{"id":325896,"date":"2025-08-07T10:51:21","date_gmt":"2025-08-07T10:51:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/325896\/"},"modified":"2025-08-07T10:51:21","modified_gmt":"2025-08-07T10:51:21","slug":"bundeskunsthalle-womit-hat-wim-wenders-das-verdient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/325896\/","title":{"rendered":"Bundeskunsthalle: Womit hat Wim Wenders das verdient?"},"content":{"rendered":"<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"0\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Stellen Sie sich vor, Sie erwachen in der Nacht und finden sich in einer riesigen Bilderh\u00f6hle wieder. Eine acht Meter hohe Nastassja Kinski blickt von allen Seiten auf Sie herab und dann vielleicht ein grauer Engel aus dem Himmel \u00fcber Berlin. Allm\u00e4hlich d\u00e4mmert Ihnen, dass Sie in einer Endlosschleife aus Wim-Wenders-Filmen gefangen sind, musikalisch unterlegt von Ry Cooder, Nick Cave, U2 und Canned Heat. Stellen Sie sich vor, dies w\u00e4re ein Traum, und entscheiden Sie selbst, ob Sie sich wohlig auf die andere Seite drehen oder es h\u00f6chste Zeit finden, schreiend zu erwachen.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"1\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">In der Bonner Bundeskunsthalle l\u00e4sst sich diese Traum-\/Alptraumkammer nun im Wachzustand besichtigen \u2013 in ihrer trivialen oder, je nach Sichtweise, entsch\u00e4rften Version einer \u201eimmersiven\u201c Rauminstallation. Fr\u00fcher h\u00e4tte man den mit vier riesigen Leinw\u00e4nden ausstaffierten Museumssaal wohl schlicht Rundkino genannt, auch wenn sich Wenders mit dem peripheren Sehen in der von ihm selbst entworfenen Bilderwelt nicht zufriedengibt. Die Ausschnitte aus \u201eParis, Texas\u201c, \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c, \u201eBis ans Ende der Welt\u201c und einem \u201eBest of\u201c schlie\u00dfen die Besucher ein, was allerdings noch beeindruckender w\u00e4re, h\u00e4tte man Augen im Hinterkopf.<\/p>\n<p>Seinen Platz in der Filmgeschichte hat Wim Wenders sicher<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"3\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Nastassja Kinski als vervierfachtes Monument der Sinnlichkeit, dieses Erlebnis wird von der Bundeskunsthalle aus gutem Grund zum H\u00f6hepunkt ihrer gro\u00dfen Wim-Wenders-Ausstellung erkl\u00e4rt. So hat man einen Schnelldurchlauf durch Wenders\u2018 Werk noch nicht gesehen, obwohl wenn man weiterhin die Meinung vertreten kann, die klassische Kinoerfahrung sei immersiver als jede museale Kirmesattraktion. Um mit der Black Box konkurrieren zu k\u00f6nnen, ist das Bonner Viereckkino zu hell \u2013 und es riecht auch etwas muffig. Daf\u00fcr ist es der einzige Saal der Ausstellung, in dem man nicht mit Sinnspr\u00fcchen an der Wand oder kuratorischem Weihrauch behelligt wird.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"4\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Am 14. August dieses Jahres wird Wim Wenders 80 Jahre alt. Seinen Platz in der internationalen Filmgeschichte hat er sicher, daran werden weder n\u00f6rgelnde Kritiker noch Ausstellungen mit albernen Titeln wie \u201eW.I.M. \u2013 Die Kunst des Sehens\u201c etwas \u00e4ndern (die F.D.P.-hafte Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u201eWenders in Motion\u201c). Sowohl als Spielfilm- wie als Dokumentarfilmregisseur hat Wenders einen unverwechselbaren Stil entwickelt, der ihm h\u00f6chste Ehren eingetragen hat (den fehlenden Oscar kann er verschmerzen), der aber auch penetrant-pathetisch wirken kann. Selbst in seinen misslungenen Arbeiten finden sich jedoch immer Momente, die auf ber\u00fchrende Weise von der unersch\u00fctterlichen Liebe zum Film als Gesamtkunstwerk des 20. Jahrhunderts erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"5\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Auch die Kuratorinnen der Ausstellung scheinen sich entlang der Idee des filmischen Gesamtkunstwerks durch Wenders\u2018 Filmografie zu bewegen. Auf ein Vorspiel zur agnostischen Engellehre folgen Kapitel zum malenden, schreibenden und fotografierenden Wenders, zu seinen Vorbildern in Film und Kunst und zum musikalischen Soundtrack seines Lebens (also seiner Filme); als immer wieder neu entdeckte Sehnsuchtsorte werden Amerika und Japan vorgestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"4000\" height=\"2668\" alt=\"Ausschnitte aus dem Film \u201eParis, Texas\u201c sind auf Leinw\u00e4nden zu sehen. Die Ausstellung &quot;W.I.M. Die Kunst des Sehens&quot; zum 80. Geburtstag des Filmregisseurs Wim Wenders ist in der Bundeskunsthalle zu sehen.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"current-image dm-figure__image dm-figure__image--undefined undefined\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/a4b02795-15a8-4583-bb0a-7d842533e52c.jpeg\"  \/><\/p>\n<p class=\"dm-figure__subline\" data-v-72e429ff=\"\">Ausschnitte aus dem Film \u201eParis, Texas\u201c auf Leinw\u00e4nden in der Ausstellung \u201eW.I.M. Die Kunst des Sehens\u201c in der Bundeskunsthalle Bonn<\/p>\n<p class=\"dm-figure__copyright\" data-v-72e429ff=\"\">Copyright: Oliver Berg\/dpa<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"7\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Allerdings ist dieses aus Musik, Literatur, Malerei, Fotografie und Film zusammengesetzte Gesamtkunstwerk in Bonn eine Wenders\u2018sche Ein-Mann-Schau. Mitwirkende kommen allenfalls als Inspirationsquelle und in Gestalt ber\u00fchmter Freunde vor: Peter Handke, Paul Auster, Sebasti\u00e3o Salgado, Y\u014dji Yamamoto. H\u00e4tte nicht wenigstens sein langj\u00e4hriger Kameramann Robby M\u00fcller einen prominenten Auftritt verdient? So verl\u00e4sst man die Ausstellung mit dem falschen Eindruck, Wenders\u2018 Bildsprache sei eine Kombination aus Hollywood, Edward Hopper und seinen eigenen Breitwand-Fotografien.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"8\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Anscheinend versteht die Museumswelt den Film lediglich nach den Kategorien der bildenden Kunst \u2013 mit dem Filmemacher als aus sich selbst sch\u00f6pfendem Einzelg\u00e4nger. In der Rainer-Werner-Fassbinder-Ausstellung in der Bundeskunsthalle lie\u00df sich diese verkl\u00e4rende Tendenz bereits beobachten, bei Wenders steht sie nun (trotz der Mitwirkung des Frankfurter Filmmuseums) in voller Bl\u00fcte. Immerhin ist Wenders daf\u00fcr ein dankbares Objekt: Er studierte Kunstgeschichte und lieb\u00e4ugelte mit der Literatur, bevor er in der Pariser Cin\u00e9math\u00e8que zur Filmgeschichte fand.<\/p>\n<p>Die Anf\u00e4nge als Maler d\u00fcrften selbst Wenders-Enthusiasten Neues bieten<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"10\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Die Anf\u00e4nge als Maler nehmen in der Ausstellung viel Raum ein und d\u00fcrften selbst Wenders-Enthusiasten noch Neues bieten. Es sind typische Fr\u00fchwerke, teils experimentell, teils Klassikern wie Paul Klee abgeschaut, mit un\u00fcbersehbaren Zeichen von Talent. Allerdings ist es bestenfalls kurios, wenn die Kuratoren drei sch\u00f6ne, mit schwarzer Farbe hingehauchte Tanzszenen neben ein Filmstill aus \u201ePina\u201c h\u00e4ngen, als habe Wenders in den 1960er Jahren bereits den Ausdruckstanz vorausgeahnt.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"11\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Ansonsten wandelt der Besucher durch eine un\u00fcberschaubare Menge an Standfotos und anderem Begleitmaterial, vorbei an trivialen Zitaten und an Zwischenw\u00e4nde projizierten Filmausschnitten. Das fotografische Werk von Wenders wird eher illustrativ verwendet, als Beleg daf\u00fcr, dass all seine Talente in seinen Filmen zusammenflie\u00dfen. Im archivarischen Teil, dem Rausschmei\u00dfer der Schau, finden sich Schrifts\u00e4tze, eine (seltsam beliebige) filmhistorische Bibliothek und Vitrinen mit den Pokalen der Filmkulturindustrie. Derart aufgereiht sehen all die B\u00e4ren, Leoparden und bayrischen Porzellanfiguren verd\u00e4chtig nach Nippes aus. Aber allein f\u00fcr den goldenen Frosch, den Wenders beim polnischen Festival Camerimage f\u00fcr seine \u201eeinzigartige visuelle Sensibilit\u00e4t\u201c verliehen bekam, hat sich die M\u00fche gelohnt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/kultur-medien\/ausstellung-para-moderne-schwestern-zur-sonne-zur-freiheit-1002066\" class=\"dm-imagefeat__imagecontainer dm-imagefeat relative\" aria-label=\"\" tabindex=\"-1\" data-v-d81621e6=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"2838\" height=\"2855\" alt=\"Vier springende Frauen scheinen in der Luft zu stehen.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"dm-imagefeat__image w-full aspect-square sm:aspect-auto aspect-video\" style=\"aspect-ratio:1;\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/867e3149-d738-45da-8b0c-d786f4ba946a.jpeg\"  \/><\/a><\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"13\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Als beinahe 80-J\u00e4hriger wird Wim Wenders in der Bundeskunsthalle gleichsam zum Staatsk\u00fcnstler erhoben. Womit hat er das verdient? Sein Fr\u00fchwerk bis \u201eParis, Texas\u201c ist eher etwas f\u00fcr den kleinen Kreis der Filmliebhaber, am erfolgreichsten war er, wenn er die geduldigen Sitzreihen des Arthouse-Kinos bewirtschaftete \u2013 mit raunendem Engelskitsch oder Dokumentarfilmen wie \u201eBuena Vista Social Club\u201c, \u201eDas Salz der Erde\u201c, \u201ePina\u201c und zuletzt \u201eAnselm \u2013 Das Rauschen der Zeit\u201c. Man kann f\u00fcr ihn nur hoffen, dass er nicht mit diesem Gesamtkunstwerk in Erinnerung bleiben wird.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"15\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\"><strong>\u201eW.I.M. \u2013 Die Kunst des Sehens\u201c<\/strong>, Bundeskunsthalle, Museumsmeile, Bonn, Di.-So. 10-18 Uhr, Mi. 10-21 Uhr, 1. August 2025 bis 11. Januar 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stellen Sie sich vor, Sie erwachen in der Nacht und finden sich in einer riesigen Bilderh\u00f6hle wieder. 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