{"id":318716,"date":"2025-08-04T16:11:15","date_gmt":"2025-08-04T16:11:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/318716\/"},"modified":"2025-08-04T16:11:15","modified_gmt":"2025-08-04T16:11:15","slug":"neue-ausstellung-im-kunstraum-graesslin-in-st-georgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/318716\/","title":{"rendered":"Neue Ausstellung im Kunstraum Gr\u00e4sslin in St. Georgen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zum zw\u00f6lften Mal seit 2006 bespielt die schier unersch\u00f6pfliche Sammlung Gr\u00e4sslin diverse Pl\u00e4tze ihres Heimatorts St. Georgen auf 860 Meter H\u00f6he im Schwarzwald, einst ein Zentrum feinmechanischer Industrie. Auch die elterliche Firma der drei Schwestern B\u00e4rbel, Sabine und Karola Gr\u00e4sslin geh\u00f6rte dazu; schon Dieter und Anna Gr\u00e4sslin sammelten Kunst ihrer Zeitgenossen. Heute leitet B\u00e4rbel Gr\u00e4sslin eine f\u00fchrende, international agierende Galerie in Frankfurt. Karola Gr\u00e4sslin, verheiratete Kraus, ist Direktorin des MUMOK in Wien. Sabine Gr\u00e4sslin k\u00fcmmert sich um den \u201eKunstraum Gr\u00e4sslin\u201c in St. Georgen. Der elegant n\u00fcchterne Bau f\u00fcr wechselnde Ausstellungen wird von der Stiftung Gr\u00e4sslin unterhalten und finanziert.<\/p>\n<p>\u201eWie zusammen leben?\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die gerade er\u00f6ffnete Dauerschau, die bis M\u00e4rz 2027 bleibt, hat ihren Titel \u201eIm Land der Motive brennt kein Licht mehr\u201c von einem gro\u00dfen Digitaldruck Albert Oehlens. Gezeigt werden Werke der Achtziger- und Neunzigerjahre, vor allem aus Deutschland. \u201eWie zusammen leben?\u201c, lautet die leitende Frage, die von den Gr\u00e4sslins zusammengestellten Arbeiten k\u00f6nnen und wollen keine billigen Antworten geben. Eher illustrieren sie die von Disruption und Krisenhaftigkeit gezeichnete Gegenwart.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Werner B\u00fcttner, \u201eDrei Versuche \u00fcber N\u00fcrnberg (Sauckel, Streicher, Kaltenbrunner)\u201c,1986, und \u201e1. Versuch \u00fcber den 8. Mai 1945\u201c, 1986\" height=\"1391\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/werner-buettner-drei-versuche.jpg\" width=\"2048\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Werner B\u00fcttner, \u201eDrei Versuche \u00fcber N\u00fcrnberg (Sauckel, Streicher, Kaltenbrunner)\u201c,1986, und \u201e1. Versuch \u00fcber den 8. Mai 1945\u201c, 1986Sammlung Gr\u00e4sslin \/ VG Bildkunst, Bonn 2025<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Namen der K\u00fcnstler \u2013 nur eine K\u00fcnstlerin ist dabei \u2013 sind bekannte: Cosima von Bonin, Werner B\u00fcttner, G\u00fcnther F\u00f6rg, Georg Herold, <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Martin Kippenberger\" data-rtr-id=\"179066f25d49ffd0e4b75d8d224479b5f744bb26\" data-rtr-score=\"114.21380632790029\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/martin-kippenberger\" title=\"Martin Kippenberger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Kippenberger<\/a>, Reinhard Mucha, Albert Oehlen und Markus Oehlen. Sie sind Angeh\u00f6rige der ersten Nachkriegsgeneration und arbeiten weiterhin erfolgreich. G\u00fcnther F\u00f6rg und Martin Kippenberger sind fr\u00fch verstorben. Sie hatten die Dominanz der Konkreten Kunst und der Minimal Art satt, \u00fcbrigens auch die bunte Heftigkeit der Neuen Wilden. Das \u201ebad painting\u201c (eher Erbe des sp\u00e4ten Picasso) allerdings konnten einige gut brauchen. Sie hielten dagegen mit provokanten Bildern, Skulpturen und In\u00adstallationen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Inzwischen allesamt museumsreif, zeigt die Zusammenschau noch einmal ihre ganze Aggressivit\u00e4t und Unbotm\u00e4\u00dfigkeit, noch vor der hohen Zeit von \u201epolitical correctness\u201c und \u201ecancel culture\u201c. Gut vier Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs sa\u00df ihnen die V\u00e4ter- und M\u00fcttergeneration noch im Nacken. Der Nationalsozialismus wird offen oder unterschwellig behandelt: Mit ihm verbundene Symbole erscheinen, Krieg und Nachkrieg sind Themen. Darf Kunst politisch sein? Das war f\u00fcr diese Kohorte ein theoretisches Pro\u00adblem, das sie, f\u00fcr heutige Ma\u00dfst\u00e4be mitunter grenzwertig, mit ihren Werken kommentierten.<\/p>\n<p>\u201eHardliner\u201c aus der Sammlung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">In ihrer Einf\u00fchrung zu einem ersten Rundgang sagte Karola Gr\u00e4sslin, zu sehen seien vor allem die \u201eHardliner\u201c der Achtziger aus der Sammlung, die in dieser Zeit ihren Ursprung hat. Damals seien \u201eTabuthemen\u201c angefasst worden, die in die Gegenwart ragten, f\u00fcgt sie hinzu, Aber bitte blo\u00df keine Angst vor b\u00f6ser Kunst! Darauf spielt Kippenberger an mit Gem\u00e4lden aus der Serie \u201eZuerst nicht gekaufte Bilder (Krieg b\u00f6se)\u201c. Auf einem davon uriniert ein Mann in T-Shirt und Jeans, der klassischen Uniform der Nonkonformisten, gegen die Laufrollen eines Panzers, der in einer w\u00fcsten, in Pop-Farben kolorierten Landschaft mit Bergen im Hintergrund steht. Das Gem\u00e4lde h\u00e4ngt in einem einstigen Fabrikgeb\u00e4ude in der Bahnhofstra\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Dort besetzt die Halle Reinhard Muchas Gro\u00dfinstallation \u201eDer Bau\u201c, deren Kern Anfang der Achtziger entstand. Nicht zuf\u00e4llig erinnert der Titel an Franz Kafkas beklemmende Erz\u00e4hlung, \u00fcbertragen in eine Gegenwart, die von der Tristesse industrieller Versatzst\u00fccke gepr\u00e4gt ist. Das von Neonr\u00f6hren beleuchtete Bahnhofsschild \u201eRemscheid\u201c wirkt wie ein Spott auf Urbanit\u00e4t und Mobilit\u00e4t. In der alten Fabrik sind au\u00dferdem provozierende Arbeiten von Kai Althoff, Mike Kelley, Manuel Ocampo und Ch\u00e9ri Samba platziert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Reinhard Mucha \u201eDer Bau\u201c, 1980\/1984\" height=\"1514\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/reinhard-mucha-der-bau-1980.jpg\" width=\"2048\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Reinhard Mucha \u201eDer Bau\u201c, 1980\/1984Sammlung Gr\u00e4sslin \/ VG Bildkunst, Bonn 2025<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Im Entree des Kunstraums h\u00e4ngt G\u00fcnther F\u00f6rgs gro\u00dfformatige Farbfotografie des \u201eEUR Palazzo della Civilt\u00e0\u201c in Rom und demonstriert das ambivalente Fluidum faschistischer Architektur. Die zentrale Position hat Cosima von Bonins \u201eMissy Misdemeanour #2\u201c aus dem Jahr 2011: Die neun Meter lange PVC-Rakete, auf der ein groteskes verwundetes Pl\u00fcsch-Riesenk\u00fcken reitet, treibt die ironischen Kommentare der Achtzigerjahrek\u00fcnstler bis zur Absurdit\u00e4t. So auch Kippenbergers zynische Bilderfolge \u201eWas ist denn blo\u00df am Sonntag los?\u201c von 1982, auf der er Besch\u00e4ftigungsvorschl\u00e4ge macht. Das Update liefern jetzt die sozialen Medien.<\/p>\n<p>Russische Soldaten am Meer<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nebenan stellt Georg Herold in einer Assemblage aus Ziegelsteinen und Holzlatten auf Leinwand \u201eRussische Marmelade\u201c (Kaviar) vor oder feiert vor dunklem Grund grellgelb \u201e40 Jahre Magermilch\u201c. Auch das erweiterte Elternhaus kann besichtigt werden. Im stilvollen Interieur zieht zum Beispiel Albert Oehlens \u201eSelbstportrait mit Totensch\u00e4del\u201c die Blicke auf sich, eine w\u00fctende Adaption des klassischen Sujets, neben Werner B\u00fcttners \u201eBadenden Russen\u201c, Kampfstiefel und abgelegte Uniformen am Meeresrand. Doch, russische Soldaten suchen durchaus das Meer, nicht nur zum Baden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">B\u00e4rbel Gr\u00e4sslin sagt es deutlich: \u201eDie Genese unserer Sammlung \u2013 nur M\u00e4nner.\u201c Jedenfalls hat man es in dieser Pr\u00e4sentation (auch) mit M\u00e4nnerb\u00fcndischem zu tun: die Br\u00fcder Oehlen, Kippenberger und F\u00f6rg waren bestimmt so eine Gruppe. Wie auch anders? Wahr ist genauso: Damit wird der (nicht nur) bundesrepublikanischen gesellschaftlichen Wirklichkeit bis (mindestens) 1989 ihr Spiegel vorgehalten. Wer den Weg nach St. Georgen findet, wird belohnt \u2013 mit nicht wenig Erkenntnis, wie sie nur Kunst leisten kann.<\/p>\n<p><strong>\u201eIm Land der Motive brennt kein Licht mehr\u201c<\/strong> Kunstraum Gr\u00e4sslin, St. Georgen, bis zum 31. M\u00e4rz 2027. Gef\u00fchrte Rundg\u00e4nge (Preis 15 Euro pro Person) nach Vereinbarung unter 07724\/9161805 oder info@sammlung-graesslin.eu. Das Begleitheft zur Ausstellung kostet f\u00fcnf Euro. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum zw\u00f6lften Mal seit 2006 bespielt die schier unersch\u00f6pfliche Sammlung Gr\u00e4sslin diverse Pl\u00e4tze ihres Heimatorts St. Georgen auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":318717,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-318716","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114971376683733205","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/318716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=318716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/318716\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/318717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=318716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=318716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=318716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}