{"id":324903,"date":"2025-08-07T01:28:10","date_gmt":"2025-08-07T01:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324903\/"},"modified":"2025-08-07T01:28:10","modified_gmt":"2025-08-07T01:28:10","slug":"ist-lithiummangel-der-zuendfunke-fuer-alzheimer-behandlung-mit-lithium-kann-demenzschaeden-bei-maeusen-rueckgaengig-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324903\/","title":{"rendered":"Ist Lithiummangel der \u201eZ\u00fcndfunke\u201c f\u00fcr Alzheimer? &#8211; Behandlung mit Lithium kann Demenzsch\u00e4den bei M\u00e4usen r\u00fcckg\u00e4ngig machen"},"content":{"rendered":"<p>Um das herauszufinden, untersuchten die Neurowissenschaftler das aufbewahrte Hirngewebe und Blutproben von hunderten Alzheimer-Patienten, die in verschiedenen Stadien der Demenz verstorben waren. Mittels Massenspektroskopie analysieren sie den Gehalt von 27 verschiedenen Metallen in diesen Proben und verglichen sie mit Daten gesunder Menschen. Zus\u00e4tzlich f\u00fchrten sie eine Reihe von Experimenten an M\u00e4usen durch, einschlie\u00dflich verschiedener Labyrinth- und Ged\u00e4chtnistests.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/a\/l\/alzheimerlithium_3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/a\/l\/alzheimerlithium_3g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-304731\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/alzheimerlithium_3g-300x255.jpg\" alt=\"Grafik zeigt die Unterschiede beim Lithium-Spiegel\" width=\"300\" height=\"255\"  \/><\/a>Lithium war das einzige Metall, das sich signifikant zwischen Menschen mit und ohne leichte kognitive Beeintr\u00e4chtigung unterschied, oft ein Vorl\u00e4ufer der Alzheimer-Krankheit. \u00a9 Aron et al, \u201aLithium deficiency and the onset of Alzheimer\u2019s disease\u2018, Nature<br \/>\nAuff\u00e4llige Unterschiede im Lithium-Spiegel<\/p>\n<p>Bei fast allen untersuchten Metallen, darunter Zink und Kupfer, konnten die Neurowissenschaftler keine Unterschiede zwischen den Gruppen und <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossierartikel\/aluminium-und-alzheimer\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">keinen Zusammenhang mit Alzheimer<\/a> feststellten. Einzig der Lithium-Spiegel unterschied sich: In Proben von kognitiv gesunden Spendern fand das Team vergleichsweise viel Lithium, bei Menschen mit leichten und starken Beeintr\u00e4chtigungen war die Lithiummenge im Gehirn hingegen stark gesunken.\u00a0\n<\/p>\n<p>Die Analysen ergaben zudem: Amyloid-Beta-Proteine beginnen sich bereits in fr\u00fchen Stadien der Demenz-Erkrankung abzulagern, sowohl bei Menschen als auch bei M\u00e4usen. Dabei binden die positiv geladenen Lithiumionen an diese negativ geladenen Proteine, so dass sich deren Verklumpung beschleunigt und sich auch Tau-Proteine verst\u00e4rkt ablagern. Dadurch kursiert dann weniger freies Lithium im Gehirn.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/a\/l\/alzheimerlithium_4g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/a\/l\/alzheimerlithium_4g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-304732\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/alzheimerlithium_4g-300x141.jpg\" alt=\"Bilder zeigen die Myelinh\u00fcllen von Neuronen mit und ohne Lithiummangel\" width=\"300\" height=\"141\"  \/><\/a>Lithiummangel f\u00fchrte zu einer d\u00fcnneren Myelinh\u00fclle um die Neuronen (rechts) im Vergleich zu M\u00e4usen mit normalen Lithiumspiegel (links). \u00a9 Yankner Lab\n<\/p>\n<p>M\u00e4use mit Lithiummangel entwickeln Demenz<\/p>\n<p>Bei M\u00e4usen f\u00fchrte dieser Lithiummangel zu Alzheimer-Symptomen, einschlie\u00dflich Ged\u00e4chtnisverlust und kognitivem Verfall. Auf zellul\u00e4rer Ebene zeigte sich neben verst\u00e4rkten Plaques auch ein Abbau von Synapsen, Axonen und der sch\u00fctzenden Myelinh\u00fclle um die Nervenfasern. Zudem konnten die eigentlich entz\u00fcndungshemmenden Mikrogliazellen die Amyloid-Plaques nicht mehr abbauen. Den Forschenden zufolge betrifft der niedrigere Lithiumspiegel alle wichtigen Zelltypen und Zellfunktionen des Gehirns.\n<\/p>\n<p>Als Aron und sein Team daraufhin gesunde M\u00e4use mit einer lithiumreduzierten Di\u00e4t f\u00fctterten, sank deren Lithiumspiegel im Gehirn \u00e4hnlich stark ab wie bei menschlichen Alzheimer-Patienten. Als Folge schienen die Tiere schneller zu altern, entwickelten Entz\u00fcndungen und Nervensch\u00e4den im Gehirn und verloren allm\u00e4hlich ihr Ged\u00e4chtnis, wie das Team berichtet. Zudem ver\u00e4nderte der Lithiummangel die Aktivit\u00e4t von mehreren bekannten Alzheimer-Risikogenen, einschlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossierartikel\/warum-schlecht-manchmal-gut-ist\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">APOE<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>Lithium als essenzieller Hirn-N\u00e4hrstoff<\/p>\n<p>Aron und seine Kollegen schlie\u00dfen daraus, dass das menschliche Gehirn Lithium ben\u00f6tigt, wenn auch nur in geringen Mengen. Dort spielt es eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr die Funktion verschiedener Hirnzellen und sch\u00fctzt diese vor Degeneration. Ein Mangel an Lithium k\u00f6nnte hingegen an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein und die Demenz vorantreiben.\n<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte das Spurenelement Lithium der lang gesuchte, alle Aspekte der Krankheit verbindende Faktor sein, wie die Forschenden erkl\u00e4ren. \u201eEs stellte sich heraus, dass Lithium wie andere N\u00e4hrstoffe ist, die wir aus der Umwelt erhalten, wie Eisen und Vitamin C\u201c, sagt Seniorautor Bruce Yankner von der Harvard Medical School. Es sei der erste Nachweis, dass Lithium von Natur aus im Gehirn vorkommt und biologisch wirksam ist, auch ohne dass man es als Medikament verabreicht.\n<\/p>\n<p>Lithiumpr\u00e4parate kehren Krankheits-Verlauf um<\/p>\n<p>Auf Basis der neuen Erkenntnisse haben Aron und seine Kollegen bereits eine m\u00f6gliche Strategie zur Fr\u00fcherkennung, Pr\u00e4vention und Behandlung von Alzheimer untersucht: die Messung des Lithiumspiegels im Gehirn und gegebenenfalls Gabe von Lithium-Pr\u00e4paraten zum Auff\u00fcllen der Reserven. Daf\u00fcr suchten sie nach einer Klasse von Lithiumsalzen, die nicht an Amyloid-Beta-Proteine bindet.\n<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich fanden die Neurowissenschaftler bei ihrem Screening mehrere solcher Pr\u00e4parate, darunter Lithiumorotat. Dann behandelten sie gesunde und an Demenz erkrankte M\u00e4use, indem sie deren Trinkwasser mit dem Pr\u00e4parat versetzten. Tats\u00e4chlich besserten sich die Symptome der kranken Tiere daraufhin, sie erlangten ihr Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck und Sch\u00e4den an ihrem Gehirn wurden r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, wie das Team berichtet. Das funktionierte selbst bei \u00e4lteren M\u00e4usen mit fortgeschrittener Krankheit. Gesunde Tiere wurden durch die Prophylaxe gar nicht erst krank.<\/p>\n<p>Wirkung schon bei niedrigen Dosen<\/p>\n<p>Besonders vielversprechend: Lithiumorotat ist offenbar bereits in sehr geringen Dosen wirksam und ausreichend, um den Lithiumspiegel im Gehirn wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten. Bei den M\u00e4usen fanden die Forschenden selbst bei Langzeittherapie keine Hinweise auf unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen, etwa durch eine latente Lithiumvergiftung. Eine solche tritt bei Menschen mit <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/biowissen\/wirkung-von-lithium-genetisch-bedingt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">psychischen St\u00f6rungen<\/a> manchmal auf, wenn sie mit weitaus h\u00f6her dosiertem Lithiumcarbonat behandelt werden.\u00a0\n<\/p>\n<p>Bei Lithiumorotat scheint diese Gefahr jedoch nicht zu bestehen. \u201eEine der elektrisierendsten Erkenntnisse f\u00fcr uns war, dass es bei dieser exquisit niedrigen Dosis tiefgreifende Wirkungen gab\u201c, sagt Yankner.\n<\/p>\n<p>Funktioniert das auch bei uns Menschen?<\/p>\n<p>Ob das Pr\u00e4parat aber auch bei Menschen mit Alzheimer so gut wirkt und wirklich sicher ist, m\u00fcssen nun klinische Folgestudien kl\u00e4ren. Sollte sich dies best\u00e4tigen k\u00f6nnten dieses und \u00e4hnliche Lithium-Pr\u00e4parate m\u00f6glicherweise eines Tages zur Behandlung oder gar Vorbeugung von Alzheimer-Demenz verschrieben werden. Die Messung des Lithium-Spiegels k\u00f6nnte zudem als Biomarker zur Fr\u00fcherkennung und zum Monitoring des Krankheitsverlaufs dienen.\n<\/p>\n<p>Die Forschenden sind vorsichtig optimistisch, dass die Krankheit durch Lithium als neu identifiziertem Schl\u00fcsselelement k\u00fcnftig ganzheitlicher behandelt werden kann. \u201eMeine Hoffnung ist, dass Lithium etwas Grundlegenderes bewirken wird als Anti-Amyloid- oder Anti-Tau-Therapien, indem es den kognitiven Verfall nicht nur verringert, sondern umkehrt und das Leben der Patienten verbessert\u201c, sagt Yankner. (Nature, 2025; <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09335-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41586-025-09335-x<\/a>)\u00a0\n<\/p>\n<p>Quelle: Harvard Medical School<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>7. August 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Claudia Krapp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um das herauszufinden, untersuchten die Neurowissenschaftler das aufbewahrte Hirngewebe und Blutproben von hunderten Alzheimer-Patienten, die in verschiedenen Stadien&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":324904,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[1049,992,1051,29,6860,1050,30,141,232,12728,92286,92287,92288,92289,92290,4205],"class_list":{"0":"post-324903","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-alzheimer","9":"tag-ausloeser","10":"tag-demenz","11":"tag-deutschland","12":"tag-frueherkennung","13":"tag-gehirn","14":"tag-germany","15":"tag-gesundheit","16":"tag-health","17":"tag-lithium","18":"tag-lithiummangel","19":"tag-lithiumorotat","20":"tag-lithiumsalz","21":"tag-plaques","22":"tag-proteinablagerungen","23":"tag-therapie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114984891481801485","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324903\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/324904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}