{"id":319751,"date":"2025-08-05T01:39:10","date_gmt":"2025-08-05T01:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/319751\/"},"modified":"2025-08-05T01:39:10","modified_gmt":"2025-08-05T01:39:10","slug":"berlin-wels-und-co-wer-schwimmt-ausser-mir-im-badesee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/319751\/","title":{"rendered":"Berlin | Wels und Co.: Wer schwimmt &#8211; au\u00dfer mir &#8211; im Badesee?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Er gilt als gr\u00f6\u00dfter S\u00fc\u00dfwasserfisch in Deutschland, ist meist 1,5 bis 2 Meter lang &#8211; und hat in diesem Sommer wieder einmal f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Die Rede ist vom Wels. Gleich zwei Wels-Angriffe auf Badeg\u00e4ste hat es im Juni und Juli im Brombachsee in Mittelfranken (Bayern) gegeben.\u00a0<\/p>\n<p>Doch muss man vor diesen Fischen &#8211; oder auch anderen &#8211; tats\u00e4chlich Angst haben, wenn man sich im See erfrischt? Der Fischerei-Professor Robert Arlinghaus von der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t verr\u00e4t im Interview, was f\u00fcr Fische in Badeseen leben &#8211; und wie wahrscheinlich es ist, dass Wels und Co. zuschnappen.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn ich im See schwimme: Was ist um mich herum alles los?\u00a0<\/p>\n<p>Robert Arlinghaus: Wenn Sie im See schwimmen, bewegen Sie sich im Lebensraum der Fische. Es werden also alle m\u00f6glichen Arten wie Rotaugen, Barsche, Brassen oder auch mal ein Wels in Ihrer N\u00e4he herumschwimmen. Da wird auch mal ein Hecht irgendwo im Schilf oder in den Unterwasserpflanzen lauern und Sie beobachten.\u00a0<\/p>\n<p>In der Regel bekommen Sie davon nichts mit. In den meisten Seen, zumindest hier in Brandenburg, ist die Sicht nicht so gut.<\/p>\n<p>Und: Die Tiere haben ein gewisses Meideverhalten, sodass sie ein bisschen Abstand zu Schwimmern wahren. An Badestellen gew\u00f6hnen sich die Tiere mitunter auch an Menschen und schwimmen dort sichtbar um sie herum, insbesondere Rotaugen und Ukeleischw\u00e4rme.<\/p>\n<p>Es gibt immer mal wieder vereinzelt Angriffe von Welsen. Und auch vor dem Hecht, der ebenfalls zu den Raubfischen z\u00e4hlt, hat so mancher Angst. Muss man die haben?\u00a0<\/p>\n<p>Arlinghaus: \u00c4ngste sind v\u00f6llig unbegr\u00fcndet. Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher als ein Angriff dieser Fische.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn man seine Beine vom Steg herunterbaumeln l\u00e4sst und der Zeh ber\u00fchrt die Oberfl\u00e4che, dann ist es schon mal vorgekommen, dass ein Hecht annimmt: \u00abDas ist ein Fisch\u00bb &#8211; und den Zeh attackiert. Daf\u00fcr braucht man aber ganz, ganz, ganz viel Pech.\u00a0<\/p>\n<p>Unter Wasser attackiert der Hecht aber nie. Da ignoriert er Badeg\u00e4ste und auch Taucher und bleibt einfach regungslos im Schilf oder Unterwasserkraut stehen oder schwimmt davon, wenn es ihm zu bunt wird.\u00a0<\/p>\n<p>Alle paar Jahre gibt es F\u00e4lle, in denen ein Wels nach dem Bein eines Schwimmers schnappt. Das kann aber nur innerhalb der etwa zwei Wochen im Hochsommer passieren, in denen das M\u00e4nnchen ein Nest baut und bewacht. Zu Angriffen kommt es dann auch nur, wenn man genau in das Gelege hereintritt bzw. sich ihm n\u00e4hert.\u00a0<\/p>\n<p>Das Nest befindet sich allerdings in gesch\u00fctzten, dunklen Bereichen, wo normalerweise auch nicht geschwommen wird. Der Wels baut sein Nest eben nicht am Badestrand, wo es lichtdurchflutet ist. Im konkreten Fall im Brombachsee waren die Uferbereiche trockengefallen, also wo das Wasser zur\u00fcckgegangen war &#8211; und es gab Badeinseln. Die bieten einen Sonnenschutz, den ein Wels f\u00fcr sein Nest genutzt hat.\u00a0<\/p>\n<p>Hat man das Pech und ein Wels greift an, gibt es aber keine relevanten Verletzungen &#8211; es ist eben kein Hai mit Riesenz\u00e4hnen. Im Grunde hat der Wels keine Z\u00e4hne, sondern B\u00fcrstenz\u00e4hnchen. Greift er an, ist es eher ein Ansto\u00dfen, bei dem man einen Schreck bekommt.\u00a0<\/p>\n<p>Worauf kann ich als Schwimmer achten, um die Fische im See m\u00f6glichst wenig zu st\u00f6ren?\u00a0<\/p>\n<p>Arlinghaus: Sobald man in ein Gew\u00e4sser reingeht, ist das eine gewisse St\u00f6rung. Ob die \u00f6kologisch relevant ist, ist eine andere Frage. Das ist nur recht schlecht untersucht und d\u00fcrfte nur bei Massenaufkommen \u00fcber viele Wochen relevant werden.\u00a0<\/p>\n<p>Trittsch\u00e4den am Ufer oder Auswirkungen von Sonnencreme auf Plankton &#8211; also Organismen im Wasser &#8211; sind wahrscheinlich st\u00e4rkere Effekte als das blo\u00dfe Schwimmen. Die Fische gew\u00f6hnen sich in der Regel rasch an die Schwimmer, die f\u00fcr sie nicht gef\u00e4hrlich sind.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Problem ist aber das Herausrei\u00dfen von Unterwasserpflanzen und das Aufw\u00fchlen von Sediment, was das Gew\u00e4sser eintr\u00fcben und N\u00e4hrstoffe freiwaschen kann. Daher sollte man von gro\u00dfen Ansammlungen solcher Pflanzen Abstand halten, damit man sie nicht mit den F\u00fc\u00dfen l\u00f6st. Diese Unterwasserpflanzen sind n\u00e4mlich wichtige Fischlebensr\u00e4ume und sind wichtig f\u00fcr das \u00d6kosystem. Also lieber an sandigen Badestr\u00e4nden ins Wasser gehen.\u00a0<\/p>\n<p>ZUR PERSON: Robert Arlinghaus ist Professor f\u00fcr Fischerei an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin sowie Forschungsgruppenleiter am Leibniz-Institut f\u00fcr Gew\u00e4sser\u00f6kologie und Binnenfischerei (IGB). Er besch\u00e4ftigt sich mit S\u00fc\u00dfwasserfischen und dem nachhaltigen Umgang mit Fischbest\u00e4nden in Gew\u00e4ssern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Er gilt als gr\u00f6\u00dfter S\u00fc\u00dfwasserfisch in Deutschland, ist meist 1,5 bis 2 Meter lang &#8211;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":319752,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[20373,5587,53948,296,2632,29,2507,30,141,624,2631,33103],"class_list":{"0":"post-319751","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-schwimmen","9":"tag-baden","10":"tag-badesee","11":"tag-berlin","12":"tag-brcmj","13":"tag-deutschland","14":"tag-freizeit","15":"tag-germany","16":"tag-gesundheit","17":"tag-ratgeber","18":"tag-tier","19":"tag-tmn8230"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114973610527199228","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/319751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=319751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/319751\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/319752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=319751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=319751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=319751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}