{"id":316018,"date":"2025-08-03T14:42:12","date_gmt":"2025-08-03T14:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316018\/"},"modified":"2025-08-03T14:42:12","modified_gmt":"2025-08-03T14:42:12","slug":"kommt-das-ende-des-lenin-kults-in-putins-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316018\/","title":{"rendered":"Kommt das Ende des Lenin-Kults in Putins Russland?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.08.2025 16:31 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Das Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz ist zu und soll erst in zwei Jahren wieder \u00f6ffnen. Doch manche wollen es gleich ganz schlie\u00dfen. Selbst Russlands Pr\u00e4sident Putin wirft Lenin nun Fehler vor &#8211; wegen dessen Ukraine-Politik.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/frank-aischmann-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Frank Aischmann, MDR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/aischmann-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Besuch bei Lenin beginnt ganz hinten in einer etwa 100 Meter langen Schlange. Rechts, jenseits der Grasb\u00f6schung, steht die Kremlmauer, links das Backsteingeb\u00e4ude des Historischen Museums, und nach vorn geht der Blick \u00fcber das leicht ansteigende Pflaster \u00fcber den Roten Platz hinweg zu den T\u00fcrmen der Basiliuskathedrale.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnter den Wartenden sind ausl\u00e4ndische Touristen klar in der Minderheit. Nach best\u00e4ndigem Vorr\u00fccken und einer dreiviertel Stunde Sicherheitskontrolle an drei parallelen Metalldetektoren ist man bei Lenin angekommen. Taschen und Rucks\u00e4cke sind verboten im umz\u00e4unten Areal.\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDirekt an der Kremlmauer entlang f\u00fchrt der Weg hinter das markante, von Paraden bekannte, mit dunkelrotem und schwarzen Granit verkleidete Mausoleum des Revolution\u00e4rs und Begr\u00fcnders der Sowjetunion. Dann links vorbei zum Eingang, hinein in einen schwarz ausgekleideten Vorraum, dem sich sofort karg beleuchtete Treppen anschlie\u00dfen. Auf jedem Absatz ein Uniformierter, der sofort loszischt, wenn man stehen bleibt oder gar das Handy z\u00fccken will.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Am letzten Tag vor seiner Schlie\u00dfung stehen die Menschen vor dem Lenin-Mausoleum in Moskau Schlange.\n                    <\/p>\n<p>    Seit 1924 einbalsamiert und aufgebahrt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErlaubt, wenn man die k\u00fchle Trauerhalle betritt, sind nur zwei Dinge: immer weitergehen und schnell nach links in den gl\u00e4sernen Sarkophag schauen. Schwach warm angestrahlt, ist darin der w\u00e4chsern wirkende Lenin aufgebahrt, im dunklen Anzug und mit dem markanten r\u00f6tlichen Bart am Kinn.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKeine Minute vergeht, dann f\u00fchrt der Weg auch schon treppauf aus dem Mausoleum und zu den Gr\u00e4bern an der Kremlmauer. Leonid Breschnjew, Jurij Gagarin, Stalin, Clara Zetkin, in- und ausl\u00e4ndische Kommunisten, Helden der Sowjetunion, fr\u00fchere politische und Milit\u00e4rf\u00fchrer &#8211; z\u00e4hlt man die Einzelgr\u00e4ber und Urnen zusammen, sind hier seit 1917 mehr als 120 Menschen bestattet worden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZur\u00fcck auf dem turbulenten Roten Platz bleibt das unwirkliche Gef\u00fchl, gerade einen Toten gesehen zu haben, der sich &#8211; nach seinem Tod 1924 einbalsamiert und seither regelm\u00e4\u00dfig behandelt &#8211; \u00e4u\u00dferlich in Bestform befindet.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Im Mausoleum und um das Mausoleum herum herrschen strenge Regeln &#8211; nichts soll den vorgegebenen Ablauf eines Besuchs st\u00f6ren.\n                    <\/p>\n<p>    Russisch-orthodoxe Kirche will Abriss des Mausoleums<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAllerdings: Seit Ende Juli ist es vorbei mit dem Besuch bei Lenin. Wegen umfassender Sanierungsarbeiten bleibt das Mausoleum geschlossen &#8211; bis 2027. Geht es nach der russisch-orthodoxen Kirche, w\u00fcrde das auch nach den zwei Jahren so bleiben. Sie trommelt seit dem Ende der Sowjetunion mehr oder weniger laut f\u00fcr die ordentliche Beisetzung Lenins, f\u00fcr ein Ende des Kultes um den Diktator &#8211; und f\u00fcr den Abriss des Mausoleums. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Es muss vielleicht nicht komplett zerst\u00f6rt werden, man k\u00f6nnte es irgendwo weit entfernt vom Zentrum wieder aufbauen, als Museum. Zur Mahnung an unsere Nachkommen, welche ungeheuren Formen \u00a0eine falsche Religiosit\u00e4t annehmen kann&#8220;, sagt der orthodoxe Priester Alexander Timofejew in einem Dokumentarfilm, der Ende Juni in Moskau Kino-Premiere feierte. Aber einen Platz im Zentrum Russlands an der Kremlmauer d\u00fcrfe es nicht haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn &#8222;Die Mumie&#8220; hat Filmautor Andrej Afanassjew alles zusammengetragen, was f\u00fcr die Schlie\u00dfung des Mausoleums spricht. Produziert und seit der Ver\u00f6ffentlichung immer wieder ausgestrahlt wurde der Film von SPAS, dem Fernsehsender der russisch-orthodoxen Kirche.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Stalin (links) war der Begr\u00fcnder des Lenin-Kults in der damaligen Sowjetunion &#8211; auch, um sich als legitimer Nachfolger des Begr\u00fcnders der UdSSR zu profilieren.\n                    <\/p>\n<p>    Lenin-Kult als Glaubensersatz?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm das Bauwerk des Architekten Alexej Schtschussew ranken sich Verschw\u00f6rungsmythen: Angeblich gleiche es einer okkulten, ja satanischen St\u00e4tte oder einem heidnischen Tempel. Im Film selbst erkl\u00e4rt der Autor: &#8222;Nach dem Tod Lenins wurde sein Kult in der Sowjetunion zu einer der Grundlagen der sowjetischen Ideologie. Lenin wurde\u00a0als quasi-\u00dcbermensch dargestellt, der auf die Erde gekommen sei, um dem sowjetischen Volk den Weg zum ewigen Gl\u00fcck zu \u00f6ffnen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einem popul\u00e4ren sowjetischen Lied habe es gehei\u00dfen: &#8222;Lenin\u00a0ist immer lebendig, Lenin\u00a0ist immer mit dir, Lenin\u00a0ist in deinem Fr\u00fchjahr, in jedem gl\u00fccklichen Tag, Lenin\u00a0ist in dir und in mir.&#8216; Solche Worte zeigten, dass es im atheistischen Staat nicht um die Abschaffung des Glaubens ging, sondern um seinen Ersatz.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLenins Bolschewiki bek\u00e4mpften die Kirche mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t, sahen in ihr die St\u00fctze des alten, reaktion\u00e4ren Regimes. Kirchenbesitz wurde enteignet, Kirchen entweiht, Geistliche verfolgt und get\u00f6tet. Das scheint ebensowenig aufgearbeitet zu sein wie der Fakt, dass Lenin w\u00e4hrend und nach der Oktoberrevolution gezielt Terror und Massenerschie\u00dfungen zum Machterhalt einsetzten lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn aktuellen Umfragen\u00a0zur wichtigsten Pers\u00f6nlichkeit aller Zeiten liegt Lenin seit Jahren stabil auf Platz drei &#8211; hinter Pr\u00e4sident Wladimir Putin und, mit weitem Vorsprung, Diktator Josef Stalin.\u00a0<\/p>\n<p>    Putin, Lenin und die Ukraine<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWird Wladimir Iljitsch Uljanow, wie Lenin mit b\u00fcrgerlichem Namen hie\u00df, tats\u00e4chlich umgebettet und beigesetzt? Im heutigen Russland hei\u00dft die entscheidende Frage: Was denkt der Pr\u00e4sident dar\u00fcber? Der sagte im vergangenem Dezember: &#8222;Was die Bestattung von Lenins Leichnam angeht: Vielleicht kommt die Gesellschaft irgendwann dazu. Aber heute, gerade heute d\u00fcrfen wir in Russland keinen Schritt tun, der unsere Gesellschaft spalten w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm heutigen Russland, das hei\u00dft: Im Land, das seit mehr als drei Jahren Krieg gegen die Ukraine f\u00fchrt, und dessen F\u00fchrung im Inneren eine Hinwendung zu traditionellen Werten zelebriert. Seit Kriegsbeginn jedenfalls arbeitet Putin Lenin nicht mehr als den stolzen Gr\u00fcnder der Sowjetunion heraus, sondern als Staatsmann, der einen gro\u00dfen Fehler gemacht habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo sagte Putin etwa im Februar vergangenen Jahres im <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/putin-interview-108.html\" title=\"Carlson interviewt Russlands Pr\u00e4sidenten: Die Putin-Verstehen-Show\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit dem ultrakonservativen US-Kommentator Tucker Carlson<\/a>: &#8222;Die sowjetische Ukraine hat riesige Territorien bekommen, die nichts mit ihr zu tun hatten. Vor allem die n\u00f6rdliche Schwarzmeerk\u00fcste.\u00a0Die\u00a0hatte Russland infolge der russisch-t\u00fcrkischen Kriege gewonnen.\u00a0Lenin, der Gr\u00fcnder des sowjetischen Staates, hat so die Ukraine geschaffen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas m\u00f6gen Historiker anders sehen, die Beisetzung Lenins jedenfalls hat Putin nicht vorangetrieben. Es ist unwahrscheinlich, dass der Dokumentarfilm eines Kirchensenders daran etwas \u00e4ndern wird: Die endg\u00fcltige Schlie\u00dfung des Lenin-Mausoleums gilt in Russland einfach nicht als wichtiges Thema.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch wenn bei der Filmpremiere von &#8222;Die Mumie&#8220; Vater Iossif vom vielleicht bekanntesten M\u00e4nnerkloster Russlands die Verbindung vom einbalsamierten Lenin zum nicht enden wollenden Krieg gegen die Ukraine zog: &#8222;Unser geistiger Beistand im Kloster von Optina Pustyn hat mehrmals gesagt, dass der Leichnam Lenins und das Mausoleum die geistige Atmosph\u00e4re bei uns vergiften.&#8220; Und jetzt habe Lenin Russland sogar an einem Sieg gegen die Ukraine gehindert.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Lenin-Denkm\u00e4ler gibt es \u00fcberall in Russland &#8211; wie hier bei einem Schwimmbad in St. Petersburg. Doch im Lichte des Ukraine-Krieges wird das Erbe Lenins umgedeutet.\n                    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.08.2025 16:31 Uhr Das Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz ist zu und soll erst in zwei Jahren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":316019,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,90365,14,15,111,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-316018","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-lenin","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-putin","15":"tag-russia","16":"tag-russian-federation","17":"tag-russische-foederation","18":"tag-russland","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114965364548842723","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=316018"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316018\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/316019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=316018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=316018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=316018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}