{"id":323710,"date":"2025-08-06T14:51:10","date_gmt":"2025-08-06T14:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323710\/"},"modified":"2025-08-06T14:51:10","modified_gmt":"2025-08-06T14:51:10","slug":"nach-sizilien-mit-dem-auto-mit-dieser-bruecke-will-meloni-trump-austricksen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323710\/","title":{"rendered":"Nach Sizilien mit dem Auto: Mit dieser Br\u00fccke will Meloni Trump austricksen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Italien bringt ein Prestige-Projekt auf den Weg. Eine Br\u00fccke \u00fcber die Meerenge von Messina soll die Insel Sizilien mit dem Festland verbinden. Die Kosten in Milliardenh\u00f6he will die Regierung als Ausgaben f\u00fcr die Verteidigung verbuchen.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Matteo Salvini, Italiens Infrastrukturminister und Chef der Partei Lega, geht ein Traum in Erf\u00fcllung. Die Regierung um Premierministerin Giorgia Meloni hat den Bau eines Projekts der Superlative genehmigt: eine mehr als drei Kilometer lange Br\u00fccke zwischen dem italienischen Festland und Sizilien. Auf 13 Milliarden Euro werden die Kosten f\u00fcr das Vorhaben gesch\u00e4tzt, das in Italien sehr umstritten ist. Um den Bau zu erm\u00f6glichen, bezeichnet die Regierung die Br\u00fccke nun als entscheidend f\u00fcr die nationale Sicherheit.<\/p>\n<p>Davon war in den vielen Jahren des Hin und Her bis vor Kurzem keine Rede. Begr\u00fcndet wurde das Projekt damit, zwei strukturschwache Regionen Italiens zu beleben. Die Verbindung Siziliens mit dem Festland werde. Wirtschaft, Handel sowie Tourismus ankurbeln und zahlreiche Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Bislang kann man die Meerenge von Messina &#8211; an der Spitze des italienischen Stiefels &#8211; nur mit F\u00e4hren \u00fcberqueren.<\/p>\n<\/p>\n<p>Dass die Br\u00fccke jetzt als Projekt der nationalen Sicherheit bezeichnet wird, hat einen entscheidenden Vorteil: Die Milliardenkosten erleichtern der Regierung, die Nato-Verpflichtungen zur Aufstockung der Milit\u00e4rausgaben zu erf\u00fcllen. Auf Druck von US-Pr\u00e4sident Donald Trump hatten sich die Nato-Staaten verpflichtet, bis 2035 mindestens 3,5 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr Verteidigung und 1,5 Prozent f\u00fcr verteidigungsrelevante Infrastruktur auszugeben. Das entspricht zusammen den von Trump geforderten f\u00fcnf Prozent der Wirtschaftsleistung f\u00fcr die Verteidigung.<\/p>\n<p>Konsequenterweise argumentiert die italienische Regierung damit, dass Russland seinen Einfluss im Mittelmeer ausbauen wolle. Das Bauwerk habe deshalb einen strategischen Wert f\u00fcr die Nato &#8211; auch wegen der St\u00fctzpunkte des B\u00fcndnisses in S\u00fcditalien. Denn die Stra\u00dfen- und Eisenbahnbr\u00fccke werde die Mobilit\u00e4t der italienischen Armee und der Nato-Verb\u00fcndeten erleichtern.<\/p>\n<p>R\u00f6mer legten vor <\/p>\n<p>Ob die Br\u00fccke strategisch wirklich bedeutend ist, wird von Milit\u00e4rexperten angezweifelt. Alessandro Marrone, Leiter des Verteidigungsprogramms am Institut f\u00fcr Internationale Angelegenheiten in Rom, sagte der &#8222;Financial Times&#8220;, dass die italienische Regierung das Argument der verteidigungsrelevanten Infrastruktur \u00fcberstrapaziere. Denn die Hauptpriorit\u00e4t der Nato bestehe darin, die in Westeuropa stationierten Truppen im Falle eines Angriffs Russlands auf die Ostflanke der Nato schnell nach Osten verlegen zu k\u00f6nnen. Italien m\u00fcsse sich daher auf die Modernisierung von H\u00e4fen, Flugh\u00e4fen und Stra\u00dfen in den Regionen konzentrieren, in denen seine Truppen stationiert sind: &#8222;Wenn man nach Osten muss, geht das entweder \u00fcber die Adria, mit dem Flugzeug oder \u00fcber die Alpen&#8220;, so Marrone.<\/p>\n<p>Die Idee, Sizilien mit dem Festland zu verbinden, gibt es seit der Antike. Der r\u00f6mische Historiker Plinius berichtet, die R\u00f6mer h\u00e4tten nach dem Sieg gegen Karthago 252 v. Chr. eine Br\u00fccke aus zusammengebundenen schwimmenden F\u00e4ssern gebaut, um mehr als hundert Elefanten von der Insel zum Festland zu bringen.<\/p>\n<p>Auch in der Neuzeit wurde eine Br\u00fccke immer wieder ins Gespr\u00e4ch gebracht &#8211; vor allem nach der Gr\u00fcndung des italienischen Nationalstaats im 19. Jahrhundert als Symbol der Einheit zwischen Sizilien und dem italienischen Festland. Doch technische sowie nat\u00fcrliche Herausforderungen &#8211; starke Str\u00f6mungen, gro\u00dfe Wassertiefe, Erdbebengefahr &#8211; und die hohen Kosten verhinderten eine Umsetzung.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren wurden die Planungen konkreter. 1981 wurde f\u00fcr das Projekt die staatliche Gesellschaft &#8222;Stretto di Messina&#8220; gegr\u00fcndet, um Bau und Betrieb zu koordinieren. Sie wurde sp\u00e4ter aufgel\u00f6st und 2023 von der jetzigen italienischen Regierung wiederbelebt.<\/p>\n<p>&#8222;Traum von Millionen&#8220;<\/p>\n<p>Vorher hatten Premier Silvio Berlusconi und das Parlament im Jahre 2005 einen Bauauftrag vergeben, der Baubeginn wurde mehrfach offiziell angesetzt. Doch hohe Kosten, Kritik an den Folgen f\u00fcr die Umwelt und Regierungswechsel sorgten daf\u00fcr, dass das Projekt nie gestartet wurde.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2023 brachte die Regierung Meloni das Projekt erneut auf den Weg. Salvini behauptete damals, &#8222;das gr\u00f6\u00dfte \u00f6ffentliche Bauwerk auf dem europ\u00e4ischen Kontinent in diesem Jahrhundert&#8220; sei &#8222;der Traum von Millionen von Italienern seit Jahrhunderten&#8220;.<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke soll 3666 Meter lang und 60 Meter breit werden. Die beiden Br\u00fcckenpfeiler, auf denen die Fahrbahnen f\u00fcr Autos und Z\u00fcge \u00fcber Schr\u00e4gseile h\u00e4ngen, werden 399 Meter hoch, wie der Plan vorsieht. Nach der Fertigstellung k\u00f6nnen demnach rund 6000 Autos pro Stunde und t\u00e4glich 200 Z\u00fcge \u00fcber die Br\u00fccke fahren. Die Planer gehen von rund 11 Millionen Menschen aus, die jedes Jahr die Br\u00fccke nutzen. Er\u00f6ffnet werden soll das Projekt in sechs Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Italien bringt ein Prestige-Projekt auf den Weg. 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