{"id":324452,"date":"2025-08-06T21:26:14","date_gmt":"2025-08-06T21:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324452\/"},"modified":"2025-08-06T21:26:14","modified_gmt":"2025-08-06T21:26:14","slug":"dokumentarfilm-ueber-opernsaengerinnen-mit-klischees-wurde-nicht-gegeizt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324452\/","title":{"rendered":"Dokumentarfilm \u00fcber Operns\u00e4ngerinnen: Mit Klischees wurde nicht gegeizt"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Ist bei der Titelgebung zu diesem Dokumentarfilm vielleicht ein Fragezeichen vergessen worden? \u201ePrimadonna \u2013 or Nothing?\u201c m\u00fcsste er eigentlich passender hei\u00dfen. Denn: Auf keinen Fall w\u00fcrde sie f\u00fcr eine Weltkarriere ihr Privat\u00adleben opfern, sagt etwa die deutsche Mezzosopranistin Valerie Eickhoff, die noch am Beginn ihrer Laufbahn steht. Und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Opernfestival-in-Aix-en-Provence\/!5606048\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die US-amerikanische Sopranistin Angel Blue<\/a>, die bereits ihre Weltkarriere lebt, erw\u00e4hnt, sie habe unglaublich hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sei. Und sie liebe es zu singen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Aber: \u201eThe most important thing is to remember that it\u2019s not everything.\u201c Die Familie bedeute ihr alles. W\u00e4hrend des Films sieht und h\u00f6rt man sie permanent mit ihren Schwestern telefonieren. Als Blue an ihrer alten Alma Mater, der UCLA in Los Angeles, auftritt und in Erinnerung an ihren verstorbenen Vater ein Gospel singt, das sie zu Beginn ihrer Karriere f\u00fcnfzehn Jahre zuvor f\u00fcr ihn an derselben Stelle sang, laufen ihr Tr\u00e4nen \u00fcbers Gesicht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Ganz am Ende des Films absolviert sie ein Telefoninterview mit einem Journalisten, der sie, nachdem sie zuvor die \u201eTosca\u201c gegeben hat, fragt, wie es eigentlich so sei, gerade diese Rolle zu singen. Sei es nicht ganz bl\u00f6d f\u00fcr eine Sopranistin, st\u00e4ndig <a href=\"https:\/\/taz.de\/Dokumentarfilm-ueber-Maria-Callas\/!5503891\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Schatten der Callas zu stehen<\/a>?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Zu Beginn des Films hatte eine ihrer Schwestern der S\u00e4ngerin telefonisch geraten, stets eine \u201egood attitude\u201c zu bewahren. Diese F\u00e4higkeit besitzt Angel Blue im \u00dcberma\u00df, wie auch in dieser Situation zu beobachten ist. Eloquent und unbeirrbar freundlich sagt sie dem Interviewer, dass sie die Callas verehre und mit einer Position in deren Schatten absolut kein Problem habe.<\/p>\n<p>Der Film<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>\u201ePrimadonna or Nothing\u201c.<\/strong> Regie: Juliane Sauter. Deutschland 2025, 99 Min.<\/p>\n<p>      Ein Callas-Autorgramm? Wirf es weg!<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Die 88-j\u00e4hrige Renata Scotto (2023, nicht lange nach Beendigung der Dreharbeiten, verstarb die 1934 geborene italienische Sopranistin) sieht das sicherlich anders, denn in einer Szene weist sie einen Bekannten, der damit angibt, eine Callas-Autogrammkarte zu besitzen, an, diese wegzuwerfen. Von den drei S\u00e4ngerinnen, die im Film portr\u00e4tiert werden, ist Scotto die Einzige, die in ihrer attitude dem Klischeebild einer Primadonna assoluta zu entsprechen scheint.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Stets umgeben von Familie und Freunden, gibt der einstige Opernstar zweifellos in allem weiterhin den Ton an; nach Beendigung ihrer Welt\u00adkarriere ist Scotto in ihre Heimat\u00adstadt Savona zur\u00fcckgekehrt und geht ganz in ihrer Rolle als hoch verehrte Matriarchin auf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Es w\u00e4re bestimmt interessant gewesen, die drei Frauen ein\u00adgehender nach ihren Rollenbildern zu befragen. Dass \u201ekeiner auf einen wartet\u201c, man \u201ealles geben muss\u201c, die \u201epermanente Bewertung zum Beruf dazu\u201c geh\u00f6rt \u2013 geschenkt. Kaum eine MusikerInnenfilmbiografie kommt ohne die Botschaft aus, dass Kunst sch\u00f6n ist, aber viel Arbeit macht; darin liegt kaum informativer Mehrwert. (Auch Musikweltreisende im Taxi zu filmen ist \u00fcbrigens ein langweiliges Klischee.)<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Hat sich<br \/>\n            die Opern\u00adwelt ge\u00adwan\u00addelt seit Renata Scottos gro\u00dfen Zeiten? Wenn ja, in\u00adwie\u00adfern und warum?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Es h\u00e4tte vielfache, vertiefende M\u00f6glichkeiten gegeben: Warum hat denn Regisseurin Juliane Sauter ausgerechnet drei Frauen \u2013 und null M\u00e4nner \u2013 in den Mittelpunkt eines Films gestellt, der auch noch den Begriff \u201ePrimadonna\u201c im Titel f\u00fchrt? Was impliziert das?<\/p>\n<p>      Primadonna werden \u2013 ist das noch erstrebenswert?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Gibt es heutzutage \u00fcberhaupt noch aktiv singende weibliche Opernstars, die sich selbst als Primadonna bezeichnen (lassen) w\u00fcrden? Hat sich die Opernwelt gewandelt seit Renata Scottos gro\u00dfen Zeiten? Wenn ja, inwiefern und warum?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">All das kommt aber nicht zur Sprache, und auch die geschlechts- oder genderspezifischen Herausforderungen, denen S\u00e4ngerinnen (mit kleinem i) in Aus\u00fcbung ihres Berufs ausgesetzt sein m\u00f6gen, kommen nur am Rande vor. Sehr fremdsch\u00e4men m\u00f6chte man sich f\u00fcr den scheinbar wohlmeinenden \u00e4lteren Herrn, der zu Valerie Eickhoff nach deren Auftritt im Gesangswettbewerb von Montreal sagt, sie habe sehr h\u00fcbsch ausgesehen auf der B\u00fchne, aber das werde ja wahrscheinlich nicht in die Wertung mit einbezogen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Fast genauso schlimm die m\u00e4nnliche Stimme (ihres Managers vielleicht?), die zu h\u00f6ren ist, w\u00e4hrend sie sich auf den Wettbewerbsauftritt vorbereitet, und ihr sagt, sie sei \u201egenauso gut wie alle anderen\u201c. Ist das die Unterst\u00fctzung, die mensch in so einem Moment braucht? Am Ende wird Eickhoff Dritte \u2013 ein gro\u00dfer Erfolg, eigentlich, aber sie w\u00e4re lieber Erste gewesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Etwas mehr Musik h\u00e4tte es \u00adgeben k\u00f6nnen im Film, aber das ist Geschmackssache und muss ja auch im dokumentarischen Rahmen bleiben. Irritierend wirkt der wiederholte, wahrscheinlich k\u00fcnstlerisch gemeinte Effekt, bewegte Bilder der singenden Frauen zu unterlegen mit anderen Sound\u00adeffekten. Aber trotz einer gewissen inhaltlichen Oberfl\u00e4chlichkeit ist \u201ePrimadonna or Nothing\u201c eine gute Gelegenheit, drei gro\u00dfartige S\u00e4ngerinnen kennenzulernen. F\u00fcr mehr T\u00f6ne aus deren Weltklassekehlen gibt es danach ja auch noch Youtube.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ist bei der Titelgebung zu diesem Dokumentarfilm vielleicht ein Fragezeichen vergessen worden? \u201ePrimadonna \u2013 or Nothing?\u201c m\u00fcsste er&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":324453,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,30,95,1777,215],"class_list":{"0":"post-324452","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kino","13":"tag-movie","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114983939892389790","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324452"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324452\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/324453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}