{"id":323748,"date":"2025-08-06T15:12:13","date_gmt":"2025-08-06T15:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323748\/"},"modified":"2025-08-06T15:12:13","modified_gmt":"2025-08-06T15:12:13","slug":"gegen-aengste-vr-brillen-in-dortmunder-psychiatrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323748\/","title":{"rendered":"Gegen \u00c4ngste: VR-Brillen in Dortmunder Psychiatrie"},"content":{"rendered":"<p>    <a href=\"https:\/\/www.ruhrnachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/28\/14\/630_0900_4897984_VR_Brillen_Knappschaftskrankenhaus_1_-1648x824.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/630_0900_4897983_VR_Brillen_Knappschaftskrankenhaus_1_-640x428.jpg\" width=\"640\" height=\"428\"  alt=\"Diplom-Psychologin Susanne Scheidat zeigt die VR-Brille, die sie f\u00fcr Therapien an den Knappschaft Kliniken L\u00fctgendortmund nutzt.\"\/><\/p>\n<p>    <\/a><br \/>\n    Die Knappschaft Kliniken L\u00fctgendortmund haben seit Kurzem eine VR-Brille im Einsatz. Psychologin Susanne Scheidat nutzt die Technik unter anderem in der Therapie von Angspatientinnen und -patienten. \u00a9 Julia Kowal<\/p>\n<p class=\"article__teaser-text\">Ob Spinnen oder H\u00f6he: An den Knappschaft Kliniken \u00fcberwinden Patienten ihre \u00c4ngste mit innovativer Technik. Die Psychiatrie setzt nun eine VR-Brille ein.<\/p>\n<p>5 Min Lesezeit<\/p>\n<p>\u201eNicht nach unten gucken, einfach weitergehen\u201c, sage ich mir wie ein Mantra auf, w\u00e4hrend ich \u00fcber die H\u00e4ngebr\u00fccke gehe. Auf der anderen Seite des Tals kann ich eine Burgruine sehen, links und rechts Berge. Und weit unter mir \u2013 oh weh, jetzt habe ich doch nach unten geschaut \u2013 rauschen Autos \u00fcber eine Autobahn.<\/p>\n<p>Was ich hier sehe und erlebe, passiert gerade nicht wirklich. Auf dem Kopf habe ich eine VR-Brille (VR steht f\u00fcr Virtuelle Realit\u00e4t), vor meinen Augen l\u00e4uft ein Video ab. Die Aufnahmen sind real gefilmt, auch meine H\u00f6henangst f\u00fchlt sich gerade ziemlich echt an. Denn mit der VR-Brille schaue ich eben nicht einfach nur ein Video an, ich erlebe es.<\/p>\n<p>Depression nachf\u00fchlen<\/p>\n<p>Die Psychiatrische Institutsambulanz nutzt diese innovative Technologie seit einigen Monaten. Schon vor ein paar Jahren wurde sie einmal an den Knappschaft-Kliniken L\u00fctgendortmund verwendet: <a href=\"https:\/\/www.ruhrnachrichten.de\/dortmund\/depression-man-ueberlegt-sich-zweimal-ob-man-aus-dem-bett-aussteigt-w1765242-2000559609\/\" data-imported=\"1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bei einer Aktion der Robert-Enke-Stiftung konnten Interessenten mit Hilfe einer VR-Brille erfahren, wie sich eine Despression anf\u00fchlt.<\/a><\/p>\n<p>Nun wird die Technik dauerhaft in der Institutsambulanz f\u00fcr die Therapie von Angstpatientinnen und -patienten genutzt, ebenso f\u00fcr Menschen mit Depressionen, Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen (PTBS), chronischen Schmerzen, Zw\u00e4ngen oder S\u00fcchten.<\/p>\n<p>Dank VR auf die H\u00e4ngebr\u00fccke<\/p>\n<p>Die Leitende Psychologin Susanne Scheidat gew\u00e4hrt mir sozusagen eine Sonder-Therapiesitzung, in der ich mich meiner H\u00f6henangst stelle. Daf\u00fcr w\u00e4hlt sie eines von 650 Szenarien aus, das auf meine Angst zugeschnitten ist. Sie reicht mir die VR-Brille und startet das Video. Und pl\u00f6tzlich stehe ich nicht mehr im Behandlungszimmer, sondern in schwindelerregender H\u00f6he auf einer \u2013 wie mir scheint \u2013 endlos langen H\u00e4ngebr\u00fccke aus Stahl.<\/p>\n<p>\u201eJe gr\u00f6\u00dfer die Angst ist, desto realer wird das Video empfunden\u201c, erkl\u00e4rt die Diplom-Psychologin. Wem H\u00f6he also nichts ausmacht, f\u00fcr den ist die Situation, in der ich mich gerade befinde, nur ein sch\u00f6nes Video. Ich aber versp\u00fcre den Drang, mich am Gel\u00e4nder festzukrallen, mich hinzuhocken \u2013 oder einfach umzudrehen.<\/p>\n<p>Letzteres kann ich sogar. Denn die Aufnahmen wurden mit einer 360-Grad-Kamera gemacht. Wohin ich mich also auch drehe, sehe ich die reale Aussicht von der H\u00e4ngebr\u00fccke. Nur mich festhalten oder stehenbleiben kann ich nicht, zumindest nicht im Video. Denn das l\u00e4uft im steten Tempo weiter. Aus der Situation komme ich also nicht raus, ich muss mich ihr stellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/630_0900_4899172_VR_Brillen_Knappschaftskrankenhaus_14_-1024x683.jpg\" alt=\"Ich setze die VR-Brille auf, die die Psychiatrische Institutsambulanz seit Mai f\u00fcr Therapien nutzt.\" class=\"wp-image-2001750303\" title=\"Ich setze die VR-Brille auf, die die Psychiatrische Institutsambulanz seit Mai f\u00fcr Therapien nutzt.\"  \/>VR-Brillen aufsetzen und schon bin sehe ich nichts mehr vom Behandlungszimmer, sondern bin auf einer virtuellen H\u00e4ngebr\u00fccke.\u00a9 Susanne Janecke\/Knappschaft Kl.<\/p>\n<p>\u201eDas ist der gro\u00dfe Vorteil der Technologie\u201c, betont Susanne Scheidat. \u201eWir k\u00f6nnen unsere Patientinnen und Patienten mit der Brille motivieren, sich Situationen auszusetzen, in die sie sich in der Realit\u00e4t nicht trauen.\u201c Wege aus der Angst zu finden ist das Ziel der Angsttherapie, dazu braucht es die Reizkonfrontation. \u201eDie herzustellen, ist f\u00fcr uns aber nicht immer m\u00f6glich\u201c, so Scheidat.<\/p>\n<p>Denn wenn jemand Angst vor Autofahren auf der Autobahn hat, dann kann sich Susanne Scheidat eben nicht einfach mit ihm oder ihr ins Auto setzen und losfahren \u2013 das w\u00e4re sehr zeitaufwendig und gef\u00e4hrlich. Auch eine Vogelspinne kann die Psychologin nicht ins Behandlungszimmer holen. Und in L\u00fctgendortmund gibt es auch nicht eine solche H\u00e4ngebr\u00fccke, \u00fcber die ich gerade laufen muss.<\/p>\n<p>Mit Musik Spannung erzeugen<\/p>\n<p>Szenario, Stimmung, Spannung, Lautst\u00e4rke und Dauer, als das kann Susanne Scheidat konfigurieren und so auf die Bed\u00fcrfnisse der Patientinnen und Patienten abstimmen.<\/p>\n<p>In meinem Fall ist der Gang \u00fcber die H\u00e4ngebr\u00fccke mit schnell getakteter Musik unterlegt, die zus\u00e4tzliche Spannung und somit Stress f\u00fcr mich erzeugt. Die Leute, die mir auf der Br\u00fccke entgegenkommen, schauen auch nicht gerade gl\u00fccklich drein und halten sich am Gel\u00e4nder fest. Das steigert mein Unwohlsein nochmals.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Exposition, also der gezielten Konfrontation, kann Susanne Scheidat auf ihrem Computerbildschirm genau verfolgen, was der- oder diejenige mit der VR-Brille auf dem Kopf gerade sieht. \u201eIch sehe genau, wo die Patienten hinschauen, ob sie also zum Beispiel die Spinne angucken oder den Blick abwenden\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/630_0900_4897986_VR_Brillen_Knappschaftskrankenhaus_8_-1024x683.jpg\" alt=\"Auf dem Computerbildschirm l\u00e4uft ein Video mit einer Vogelspinne, das Patientinnen und Patienten mit Hilfe der VR-Brille sehen und erleben k\u00f6nnen.\" class=\"wp-image-2001750304\" title=\"Auf dem Computerbildschirm l\u00e4uft ein Video mit einer Vogelspinne, das Patientinnen und Patienten mit Hilfe der VR-Brille sehen und erleben k\u00f6nnen.\"  \/>\u00dcber den Computerbildschirm kann Susanne Scheidat sehen, was die Patientinnen und Patienten durch die VR-Brille sehen und wohin genau sie schauen.\u00a9 Julia Kowal<\/p>\n<p>Je nach Reaktionen der Patientinnen und Patienten greift sie unterst\u00fctzend ein, leitet an oder beobachtet einfach nur. Das genaue Zuschauen ist f\u00fcr die Diagnostik wichtig. Scheidat: \u201eEine Patientin sagte nach einem Unfall, dass sie nicht mehr Autofahren kann. In der Exposition stellte sich aber heraus, dass nicht das Autofahren an sich das Problem war, sondern nur \u00e4hnliche Situationen, wie die bei dem Unfall, Angst ausl\u00f6sten.\u201c<\/p>\n<p>Doch nicht immer geht es bei der Therapie mit VR-Brillen darum, \u00c4ngste zu \u00fcberwinden. F\u00fcr alkoholabh\u00e4ngige Menschen zum Beispiel lassen sich Versuchungssituationen erzeugen, durch die Susanne Scheidat dann begleitet. Auch f\u00fcr die Entspannung nach Konfrontationen nutzt die Psychologin die Technologie: \u201eManche Menschen k\u00f6nnen schlecht imaginieren. Mit der VR-Brille k\u00f6nnen sie sich leichter an einen sch\u00f6nen Strand versetzen und sich entspannen.\u201c<\/p>\n<p>Epilepsie vorab ausschlie\u00dfen<\/p>\n<p>25 Patientinnen und Patienten in der Psychiatrischen Institutsambulanz nutzen derzeit regelm\u00e4\u00dfig die VR-Brille, die Resonanz ist laut Scheidat durchweg positiv. \u201eDie Technologie hat ja auch nur Vorteile\u201c, betont die Psychologin, die anfangs selbst Zweifel hatte. \u201eIch war doch etwas skeptisch, ob das wirklich so real ist\u201c, gesteht sie. \u201eAber ich habe mich dann schnell \u00fcberzeugen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Vor der Verwendung ist aber abzukl\u00e4ren, dass Patientinnen und Patienten nicht an Epilepsie, schweren Augen- oder Schwindelerkrankungen erkrankt sind. Denn f\u00fcr davon Betroffene ist die VR-Brille nicht geeignet.<\/p>\n<p>Auf ein bestimmtes Alter ist die Technologie hingegen nicht begrenzt. In den Knappschaft Kliniken L\u00fctgendortmund sind die Patientinnen und Patienten, die die VR-Brille nutzen, derzeit zwischen 30 und 40 Jahre alt. \u201eAndere Kliniken setzen die Brille aber auch f\u00fcr \u00e4ltere Menschen mit Demenz und in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/630_0900_4899173_VR_Brillen_Knappschaftskrankenhaus_13_-1024x683.jpg\" alt=\"Ich stehe zwar im Behandlungszimmer, werde durch die VR-Brille aber auf eine H\u00e4ngebr\u00fccke versetzt. Beim Blick nach unten m\u00f6chte ich mich am liebsten am Gel\u00e4nder festhalten.\" class=\"wp-image-2001750305\" title=\"Ich stehe zwar im Behandlungszimmer, werde durch die VR-Brille aber auf eine H\u00e4ngebr\u00fccke versetzt. Beim Blick nach unten m\u00f6chte ich mich am liebsten am Gel\u00e4nder festhalten.\"  \/>Durch die 360-Grad-Aufnahmen kann ich den Kopf drehen und bleibe jederzeit in der virtuellen Welt. Beim Blick nach unten sehe ich daher, wie tief es von der H\u00e4ngebr\u00fccke nach unten geht und m\u00f6chte mich am Gel\u00e4nder festhalten.\u00a9 Susanne Janecke\/Knappschaft Kl.<\/p>\n<p>Drei bis f\u00fcnf Sitzungen k\u00f6nnen f\u00fcr die Konfrontation bereits ausreichen. \u201eDas ist bei jeder Exposition so, mit Hilfe von VR k\u00f6nnen wir die aber sehr viel leichter durchf\u00fchren\u201c, so Scheidat. Die gezielte Konfrontation ist Teil einer Therapie, wird also begleitend eingesetzt. Einige Patientinnen und Patienten konnten die bereits abschlie\u00dfen \u2013 obwohl die Psychiatrische Institutsambulanz die Technologie erst seit Mai nutzt. \u201eDas ist wirklich ein Erfolg\u201c, freut sich die Psychologin.<\/p>\n<p>Meine H\u00f6henangst \u00fcberwinde ich mit dieser einen Konfrontation also nicht. Schade, denn die Aussicht von der H\u00e4ngebr\u00fccke ist ja eigentlich ganz sch\u00f6n. Daf\u00fcr diagnostiziert Susanne Scheidat noch ein ganz anderes Leiden bei mir.<\/p>\n<p>Denn als ich die VR-Brille wieder abnehme, wird mir kurz darauf ein bisschen schwindelig, etwas sp\u00e4ter stellt sich sogar leichte \u00dcbelkeit ein. \u201eLeiden Sie unter Reisekrankheit?\u201c, fragt mich die Psychologin und nennt mir gleich den Fachbegriff im Zusammenhang mit VR: Meine gerade noch empfundene H\u00f6henangst auf der virtuellen H\u00e4ngebr\u00fccke ist einer Cyber Sickness gewichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Knappschaft Kliniken L\u00fctgendortmund haben seit Kurzem eine VR-Brille im Einsatz. 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