{"id":317992,"date":"2025-08-04T09:43:10","date_gmt":"2025-08-04T09:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/317992\/"},"modified":"2025-08-04T09:43:10","modified_gmt":"2025-08-04T09:43:10","slug":"grigory-sokolov-mit-weltklasse-brahms-beim-shmf-in-der-petruskirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/317992\/","title":{"rendered":"Grigory Sokolov mit Weltklasse-Brahms beim SHMF in der Petruskirche"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Kiel. Grigory Sokolov, mit seinen 75 Jahren nach wie vor einer der international spannendsten Pianisten, spielt im Rahmen seiner Tourneen auch gern beim SHMF \u2013 am liebsten offenbar in Kiel. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch diesmal ist die Petruskirche ausverkauft, ger\u00e4t das Publikum aus dem H\u00e4uschen und erklatscht sich eine volle \u201edritte Konzert-Halbzeit\u201c, also die rund 30 Minuten umfassende H\u00f6chstzahl von sechs Zugaben (alle in Moll: Chopins Mazurken op. 30\/1, 50\/3, 68\/2 und 30\/2, dazwischen Rameaus \u201eLes Sauvages\u201c, am Ende Chopins existenzielles, nur 13-taktiges c-Moll-Pr\u00e9lude op. 28\/20). Auch diesmal verl\u00e4sst, wer Ohren hat zu h\u00f6ren, das Konzert immens bereichert.<\/p>\n<p>Grigory Sokolov in der Petruskirche Kiel: Wieder sechs Zugaben beim SHMF<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nat\u00fcrlich kann man immer wieder \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.grigory-sokolov.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.grigory-sokolov.net\/\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.grigory-sokolov.net\/\">Sokolov<\/a>s Auftritts- und Zugabenrituale schreiben, \u00fcber bestimmte charakteristische Spielbewegungen. So liest man es oft, aber es trifft den Kern seiner uneitlen Kunst und seiner klug-originellen Programme nicht. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Der zweiten Programmh\u00e4lfte mit fr\u00fchem und sp\u00e4terem Brahms stellt er vor der Pause die um 1600 f\u00fcrs Virginal \u2013 einen fr\u00fchen kleinen Cembalotyp \u2013 komponierte Musik des englischen Shakespeare-Zeitgenossen William Byrd gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Tiefenscharf: Sokolov zelebriert Tastenmusik des Shakespeare-Zeitgenossen Byrd<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Diskussion, ob man solche Musik auf modernem Fl\u00fcgel spielen sollte, ist letztlich puristischer Smalltalk. Schon Pianisten wie Eduard Erdmann und Glenn Gould hatten ein Faible f\u00fcr Byrd. Sokolovs Spiel diverser Variationen, Pavanen mit Galliarden, einer Fantasie und einer \u201eAlmand\u201c zeigt, wie vielgestaltig, fantasievoll und zugleich kontrapunktisch gehaltvoll und bissfest diese Musik ist. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\">Sokolov<\/a>s Ideal ist auch hier der gebundene, weithin kantenfreie, doch tiefenscharfe Klang, aus dem Byrds zahllose Trillerchen apart hervorlugen. Klar, man kann diese Musik noch pointierter, klangtrockener darbieten. Aber das k\u00f6nnte manieristisch wirken. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Hatte Sokolov 2023 Musik des englischen Fr\u00fchbarock-Meisters Henry Purcell mitgebracht, so erlaubt seine diesmal noch rund ein Jahrhundert weiter in die Vergangenheit zur\u00fcckreichende musikalische Reise fesselnde Einblicke in frappierende Tastenmusik des elisabethanischen Zeitalters.<\/p>\n<p>Sokolov in Kiel: Sternstunde mit Klaviermusik von Johannes Brahms<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Fantasiereichtum und Beherrschtheit bestimmen auf andere Weise auch die (l\u00e4ngere) Brahms-H\u00e4lfte des Konzertes. Selten h\u00f6rt man die vier fr\u00fchen Balladen op. 10 im Konzertsaal \u2013 und kaum einmal so ber\u00fcckend stimmig. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In dieser Musik hat der 21-j\u00e4hrige Brahms seine j\u00fcnglingshafte Empfindsamkeit und Zeitverlorenheit noch nicht hinter B\u00fcndigkeit, Bart und innerer Stoppuhr versteckt. Die Balance aus Versenkung und Vorw\u00e4rtstreiben gelingt Sokolov schon im 1. St\u00fcck (nach der schottischen \u201eEdward\u201c-Ballade) atemberaubend \u2013 und ebenso der Kontrast aus schier grenzenlosem \u201eGesang\u201c und pointiertem Rhythmus in der 2. Ballade.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"> Droht im folgenden \u201eIntermezzo\u201c die frei aufgefasste Sechsachtel-Bewegung fast in einen Vierviertel-Takt umzukippen, so h\u00e4lt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grigori_Lipmanowitsch_Sokolow\">Sokolov<\/a> das St\u00fcck doch in der Schwebe zwischen d\u00e4monisch gef\u00e4rbter Fantastik und entr\u00fcckter Choral-Aura. Dass er f\u00fcr die Schlussballade mit ihrem elegischen Schmelzen zwischen Dur und Moll, ihrem zart vibrierenden meditativen Mittelteil und der chorhaften Verwandlung des Anfangsteils die n\u00f6tige Ruhe und Sensibilit\u00e4t haben w\u00fcrde, ahnt man schon vorher und erlebt es nun bezaubert. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch die ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter entstandenen Rhapsodien op. 79 gelingen anschlie\u00dfend eindrucksvoll (wenngleich pianistisch nicht ganz so perfekt). Doch Sokolovs \u201eErz\u00e4hlung\u201c der lyrisch \u00fcberhauchten Balladen wird zur eigentlichen Brahms-Stern(halb)stunde eines im diesj\u00e4hrigen SHMF-Panorama singul\u00e4ren Konzertabends.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">KN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kiel. 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