{"id":323915,"date":"2025-08-06T16:43:12","date_gmt":"2025-08-06T16:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323915\/"},"modified":"2025-08-06T16:43:12","modified_gmt":"2025-08-06T16:43:12","slug":"wie-der-klimawandel-verharmlost-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/323915\/","title":{"rendered":"Wie der Klimawandel verharmlost wird"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>faktenfinder<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.08.2025 17:51 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>In den vergangenen Wochen war der Sommer in Deutschland eher m\u00e4\u00dfig. Im Netz wird das als vermeintlicher Beweis angesehen, dass die Warnungen vor dem Klimawandel \u00fcbertrieben seien. Doch das ist irref\u00fchrend.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/carla-reveland-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Carla Reveland\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753974672_207_carla-reveland-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/pascal-siggelkow-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Pascal Siggelkow, SWR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753974673_632_siggelkow-pascal-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den sozialen Medien kursieren derzeit zahlreiche Beitr\u00e4ge, die den Klimawandel angesichts des vergleichsweise nassen und grauen Julis in Zweifel ziehen. Insbesondere die Diskrepanz zwischen dem von unterschiedlichen Medien angek\u00fcndigten extrem hei\u00dfen, trockenen Sommer und dem tats\u00e4chlichen Wetter im Juli genutzt, um wissenschaftlich fundierte Warnungen vor dem Klimawandel zu diskreditieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo hei\u00dft es etwa in einem Post: &#8222;Die Verarsche geht weiter; Hitzewelle ohne Hitzebelastung!&#8220; Fr\u00fcher habe man dies Sommer genannt. Auch Shirts mit Spr\u00fcchen wie &#8222;Steckt euch euren Klimaschwindel in den Arsch&#8220; werden als Ausdruck des Spotts verkauft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einem Artikel eines rechtspopulistischen Medienportals ist die Rede von einem &#8222;arktischen K\u00e4lteeinbruch&#8220;, der statt der &#8222;Gluthitze&#8220; eingetreten sei und den &#8222;Panikmachern&#8220; widerspreche. &#8222;Global ist keine Spur von Erw\u00e4rmung zu sehen&#8220;, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Das Klima, das ist heute keine Frage von Wetterdaten mehr, sondern von Gesinnung&#8220;, steht in einem weiteren Beitrag des Medienportals.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die AfD befeuert dies. So schreibt die nieders\u00e4chsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt auf X: &#8222;Willkommen im Trans-Sommer 2025. Der Sommer, in dem sich die Sonne spontan als Regen identifiziert hat, der Grill ist depri, der Pool voll mit Tr\u00e4nen &#8211; und mein Vitamin D hat Asyl in Spanien beantragt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas ist kein neues Ph\u00e4nomen. Immer wieder wird das Wetter genutzt, um den Klimawandel zu verharmlosen. So hei\u00dft es im Winter <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/schnee-klimawandel-erderwaermung-100.html\" title=\"Warum Schnee die Klimaerw\u00e4rmung nicht widerlegt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei Schnee und K\u00e4lte<\/a> oftmals, dass die Erderw\u00e4rmung und der Klimawandel nicht so schlimm seien. Im Sommer wiederum werden <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/nius-klima-desinformation-100.html\" title=\"Verregneter Juli: Lokale Wetterph\u00e4nomene sprechen nicht gegen Klimawandel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00e4ltere oder verregnete Tage<\/a> genutzt, um dieses Narrativ zu befeuern. Dabei sind einzelne Wetterph\u00e4nomene kein Beweis daf\u00fcr, dass es den Klimawandel nicht gibt oder er harmloser ist als behauptet.<\/p>\n<p>    Juni und Juli w\u00e4rmer als Referenzperiode<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr eine abschlie\u00dfende Bewertung des diesj\u00e4hrigen Sommers sei es noch zu fr\u00fch, sagt Andreas Walter, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Schlie\u00dflich geh\u00f6re der August zu den Sommermonaten dazu. Doch \u00fcber den Juni und Juli lie\u00dfen sich bereits Aussagen treffen. Und diese beiden Monate seien in der Mitteltemperatur jeweils w\u00e4rmer als die Referenzperiode von 1961 bis 1990 gewesen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo lag der Juni nach Angaben des DWD mit einer Durchschnittstemperatur von 18,4 Grad Celsius ganze drei Grad \u00fcber dem Mittelwert der Referenzperiode des Monats Juni (15,4 Grad).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Juli war mit einer Durchschnittstemperatur von ebenfalls 18,4 Grad Celsius noch gut 1,4 Grad \u00fcber dem Referenzmittelwert (16,9 Grad). Der Juni war damit der siebtw\u00e4rmste Juni seit 1881, der Juli liegt immerhin noch im oberen Drittel auf Platz 39.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Die positiven Temperaturabweichungen beider bisherigen Sommermonate deuten darauf hin, dass der Trend zu w\u00e4rmeren Temperaturen anh\u00e4lt&#8220;, sagt Walter vom DWD. Dies sei auf den durch anthropogene Emissionen von Treibhausgasen in die Atmosph\u00e4re verursachten zus\u00e4tzlichen Treibhauseffekt zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Dass der generelle Trend der Mitteltemperaturen nicht linear verl\u00e4uft und von nat\u00fcrlicher Klimavariabilit\u00e4t \u00fcberlagert wird, erkl\u00e4rt sowohl Ausrei\u00dfer nach oben als auch nach unten&#8220;, sagt Walter. &#8222;Das \u00e4ndert aber nichts am generellen Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte.&#8220;<\/p>\n<p>    Niederschlagsmenge im Juli \u00fcberdurchschnittlich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit Blick auf Regen ist der Sommer bisher eher durchschnittlich. Im Juni fielen laut DWD im Schnitt 58,8 Liter pro Quadratmeter Niederschlag &#8211; der Rekord liegt hier bei 129,5 Litern pro Quadratmeter aus dem Jahr 1971. Seit 1881 waren insgesamt 62 Juni-Monate trockener als der diesj\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Juli 2025 fielen im Schnitt 113,4 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, in der Referenzperiode 1961 bis 1990 waren es 77,6 Liter pro Quadratmeter. Der Rekord f\u00fcr einen Juli-Monat liegt bei 168,5 Litern pro Quadratmeter und stammt aus dem Jahr 1954.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Juni war nicht nur sehr warm, sondern auch sehr sonnig. Nach Angaben des DWD schien die Sonne im Juni 273,3 Stunden &#8211; nur sechs Juni-Monate waren sonniger. Im Juli schien die Sonne 182,9 Stunden. Das ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig: Das bisher gemessene Maximum liegt hier bei 334,5 Stunden im Juli 2006. Seit 1881 waren genau 100 Juli-Monate sonniger.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Bez\u00fcglich des Niederschlags und der Sonnenscheindauer kann von einem bisher durchschnittlichen deutschen Sommer (nur Juni und Juli) gesprochen werden&#8220;, sagt Walter. Wobei der doch recht sonnige Juni bemerkenswert sei. Der Niederschlag und die Bew\u00f6lkung im Juli seien naturgem\u00e4\u00df korreliert und nicht voneinander unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>    Vergangene Sommer &#8222;unnormal hei\u00df&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass gerade der regnerische Juli in Deutschland als sehr &#8222;unsommerlich&#8220; wahrgenommen wurde, hat laut Meteorologe Martin Gudd vom ARD-Wetterkompetenzzentrum\u00a0auch damit zu tun, dass die vergangenen Sommer eher &#8222;unnormal&#8220; hei\u00df, eher mediterran, waren. Dabei sei auch in diesem Sommer klar, dass der Klimawandel das Wetter beeinflusse &#8211; gerade auch, weil es so gro\u00dfe Unterschiede in Europa gibt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGetr\u00fcbt sei dieser Eindruck wahrscheinlich von einer unmittelbaren anderen Empfindung von viel Regen und wenig Sonne, so Gudd. &#8222;Was die Leute in ihrem Vorgarten nicht sehen, passiert halt nicht und diese Klimaerw\u00e4rmung ist jetzt mal nicht direkt bei uns gewesen. In Wirklichkeit aber passt alles genau ins Bild.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo lagen zum Beispiel in Spanien, Griechenland, Italien und Teilen der T\u00fcrkei die Temperaturen bei bis zu 46\u202fGrad &#8211; begleitet von schwerer Trockenheit, Waldbr\u00e4nden und Hitzewarnungen.<\/p>\n<p>    Langfristige Entwicklungen relevant<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTempor\u00e4re lokale Wetterph\u00e4nomene sind aus Sicht von Kevin Sieck vom Climate Service Center Germany (GERICS) nicht geeignet, um Aussagen \u00fcber den Klimawandel zu treffen. &#8222;Robuste Aussagen \u00fcber Klimatrends k\u00f6nnen nur gewonnen werden, wenn man sich hierzu mehrere Jahrzehnte anschaut&#8220;, sagte Sieck in einem fr\u00fcheren Artikel von tagesschau.de. Es seien die langfristigen Entwicklungen, die bei der Beurteilung von Trends im Klima relevant sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWetter und Klima seien zwei verschiedene Sachen, sagte auch Ren\u00e9 Orth, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut f\u00fcr Biogeochemie. Wetter k\u00f6nne mal kalt, mal warm, mal nass, mal trocken sein. &#8222;Klima ist das, was sich auf l\u00e4ngeren Zeitperioden abspielt. Wenn man das Wetter \u00fcber mehrere Jahre oder am besten Jahrzehnte mittelt, dann sehen wir das Klima.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Durchschnittstemperatur in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen. Im vergangenen Jahr betrug sie 10,9 Grad Celsius. Zum Vergleich: 1960 lag sie noch bei 8,4 Grad. Die Durchschnittstemperatur lag im Jahr 2024 global gesehen 1,55 Grad Celsius \u00fcber dem vorindustriellen Niveau (1850-1900).\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"faktenfinder Stand: 06.08.2025 17:51 Uhr In den vergangenen Wochen war der Sommer in Deutschland eher m\u00e4\u00dfig. 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