{"id":327140,"date":"2025-08-07T21:53:20","date_gmt":"2025-08-07T21:53:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327140\/"},"modified":"2025-08-07T21:53:20","modified_gmt":"2025-08-07T21:53:20","slug":"ulli-potofski-%e2%80%a073-der-junge-aus-gelsenkirchen-hat-sich-nie-als-star-begriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327140\/","title":{"rendered":"Ulli Potofski (\u202073): Der Junge aus Gelsenkirchen hat sich nie als Star begriffen"},"content":{"rendered":"<p>Ulli Potofski war Diskjockey, Puppenspieler und Schlagers\u00e4nger. Dann hat er mit seiner Berichterstattung den deutschen Fu\u00dfball ver\u00e4ndert. Er ist sich treu geblieben, das wussten besonders seine Kollegen in einer hart umk\u00e4mpften Branche sehr zu sch\u00e4tzen. Ein Nachruf.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Im Jahr 1989 befand sich Ulli Potofski in der Wahrnehmung der \u00d6ffentlichkeit auf dem Gipfel. Damals wurde ihm der Bambi, der renommierte deutsche Fernsehpreis, verliehen. Potofski war von einer Publikumsjury zum beliebtesten deutschen TV-Moderator gew\u00e4hlt worden \u2013 vor Thomas Gottschalk und G\u00fcnther Jauch. \u201eDas war ein Moment in meinem Leben, in dem ich sehr auf mich aufpassen musste\u201c, sagte der Sportreporter, Buchautor und Entertainer vor einigen Monaten. <\/p>\n<p>Denn als er damals auf der B\u00fchne im M\u00fcnchener Prinzregententheater gestanden und durch den Saal geschaut habe, wirkte dies irgendwie surreal. Neben den ganzen Fernsehstars h\u00e4tten damals Hans-Dietrich Genscher, der Jerusalemer B\u00fcrgermeister Teddy Kollek, der S\u00e4nger Chris de Burgh und weitere Gr\u00f6\u00dfen aus Politik und Gesellschaft gesessen, so Potofski: \u201eUnd oben steht Ulli aus Schalke\u201c. In einem solchen Moment \u201edenkst du f\u00fcr eine Sekunde: Du geh\u00f6rst jetzt dazu. Aber das ist nat\u00fcrlich nicht so\u201c.<\/p>\n<p>Ulli Potofski<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/article68930c8025b84e6d4210c12e\/Fernsehen-Sportreporter-Legende-Ulli-Potofski-ist-tot.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/article68930c8025b84e6d4210c12e\/Fernsehen-Sportreporter-Legende-Ulli-Potofski-ist-tot.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">, der am 3. August nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren gestorben ist<\/a>, hat sich nie als Star oder bedeutender Zeitgenosse begriffen, geschweige denn inszeniert \u2013 gerade auch nicht gegen\u00fcber seinen Sportreporterkollegen, obwohl er vielen in puncto Bekanntheit um Lichtjahre voraus war. Im Gegenteil: Er war sehr respektvoll gegen\u00fcber jedem in der Branche, die seit jeher auch von einem harten Verdr\u00e4ngungswettbewerb und von Eitelkeiten gepr\u00e4gt ist \u2013 speziell im Fernsehbereich. <\/p>\n<p>Esther Sedlaczek dankt ihrem \u201eFernsehpapa\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Tr\u00e4nen sind noch nicht getrocknet, aber was bleibt sind endlos viele wunderbare Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit und dich als einzigartigen Menschen\u201c, schrieb die Moderatorin Esther Sedlaczek bei Instagram und ver\u00f6ffentlichte mehrere gemeinsame Fotos. Potofski, so Sedlacek, sei ihr \u201eFernsehpapa\u201c gewesen. <\/p>\n<p>Dass er einmal eine TV-Vaterfigur werden sollte, h\u00e4tte sich der \u201eJunge aus Gelsenkirchen\u201c, wie er sich selbst gern bezeichnete, wohl nie tr\u00e4umen lassen. Potofski stand die meiste Zeit seiner \u00fcber 50-j\u00e4hrigen Karriere f\u00fcr das Gegenteil: f\u00fcr einen jungen Wilden, einen Anarcho mit einer Frisur, die an Jimi Hendrix erinnerte. Allein schon sein Weg zum Radio und sp\u00e4ter zum Fernsehen war nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben: schr\u00e4g.<\/p>\n<p>Potofski absolvierte eine Ausbildung als Koch. Er war Diskjockey, Puppenspieler und versuchte sich als Schlagers\u00e4nger. \u201eIch kann an keinem Girl vor\u00fcbergeh&#8217;n\u201c hie\u00df seine Single, die 1969 unter dem K\u00fcnstlernamen \u201eUlli Mario\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde. Potofski kaufte sich damals auch ein Tonbandger\u00e4t, um Probereportagen aufzunehmen. Mit denen bewarb er sich erfolgreich bei Radio Luxemburg und sp\u00e4ter beim WDR-H\u00f6rfunk. Dann ging er zum Fernsehen, zu RTL, das am 1. Januar 1984 als erster privater TV-Sender in Deutschland auf Sendung ging. <\/p>\n<p>Die vielen Anekdoten, die er aus dieser Zeit immer wieder gern erz\u00e4hlte, sind legend\u00e4r \u2013 vor allem die Pannen, die im neuen Medium damals passierten. Wie die Geschichte mit dem sogenannten \u201eMuttertagsfilm\u201c. Der sei \u201ef\u00fcr die ganze Familie und besonders f\u00fcr die M\u00fctter\u201c, habe die junge RTL-Ansagerin damals gesagt. Dummerweise hatte die Redaktion den Inhalt des Streifens vorher nicht gecheckt. Es handelte sich um einen Soft-Porno. Danach wurde jemand eingestellt, der Inhaltsangaben erstellte. <\/p>\n<p>Helmuth Thoma schickte Potofski zum DFB<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Stunde von Potofski schlug dann 1986. Helmut Thoma, der damalige RTL-Programmdirektor, schickte ihn nach Frankfurt mit dem Auftrag, sich doch einmal beim Deutschen Fu\u00dfballbund (DFB) zu erkundigen, wie man denn an die TV-Rechte f\u00fcr die Bundesliga kommen k\u00f6nnte. Potofski tat wie ihm gehei\u00dfen \u2013 und verhandelte einen Deal, der damals nahezu aberwitzig teuer erschien: f\u00fcr 40 Millionen D-Mark sicherte sich RTL die Rechte und durfte ab der Saison 1988\/89 die Zusammenfassung der Bundesligaspiele senden. Das Format \u201eAnpfiff\u201c ging auf Sendung \u2013 und spaltete die Fu\u00dfballnation.<\/p>\n<p>\u201eDie einen haben uns geliebt, aber f\u00fcr andere war es wie der Untergang des Abendlandes\u201c, so Potofski. Die Zuschauer, die bis dahin nur die angestaubte Berichterstattung der ARD-Sportschau gewohnt waren, tobten. Die Zeitungs-Kritiken f\u00fcr die Sendung, die Potofski moderierte, waren zun\u00e4chst vernichtend \u2013 vor allem, weil erstmals diverse Showelemente integriert wurden. So k\u00fcrte u.a. RTL- Sexualberaterin Erika Berger den sch\u00f6nsten Fu\u00dfballer. Das war zu viel f\u00fcr konservative Fans.<\/p>\n<p>Was h\u00e4ufig jedoch vergessen wird: Wohl nie gab es so viel Bundesliga-Fu\u00dfball im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen wie zu \u201eAnpfiff\u201c-Zeiten. Es war fast schon zu viel: Bei bis zu zwanzigmin\u00fctigen Zusammenfassungen von Spielen wie Uerdingen gegen Duisburg sackt die Quote dann doch gef\u00e4hrlich ab \u2013 auch weil RTL damals noch nicht deutschlandweit terrestrisch empfangbar war. Mit Beginn der Saison 1991\/92 \u00fcberlie\u00df RTL die Rechte an den Samstagspielen dann wieder der ARD.<\/p>\n<p>\u201eIch habe damals 10.000 Mark als Sportchef verdient\u201c<\/p>\n<p>Dennoch hat \u201eAnpfiff\u201c die Sportberichterstattung nachhaltig ver\u00e4ndert. Ab 1992 sicherte sich Sat.1 die Rechte. Die Sendung \u201eran\u201c baute auf dem auf, was Thoma und Potofski kreiert hatten. Der Show- und Eventcharakter wurde noch weiter ausgebaut und professionalisiert. Fu\u00dfballer wurden durch Homestorys zu Stars stilisiert \u2013 und die \u201eran\u201c-Protagonisten wie Reinhold Beckmann, J\u00f6rg Wontorra und Johannes B. Kerner gleich mit.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Zeit war noch nicht die Goldgr\u00e4berzeit f\u00fcr Moderatoren und Kommentaren, die begann erst mit Sat.1. Da konnte man auch mal eine halbe Million oder mehr im Jahr verdienen\u201c, sagte Potofski, der auch nach \u201eAnpfiff\u201c noch mehrere Jahre bei RTL blieb. \u201eIch habe damals 10.000 Mark als Sportchef verdient. Ich habe das f\u00fcr viel Geld gehalten\u201c, sagte er mal.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4re Potofski auch weiterhin fest bei RTL geblieben. \u201eDoch irgendwann war ich denen zu alt \u2013 obwohl ich da erst Anfang 50 war.\u201c Er widmete sich verschiedenen anderen Projekten, nahm eine H\u00f6rspielreihe (\u201eTeufelskicker\u201c) auf, war Programmverantwortlicher bei einem Kanal f\u00fcr Pferdesport, seine eigentliche Leidenschaft.<\/p>\n<p>Potofski schrieb viele Kinderb\u00fccher<\/p>\n<p>2006 ging er als Kommentator zum Bezahlsender Premiere, der 2009 zu Sky wurde. Bis zu seinem Tod berichtete er meistens \u00fcber Spiele der zweiten Liga. Er machte zusammen mit dem Politiker Wolfgang Bosbach einen Podcast und eine B\u00fchnenshow (\u201eEin Jahrgang \u2013 zwei Leben\u201c), moderierte Radiosendungen und schrieb B\u00fccher, darunter viele Kinderb\u00fccher. <\/p>\n<p>In der vergangenen Saison, als Potofski auch einige Reportereins\u00e4tze in der Ersten Bundesliga hatte, sorgte er noch mal f\u00fcr ein spezielles Highlight. Er interviewte Leverkusens Meistertrainer Xabi Alonso, der zu diesem Zeitpunkt bereits mit Real Madrid in Verbindung gebracht wurde. Das Thema sollte eigentlich tabu sein. <\/p>\n<p>\u201eMal ganz ehrlich: Wenn Real Madrid einen fragt, dann kann man doch gar nicht nein sagen\u201c, sagte Potofski. Alonso regierte ausweichend: \u201eDu sprichst hypothetisch.\u201c Potofski: \u201eF\u00fcr den Fall, dass das alles nicht klappt \u2013 auf Schalke suchen sie auch noch einen Trainer.\u201c Alonso konnte sich das Lachen nicht verkneifen: \u201eIch hatte keine Ahnung.\u201c Woraufhin Potofski das Gespr\u00e4ch abmoderierte: \u201eDa muss man auch keine Ahnung haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcbermorgen wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben\u201c<\/p>\n<p>Alonso ging nat\u00fcrlich nicht zu Schalke, sondern zu Real. Dass Potofski nach dem Interview kritisiert wurde, er h\u00e4tte sich respektlos \u00fcber seinen Lieblingsverein ge\u00e4u\u00dfert, st\u00f6rte ihn wenig. \u201eSo ist das halt: \u00dcbermorgen wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben\u201c, erkl\u00e4rte er lapidar. <\/p>\n<p>Ulli Potofski war jemand, der sowohl den Fu\u00dfball als auch das Fernsehen sehr geliebt hat. Es war sein Leben. Aber er hat sich nie von den Ausw\u00fcchsen und \u00dcberspanntheiten des Gesch\u00e4fts verr\u00fcckt machen lassen. <\/p>\n<p>1989, als ihm Harry Val\u00e9rien den Bambi \u00fcberreichte, verbl\u00fcffte er den fr\u00fcheren Sportstudio-Moderator und Wintersportexperten mit einer Anekdote. Er habe einmal ein Abfahrtsrennen \u00fcbertragen m\u00fcssen, obwohl er keine Ahnung hatte. Doch da Val\u00e9rien in der Reporterkabine neben ihm sa\u00df, habe er einfach nur gelauscht und dann nachgesprochen, was der gesagt habe. Lediglich wenn dem waschechten Val\u00e9rien ein \u201eSapperlott\u201c entfahren w\u00e4re, h\u00e4tte er im breitesten Ruhrgebietsdeutsch entweder \u201eDonnerwetter\u201c oder \u201emein lieber Scholli\u201c gesagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ulli Potofski war Diskjockey, Puppenspieler und Schlagers\u00e4nger. Dann hat er mit seiner Berichterstattung den deutschen Fu\u00dfball ver\u00e4ndert. 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