{"id":320988,"date":"2025-08-05T13:05:17","date_gmt":"2025-08-05T13:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/320988\/"},"modified":"2025-08-05T13:05:17","modified_gmt":"2025-08-05T13:05:17","slug":"sparkurs-bei-us-forschung-europa-kaempft-um-rettung-der-klimadaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/320988\/","title":{"rendered":"Sparkurs bei US-Forschung &#8211; Europa k\u00e4mpft um Rettung der Klimadaten"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftlich erhobene Umweltdaten sind nicht nur f\u00fcr die Beobachtung und Bek\u00e4mpfung des Klimawandels wichtig. Sie sind auch f\u00fcr die Seefahrt von Bedeutung, f\u00fcr R\u00fcckversicherer, die ihre Naturkatastrophen-Modelle darauf aufbauen, und f\u00fcr die \u00d6l- und Gasindustrie.<\/p>\n<p>Von K\u00fcrzungen betroffen sind etwa die f\u00fcr die \u00dcberwachung von Meeren und die Auswirkungen auf das Wetter zust\u00e4ndige National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Umweltschutzbeh\u00f6rde EPA, die National Institutes of Health (NIH), die medizinische Forschung f\u00f6rdert, oder die Centers for Disease Control, die sich um die Pr\u00e4vention von Infektionskrankheiten k\u00fcmmern. Bei den K\u00fcrzungen sei es darum gegangen, &#8222;Fake Green New Scam&#8220; (etwa: \u00d6ko-Abzocke mit F\u00e4lschungen) in der Wissenschaft zu unterbinden, erkl\u00e4rte Rachel Cauley, eine Sprecherin des Amts f\u00fcr Verwaltung und Haushaltswesen (OMB) im Wei\u00dfen Haus. &#8222;Unter der F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Trump finanzieren die USA wieder echte Wissenschaft.&#8220;<\/p>\n<p>Beamte der EU und einzelner Staaten in Europa f\u00fcrchten nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters dagegen nicht nur, den Zugang zu Daten zu verlieren, die entscheidend f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Klimawandels und der Meeressysteme seien. Sie machen sich dar\u00fcber hinaus Sorgen wegen des R\u00fcckzugs der USA aus der Forschung insgesamt. Sieben von Reuters befragte Regierungen in Europa &#8211; von Spanien \u00fcber Deutschland bis Finnland &#8211; sind nach eigenen Angaben gerade dabei, wichtige Gesundheits- und Klimadaten und entsprechende Forschungsprogramme abzusichern. &#8222;Die Lage ist viel schlimmer als wir erwarten konnten&#8220;, sagte die schwedische Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Bildung und Forschung, Maria Nilsson. &#8222;Ich bin, ganz ehrlich, schockiert.&#8220;<\/p>\n<p>Craig McLean, der vier Jahrzehnte f\u00fcr die Meeresforscher von der NOAA gearbeitet hat, sagt, die F\u00fchrungsrolle der USA bei der Meeresforschung sei lange unbestritten gewesen. Europ\u00e4ische Wissenschafter r\u00e4umen ein, dass man sich zu sehr abh\u00e4ngig von den Amerikanern gemacht habe. &#8222;Es ist ein bisschen wie in der Verteidigung. Wir haben uns auch auf diesem Gebiet sehr auf die USA verlassen&#8220;, so Katrin B\u00f6hning-Gaese, wissenschaftliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung, zu Reuters. &#8222;Sie sind Pioniere und Vorbilder &#8211; aber das macht uns auch abh\u00e4ngig von ihnen.&#8220; Die deutsche Regierung hat wissenschaftliche Institutionen aufgefordert, ihre Abh\u00e4ngigkeit von den USA zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Das Meteorologische Institut D\u00e4nemarks (DMI) bezeichnet die Daten der US-Regierung als &#8222;absolut unerl\u00e4sslich&#8220;. Man habe sich unter anderem auf Daten zur Eisschicht auf den arktischen Meeren und zu den Oberfl\u00e4chentemperaturen der Weltmeere verlassen. &#8222;Das ist nicht nur ein technisches Thema, verl\u00e4ssliche Daten sind die Grundlage f\u00fcr Warnungen vor Extremwetter, f\u00fcr Klimaprojektionen und den Schutz von Menschen. Sie retten letztlich Leben&#8220;, sagte Adrian Lema, der Leiter der Klimaforschung beim DMI.<\/p>\n<p>Die K\u00fcrzungen beim NOAA beeintr\u00e4chtigten das weltumspannende Meeresbeobachtungssystem, warnte die EU. Darauf bauen nicht nur Schiffe bei der Navigation, bei der Routenwahl und bei Unwetter-Warnungen, sondern auch die Versicherungsbranche bei ihren Risikomodellen f\u00fcr die Wahrscheinlichkeit und die finanziellen Folgen von Naturkatastrophen. Auch Planungsbeh\u00f6rden brauchen Informationen zu K\u00fcstenlinien, Seeh\u00f6hen und Sturmflut-Risiken, wenn es um Infrastruktur-Projekte an der K\u00fcste geht. Die Energiebranche nutzt Meeres- und Erdbeben-Daten bei Entscheidungen \u00fcber Windr\u00e4der auf hoher See und Bohrungen nach \u00d6l und Gas.<\/p>\n<p>Die EU versucht nun, selbst den Zugang zu Beobachtungsdaten zu den Ozeanen auszuweiten, wie ein hochrangiger Beamter sagt. In den kommenden zwei Jahren soll deshalb das europ\u00e4ische Beobachtungsnetz ausgebaut werden, das Daten zu Schiffsrouten, Lebensr\u00e4umen auf dem Meeresgrund, Unrat in den Meeren und anderen Themen sammelt und speichert, um den drohenden Ausfall der US-Daten zu kompensieren.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht die F\u00f6rderung des &#8222;Argo&#8220;-Programms der NOAA, das es seit 25 Jahren gibt und das die Beh\u00f6rde selbst als ihr &#8222;Kronjuwel&#8220; bezeichnet. Mit einem System von Schwimmk\u00f6rpern misst es Meeresdaten, die Aufschluss \u00fcber die globale Erw\u00e4rmung, Extremwetter-Ereignisse und den Anstieg des Meeresspiegels geben. 57 Prozent der 40 Millionen Dollar (34,59 Mio. Euro), die das Programm im Jahr kostet, kamen bisher von der US-Regierung. Das Wei\u00dfe Haus und die NOAA wollten sich nicht dazu \u00e4u\u00dfern, ob das so bleibt. Die EU erw\u00e4gt nun, ihren Anteil an Argo zu erh\u00f6hen &#8211; und zugleich ihre Abh\u00e4ngigkeit von den USA zu reduzieren.<\/p>\n<p>Sigrun Aasland, Norwegens Ministerin f\u00fcr Forschung und h\u00f6here Bildung, berichtete von einem Treffen skandinavischer Staaten im Fr\u00fchjahr, bei dem es darum gegangen sei, die Sicherung bestehender Daten zu koordinieren. Die K\u00fcrzungen der US-Regierung waren auch Thema eines Treffens der europ\u00e4ischen Wissenschaftsminister im Mai in Paris. Norwegen hat Aasland zufolge zwei Millionen Dollar bereitgestellt, um US-Daten zu sichern und den Zugriff darauf zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Seit der R\u00fcckkehr von Donald Trump ins Wei\u00dfe Haus haben Wissenschafter und normale B\u00fcrger US-Datenbanken zu Klima, Umwelt und Gesundheit archiviert, die au\u00dfer Betrieb genommen werden sollen &#8211; &#8222;Guerilla Archiving&#8220; ist das Schlagwort daf\u00fcr. &#8222;Wir haben Anfragen &#8211; oder besser gesagt Hilferufe &#8211; von unseren Kollegen in den USA bekommen, die sagen: Wir haben hier ein Problem (&#8230;) und m\u00fcssen einige Datens\u00e4tze aufgeben&#8220;, berichtete Oliver Gl\u00f6ckner vom Digitalarchiv Pangaea. Rechtliche Probleme gebe es nicht, die Daten seien \u00f6ffentlich. Das d\u00e4nische DMI hat im Februar begonnen, historische Klimadaten aus den USA f\u00fcr den Fall herunterzuladen, dass sie dort gel\u00f6scht w\u00fcrden. &#8222;Kritisch k\u00f6nnte es werden, wenn keine neuen Beobachtungsdaten mehr hereinkommen&#8220;, sagte DMI-Klimaforscher Lema. Darunter w\u00fcrde die Qualit\u00e4t der Wettermodelle leiden.<\/p>\n<p>Von den 12.000 Mitarbeitern der NOAA sind rund 800 gek\u00fcndigt worden oder mit Abfertigungen gegangen, nachdem die von Elon Musk aufgebaute Effizienzbeh\u00f6rde die Institution durchforstet hatte. Und 2026 drohen weitere Einschnitte: Das Budget f\u00fcr die NOAA soll um 27 Prozent schrumpfen, die Mitarbeiterzahl soll auf 10.000 zur\u00fcckgehen. Die zentrale Forschungsabteilung, das Office of Oceanic and Atmospheric Research, das unter anderem f\u00fcr Argo zust\u00e4ndig ist, soll aufgel\u00f6st werden. Zwischen April und Juni hat die NOAA angek\u00fcndigt, 20 Datensammlungen oder Produkte mit Bezug zu Erdbeben und Schifffahrt aufzugeben.<\/p>\n<p>(Von Kate Abnett und Valerie Volcovici und Sarah Marsh\/Reuters)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wissenschaftlich erhobene Umweltdaten sind nicht nur f\u00fcr die Beobachtung und Bek\u00e4mpfung des Klimawandels wichtig. 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