{"id":324957,"date":"2025-08-07T01:58:17","date_gmt":"2025-08-07T01:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324957\/"},"modified":"2025-08-07T01:58:17","modified_gmt":"2025-08-07T01:58:17","slug":"boeing-streik-im-zentrum-der-us-kriegsmaschinerie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/324957\/","title":{"rendered":"Boeing-Streik im Zentrum der US-Kriegsmaschinerie"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/7f201b18-876d-4f26-9e9d-9ffd1313bf23\" style=\"max-height:100%\"\/>Boeing-Arbeiter am Streikposten [Photo: IAM-Boeing]<\/p>\n<p>Mehr als 3.200 Boeing-Arbeiter in den US-Bundesstaaten Missouri und Illinois haben am Montagmorgen die Arbeit niedergelegt. Der m\u00e4chtige Streik richtet sich gegen einen der gr\u00f6\u00dften US-R\u00fcstungs- und Luftfahrtkonzerne und die jahrzehntelangen K\u00fcrzungen, die von der Gewerkschaft durchgedr\u00fcckt wurden. Die Arbeiter haben die Produktion in drei Werken in der Region St. Louis lahmgelegt, die wichtige Komponenten f\u00fcr die globale Kriegsmaschinerie des amerikanischen Imperialismus herstellen, darunter F-15-Kampfflugzeuge und den Stealth-J\u00e4ger F-47 der n\u00e4chsten Generation.<\/p>\n<p>Die Arbeiter hatten am Sonntag mit einer Zweidrittelmehrheit gegen das \u201ebeste und letzte\u201c Angebot von Boeing gestimmt, das von der Gewerkschaft International Association of Machinists (IAM) Local 837 unterst\u00fctzt worden war. Schon am 27. Juli hatten die Arbeiter eine vorherige Tarifvereinbarung abgelehnt, die ebenfalls von der IAM unterst\u00fctzt wurde. Unter dem wachsenden Druck der Belegschaft sah sich die Gewerkschaft jetzt gezwungen, zum Streik aufzurufen \u2013 dem ersten Streik in diesen Boeing-Werken seit 1996.<\/p>\n<p>Die Arbeiter wollen die jahrzehntelangen Einschnitte r\u00fcckg\u00e4ngig machen, die mithilfe der IAM durchgesetzt wurden, darunter die Abschaffung der Betriebsrenten und die Einf\u00fchrung des verhassten zweistufigen Lohn- und Gehaltssystems. Nach dem von der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie vorgelegten Angebot w\u00fcrden neue Mitarbeiter immer noch mindestens 12 Jahre brauchen, um die h\u00f6chste Gehaltsstufe zu erreichen. Die Arbeiter haben auch aufgedeckt, dass die versprochenen Lohnerh\u00f6hungen des Unternehmens leere Worte sind: Die 20-prozentige Erh\u00f6hung \u00fcber vier Jahre w\u00fcrde nur einer kleinen Zahl von Arbeitern zugute kommen und kaum die Verluste durch die Inflation ausgleichen.<\/p>\n<p>Ein Streikender erkl\u00e4rt: \u201eWir fordern, schneller in h\u00f6here Gehaltsstufen zu gelangen, damit wir schneller mehr Urlaub bekommen, mehr Zeit f\u00fcr unsere Familien haben und auch unsere 401(k)-Renten [private, vom Unternehmen mitfinanzierte Altersvorsorge in den USA] aufstocken k\u00f6nnen, da viele Konzerne keine Betriebsrenten mehr zahlen.\u201c Ein anderer f\u00fcgte hinzu: \u201eHier geht es um mehr als um unsere Gewerkschaftsgruppe Local 837 und Boeing. Es geht darum, einen angemessenen Lebensstandard f\u00fcr die gesamte Arbeiterklasse zu erreichen.\u201c<\/p>\n<p>Der Streik dreht sich jedoch nicht nur um L\u00f6hne oder Sozialleistungen. Der Klassenkonflikt ist mitten im Herzen der US-R\u00fcstungsindustrie aufgebrochen. Die Arbeiter bei Boeing fordern ein Ende des Niedergangs ihrer Reall\u00f6hne, unzumutbarer Arbeitszeiten und der Ausbeutung durch einen Konzern, der von Massenmorden auf der ganzen Welt profitiert.<\/p>\n<p>Der Streik hat unmittelbare Auswirkungen auf den US-Militarismus. Die Werke in der Region St. Louis werden f\u00fcr die Produktion der F-47-Kampfflugzeuge umger\u00fcstet, die Pr\u00e4sident Donald Trump als \u201eLuft\u00fcberlegenheitsj\u00e4ger der n\u00e4chsten Generation\u201c der Luftwaffe bezeichnet hat. Die Air Force hat bereits 98 F-15EX-Kampfflugzeuge bestellt, und Boeing beschleunigt die Produktion f\u00fcr Trumps Kriegspolitik gegen China, Russland und andere L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Diese Werke produzieren auch Waffen f\u00fcr Israel, das einen V\u00f6lkermord an den Pal\u00e4stinensern in Gaza ver\u00fcbt und die Kriegsvorbereitungen gegen den Iran eskaliert. Im November 2024 k\u00fcndigte das israelische Verteidigungsministerium einen 20-Milliarden-Dollar-Deal f\u00fcr 25 neue F-15-Kampfjets und Aufr\u00fcstkits f\u00fcr seine bestehende Flotte durch Boeing an.<\/p>\n<p>Die Trump-Regierung und ihre Verb\u00fcndeten in den Medien bereiten sich bereits darauf vor, gegen den Streik vorzugehen, indem sie ihn als Bedrohung f\u00fcr \u201enationale Verteidigungspriorit\u00e4ten\u201c darstellen. Fox News warnte, dass ein l\u00e4ngerer Streik die Produktionspl\u00e4ne f\u00fcr Waffen \u201evon entscheidender Bedeutung f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Luftkampfkapazit\u00e4ten\u201c st\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber die Arbeiter von Boeing m\u00fcssen jeden Appell an die nationale Einheit, Sicherheit oder \u201eVerteidigung\u201c mit Verachtung zur\u00fcckweisen. Das sind L\u00fcgen, die dazu dienen, Kriegsprofite zu rechtfertigen und den Widerstand der Arbeiterklasse zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit lechzen die Boeing-Manager nach dem Geldsegen eines globalen Kriegs. In einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Gewinnmitteilung prahlte CEO Kelly Orford, dass die Verteidigungsausgaben bis 2029 um 150 Milliarden Dollar erh\u00f6ht werden sollen. Das ergibt sich aus einem Haushaltsgesetz, das vor kurzem im Schnellverfahren verabschiedet wurde. Er verwies auch auf milliardenschwere Vertr\u00e4ge f\u00fcr Boeing-Satelliten zur \u201enuklearen Kommando- und Kontrollf\u00fchrung\u201c und das geplante Raketenabwehrsystem \u201eGolden Dome\u201c als lukrative zuk\u00fcnftige Einnahmequellen. \u201eUnser Portfolio ist gut positioniert, um den Priorit\u00e4ten unserer Kunden und der aktuellen globalen Bedrohungslage gerecht zu werden\u201c, erkl\u00e4rte Orford gegen\u00fcber Investoren.<\/p>\n<p>Wer sind diese Kunden? Das Pentagon, die israelischen Streitkr\u00e4fte und andere Regime, die mit \u00f6ffentlichen Geldern Waffen von Boeing kaufen.<\/p>\n<p>Um die Kriegsmaschinerie zu finanzieren, hat die Trump-Regierung \u2013 unterst\u00fctzt von den Demokraten \u2013 eine soziale Konterrevolution von historischem Ausma\u00df begonnen. Billionen sollen bei der Gesundheitsversorgung Medicaid, Lebensmittelmarken, \u00f6ffentlicher Bildung und letztlich auch der Rentenversicherung gek\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Hindernis f\u00fcr die Entwicklung des Streiks ist aber nicht das Boeing-Management, sondern die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie der IAM, die nicht die Arbeiter verteidigt, sondern als verl\u00e4ngerter Arm des Staats und der Vorst\u00e4nde agiert. Als Joe Biden noch Pr\u00e4sident war, prahlte er damit, dass die AFL-CIO-Gewerkschaften \u201eAmerikas Nato im Inland\u201c sind. Er betrachtete sie als entscheidendes Werkzeug, um den Widerstand der Arbeiterklasse gegen Kriege im Ausland ebenso wie gegen den Krieg im Innern zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Dieselbe IAM-B\u00fcrokratie hat im vergangenen Jahr den Streik von 30.000 Flugzeugmechanikern im Pazifischen Nordwesten sabotiert und damit den Weg f\u00fcr Tausende Entlassungen geebnet. Jetzt arbeitet sie hinter den Kulissen daran, den aktuellen Streik zu isolieren und auszuhungern.<\/p>\n<p>Boeings Management setzt darauf. \u201eIch w\u00fcrde mir keine allzu gro\u00dfen Sorgen \u00fcber die Auswirkungen des Streiks machen\u201c, sagte Orford letzte Woche gegen\u00fcber der Wall Street. \u201eWir werden das schon irgendwie hinbekommen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Um einen echten Kampf zu f\u00fchren, m\u00fcssen sich die Arbeiter bei Boeing aus dem W\u00fcrgegriff des Gewerkschaftsapparats befreien und unabh\u00e4ngige, demokratisch kontrollierte Streikkomitees bilden. Diese Komitees m\u00fcssen in der gesamten Arbeiterklasse Unterst\u00fctzung mobilisieren und Forderungen der Arbeiter aufstellen: Abschaffung der unterschiedlichen Lohnstufen, sofortige Zahlung des h\u00f6chsten Gehalts, Anpassungen an die Lebenshaltungskosten, mehr bezahlten Urlaub, volle Renten.<\/p>\n<p>Der Boeing-Streik ist Teil einer wachsenden Welle des Widerstands in der amerikanischen und internationalen Arbeiterklasse. Tausende Arbeiter bei GE Aerospace, dem bedeutendsten Hersteller von Flugzeug-Triebwerken, stehen Ende dieses Monats vor auslaufenden Vertr\u00e4gen. Postangestellte sind von Privatisierung und Stellenabbau bedroht. Lehrer von Philadelphia bis Los Angeles sind mit Schulschlie\u00dfungen und Entlassungen und Autoarbeiter mit Massenentlassungen und unsicheren Arbeitsbedingungen konfrontiert.<\/p>\n<p>In allen Branchen werden Arbeiter aufgefordert, sich f\u00fcr die Profite der Wall Street und den Militarismus zu opfern. Die Antwort muss eine koordinierte betriebliche und politische Gegenoffensive sein, die Arbeiter \u00fcber Branchen und Grenzen hinweg vereint, um Arbeitspl\u00e4tze, Lebensstandards und demokratische Rechte zu verteidigen.<\/p>\n<p>Das erfordert, dass sich Arbeiter au\u00dferhalb und in Opposition zu den korrupten Gewerkschaftsb\u00fcrokratien organisieren und Aktionskomitees aufbauen, die in der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) verbunden sind. Diese Aktionskomitees m\u00fcssen den Kampf nicht nur gegen einzelne Arbeitgeber, sondern gegen das gesamte kapitalistische System aufnehmen.<\/p>\n<p>Massendemonstrationen gegen den V\u00f6lkermord und die Ausweitung der Kriege sind absolut notwendig, aber sie allein k\u00f6nnen die Kriegstreiber nicht aufhalten. Der Boeing-Streik zeigt, welche gesellschaftliche Kraft in der Lage ist, die Kriegsmaschine stillzulegen und eine atomare Katastrophe zu verhindern: die internationale Arbeiterklasse. Dazu geh\u00f6ren auch die 300.000 Arbeiter, die direkt an der Produktion von Waffen und anderen R\u00fcstungsg\u00fctern in den USA beteiligt sind.<\/p>\n<p>Anstatt die Ressourcen der Gesellschaft f\u00fcr Zerst\u00f6rung zu verschwenden, muss die Arbeiterklasse daf\u00fcr k\u00e4mpfen, die Industrie, die heute der Aufr\u00fcstung dient, so umzuwandeln, dass sie der Gesellschaft n\u00fctzt. Statt Waffen m\u00fcssen Wohnraum, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, medizinische Ger\u00e4te und Infrastruktur f\u00fcr erneuerbare Energien geschaffen werden.<\/p>\n<p>Doch dazu m\u00fcssen Boeing und alle gro\u00dfen R\u00fcstungskonzerne enteignet und unter die Kontrolle der Arbeiter gestellt werden \u2013 als Teil der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p>Der Streik bei Boeing ist eine wichtige Front im sozialistischen Kampf gegen Krieg, im Kampf f\u00fcr menschlichen Fortschritt gegen die kapitalistische Barbarei. Die internationale Einheit der Arbeiterklasse und ihre politische Unabh\u00e4ngigkeit von allen b\u00fcrgerlichen Organisationen weisen den Weg vorw\u00e4rts zur sozialistischen Revolution.<\/p>\n<p>Werde aktiver Unterst\u00fctzer der Sozialistischen Gleichheitspartei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Boeing-Arbeiter am Streikposten [Photo: IAM-Boeing] Mehr als 3.200 Boeing-Arbeiter in den US-Bundesstaaten Missouri und Illinois haben am Montagmorgen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":324958,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-324957","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114985009417119924","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324957\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/324958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}