{"id":326604,"date":"2025-08-07T17:08:11","date_gmt":"2025-08-07T17:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/326604\/"},"modified":"2025-08-07T17:08:11","modified_gmt":"2025-08-07T17:08:11","slug":"oetker-geht-essen-villa-feltrinelli-vier-mitarbeiter-pro-gast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/326604\/","title":{"rendered":"Oetker geht essen: Villa Feltrinelli &#8211; vier Mitarbeiter pro Gast"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der gr\u00f6\u00dfte Luxus ist nicht Hummer oder Kaviar, sondern Perfektion &#8211; und absolute Privatsph\u00e4re. Mit diesen Zutaten ist die Villa Feltrinelli zum exklusivsten Hotel der Welt geworden: Vier Mitarbeiter pro Gast, seit Anbeginn vom Chef einzeln ausgew\u00e4hlt. Einen \u00e4hnlichen Umgang pflegt auch der Chefkoch &#8211; mit seinen Salatbl\u00e4ttern. <\/strong><\/p>\n<p>Benvenuto in Gargnano am Lago di Garda &#8211; auf der Westseite, also der edlen Seite des Gardasees. Hier, am Ende einer kleinen Bergstra\u00dfe, \u00f6ffnet sich beim Dr\u00fccken der sch\u00f6nen Kupferklingel das schwere schmiedeeiserne Tor &#8211; und wenn es sich Sekunden sp\u00e4ter hinter dem Gast schlie\u00dft, dann \u00f6ffnen sich am Ende der kiesbedeckten Serpentinenstra\u00dfe inmitten eines tiefgr\u00fcnen Parks die beiden gr\u00f6\u00dften Luxusg\u00fcter unserer Zeit: Platz und Ruhe.<\/p>\n<p>Es scheint im ersten Augenblick so still hier, dabei ist es nur die Abwesenheit aller zivilisatorischen Ger\u00e4usche. Da ist kein Autol\u00e4rm, kein lautes Gespr\u00e4ch, kein Rasenm\u00e4her. Nach einer Weile \u00f6ffnen sich die Ohren f\u00fcr die Ger\u00e4usche, auf die es wirklich ankommt: Das Vogelzwitschern, der leichte Wind in den Bl\u00e4ttern der Olivenb\u00e4ume, das Klatschen der Wellen des Gardasees gegen die Mauern, die die Villa umgrenzen.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Vorspeisenauswahl-S.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Eine kleine Vorspeisenauswahl (inklusive bella vista).\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Vorspeisenauswahl-S.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Eine kleine Vorspeisenauswahl (inklusive bella vista).<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: S. Korge)<\/p>\n<p>Die Villa Feltrinelli ist das exklusivste Hotel der Welt &#8211; und jeder, der hier zu Gast ist, w\u00fcrde das unterschreiben. Zu den Stammg\u00e4sten geh\u00f6ren Julia Roberts, Richard Gere, Hugh Grant und Jos\u00e9 Carreras &#8211; und sie wissen, dass hier niemand den Hals reckt, um sie zu beobachten oder vielleicht &#8211; Gott bewahre &#8211; ein Gast ein Autogramm erbitten w\u00fcrde. Daf\u00fcr sind die anderen G\u00e4ste viel zu reich oder viel zu diskret, zumeist sogar beides. Gerade deshalb ist es hier so wunderbar.<\/p>\n<p>Budget ohne Obergrenze<\/p>\n<p>Markus Odermatt ist der Mann, der dieses Haus f\u00fchrt &#8211; und zwar seit dem Er\u00f6ffnungstag, es ist sein Lebenswerk. Diskretion, Perfektion, Menschenkenntnis &#8211; all das zeichnet ihn aus wie wohl keinen Kollegen sonst auf der Welt &#8211; und all diese Dinge sind dem Schweizer offenbar in die Wiege gelegt. Deshalb w\u00e4hlte ihn der Besitzer der Villa aus. Der ist kein Geringerer als Robert H. Burns, ein Hotelier aus den USA, der einst die Regent-Hotelkette gr\u00fcndete und das Haus am Gardasee als Ferienhaus kaufte. Um dann mal die Anzahl der Zimmer durchzuz\u00e4hlen und festzustellen: Upps, doch etwas zu gro\u00df f\u00fcr die Familie. Also engagierte er den Schweizer Odermatt &#8211; und gab ihm die Traumaufgabe f\u00fcr jeden Hotelier: Einen Ort zu schaffen, der perfekt ist und f\u00fcr den es keine Obergrenze im Budget gibt.<\/p>\n<p>Odermatt z\u00f6gerte nicht. Wie h\u00e4tte er auch sollen, bei so einem historischen, wundersch\u00f6nen und &#8211; zuweilen auch tragischen &#8211; Ort? 1892 lie\u00df sich die Papier- und Verlegerdynastie Feltrinelli die rote Villa am Gardasee-Ufer ihres Heimatdorfes Gargnano bauen. Vater Carlo starb fr\u00fch, Sohn Gianciacomo wurde sp\u00e4ter der bedeutendste Verleger Italiens, doch immer widerstrebte ihm seine reiche Herkunft, er wandte sich schon fr\u00fch dem Kommunismus zu.<\/p>\n<p>Spiegel von Mussolini<\/p>\n<p>F\u00fcr zwei Jahre musste die Familie die Residenz verlassen, weil ausgerechnet hier Benito Mussolini untergebracht wurde, es war die Endphase seiner Herrschaft, das Anwesen ein von der deutschen SS gesch\u00fctztes Versteck, um den selbst ernannten Duce und seine Familie vor Luftangriffen zu sch\u00fctzen. Nach dem Krieg zog wieder die Verlegerfamilie hierher, doch Giangiacomo Feltrinelli radikalisierte sich in seinem Kampf gegen den Kapitalismus immer mehr, schlie\u00dflich ging er sogar in den Untergrund. 1972 starb er beim Versuch, einen Hochspannungsmast bei Mailand in die Luft zu jagen, die Sprengladung ging zu fr\u00fch hoch, sagten die Ermittler. <\/p>\n<p>Neue Erkenntnisse legen nah, dass es auch die Geheimdienste gewesen sein k\u00f6nnten, die den charismatischen Verleger aus dem Weg r\u00e4umten. Das Ende des Magnaten brachte Geldprobleme f\u00fcr die Familie &#8211; am Ende mussten sie die Villa preisgeben &#8211; und so wurde sie zum sch\u00f6nsten Hotel auf diesem Globus.<\/p>\n<p>Das Interieur stammt noch heute teilweise vom Verleger Feltrinelli, von Mussolini sind nur die beiden riesigen und goldstrotzenden Spiegel im Treppenhaus. Sonst ist jedes Zimmer historisch und umwerfend, mit Marmorbadezimmern, riesigen Betten und alten M\u00f6beln. Ikonisch sind auch die Taster mit neun verschiedenen Musikstilen von Jazz bis Klassik, die dann die Zimmer fluten. Nach dem Abendservice liegen Rosenbl\u00e4tter im WC, das ist wahrer Luxus.<\/p>\n<p>Ordentlicher als zu Hause<\/p>\n<p>19 Zimmer gibt es und das Bootshaus, Platz f\u00fcr maximal 40 G\u00e4ste also &#8211; um die sich stets 90 Mitarbeiter k\u00fcmmern &#8211; ein Angestellten-Gast-Verh\u00e4ltnis, das es so in Europa, nein, auf der ganzen Welt, kein anderes Mal gibt. Am Pool gibt es einen Service, der jedes Handtuch aufdeckt und noch in der entlegensten Ecke den Ap\u00e9ro serviert. Bei der Anreise packen die Zimmerdamen wie selbstverst\u00e4ndlich das Gep\u00e4ck der G\u00e4ste aus, fein s\u00e4uberlich h\u00e4ngt hernach alles im Schrank, ordentlicher, als man zu Hause lebt.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben mehr als 60 Prozent Stammg\u00e4ste&#8220;, sagt Markus Odermatt. &#8222;Manche von ihnen kommen mehrmals im Jahr. Die lassen dann nicht nur ihre Kleidung hier, sondern auch Zahnb\u00fcrsten, Kosmetika, manchen stellen wir eigene Fotos und Bilder ins Zimmer, damit sie sich wie zu Hause f\u00fchlen. Das wird jetzt so gern angenommen, dass ich ein eigenes Lager angemietet habe, nur f\u00fcr die Sachen der G\u00e4ste.&#8220;<\/p>\n<p>Kontinuit\u00e4t ist dabei das Zauberwort des Hoteldirektors. Zwar ist die Villa nur von April bis Oktober ge\u00f6ffnet, doch die Angestellten werden das ganze Jahr bezahlt, die Wintermonate haben sie einfach frei, um durchzuatmen f\u00fcr die lange Sommersaison. Einmalig ist auch, dass die G\u00e4ste zehn Prozent Trinkgeld auf der Zimmerrechnung schon mitbezahlen. So ist es selten, dass mal ein Angestellter geht, die meisten arbeiten schon zwanzig Jahre hier. &#8222;Das lieben die G\u00e4ste &#8211; weil sie ihre Rezeptionistin kennen und das Zimmerm\u00e4dchen &#8211; das schafft genau das pers\u00f6nliche Erlebnis, das wir uns hier w\u00fcnschen.&#8220;<\/p>\n<p>Is&#8216; nich&#8216; billich<\/p>\n<p>Ab 1800 Euro kostet die Nacht hier &#8211; und weil Odermatt trotzdem jedes Zimmer dreimal belegen k\u00f6nnte, sucht er die G\u00e4ste pers\u00f6nlich aus. Neureiche Russen, die mit falschen Gucci-Taschen ihre Liegen belegen oder schreiende Amerikaner findet man hier vergeblich &#8211; die Villa Feltrinelli ist &#8222;Old Money&#8220; im besten Sinne des Wortes.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Urmohren-und-Co.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Das sind nicht irgendwelche Karotten - das sind Urm\u00f6hren.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Urmohren-und-Co.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Das sind nicht irgendwelche Karotten &#8211; das sind Urm\u00f6hren.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: S. Korge)<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste kommen auch wegen der K\u00fcche, die zwei Sterne hat, aber so ganz anders ist als schwere Haute Cuisine: Stefano Baiocco ist hier seit vielen Jahren der Chef am Herd, ein zur\u00fcckhaltender, vorsichtiger, ganz und gar freundlicher Mann. Er kocht federleicht, es ist eine gr\u00fcne K\u00fcche und nach den zehn G\u00e4ngen gehen die G\u00e4ste leicht und unbeschwert ins Bett, ein seltenes Gef\u00fchl beim Fine Dining. Den Markt im nahen Gargnano braucht Stefano Baiocco nicht, weil er seinen Garten hat &#8211; diesen Garten, aus dem er sein ganzes Men\u00fc speist. Wichtigster Gang im Reigen des Zwei-Sterne-Kochs ist der Salat, den er vor dem Dessert eingebaut hat.<\/p>\n<p>Salatbl\u00e4tter an Pinzette<\/p>\n<p>Diesen serviert er, aus dem hauseigenen Garten, in einem bunten Reigen: 125 Bl\u00e4tter und 25 Bl\u00fcten, einem Gem\u00e4lde gleich, die G\u00e4ste essen diesen Salat mit einer Pinzette, Blatt f\u00fcr Blatt, Bl\u00fcte f\u00fcr Bl\u00fcte, jede gibt es nur ein einziges Mal &#8211; das Staunen \u00fcber die Breite der Aromen der Natur sind inklusive. Einziger Wermutstropfen: Ein wenig zu viel grobes Salz tr\u00fcbt den Purismus. Und vielleicht w\u00e4re es eine grandiose Idee, \u00e4hnlich wie im Disfrutar, eine kleine Enzyklop\u00e4die zum Salat dazuzugeben, um zu erfahren, wie das n\u00e4chste hellgr\u00fcne oder dunkelrote Blatt denn hei\u00dft &#8211; aber das w\u00e4re bei dem saisonal fast t\u00e4glich bedingten Wechsel der Ingredienzen vielleicht etwas zu viel verlangt. <\/p>\n<p>Zuvor gab es schon verschiedene kleine G\u00e4nge in den bequemen St\u00fchlen genau am See, ein Tartelett von Gardasee-Sardinen etwa oder den ber\u00fchmten Teller mit Urm\u00f6hren und sehr vielen kleinen, wilden und \u00e4u\u00dferst aromatischen Gem\u00fcsen. Und dann kommen die mit Wolfsbarsch gef\u00fcllten Ravioli in einer so dichten Basilikum-So\u00dfe, dass die Papillen diese F\u00fclle nicht fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist ein Fest f\u00fcrs Leben, dieser Ort, nicht nur, um essen zu gehen. Und nat\u00fcrlich hat dieser Luxus seinen Preis. Andererseits gibt es so viele schreckliche Luxusschuppen, die auch teuer sind, aber in denen man selbst nach zwei Wochen nicht so erholt ist wie <a href=\"https:\/\/www.villafeltrinelli.com\/en\/the-villa\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\" title=\"Sehen und staunen Sie\">nach einer Nacht in der legend\u00e4ren Villa Feltrinelli am Westufer des Gardasees<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der gr\u00f6\u00dfte Luxus ist nicht Hummer oder Kaviar, sondern Perfektion &#8211; und absolute Privatsph\u00e4re. Mit diesen Zutaten ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":326605,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[3364,29,5763,3688,30,355,702,5013,89449,1209],"class_list":{"0":"post-326604","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-ernaehrung","11":"tag-essen","12":"tag-germany","13":"tag-italien","14":"tag-lebensmittel","15":"tag-lifestyle","16":"tag-luxusgueterindustrie","17":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114988587736525999","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=326604"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326604\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/326605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=326604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=326604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=326604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}