{"id":319085,"date":"2025-08-04T19:30:16","date_gmt":"2025-08-04T19:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/319085\/"},"modified":"2025-08-04T19:30:16","modified_gmt":"2025-08-04T19:30:16","slug":"frankreichs-autobahnen-wie-vinci-mit-der-maut-geld-verdient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/319085\/","title":{"rendered":"Frankreichs Autobahnen: Wie Vinci mit der Maut Geld verdient"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Maut auf franz\u00f6sischen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"3fec5cd742a4cbedd2e231bc169b07e948ab74a5\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/thema\/autobahn\" title=\"Autobahn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Autobahnen<\/a> geh\u00f6rt zu den h\u00f6chsten Europas \u2013 und wird jedes Jahr teurer. Viele deutsche Urlauber machen in diesem Sommer die Erfahrung, dass man auf den meisten Strecken inzwischen mit rund zehn Euro je 100 Kilometer kalkulieren muss. Das summiert sich schnell zu stattlichen Betr\u00e4gen, unabh\u00e4ngig davon, ob freie Fahrt herrscht oder man unterwegs oder vor der Mautstelle im Stau steht. 89,40 Euro werden im Auto beispielsweise f\u00fcr die knapp 880 Kilometer zwischen der Rheinbr\u00fccke Ottmarsheim und der franz\u00f6sisch-spanischen Grenze s\u00fcdlich von Perpignan f\u00e4llig. Die rund 470 Kilometer zwischen Lyon und Nizza schlagen mit Mautkosten von 49,20 Euro zu Buche.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zudem wird wie in <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/oesterreich\" title=\"\u00d6sterreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00d6sterreich<\/a> an einigen Bauwerken gesondert zur Kasse gebeten. Dazu geh\u00f6rt in S\u00fcdfrankreich das Viadukt von Millau, f\u00fcr dessen \u00dcberfahrt Autofahrer im Sommer 13,70 Euro zahlen m\u00fcssen, oder die Fr\u00e9jus- und Mont-Blanc-Stra\u00dfentunnel zwischen Frankreich und Italien, f\u00fcr die 54,80 Euro respektive 55,80 Euro f\u00e4llig werden. Der Zustand der mautpflichtigen Autobahnen ist in Frankreich daf\u00fcr besser als in Deutschland. Es gibt viel weniger Fahrbahnsch\u00e4den und Baustellen. Auch ist an den Rastst\u00e4tten die Toilettennutzung geb\u00fchrenfrei, der Sprit nicht exorbitant teuer und das Gastronomieangebot gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Mautgeb\u00fchren stechen nicht nur ausl\u00e4ndischen Touristen ins Auge. Auch in Frankreich sind sie ein Aufregerthema. So ist der Eindruck weit verbreitet, dass sich die Konzession\u00e4re mit ihren Quasigebietsmonopolen die Taschen vollmachen, also deutlich weniger in die Autobahnen investieren, als sie an Geb\u00fchren kassieren. Eine Maut gab es in Frankreich zwar auch schon fr\u00fcher. Doch seit der Privatisierung in den 2000er-Jahren k\u00fcmmern sich gewinnorientierte Unternehmen um Ausbau, Instandhaltung und Betrieb von knapp 9200 Kilometer Strecke, was etwa drei Viertel des franz\u00f6sischen Autobahnnetzes sind. Nur hier und da sind Zubringer und Stadtautobahnen zur Verkehrslenkung oder Abschnitte zur regionalen Wirtschaftsf\u00f6rderung geb\u00fchrenfrei.<\/p>\n<p>Des eines Freud ist des anderen Leid<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Wie viel Maut die Konzession\u00e4re erheben und wie stark sie diese jedes Jahr zum 1. Februar \u201eanpassen\u201c d\u00fcrfen, ist in den bei der Privatisierung unterzeichneten Vertr\u00e4gen sowie in einem Dekret aus dem Jahr 1995 geregelt. Ma\u00dfgebliche Bestimmungsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Anhebung ist demnach die <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/inflationsrate\" title=\"Inflationsrate\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Inflationsrate<\/a>. Da sie im Zuge der Energiekrise sehr hoch war, fiel der Anstieg 2023 und 2024 mit durchschnittlich 4,75 und drei Prozent entsprechend kr\u00e4ftig aus. Dieses Jahr waren es \u201enur\u201c 0,92 Prozent. Dass die Konzession\u00e4re die Tarifstrukturen vor der j\u00e4hrlichen Mauterh\u00f6hung dem Staat zur Pr\u00fcfung vorlegen m\u00fcssen, ist reine Formsache. Nur \u00fcber neue, urspr\u00fcnglich nicht geplante Investitionen finden zwischen dem Staat und den Konzession\u00e4ren Verhandlungen statt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch des eines Freud ist des anderen Leid. Was Autofahrer teuer zu stehen kommt, erfreut die Konzession\u00e4re. Der gr\u00f6\u00dfte von ihnen ist mit rund 4400 Kilometern der franz\u00f6sische Bau- und Infrastrukturkonzern Vinci, dessen Gesellschaften ASF, Cofiroute und Escota fast alle Autobahnen in den Urlaubsgebieten S\u00fcd- und Westfrankreichs bewirtschaften. Die beiden anderen gro\u00dfen Konzession\u00e4re sind Vincis Wettbewerber Eiffage und die australische Bank Macquarie mit ihrer Gesellschaft APRR sowie Sanef, das zum spanischen Infrastrukturkonzern Abertis geh\u00f6rt. Mindestens in die 2030er-Jahre reichende Vertragslaufzeiten sorgen dabei nicht nur f\u00fcr einen langfristig stabilen Cashflow. Auch die Rentabilit\u00e4t des Autobahngesch\u00e4fts gilt als stattlich.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die dem franz\u00f6sischen Finanzministerium unterstellte Generalinspektion f\u00fcr Finanzen sch\u00e4tzte die Eigenkapitalrendite der Vinci-Gesellschaften ASF und Escota in einem Gutachten von 2021 auf 11,77 Prozent. Bei APRR, Herr \u00fcber Autobahnen in Ostfrankreich, und ihrem Ableger Area, der den S\u00fcdosten von Lyon bewirtschaftet, seien es gar 12,49 Prozent. Beides liege deutlich \u00fcber den bei der Privatisierung erwarteten 7,67 Prozent.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Politisch sorgte das zwei Jahre lang unter Verschluss gehaltene Gutachten f\u00fcr Sprengstoff, sprachen die Inspektoren doch von einer Rentabilit\u00e4t, die \u201edem Grundsatz einer angemessenen Verg\u00fctung widerspricht\u201c. Privatisierungskritiker sahen sich best\u00e4tigt. Zumal der franz\u00f6sische Rechnungshof schon 2013 darauf hinwies, dass die Mautanhebungen \u201edeutlich\u201c \u00fcber der Inflationsrate liegen und Untersuchungen der franz\u00f6sischen Wettbewerbsbeh\u00f6rde und des Senats in die gleiche Kerbe schlugen.<\/p>\n<p>Sagenhafte Umsatzrendite<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die franz\u00f6sische Regierung nahm die Zahlen im vergangenen Jahr zum Anlass, die Konzession\u00e4re mit einer Rentabilit\u00e4t von mehr als zehn Prozent mit einer neuen Abgabe zur Kasse zu bitten. 4,6 Prozent des Umsatzes sch\u00f6pft der Staat nun ab. Die Konzession\u00e4re protestierten und kritisierten die in den diversen Gutachten ermittelten Zahlen als unvollst\u00e4ndig und verzerrt. So bleibe unter anderem unber\u00fccksichtigt, dass die Verm\u00f6genswerte ja erst einmal erworben werden mussten und am Ende der Vertragsdauer kostenlos und entschuldet an den Staat zur\u00fcckgegeben werden \u2013 w\u00e4hrend bei der Privatisierung auch die staatlichen Altschulden \u00fcbernommen werden mussten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Dabei ist das Autobahngesch\u00e4ft auch unter Ber\u00fccksichtigung dieser Elemente und nach Abzug der neuen Abgabe sehr rentabel. Das zeigen die Gesch\u00e4ftszahlen von Vinci. Dessen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen f\u00fcr die Bewirtschaftung der franz\u00f6sischen Autobahnen hat sich zwischen 2006 und 2024 von 2,4 auf 4,7 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. In den diese Woche ver\u00f6ffentlichten Halbjahreszahlen weist Vinci f\u00fcr diese Aktivit\u00e4ten eine Umsatzrendite von sagenhaften 73,2 Prozent aus.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Vinci ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 71,6 Milliarden Euro der weltgr\u00f6\u00dfte Baukonzern, sieht man von chinesischen Unternehmen wie CSCEC oder CRCC ab. Mit einem Reingewinn von 4,9 Milliarden Euro waren die Franzosen 2024 hochprofitabel und blieben es im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 1,9 Milliarden Euro trotz leichter R\u00fcckg\u00e4nge und der neuen Konzessionsabgabe, die sich f\u00fcr Vinci im vergangenen Jahr auf 284 Millionen Euro und im ersten Halbjahr dieses Jahres auf rund 120 Millionen Euro belief.<\/p>\n<p>F\u00fchrender Konzession\u00e4r in Deutschland<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Bei Anlegern und Analysten sind die Franzosen seit Langem gleicherma\u00dfen beliebt. Der B\u00f6rsenwert hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Trotz dieses steilen Anstiegs raten in einer aktuellen Bloomberg-Umfrage rund 85 Prozent der Analysten zum Kauf der Vinci-Aktie. Zur Beliebtheit bei tragen stetig wachsende Dividendenzahlungen bei. 2020 zahlte der Konzern 2,04 Euro je Aktie, vergangenes Jahr waren es schon 4,75 Euro.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">So gewinntr\u00e4chtig das Autobahngesch\u00e4ft auch ist, f\u00fcr den Konzern sinkt seine Bedeutung. Inzwischen steht es nur noch f\u00fcr knapp zehn Prozent des Gesamtumsatzes von Vinci. Anteilsm\u00e4\u00dfig stark wachsend ist hingegen das Konzessionsgesch\u00e4ft auf Gesch\u00e4ftsfeldern wie Flugh\u00e4fen, Energieinfrastruktur und Autobahnen au\u00dferhalb des franz\u00f6sischen Heimatmarkts. Vinci ist durch seine Diversifizierungsstrategie in den vergangenen Jahren zum weltgr\u00f6\u00dften privaten Flughafenbetreiber aufgestiegen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">In Deutschland ist der Konzern wiederum der f\u00fchrende Konzession\u00e4r bei Ausbau, Instandhaltung und Betrieb von Autobahnen in \u00f6ffentlich-privater Partnerschaft. Zu den f\u00fcnf Projekten geh\u00f6ren je 60 Kilometer auf der A 5 s\u00fcdlich von Karlsruhe und auf der A 7 zwischen G\u00f6ttingen und Bockenem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Maut auf franz\u00f6sischen Autobahnen geh\u00f6rt zu den h\u00f6chsten Europas \u2013 und wird jedes Jahr teurer. 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