{"id":324477,"date":"2025-08-06T21:40:16","date_gmt":"2025-08-06T21:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324477\/"},"modified":"2025-08-06T21:40:16","modified_gmt":"2025-08-06T21:40:16","slug":"als-der-sv-atlas-delmenhorst-gegen-borussia-moenchengladbach-spielte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324477\/","title":{"rendered":"Als der SV Atlas Delmenhorst gegen Borussia M\u00f6nchengladbach spielte"},"content":{"rendered":"<p> Lothar Matth\u00e4us, damals gerade einmal 19 Jahre alt und noch kein Weltmeister, war die ganze Sache merklich unangenehm. \u201eEr hat sich bei mir entschuldigt\u201c, erinnert sich William &#8222;Billy&#8220; Donougher. Der sp\u00e4tere Weltfu\u00dfballer hatte dem Engl\u00e4nder im Trikot des <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/sv-atlas-delmenhorst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SV Atlas Delmenhorst<\/a> tats\u00e4chlich ein Tor geklaut. Im DFB-Pokal-Achtelfinale der Blau-Gelben beim Bundesligisten Borussia M\u00f6nchengladbach am 31. Januar 1981 verhinderte Matth\u00e4us&#8216; Hand, dass ein Donougher-Schuss den Weg \u00fcber die Linie fand. \u201eDer w\u00e4re sicher reingegangen\u201c, sagt der heute 67-J\u00e4hrige. Immerhin: Es gab einen Handelfmeter, den Herbert Meyer zum Delmenhorster Ehrentreffer verwandelte. Der Au\u00dfenseiter verlor beim haushohen Favoriten letztlich mit 1:6.<\/p>\n<p>\n    Das Duell zwischen Atlas und Gladbach hat also ungew\u00f6hnlich viel Tradition f\u00fcr ein Spiel zwischen Amateur- und Profiklub. <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/stadt-delmenhorst\/sport\/sv-atlas-delmenhorst-rechnet-mit-ausverkauftem-stadion-gegen-gladbach-doc81m7lz95ypubsw7zkj6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Am 17. August treffen die beiden Vereine in Oldenburg aufeinander (15.30 Uhr),<\/a> mehr als 44 Jahre nach dem denkw\u00fcrdigen ersten Vergleich. Heutzutage ist es keine Frage mehr, dass der Oberligist gegen den Bundesligisten Heimrecht genie\u00dft. Es ist in den Regeln festgeschrieben. 1981 war das noch nicht so. Die Blau-Gelben, in der damals drittklassigen Oberliga beheimatet, mussten an den B\u00f6kelberg reisen.\n<\/p>\n<p>Kein Heimvorteil f\u00fcr Amateurklubs<\/p>\n<p>\u201eEs war wirklich schade, dass wir als Amateurverein keinen Heimvorteil hatten. Das Spiel w\u00e4re in Delmenhorst ein Riesenevent gewesen, wir hatten immer viele Zuschauer bei unseren Heimspielen und waren zu Hause sehr stark\u201c, sagt Donougher und f\u00fcgt hinzu: \u201eEs war aber auch ein Traum, am B\u00f6kelberg zu spielen. Das war ein sehr sch\u00f6nes Erlebnis.\u201c<\/p>\n<p>\n    Der englische Mittelfeldspieler geh\u00f6rte zusammen mit Atlas-Gr\u00f6\u00dfen wie Thomas Pfautsch, G\u00fcnter Selke oder &#8222;Bubi&#8220; Bentrup zur Startelf gegen ein Gladbacher Starensemble, dem neben Matth\u00e4us auch Topspieler wie Ewald Lienen, Wolfgang Kleff oder Wolfram Wuttke angeh\u00f6rten. An der Seitenlinie stand bei der Borussia Jupp Heynckes, <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/sport\/fussball\/keine-grosse-buehne-mehr-jupp-heynckes-wird-75-doc7e4j2n14fzk1gzjxu1sj\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der als Trainer sp\u00e4ter nahezu alles gewinnen sollte, was es zu gewinnen gibt.<\/a> \u201eWir hatten anfangs zu viel Respekt vor diesen gro\u00dfen Namen\u201c, gibt Donougher zu. Zur Pause lag Delmenhorst mit 1:6 hinten.\n<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" data-w=\"1200 1 Landscape\" alt=\"Das 5:0 f\u00fcr Borussia M\u00f6nchengladbach: Harald Nickel ist eheram Ball als Atlas-Torwart Hans-J\u00fcrgen Metz und trifft per Kopf.\" class=\"inline-gallery__image withsrc\" style=\"max-height:unset;aspect-ratio:16\/9\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Landscapedoc7io4gk0pobm31l3naj8-jpg.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>\n                        Das 5:0 f\u00fcr Borussia M\u00f6nchengladbach: Harald Nickel ist eher<br \/>\n                        <br \/>am Ball als Atlas-Torwart Hans-J\u00fcrgen Metz und trifft per Kopf.\n                    <\/p>\n<p>                    Foto:<br \/>\n     imago images <\/p>\n<p>\u201eIn der zweiten Halbzeit haben wir diesen Spielstand dann bis zum Schluss gehalten. Da hat man gesehen, dass vielleicht mehr m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, aber nat\u00fcrlich hat Gladbach verdient gewonnen\u201c, sagt Donougher. Gladbachs Trainer Heynckes zeigte sich durchaus beeindruckt von der Leistung des Gegners und erkl\u00e4rte nach dem Abpfiff: &#8222;Die zweite Halbzeit hat gezeigt, weshalb die Delmenhorster Amateure in der DFB-Pokal-Hauptrunde so weit gekommen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Spiel der Karriere<\/p>\n<p>&#8222;Billy&#8220; Donougher ist ein echter Liverpooler \u2013 ein &#8222;Scouser&#8220;, wie man in England sagt. Donougher wurde in der Stadt im Nordwesten Englands geboren, spielte dort in der Jugend des FC Liverpool und durfte f\u00fcr seinen Heimatverein tats\u00e4chlich auch ein Erstligaspiel gegen Leeds United an der legend\u00e4ren Anfield Road bestreiten. Das sollte f\u00fcr einen Jungen aus Liverpool eigentlich das Allergr\u00f6\u00dfte sein, doch Donougher macht ein \u00fcberraschendes Bekenntnis: \u201eIch hatte riesiges Gl\u00fcck, dass ich an der Anfield Road spielen durfte, aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich steht das Spiel mit Atlas gegen Gladbach sogar noch ein bisschen \u00fcber dem Spiel f\u00fcr Liverpool \u2013 wegen der Vorgeschichte.\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" data-w=\"1200 1 Landscape\" alt=\"Im legend\u00e4ren Stadion am B\u00f6kelberg in M\u00f6nchengladbach verloren die Delmenhorster mit 1:6.\" class=\"inline-gallery__image withsrc\" style=\"max-height:unset;aspect-ratio:16\/9\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Landscapestadion-b-kelberg-in-m-nchengladbach-aufn-4-80-hm.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>Im legend\u00e4ren Stadion am B\u00f6kelberg in M\u00f6nchengladbach verloren die Delmenhorster mit 1:6.<\/p>\n<p>                    Foto:<br \/>\n     imago images <\/p>\n<p>Donougher meint damit, dass die Delmenhorster zuvor im DFB-Pokal \u00dcberraschungssiege gegen die Zweitligisten Rot-Wei\u00df Oberhausen (1:0) und Kickers Offenbach (1:1 ausw\u00e4rts, 2:1 daheim) gefeiert hatten. Erst dadurch verdienten sie sich den gro\u00dfen Auftritt am Gladbacher B\u00f6kelberg. \u201eMan muss das als Gesamtpaket sehen. Wie wir Oberhausen und Offenbach ausgeknockt haben, war \u00fcberragend\u201c, sagt Donougher. \u201eWir waren eine richtig geile Mannschaft damals bei Atlas und haben auch gerne mal ordentlich zusammen gefeiert.\u201c J\u00e4germeister meide er seit seiner Delmenhorster Zeit, erz\u00e4hlt der Engl\u00e4nder und lacht. Davon habe er einmal so viel getrunken, dass ihm noch tagelang schlecht gewesen sei.<\/p>\n<p>Von Delmenhorst nach Baunatal<\/p>\n<p>Donougher f\u00fchlte sich damals wohl in Delmenhorst, trotzdem zog er schon nach einem Jahr weiter und folgte seinem Trainer Bernd Oles zum KSV Baunatal nach Nordhessen. Richtig erkl\u00e4ren kann er sich seine Entscheidung heute nicht mehr: \u201eIch hatte ein sehr gutes Jahr bei Atlas und wei\u00df gar nicht, warum ich nicht geblieben bin. Baunatal hat es clever gemacht. Die haben mich eingeladen und mir ein Hotel gebucht mit Blick auf deren fast neues Stadion. Das hat mich schon beeindruckt. Au\u00dferdem hatte ich eine gute Verbindung zu Bernd Oles und wollte weiter mit ihm zusammenarbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Der Umzug nach Baunatal sollte Donoughers Leben pr\u00e4gen, bis heute lebt er in der 29.000-Einwohner-Stadt. Bei Volkswagen fand er dort einen Job im Logistikbereich, der mit vielen Reisen um die Welt verbunden war. \u201eIch bin viel herumgekommen, das war sch\u00f6n. Seit sieben Jahren bin ich Rentner. Meinen Posten bei VW hat kurioserweise mein Sohn Sascha \u00fcbernommen. Er war auch ein sehr guter Fu\u00dfballer, hatte aber leider Verletzungspech\u201c, erz\u00e4hlt Donougher.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" data-w=\"1200 1 Landscape\" alt=\"Auf der R\u00fcckfahrt aus M\u00f6nchengladbach wurde im Atlas-Mannschaftsbus Skat gespielt.\" class=\"inline-gallery__image withsrc\" style=\"max-height:unset;aspect-ratio:16\/9\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Landscapedoc81t691c56rnr98asar9-jpg.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt aus M\u00f6nchengladbach wurde im Atlas-Mannschaftsbus Skat gespielt.<\/p>\n<p>                    Foto:<br \/>\n     SV-Atlas-Museum <\/p>\n<p>Nach seiner Fu\u00dfballkarriere war der Ex-Atlas-Akteur erfolgreich als Jugendtrainer t\u00e4tig und trainierte Kinder in verschiedenen Fu\u00dfballcamps. \u201eIn der Fu\u00dfballschule der Sparkasse war ich mit Uwe Bein als Trainer dabei. Ihn habe ich beim Pokalspiel mit Atlas gegen Offenbach kennengelernt und wir haben uns angefreundet\u201c, sagt Donougher. Bein sollte eine gro\u00dfe Karriere hinlegen und 1990 zusammen mit Matth\u00e4us Weltmeister werden.<\/p>\n<p>Ganz so hoch hinaus ging es f\u00fcr Donougher nicht, doch auch er war ein hervorragender Mittelfeldspieler \u2013 technisch beschlagen, kampfstark und torgef\u00e4hrlich. In dem einen Jahr im Atlas-Trikot erzielte er 15 Treffer in 29 Partien. Als er einst aus Liverpool nach Deutschland kam, bestritt Donougher zun\u00e4chst ein Probetraining bei Werder Bremen, Manager Rudi Assauer wollte ihn allerdings nur f\u00fcr die zweite Mannschaft verpflichten. \u201eIch hatte Flausen im Kopf und habe gesagt: In der Zweiten will ich nicht spielen\u201c, erinnert sich Donougher. Stattdessen wechselte er zum <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/bremer-sv\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bremer SV<\/a>, von dort ging er dann zum SV Atlas und mischte mit den Blau-Gelben den DFB-Pokal auf. Kein anderer Amateurverein kam in der Saison 1980\/81 so weit wie die Delmenhorster.<\/p>\n<p>Eine freche Aussage und die Folgen<\/p>\n<p>Nach der Niederlage in M\u00f6nchengladbach \u00e4rgerten sich zwar einige Spieler und auch Trainer Oles, aber der \u00c4rger wich schnell dem Stolz auf eine starke Pokalsaison. Im Mannschaftsbus wurde auf der R\u00fcckfahrt Skat gespielt, die Stimmung war gut. Vor der Abfahrt hatte &#8222;Billy&#8220; Donougher den Mund noch ziemlich voll genommen, vermutlich aus Trotz. Der n\u00e4chste Gegner in der Oberliga hie\u00df Hummelsb\u00fctteler SV, und er sagte den Journalisten: \u201eJetzt haben wir 1:6 verloren, daf\u00fcr gewinnen wir das n\u00e4chste Spiel mit 6:0.\u201c Diese Aussage bekamen auch die Hummelsb\u00fctteler mit, und das hatte Folgen. \u201eDie waren sauer und besonders motiviert. Die haben mich dann ganz sch\u00f6n getreten. Ich habe daraus gelernt, so etwas h\u00e4tte ich lieber nicht sagen sollen. Zum Gl\u00fcck haben wir mit Atlas trotzdem 5:2 gewonnen&#8220;, erz\u00e4hlt Donougher.<\/p>\n<p>\n    Seine Teamkollegen von damals sieht der Engl\u00e4nder nur noch selten. 2019 weilte er letztmals in Delmenhorst und war live dabei, als der SV Atlas im ausverkauften Weserstadion sein <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/werder\/profis\/werder-laesst-atlas-keine-chance-doc7e4dgs0x30w14gk5k599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen (1:6)<\/a> bestritt. Die nun anstehende Partie gegen Gladbach ist f\u00fcr Donougher sogar noch etwas interessanter, weil dabei Erinnerungen an 1981 hochkommen. \u201eIch gucke mal, ob ich es irgendwie hinkriege, im Stadion dabei zu sein&#8220;, sagt er. \u201eWenn es nicht klappt, schaue ich das Spiel nat\u00fcrlich im Fernsehen.\u201c\n<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc81qee3ma4lw1ni2889ym\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/stadt-delmenhorst\/sport\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lothar Matth\u00e4us, damals gerade einmal 19 Jahre alt und noch kein Weltmeister, war die ganze Sache merklich unangenehm.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":324478,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1849],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,4455,14,15,1209,12],"class_list":{"0":"post-324477","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-moenchengladbach","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-moenchengladbach","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114983995097596266","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324477\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/324478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}