{"id":315891,"date":"2025-08-03T13:29:16","date_gmt":"2025-08-03T13:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315891\/"},"modified":"2025-08-03T13:29:16","modified_gmt":"2025-08-03T13:29:16","slug":"jesiden-in-deutschland-grosse-angst-vor-abschiebungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/315891\/","title":{"rendered":"Jesiden in Deutschland: Gro\u00dfe Angst vor Abschiebungen"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungsweise 230.000 Jesiden leben in Deutschland. Obwohl sie im Nordirak verfolgt werden, k\u00f6nnen sie abgeschoben werden. Viele Betroffene f\u00fcrchten um ihre Zukunft.<\/p>\n<p>Shivan Khorto arbeitet seit f\u00fcnf Jahren im Sch\u00fclerhaus der Albschule in Stuttgart-Degerloch. Der 42-J\u00e4hrige betreut Grundsch\u00fcler bei ihren Hausaufgaben, begleitet sie bei Freispielen und in Ferienangeboten. Die Arbeit mache ihm gro\u00dfe Freude, sagt er, denn er habe schon im Irak als Lehrer gearbeitet. &#8222;Die Arbeit mit Kindern liegt mir sehr am Herzen und ich finde es toll, dass ich in Deutschland damit weitermachen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Shivan Khorto arbeitet als Erzieher in Stuttgart<\/p>\n<p>Im Sch\u00fclerhaus der Albschule absolvierte er eine Ausbildung zum Erzieher. &#8222;Er bringt Ideen ein, ist verl\u00e4sslich und arbeitet mit Leidenschaft&#8220;, sagt Einrichtungsleiterin Caroline Lohse \u00fcber Khorto. Sie begleitet ihn bereits seit f\u00fcnf Jahren. &#8222;Wir sind froh, dass er nach seiner Ausbildung geblieben ist.&#8220;<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Ich durfte nur in D\u00f6rfern und St\u00e4dten unterrichten, in denen Jesiden leben und zur Schule gehen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Shivan Khorto ist Jeside und geh\u00f6rt damit einer ethnisch-religi\u00f6sen Minderheit an. Im Nordirak werden religi\u00f6se Minderheiten &#8211; besonders Jesidinnen und Jesiden &#8211; massiv ausgegrenzt und diskriminiert. Das hat Khorto auch als Lehrer erlebt. In Schulen mit muslimischen Sch\u00fclern wurde ihm untersagt, zu unterrichten. Obwohl er Mathe und Geschichte lehrte und nicht Religion. <\/p>\n<p>\nGenozid an den Jesidinnen und Jesiden\n<\/p>\n<p>Am 3. August 2014 \u00fcberfielen IS-Terroristen die Sindschar-Region im Nordirak. Laut Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung wurden dabei rund 5.000 Menschen get\u00f6tet und etwa 7.000 verschleppt. Frauen und M\u00e4dchen seien Opfer von sexueller Gewalt und systematischer Vergewaltigungen geworden. Anfang 2023 erkannte der Bundestag die Verbrechen des Islamischen Staats an den Jesidinnen und Jesiden als V\u00f6lkermord an.<\/p>\n<p>Flucht vor Islamisten nach Deutschland<\/p>\n<p>Als die IS-Milizen damals n\u00e4her r\u00fcckten, konnte Khorto mit seiner Ehefrau Rana und ihrem ersten Kind aus seinem jesidischen Heimatdorf Khanke fl\u00fcchten. Khanke ist eine Stadt in der irakischen Provinz Dahuk und war ein sogenanntes &#8222;Modelldorf&#8220; f\u00fcr Jesidinnen und Jesiden, das unter Saddam Hussein in den 1980er Jahren am Rei\u00dfbrett entstand. Bis 1987 wurden die Bewohner aus 14 jesidischen D\u00f6rfern vertrieben und nach Khanke umgesiedelt.<\/p>\n<p>Seit 1999 wird die jesidische Bev\u00f6lkerung immer wieder vertrieben und stattdessen arabische Muslime an den Orten angesiedelt. Nach der Massenflucht der Jesidinnen und Jesiden aus der Sindschar-Region wurde in Khanke ein aus Zelten bestehendes Fl\u00fcchtlingslager errichtet. Dort leben die Gefl\u00fcchteten bis heute unter erb\u00e4rmlichen Bedingungen, weil es sonst keine Perspektive gibt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1754226627237,jesiden-aufenthalt-verfolgung-100~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae287afdcd877.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: privat\" alt=\"Familie Khorto ist aus dem Nordirak nach Deutschland geflohen. Sie geh\u00f6ren den Jesiden an - einer verfolgten Minderheit.\" title=\"Familie Khorto ist aus dem Nordirak nach Deutschland geflohen. Sie geh\u00f6ren den Jesiden an - einer verfolgten Minderheit. (Foto: privat)\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>Familie Khorto ist aus dem Nordirak nach Deutschland geflohen. Sie geh\u00f6ren den Jesiden an &#8211; einer verfolgten Minderheit.<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nprivat<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Befristeter Aufenthalt in Deutschland &#8211; ein Leben in der Warteschleife<\/p>\n<p>Vor elf Jahren gelang Shivan Khorto die Flucht \u00fcber die T\u00fcrkei nach Deutschland. Damals fl\u00fcchteten auch viele andere Jesidinnen und Jesiden in die Bundesrepublik. Mittlerweile leben hier sch\u00e4tzungsweise rund 230.000 Mitglieder der Minderheit. Damit gibt es hierzulande die gr\u00f6\u00dfte jesidische Diaspora Europas. <\/p>\n<p>Khortos Ehefrau Rana macht zurzeit eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, zwei der drei Kinder sind hier geboren. Doch die f\u00fcnfk\u00f6pfige Familie lebt in der Ungewissheit, ob sie hierbleiben darf. Sie haben eine Aufenthaltserlaubnis, die alle zwei Jahre verl\u00e4ngert werden muss. Doch Termine bei der Stuttgarter Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde sind rar. &#8222;Ein Leben in der Warteschleife&#8220;, erkl\u00e4rt Khorto. <\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Wir haben immer Angst, wieder in den Nordirak abgeschoben zu werden. Das ist eine schwierige Situation, das l\u00e4sst uns keine Ruhe. Wenn wir in Angst leben, sp\u00fcren das auch unsere Kinder.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Erst vor kurzem wurde seine Aufenthaltserlaubnis wieder um zwei Jahre verl\u00e4ngert. Doch auf diesen Termin wartete Shivan Khorto monatelang, trotz abgelaufener Aufenthaltsfrist.<\/p>\n<p>Um weiter in der Albschule arbeiten zu k\u00f6nnen, erhielt er eine sogenannte Fiktionsbescheinigung. Ein Dokument, das eine Abschiebung aussetzt, bis \u00fcber eine Verl\u00e4ngerung des Aufenthaltstitels entschieden wird. Wie viele Jesidinnen und Jesiden in Deutschland Probleme mit Aufenthaltstiteln haben, ist nicht bekannt. <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/zehn-jahre-genozid-jesiden-irak-bw-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Eine \u00dcberlebende erz\u00e4hlt - Zehn Jahre nach Genozid an Jesiden im Irak: &quot;Ich habe jede Nacht Albtr\u00e4ume&quot; \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nur die etwa 1.100 Jesidinnen und ihre Kinder, die 2014\/2015 in einem Sonderkontingent nach Baden-W\u00fcrttemberg ausgeflogen wurden, haben einen gesicherten Schutzstatus.<\/a><\/p>\n<p>Weilheim<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/jeside-irak-abschiebung-arbeitsplatz-100.html\" title=\"Jeside soll zur\u00fcck in den Irak - Abschiebung trotz Job: Wie eine B\u00e4ckerei-Chefin aus Weilheim um ihren Angestellten k\u00e4mpft\" class=\"teasertracking clickzone link\" role=\"presentation\" tabindex=\"-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1749222366511,chefin-mitarbeiter-baeckerei-100~_v-16x9@2dXS_-b9bac15fe0af001f663131e7814653aed0ad716.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: SWR\" alt=\"Eve Sigel von der B\u00e4ckerei Scholderbeck in Weilheim und Mitarbeiter Faisal K.\" title=\"Eve Sigel von der B\u00e4ckerei Scholderbeck in Weilheim und Mitarbeiter Faisal K. (Foto: SWR)\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/jeside-irak-abschiebung-arbeitsplatz-100.html\" title=\"Jeside soll zur\u00fcck in den Irak - Abschiebung trotz Job: Wie eine B\u00e4ckerei-Chefin aus Weilheim um ihren Angestellten k\u00e4mpft\" class=\"teasertracking clickzone link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\nJeside soll zur\u00fcck in den Irak<br \/>\nAbschiebung trotz Job: Wie eine B\u00e4ckerei-Chefin aus Weilheim um ihren Angestellten k\u00e4mpft<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/jeside-irak-abschiebung-arbeitsplatz-100.html\" title=\"Jeside soll zur\u00fcck in den Irak - Abschiebung trotz Job: Wie eine B\u00e4ckerei-Chefin aus Weilheim um ihren Angestellten k\u00e4mpft\" class=\"teasertracking clickzone link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Der Jeside Faisal K. soll zur\u00fcck in den Irak. Seine Arbeitgeberin will ihn aber unbedingt im Betrieb halten. Es gibt aber auch Sorgen um seine Sicherheit im Irak.\n<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p class=\"broadcastinfo\">\n<p>Do.5.6.2025<br \/>\n19:30 Uhr<\/p>\n<p>SWR Aktuell Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p>SWR BW<\/p>\n<p>Viele Jesiden sind von Abschiebung bedroht &#8211; trotz Verfolgung im Nordirak<\/p>\n<p>Viele Jesidinnen und Jesiden sind in Deutschland von Abschiebung bedroht. Die nordirakische Regierung will, dass sie wieder in ihre Heimatd\u00f6rfer zur\u00fcckkehren. Doch die Lage ist angespannt und im Nordirak werden Jesidinnen und Jesiden weiter von Islamisten verfolgt. Auch in Khanke f\u00fchlen sie sich nach wie vor von &#8222;orthodoxen&#8220; Muslimen aus der Umgebung bedroht. Sie wissen nicht, wer von ihnen einst mit dem IS gek\u00e4mpft hat und wem sie trauen k\u00f6nnen. Islamisten halten Jesidinnen und Jesiden f\u00fcr Ungl\u00e4ubige, erkl\u00e4rt Psychologe und Orient-Experte Jan Ilhan Kizilhan, der regelm\u00e4\u00dfig in den Nordirak reist und traumatisierte Jesiden behandelt. Sie werden bedroht und von Muslimen diskriminiert, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Die Bedrohung ist konkret. (\u2026) Je radikaler sie sind, desto mehr glauben sie, dass Jesiden nicht das Recht haben, dort zu leben. Wenn Sie pro-islamistisch sind, die Ideen der IS weitertragen, dann gehen sie noch st\u00e4rker gegen Jesiden vor.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Seit zehn Jahren lebt Shivan Khorto in Deutschland und k\u00e4mpft darum, hier dauerhaft und in Sicherheit leben zu k\u00f6nnen. &#8222;Wir tun seit 2015 alles, um uns in Deutschland zu integrieren.&#8220; <\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Wir lernen deutsch, machen eine Ausbildung und arbeiten. Das gef\u00e4llt uns und so machen wir weiter. Aber wir brauchen auch Sicherheit.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sch\u00e4tzungsweise 230.000 Jesiden leben in Deutschland. Obwohl sie im Nordirak verfolgt werden, k\u00f6nnen sie abgeschoben werden. 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