{"id":316033,"date":"2025-08-03T14:50:16","date_gmt":"2025-08-03T14:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316033\/"},"modified":"2025-08-03T14:50:16","modified_gmt":"2025-08-03T14:50:16","slug":"drusische-community-in-deutschland-in-sorge-vor-entwicklung-in-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316033\/","title":{"rendered":"Drusische Community in Deutschland in Sorge vor Entwicklung in Syrien"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.08.2025 14:30 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der Waffenstillstand in der syrischen Provinz Suwaida gilt als br\u00fcchig. Die drusische Community in Deutschland blickt mit Sorge auf die Situation in Syrien &#8211; und sorgt sich vor Bedrohungen auch in Deutschland.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/siegel-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Fabian Siegel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/siegel-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRyyan Alshebl gilt f\u00fcr viele als Musterbeispiel f\u00fcr gelungene Integration. 2015 ist er von Syrien nach Deutschland geflohen, 2023 wurde der Gr\u00fcnen-Politiker erster syrischst\u00e4mmiger B\u00fcrgermeister in einer deutschen Stadt &#8211; dem baden-w\u00fcrttembergischen Ostelsheim. Mit dieser Geschichte ist er gern gesehener Gast in deutschen Talkshows.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass er Druse ist &#8211; das spielte bisher in seinem Leben eigentlich nie eine Rolle. &#8222;Ich w\u00fcrde mich nach wie vor nicht als &#8218;religi\u00f6s&#8216; bezeichnen&#8220;, sagt Alshebl. Stattdessen gehe es f\u00fcr ihn vielmehr darum, dass Freunde, Verwandte und Familie in Syrien gerade einer gro\u00dfen Gefahr ausgesetzt seien. Deshalb engagiert er sich seit Beginn des Konflikts zwischen Drusen und Islamisten in Syrien f\u00fcr die drusische Community. Er versucht, seine Kontakte in die Politik zu nutzen, damit endlich etwas passiert.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ryyan Alshebl ist seit 2023 Deutschlands erster syrischst\u00e4mmiger B\u00fcrgermeister.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch bisher seien die Reaktionen ern\u00fcchternd. In der Provinz Suwaida, dem traditionellen Siedlungsgebiet der Drusen, kommt es seit Monaten zu Spannungen zwischen bewaffneten lokalen islamistischen Gruppen und den Drusen. Die Drusen verstehen sich als eigenst\u00e4ndige Religionsgemeinschaft und galten lange Zeit als neutral, auch gegen\u00fcber dem Assad-Regime, das sich gerne als Sch\u00fctzer der Minderheiten im Kampf gegen Islamisten pr\u00e4sentierte. Zwar wurde zuletzt ein br\u00fcchiger <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/syrien-waffenruhe-148.html\" title=\"K\u00e4mpfe in Syrien: H\u00e4lt die Waffenruhe?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Waffenstillstand<\/a> vereinbart, doch immer wieder kommt es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p>    Auch Drusen in Deutschland haben Angeh\u00f6rige verloren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFedaa Aldebal aus Stuttgart hat Familie in der betroffenen Region &#8211; in den Gewaltausbr\u00fcchen hat er Cousinen und Cousins verloren, Freunde und Bekannte. Mit den \u00dcberlebenden in der Region Suwaida steht er mit dem Handy in Kontakt. &#8222;Niemand darf rein, niemand darf raus, Lebensmittel d\u00fcrfen nicht rein, Medizin darf nicht rein, das Krankenhaus ist jetzt in wirklich gro\u00dfer Not, viele Patienten bekommen ihre Medikamente nicht&#8220;, berichtet er von den Schilderungen vor Ort. Hinrichtungen, Entf\u00fchrungen und Vergewaltigungen seien an der Tagesordnung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAldebal beobachtet in Syrien einen tiefen Hass gegen die Drusen. Zum einen l\u00e4ge das an der Weigerung, neben den Dschihadisten gegen Assad zu k\u00e4mpfen. &#8222;Wir haben gesagt, wir t\u00f6ten nicht unsere syrischen Br\u00fcder, egal auf welcher Seite sie stehen, sondern verteidigen nur unsere eigene Region&#8220;, sagt er. Das sei den Dschihadisten ein Dorn im Auge gewesen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAu\u00dferdem gebe es tief verwurzelte Vorurteile. &#8222;Es gibt Gegenden, vor allem in Idlib, wo die Islamisten sehr stark vertreten sind und viele Kinder mit dem Weltbild aufwachsen: Die Drusen sind schlimme Menschen und die geh\u00f6ren get\u00f6tet&#8220;, sagt er. Dies sp\u00fcrten seine Verwandten in Suwaida Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMoueen Al Maaz hat 2022 den Verein &#8222;Drusen in Deutschland&#8220; gegr\u00fcndet, um die Interessen der rund 10.000 in Deutschland lebenden Drusen st\u00e4rker in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. Dies sei jetzt wichtiger denn je: &#8222;Im Schatten geopolitischer Interessen, sektiererischer Gewalt und staatlicher Gleichg\u00fcltigkeit droht eine der \u00e4ltesten religi\u00f6sen Minderheiten des Nahen Ostens ausgel\u00f6scht zu werden&#8220;, sagt er. Und das, obwohl er wie viele Drusen die Hoffnung gehabt habe, dass nach dem Ende des B\u00fcrgerkrieges alles besser werde.<\/p>\n<p>    &#8222;Syrien war nicht immer religi\u00f6s gepr\u00e4gt&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir haben uns alle gefreut, als das Assad-Regime gest\u00fcrzt wurde&#8220;, sagt auch B\u00fcrgermeister Alshebl in Ostelsheim. Man habe geglaubt, nach 50 Jahren Unterdr\u00fcckung werde jetzt alles besser &#8211; eine Einsch\u00e4tzung, die sich leider als naiv erwiesen habe. &#8222;Es ist erschreckend, wie leicht es Menschen haben, Antriebe zu finden, sich gegenseitig zu bekriegen&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die drusische Community sei gespalten gewesen &#8211; zwischen denen, die mit der neuen Regierung Verhandlungen aufnehmen m\u00f6chten und auch bereit seien, Zugest\u00e4ndnisse zu machen. Und denen, die zu den Waffen greifen wollen &#8211; zur Selbstverteidigung. &#8222;Diese zweite Str\u00f6mung hat sich beinahe komplett durchgesetzt.&#8220; Diese f\u00fchre zu der Frage, ob die drusische Gemeinschaft \u00fcberhaupt weiterhin Teil des syrischen Staates sein will.<\/p>\n<p>    Minderheiten seien gegeneinander ausgespielt worden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie aktuellen Entwicklungen sind in Alshebls Augen die Folge von 50 Jahren Politik durch Assad und seinen Vater, die trotz der anderen Au\u00dfendarstellung darauf ausgelegt gewesen sei, Minderheiten gegeneinander auszuspielen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei habe Religion in Syrien lange keine Rolle gespielt. Bei der Revolution gegen die franz\u00f6sischen Kolonialisten 1925, die sogar aus Suwaida hervorgegangen sei, sei es um ein b\u00fcrgerliches Bild eines gemeinsamen Syriens gegangen. &#8222;Religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit hat damals eigentlich keine Rolle gespielt.&#8220; Drusen seien zu pr\u00e4genden Figuren der Revolution aufgestiegen, w\u00e4hrend sie heute von anderen syrischen Gruppen als Verr\u00e4ter abgestempelt w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGanz anders jetzt: Auch die neue Regierung setze auf den religi\u00f6sen Konflikt, auf die Unterdr\u00fcckung von Minderheiten &#8211; und die Welt schaue zu. Alshebl ist mittlerweile der Auffassung, je l\u00e4nger die aktuelle Regierung im Amt sei, desto schwieriger werde es f\u00fcr Syrien, sich zu erholen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr habe an die deutsche Botschaft geschrieben, an den Ausw\u00e4rtigen Ausschuss des Bundestages &#8211; passiert sei wenig. &#8222;Ich habe manchmal den Eindruck, die Bundesregierung sieht bewusst weg&#8220;, beschreibt er seine Erfahrungen. Denn zu viel stehe auf dem Spiel, potenzielle Fl\u00fcchtlingsabkommen mit der neuen syrischen Regierung etwa.<\/p>\n<p>    Auch Bedrohungen in Deutschland nehmen zu<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAufgeben will Alshebl nicht. &#8222;Wir machen weiter mit unserer Lobbyarbeit, die wir angefangen haben. Aber jetzt klar mit niedrigerer Erwartungshaltung&#8220;, sagt er. Ganz entscheidend sei, dass die humanit\u00e4re Lage in Suwaida verbessert werde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Verein der Drusen in Deutschland hat daf\u00fcr eine Kundgebung in Stuttgart organisiert. Auch wenn die Angst gro\u00df ist, dass es Drohungen oder \u00dcbergriffe durch Anh\u00e4nger der Islamisten gibt &#8211; wie zuletzt bei \u00e4hnlichen Veranstaltungen in Berlin oder D\u00fcsseldorf. &#8222;Die einzige Hemmung, die diese Menschen noch haben, ist die Angst vor dem Deutschen Rechtsstaat&#8220;, sagt Alshebl. Auch wenn er nicht sicher ist, ob das so bleibt. Trotzdem will er sich weiter f\u00fcr die Belange der drusischen Community einsetzen &#8211; ob er sich nun als religi\u00f6s bezeichnet oder nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.08.2025 14:30 Uhr Der Waffenstillstand in der syrischen Provinz Suwaida gilt als br\u00fcchig. 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