus ihrer jeweiligen Perspektive.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":315815,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-315814","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114964916495966934","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/315814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=315814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/315814\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/315815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=315814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=315814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=315814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}