{"id":317825,"date":"2025-08-04T08:10:08","date_gmt":"2025-08-04T08:10:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/317825\/"},"modified":"2025-08-04T08:10:08","modified_gmt":"2025-08-04T08:10:08","slug":"mit-einem-einzige-mrt-scan-das-biologische-alter-ermitteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/317825\/","title":{"rendered":"Mit einem einzige MRT-Scan das biologische Alter ermitteln"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine neu entwickelte, auf Gehirnscans basierende \u201eAlterungsuhr\u201c erlaubt es Neurologen, das biologische Alter eines Menschen zuverl\u00e4ssig zu bestimmen. Entwickelt wurde das Tool von einem internationalen Forschungsteam, das seine Ergebnisse in\u00a0Nature Aging\u00a0ver\u00f6ffentlicht hat. Ziel ist, mit Hilfe der sogenannten Dunedin Pace of Aging Calculated from NeuroImaging (DunedinPACNI) das individuelle Risiko f\u00fcr kognitive Einschr\u00e4nkungen, Demenz und andere chronische Erkrankungen fr\u00fchzeitig einzusch\u00e4tzen\u00a0[<a onclick=\"showToolTip(this, &#039;references&#039;, 1);\" href=\"https:\/\/deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/javascript:void(0);\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1<\/a>].<\/p>\n<p>Die Methode basiert auf einer einzigen T1-gewichteten MRT-Aufnahme des Gehirns. Dabei analysieren \u00c4rzte eine Vielzahl struktureller Merkmale, etwa die Dicke der Gro\u00dfhirnrinde (kortikale Dicke), die Verteilung von grauer und wei\u00dfer Substanz, subkortikale Volumina sowie die Gr\u00f6\u00dfe der Hirnventrikel. Aus diesen Daten berechnet ein Algorithmus die individuelle Alterungsgeschwindigkeit, unabh\u00e4ngig vom chronologischen Alter.<\/p>\n<p>       <b>Je schneller die biologische Slterung, desto h\u00f6her das Krankheitsrisiko<\/b>  <\/p>\n<p>Eine Analyse von \u00fcber 50.000 MRT-Scans von Probanden zwischen 22 und 98 Jahren zeigt: Wer biologisch schneller altert als es dem kalendarischen Alter entspricht, hat ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr kognitive Einschr\u00e4nkungen, f\u00fcr eine raschere Schrumpfung des Hippocampus \u2013 und f\u00fcr zahlreiche weiteren Leiden. Dazu z\u00e4hlen eine ausgepr\u00e4gtere Gebrechlichkeit, mehr chronische Erkrankungen sowie ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr einen fr\u00fchzeitigen Tod.<\/p>\n<p>Ein Beispiel liefert die Alzheimer\u2019s Disease Neuroimaging Initiative (ADNI): Die 10% der am schnellsten alternden Teilnehmenden hatten ein um 61% erh\u00f6htes Risiko, in den folgenden Jahren eine milde kognitive Beeintr\u00e4chtigung (MCI) oder eine Demenz zu entwickeln. Auch erste Ged\u00e4chtnisprobleme traten bei ihnen fr\u00fcher auf als bei gleichaltrigen Personen mit langsameren Alterungsprozessen.<\/p>\n<p>In der UK Biobank zeigte sich ein \u00e4hnliches Bild: Gesunde Personen mit schneller biologischer Alterung\u00a0hatten ein um 14% erh\u00f6htes Risiko, sp\u00e4ter an einer altersbedingten chronischen Erkrankung zu leiden. Im Verlauf von knapp 10 Jahren war die Sterblichkeit in dieser Gruppe sogar um 41% erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>       <b>Vom Labor in die Klinik<\/b>  <\/p>\n<p>Die neue Methode basiert auf einer Langzeitstudie aus Dunedin, Neuseeland, in der \u00fcber 1.000 Menschen seit ihrer Geburt in den Jahren 1972\/73 medizinisch begleitet werden. Aus dieser Kohorte entstand zun\u00e4chst die epigenetische, blutbasierte Alterungsuhr DunedinPACE, die auf der Analyse von DNA-Methylierung beruht. Diese Methode zeigte bereits enge Zusammenh\u00e4nge mit Morbidit\u00e4t und Hirnalterung \u2013 war jedoch auf Blutproben angewiesen und damit in ihrer praktischen Anwendung eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Mit DunedinPACNI wurde ein MRT-basiertes Pendant entwickelt, das ohne Blut auskommt. Der zugrundeliegende Algorithmus wurde mit MRT-Daten von 860 Teilnehmenden der Dunedin-Studie im Alter von 45 Jahren trainiert. Insgesamt flossen 315 strukturelle Hirnmerkmale in das Modell ein \u2013 von der kortikalen Dicke bis zu subkortikalen Volumina.<\/p>\n<p>Der Algorithmus ist \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Er konnte sich bereits in mehreren gro\u00dfen Forschungsdatenbanken bew\u00e4hren: In der ADNI, der UK Biobank und dem lateinamerikanischen BrainLat-Datensatz erwies sich DunedinPACNI als zuverl\u00e4ssiger Pr\u00e4diktor f\u00fcr kognitive Beeintr\u00e4chtigungen und ein erh\u00f6htes Demenzrisiko.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass DunedinPACNI auch soziale Unterschiede in der Alterung abbilden kann. Menschen mit niedrigerem Bildungsstand oder geringerem Einkommen alterten im Schnitt schneller als besser gestellte Vergleichsgruppen \u2013 ein Muster, das sich \u00fcber alle untersuchten Kohorten hinweg zeigte.<\/p>\n<p>       <b>Vielseitige Einsatzm\u00f6glichkeiten \u2013 auch in der Alzheimerforschung<\/b>  <\/p>\n<p>Noch handelt es sich bei DunedinPACNI um ein relatives Ma\u00df. Der Score vergleicht die Alterungsgeschwindigkeit eines Menschen mit anderen Personen in derselben Studie. \u201eDas wird sich aber bald \u00e4ndern\u201c, sagt\u00a0<b>Prof. Dr. Ahmad R. Hariri<\/b>, Professor f\u00fcr Psychologie und Neurowissenschaften und Leiter des Labors f\u00fcr Neurogenetik an der Duke University in Durham, North Carolina.<\/p>\n<p>Um ihr Tool vom Labor in die Klinik zu bringen, wollen die Forschenden Normtabellen \u00e4hnlich wie bei Gr\u00f6\u00dfe, Gewicht oder BMI entwickeln. Die Analyse der dazu erforderlichen Zehntausenden Hirnscans sei bereits im Gange, so Hariri. \u201eWir sind zuversichtlich, dass Referenzwerte innerhalb des n\u00e4chsten Jahres vorliegen werden und DunedinPACNI dann innerhalb weniger Jahre klinisch nutzbar ist.\u201c<\/p>\n<p>Schon jetzt kann DunedinPACNI in klinischen Studien eingesetzt werden, etwa als Ergebnisparameter in Interventionsstudien zur Verlangsamung des Alterungsprozesses. Auch f\u00fcr\u00a0Studien zu Alzheimer-Therapien k\u00f6nnte das Tool eignen. \u201eIn j\u00fcngeren Menschen k\u00f6nnte DunedinPACNI als Surrogatmarker zeigen, ob eine Behandlung die Alterung verlangsamt \u2013 was wiederum ein Hauptrisikofaktor f\u00fcr Demenz ist\u201c, so Hariri.<\/p>\n<p>Bei \u00e4lteren Studienteilnehmenden k\u00f6nne das Tool helfen, die Stichprobe zu homogenisieren, indem nur Menschen mit \u00e4hnlichem biologischem Alter einbezogen oder solche mit besonders schneller Alterung ausgeschlossen w\u00fcrden \u2013 etwa wegen eines h\u00f6heren Risikos f\u00fcr Nebenwirkungen wie amyloidassoziierte Bildgebungsanomalien (ARIA).<\/p>\n<p> Derr Beitrag ist im Original erschienen auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.medscape.com\/viewarticle\/single-brain-mri-reveals-accelerated-aging-dementia-risk-2025a1000ido\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Medscape.com<\/a>. <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine neu entwickelte, auf Gehirnscans basierende \u201eAlterungsuhr\u201c erlaubt es Neurologen, das biologische Alter eines Menschen zuverl\u00e4ssig zu bestimmen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":317826,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[5546,90780,29,30,141,232,90781,90779],"class_list":{"0":"post-317825","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-alzheimer-krankheit-alzheimersche-krankheit","9":"tag-cv-risiko-kardiovaskulaeres-risiko-cv-risikofaktoren-kardiovaskulaere-risikofaktoren","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-health","14":"tag-kardiometabolisches-risiko-kardiometabolische-risikofaktoren","15":"tag-parkinson-krankheit-parkinsonsche-krankheit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114969485537978256","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/317826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=317825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=317825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}