{"id":316957,"date":"2025-08-03T23:42:16","date_gmt":"2025-08-03T23:42:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316957\/"},"modified":"2025-08-03T23:42:16","modified_gmt":"2025-08-03T23:42:16","slug":"berlin-brutaler-sparkurs-trotz-hoeherer-schulden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/316957\/","title":{"rendered":"Berlin: Brutaler Sparkurs trotz h\u00f6herer Schulden"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl sich Berlins Schuldenstand von derzeit 68 Milliarden Euro bis Ende 2027 auf etwa 76 Milliarden Euro erh\u00f6ht, halten die Regierungsparteien CDU und SPD an ihrer rigorosen Sparpolitik fest.<\/p>\n<p>Der Haushaltsentwurf f\u00fcr die Jahre 2026 und 2027, den der Berliner Senat k\u00fcrzlich vorgestellt hat, sieht im kommenden Jahr Ausgaben von 43,8 Milliarden Euro und 2027 von voraussichtlich 44,6 Milliarden vor. Nach der Sommerpause wird der Haushalt im Abgeordnetenhaus beraten und soll bis Ende des Jahres verabschiedet werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/8e59dedc-f0c4-473c-863b-f92c5c350415\" style=\"max-height:100%\"\/>Lehrerinnen und Lehrer protestieren gegen K\u00fcrzungen in Berlin, 05.12.2024<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich waren f\u00fcr 2026 Ausgaben von maximal 40 Milliarden Euro geplant. M\u00f6glich wird die Erh\u00f6hung durch einen neuen Kreditrahmen, den der Bund geschaffen hat. Damit k\u00f6nnen die Bundesl\u00e4nder Schulden in H\u00f6he von 0,35 Prozent des BIP und, abh\u00e4ngig von der Entwicklung der Wirtschaftslage, weitere Kredite dar\u00fcber hinaus aufnehmen. Zus\u00e4tzlich werden Transaktionskredite zu Gunsten der Landesunternehmen aufgenommen, die nicht unter die Schuldenbremse fallen. Diese allein belaufen sich auf rund 2,5 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>CDU und SPD versuchen \u00f6ffentlichkeitswirksam, die Erh\u00f6hung im Haushalt als Ende der Sparpolitik darzustellen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh erkl\u00e4rte vollmundig, es gebe Bereiche, in denen man nicht spare. \u201eZum Beispiel bei der Frage der Belastbarkeit der Menschen\u201c, so Saleh. Er sei stolz, dass f\u00fcr Kinder kostenlose Kitas, Horte und Fahrkarten im Nahverkehr bleiben w\u00fcrden. Er habe immer gesagt: \u201eMit mir wird es keinen sozialen Kahlschlag geben.\u201c<\/p>\n<p>Das ist eine dreiste und offensichtliche L\u00fcge. Allein in diesem Jahr wurden 3 Milliarden Euro eingespart. Die K\u00fcrzungen betreffen vor allem die Bereiche Bildung, Soziales und Kultur. Seit Ende des letzten Jahres kommt es immer wieder zu Protesten gegen die rabiate Sparpolitik. Und obwohl der Haushalt noch nicht formal verabschiedet ist, steht au\u00dfer Frage, dass diese brutale K\u00fcrzungspolitik fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>Laut Finanzsenator Stefan Evers (CDU), der die Sparma\u00dfnahmen f\u00fcr dieses Jahr ma\u00dfgeblich mit auf den Weg brachte, beruht die Erh\u00f6hung des Haushalts ausschlie\u00dflich auf \u201e\u00fcbergeordneten Zw\u00e4ngen\u201c. Er f\u00fchrte vor allem gestiegene Personalkosten ins Feld. Tats\u00e4chlich steigen diese nur unwesentlich von 12,9 (2025) auf 13,1 (2026) Milliarden.<\/p>\n<p>\u201eWir werden alle weiter sparen m\u00fcssen. Das geschieht auch mit diesem Haushalt\u201c, so Evers. Das Land befinde sich \u201ein einer extrem angespannten Haushaltslage\u201c. Er machte deutlich, dass die beschlossenen K\u00fcrzungen bestehen bleiben und weitere folgen werden. Der Haushalt schreibe den Konsolidierungspfad fort und Einzelheiten w\u00fcrden in den Fachabteilungen festgelegt, so Evers.<\/p>\n<p>Er bezeichnete die Lage des Landes Berlin und der Bezirke als \u201eAlarmsignal\u201c und verband dies mit einem \u201eAppell an die Bundesebene\u201c. N\u00f6tig sei eine Reform des Sozialstaats, forderte Evers, wobei er unter \u201eReform\u201c eine weitere Versch\u00e4rfung des ohnehin von der Bundesregierung geplanten Sozialabbaus versteht.<\/p>\n<p>Wie die weiteren K\u00fcrzungen aussehen sollen, deutete Bildungssenatorin Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch (CDU) an. Sie fordert, das kostenfreie Schulessen und das Sch\u00fclerticket f\u00fcr den \u00d6ffentlichen Nahverkehr zu streichen. F\u00fcr diese \u201eKostenlosmentalit\u00e4t\u201c gebe das Land pro Jahr insgesamt rund eine halbe Milliarde Euro aus, sagte die Senatorin.<\/p>\n<p>Diesen unversch\u00e4mten Angriff, der gerade Kinder aus sozial schwachen Familien treffen w\u00fcrde, begr\u00fcndete sie damit, dass Grundschulkinder ihr Sch\u00fclerticket nur selten br\u00e4uchten und angeblich etwa ein Drittel des kostenfreien Schulessens im Abfall lande.<\/p>\n<p>Auch die Einsparungen im Kulturbereich, die zu beispiellosen Einschnitten im kulturellen Leben der Hauptstadt f\u00fchren, werden fortgesetzt. Das Budget bleibt auf dem gek\u00fcrzten Niveau von weniger als einer Milliarde Euro pro Jahr. Wohl wissend, dass dies weitere Kultureinrichtungen zur Aufgabe zwingen wird, erkl\u00e4rte Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos), man habe \u201edas Maximum herausgeholt\u201c.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Jugendeinrichtungen in Berlin wird die L\u00f6hne f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten nicht wie erwartet erh\u00f6hen k\u00f6nnen. In einem Schreiben teilte die Senatsjugendverwaltung den freien Tr\u00e4gern mit, dass sie lediglich die Mittel erhalten, um die Geh\u00e4lter um zwei Prozent zu erh\u00f6hen und nicht um 5,5 Prozent wie seit Februar im \u00d6ffentlichen Dienst.<\/p>\n<p>Landesjugendring-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Tilmann Weickmann erkl\u00e4rte gegen\u00fcber dem rbb, dass die Einrichtungen nun vor der Entscheidung stehen, entweder das Personal zu reduzieren und es nach Tarif zu bezahlen oder das bestehende Personal unter Tarif zu bezahlen.<\/p>\n<p>Wie schon in diesem Jahr wird dagegen die innere Aufr\u00fcstung weiter vorangetrieben und gro\u00dfz\u00fcgig finanziert. 2026 sollen allein f\u00fcr die Sanierung von Polizeidienststellen 57,9 Millionen Euro bereitstehen. Das sind \u00fcber 40 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Im Vergleich dazu erhalten die teilweise v\u00f6llig maroden Feuerwachen im kommenden Jahr lediglich 10,2 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Auch die Video\u00fcberwachung der Polizei wird in den n\u00e4chsten zwei Jahren f\u00fcr mindestens 4 Millionen Euro ausgebaut. Noch einmal 4 Millionen Euro pro Jahr soll es f\u00fcr die Video\u00fcberwachung sogenannter \u201ekriminalit\u00e4tsbelasteter Orte\u201c geben. Um welche es sich dabei handelt, lie\u00df Innensenatorin Iris Spranger (SPD) offen.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Weitere 1,6 Millionen Euro erhalten die Polizeibeh\u00f6rden f\u00fcr Drohnen, die bei Demonstrationen zum Einsatz kommen sollen. Die Landesregierung ist sich offensichtlich bewusst, dass ihr rabiater Sparkurs zu Protesten f\u00fchren wird. Diese sollen mit allen Mitteln unterdr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p>Der Sparkurs der Landesregierung f\u00e4llt mit bevorstehenden K\u00fcrzungen und Entlassungen bei Unternehmen zusammen. Berlin exportiert j\u00e4hrlich G\u00fcter im Wert von rund 1,59 Milliarden Euro in die USA, wie die industriepolitische Sprecherin der Berliner Gr\u00fcnen, Tuba Bozkurt, angesichts der j\u00fcngsten Zollvereinbarung von US-Pr\u00e4sident Trump und EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen erkl\u00e4rte. Zur\u00fcck k\u00e4men Importe f\u00fcr rund eine Milliarde. \u201eF\u00fcr Berlin ist die Rechnung bitter\u201c, so Bozkurt.<\/p>\n<p>Laut dem Unternehmerverband Berlin-Brandenburg (UVB) verzehnfachen sich die Exportkosten mit dem vereinbarten Basiszoll von 15 Prozent. \u201eDaher m\u00fcssen die Unternehmen jetzt noch effizienter produzieren, um diese Kosten zu kompensieren\u201c, so UVB-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Sven Weickert.<\/p>\n<p>Vor allem angesichts der im n\u00e4chsten Jahr stattfindenden Landtagswahl in Berlin versuchen die Regierungsparteien, Schadensbegrenzung zu betreiben. In den Umfragen aus dem Juni verliert die CDU, bleibt aber mit 25 Prozent st\u00e4rkste Kraft. Der Koalitionspartner SPD liegt nur bei 14 Prozent und damit hinter den Gr\u00fcnen (15 Prozent) und nur knapp vor der rechtsextremen AfD (13 Prozent). Die Linke k\u00f6nnte ihr Ergebnis um 13 Prozentpunkte verbessern und w\u00e4re mit 19 Prozent zweitst\u00e4rkste Kraft.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind sich alle Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus dar\u00fcber einig, auf Kosten der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung r\u00fccksichtslos zu sparen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen, die der Vorg\u00e4ngerregierung angeh\u00f6rten, haben die Aufnahme neuer Schulden heftig kritisiert und weitere Einsparungen gefordert. Fraktionschef Werner Graf nannte den Haushaltsentwurf plakativ \u201eWahlkampf auf Kosten der Zukunft\u201c.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentiert Die Linke. Tats\u00e4chlich stellt diese bankrotte, b\u00fcrgerliche Partei keine Alternative zu den anderen Parteien dar. Auch sie kritisiert die zus\u00e4tzlichen Gelder, die in den Haushalt flie\u00dfen. Die jetzige Regierung habe mit dem Haushalt ein \u201eKatastrophenszenario\u201c entstehen lassen, \u201ein dessen Folge nun ein sozialer Kahlschlag wie in der Zeit zwischen 1996 und 2006 droht\u201c, erkl\u00e4rte sie.<\/p>\n<p>Dabei verschweigt Die Linke geflissentlich, dass sie selbst von 2002 bis 2011 gemeinsam mit der SPD einen bis dato beispiellosen sozialen Kahlschlag durchgef\u00fchrt hat. Auch danach unterst\u00fctzte Die Linke im B\u00fcndnis mit SPD und Gr\u00fcnen K\u00fcrzungen in der Hauptstadt, ebenso in anderen Bundesl\u00e4ndern, in denen sie an der Regierung beteiligt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Obwohl sich Berlins Schuldenstand von derzeit 68 Milliarden Euro bis Ende 2027 auf etwa 76 Milliarden Euro erh\u00f6ht,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":316958,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,80,90580,18769],"class_list":{"0":"post-316957","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-kultur","12":"tag-sozialabbau","13":"tag-sparkurs"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114967487785240270","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=316957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316957\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/316958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=316957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=316957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=316957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}