{"id":327320,"date":"2025-08-07T23:29:14","date_gmt":"2025-08-07T23:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327320\/"},"modified":"2025-08-07T23:29:14","modified_gmt":"2025-08-07T23:29:14","slug":"anmerkungen-zur-soziooekonomischen-krise-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327320\/","title":{"rendered":"Anmerkungen zur sozio\u00f6konomischen Krise in Russland"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/3a972052-3ec6-48e4-aa47-3424be549937\" style=\"max-height:100%\"\/>Ehrengardisten bei der Probe f\u00fcr die Milit\u00e4rparade zum 9. Mai auf dem Dvortsovaya-Platz zur Feier des 80. Jahrestags des Sieges der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, St. Petersburg, 22. April 2025 [AP Photo\/Dmitri Lovetsky]<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Ereignisse in der Welt best\u00e4tigen den allgemeinen Trend des Kapitalismus zu Diktatur und Krieg. Unf\u00e4hig, die Krise auf andere Weise zu bew\u00e4ltigen, setzen die imperialistischen und b\u00fcrgerlich-nationalistischen Regime auf Waffen als einziges \u201eallm\u00e4chtiges\u201c Mittel zur L\u00f6sung ihrer Widerspr\u00fcche und bedrohen die Welt mit einem Atomkrieg.<\/p>\n<p>Das Putin-Regime bildet da keine Ausnahme und versucht seit langem, seine eigene Krise durch Diktatur, Aufr\u00fcstung und diplomatische Man\u00f6ver mit dem Imperialismus zu l\u00f6sen. Der Kreml bem\u00fcht sich um einen Deal, der die russische Oligarchie vor den Schl\u00e4gen des Imperialismus bewahrt und gleichzeitig die Entwicklung einer Revolution der Arbeiterklasse im eigenen Land verhindern soll.<\/p>\n<p>Der wichtigste ideologische Hebel, den das Putin-Regime zur Rechtfertigung und Tarnung seiner Politik einsetzt, ist die F\u00f6rderung des russischen Chauvinismus. Am 12. Juni, dem so genannten \u201eRusslandtag\u201c, hielt Putin eine Zeremonie zur Verleihung staatlicher Auszeichnungen ab. In seiner Er\u00f6ffnungsrede erkl\u00e4rte er, dieser Feiertag symbolisiere \u201eden m\u00e4chtigen, ungebrochenen, mehr als tausendj\u00e4hrigen Weg des russischen Staats\u201c.<\/p>\n<p>Indem er den Mythos eines tausendj\u00e4hrigen Russlands wiederbelebt, versucht Putin die Tatsache zu verbergen, dass dieser \u201eFeiertag\u201c erst nach Boris Jelzins Dekret im Jahr 1994 eingef\u00fchrt und 2002 auf der Grundlage von Putins eigenem Dekret offiziell \u201eRusslandtag\u201c genannt wurde. Der Hauptzweck besteht darin, im Interesse der russischen Oligarchie das Bewusstsein der arbeitenden Massen zu vergiften. Dieser \u201eFeiertag\u201c spielt heute, im Zusammenhang mit dem eskalierenden Krieg in der Ukraine, eine noch wichtigere ideologische Rolle als zuvor.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Russlandtags ist interessant. Am 12. Juni 1990 verabschiedete der Kongress der Volksdeputierten (das damalige russische Parlament) die Erkl\u00e4rung \u00fcber die Souver\u00e4nit\u00e4t Russlands und ebnete damit den Weg f\u00fcr die Restauration des Kapitalismus und die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Dezember 1991.<\/p>\n<p>Doch dieses Parlament \u00fcberlebte die Russische F\u00f6deration nicht lange. Im Oktober 1993 wurde es von Jelzins Panzern beschossen, was zur Errichtung einer Pr\u00e4sidialdiktatur und zu einer Verfassungs\u00e4nderung f\u00fchrte. Das fr\u00fchere Parlament wurde durch die F\u00f6derale Versammlung ersetzt, in der der Pr\u00e4sident faktisch \u00fcber eine garantierte Mehrheit verf\u00fcgte, was fast immer auf antidemokratische Wahlverfahren zur\u00fcckzuf\u00fchren war. <\/p>\n<p>Als Jelzins Nachfolger f\u00fchrte Putin dessen Machtanspruch fort, wonach der Pr\u00e4sident uneingeschr\u00e4nkte Kontrolle \u00fcber das Parlament bei richtungsweisenden Entscheidungen zugunsten der Oligarchie haben sollte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erw\u00e4hnte Putin in seiner Rede nichts von alledem. Au\u00dferdem ging er auf keine der Schl\u00fcsselfragen der aktuellen sozio\u00f6konomischen Situation in Russland ein. Seine Versuche, die schwere sozio\u00f6konomische Krise zu vertuschen, zeugen vom Bankrott seines Regimes, das nicht in der Lage ist, die Dinge beim Namen zu nennen.<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckgang des Wirtschaftswachstums und endlose Preissteigerungen<\/p>\n<p>Das auff\u00e4lligste Merkmal der aktuellen Situation in Russland ist der R\u00fcckgang des Wirtschaftswachstums im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024, als die russische Wirtschaft um etwa 4 Prozent pro Jahr wuchs. Dieser kurzzeitige Anstieg, der auf die hohen Milit\u00e4rausgaben und die relativ lockere Politik der Zentralbank zur\u00fcckzuf\u00fchren war, ist zu Ende, und nun muss Putins Regime den \u201eR\u00fcstungsboom\u201c bezahlen \u2013 mit einem Angriff auf die Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>In einer k\u00fcrzlich erschienenen Publikation des Instituts f\u00fcr Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften (INP-RAN) hei\u00dft es, dass das j\u00e4hrliche BIP-Wachstum Russlands seit Juni 2024 nur noch 1,4 Prozent betr\u00e4gt. Bis zum Jahresende k\u00f6nne das geringe Wirtschaftswachstum in eine Rezession umschlagen. Aus den Statistiken f\u00fcr Mai geht hervor, dass das Wirtschaftswachstum in nahezu allen Wirtschaftssektoren fast vollst\u00e4ndig zum Stillstand gekommen ist.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die russische Zentralbank unter der Leitung von Elvira Nabiullina nicht sonderlich erpicht darauf, ihre Politik der niedrigen Zinss\u00e4tze zu \u00e4ndern. Die straffe Geldpolitik der Zentralbank wird mit der so genannten Inflationsbek\u00e4mpfung begr\u00fcndet, um eine \u00dcberhitzung und \u00dcberlastung der Wirtschaft vor dem Hintergrund des Kriegs zu vermeiden. In diesem Sinne reagiert die Zentralbank auf die Situation gem\u00e4\u00df dem Lehrbuch der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie. <\/p>\n<p>Doch trotz der harten Zinspolitik der Zentralbank ist die Inflation nicht wesentlich zur\u00fcckgegangen und lag am 2. Juni bei 9,7 Prozent. Das ist immer noch weit entfernt vom urspr\u00fcnglichen Ziel, sie bis Ende 2025 auf 4 Prozent zu senken. \u00a0 <\/p>\n<p>Gleichzeitig trifft ein solcher Preisanstieg vor allem die \u00e4rmsten Teile der Arbeiterklasse, die in schlecht bezahlten Berufen t\u00e4tig sind. Insbesondere die Rechnungen f\u00fcr Strom und Gas sollen ab dem 1. Juli 2025 um 11,9 Prozent, 2026 um 9,8 Prozent und ab 2027 um 7,9 Prozent steigen, wobei die Inflationsrate f\u00fcr 2026 auf 6 Prozent und f\u00fcr 2027 auf 4 Prozent gesch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p>Insgesamt werden die Stromtarife f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bis zum 1. Juli 2028 um etwa 42,6 Prozent und Gastarife um 80 Prozent steigen. Die Erh\u00f6hung der Gaspreise ist in erster Linie darauf ausgerichtet, die Lasten der Krise des staatlichen Gasunternehmens Gazprom auf die Schultern der russischen Arbeiter abzuw\u00e4lzen. <\/p>\n<p>Die Krise in der \u00d6lindustrie, ausgel\u00f6st durch niedrige Weltmarktpreise, wird die Unternehmen unweigerlich dazu zwingen, die Last auf den Binnenmarkt zu verlagern \u2013 etwa durch h\u00f6here Benzinpreise. Das versch\u00e4rft die Situation im G\u00fcterverkehr und belastet Arbeiterfamilien, die f\u00fcr ihren Lebensunterhalt auf das Auto angewiesen sind.<\/p>\n<p>Stagnierende L\u00f6hne und Arbeitslosigkeit<\/p>\n<p>In der Vergangenheit hat die Zentralbank ihre harte Linie damit begr\u00fcndet, dass die L\u00f6hne der russischen Arbeiter zu schnell gestiegen seien. Es stimmt zwar, dass die Reall\u00f6hne gestiegen sind, aber es muss daran erinnert werden, dass dieses Wachstum ungleichm\u00e4\u00dfig war und nur bestimmte Personengruppen betraf. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist diese Ausrede aktuell nicht mehr haltbar, da das Lohnwachstum praktisch zum Stillstand gekommen ist. Laut Head Hunter (einer Plattform f\u00fcr die Online-Stellensuche) ist der Medianlohn seit M\u00e4rz dieses Jahres um nicht mehr als 100 Rubel pro Monat (1,27 US-Dollar) gestiegen, was es Lohnabh\u00e4ngigen unm\u00f6glich macht, mit der Inflation Schritt zu halten.<\/p>\n<p>Insgesamt hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich versch\u00e4rft. Obwohl die offizielle Arbeitslosigkeit nach wie vor niedrig ist, hat sich die Situation im Vergleich zum letzten Jahr eindeutig ver\u00e4ndert \u2013 die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Auf der Plattform Head Hunter ist die Zahl der offenen Stellen im Laufe des Jahres um 21 Prozent gesunken, w\u00e4hrend die Zahl der Bewerbungen pro offener Stelle von 3,3 auf 5,6 gestiegen ist.<\/p>\n<p>Ein interessantes Bild ergibt sich auch aus der Einkommensstruktur der russischen Familien. Erst k\u00fcrzlich, am 9. Juni, hat die Zentralbank einen Bericht vorgelegt, in dem das Wachstum der russischen Pro-Kopf-Einkommen von 2022 bis 2024 analysiert wird, unterteilt in Gruppen, die von den reichsten 10 Prozent bis zu den \u00e4rmsten 10 Prozent reichen. Diese Statistiken best\u00e4tigten im Allgemeinen, dass sich die durchschnittliche finanzielle Situation der Arbeiterklasse in den Jahren des Krieges verbessert hat. Doch wie erwartet, betraf dieser Anstieg nicht alle und wird sich in Zukunft wahrscheinlich wieder umkehren.<\/p>\n<p>So gaben 22 Prozent der Russen im Jahr 2024 an, dass sich ihre Situation im Vergleich zu 2022 verschlechtert habe. Ebensoviele Befragte berichteten von einer Verbesserung. Die \u00fcbrigen 56 Prozent gaben an, dass sich ihre Situation nicht ver\u00e4ndert hat. Im Jahr 2024 verf\u00fcgten jedoch 90 Prozent der Russen \u00fcber ein mittleres Einkommen zwischen 12.000 (unter dem offiziellen Existenzminimum!) und 50.000 Rubel (zwischen 153 und 636 Dollar) pro Person. Gleichzeitig verf\u00fcgten die reichsten 10 Prozent im Jahr 2024 \u00fcber ein Medianeinkommen von 74.000 Rubel (941 Dollar) pro Person. Dies ist die einzige Gruppe, die nicht von den steigenden Kosten f\u00fcr Lebensmittel, Wohnungen und Kleidung betroffen ist. <\/p>\n<p>Da es sich um Medianwerte und nicht um Durchschnittswerte handelt, k\u00f6nnen wir mit Sicherheit sagen, dass 85 Prozent (124 Millionen Menschen) der Russen mit weniger als 50.000 Rubel (636 US-Dollar) pro Person und Monat auskommen m\u00fcssen. 55 Prozent der Russen (80 Millionen Menschen) leben von weniger als 30.000 Rubel (382 US-Dollar). 15 Prozent der Russen (22 Millionen Menschen) leben von weniger als 17.000 Rubel (216 US-Dollar). Zum Vergleich: Das offizielle Existenzminimum in Russland lag im Jahr 2024 bei 15.500 Rubel (197 US-Dollar).<\/p>\n<p>Insgesamt sagt der Bericht der Zentralbank mehr aus, als seine Verfasser beabsichtigen. Obwohl sich die materielle Lage einiger Teile der Arbeiterklasse verbessert hat, hat der Zufluss von Staatsgeldern zu hohen Zinss\u00e4tzen in Wirklichkeit den Reichtum der russischen Oligarchie und die Ungleichheit im Land vergr\u00f6\u00dfert. W\u00e4hrend sich die Reall\u00f6hne f\u00fcr einige Teile der Arbeiter w\u00e4hrend des Kriegs bescheiden verbessert haben, konnten die Oligarchen weitaus gr\u00f6\u00dfere Reicht\u00fcmer anh\u00e4ufen: Zwischen 2021 und 2024 stieg die Zahl der von Forbes gelisteten Milliard\u00e4re von 117 auf 146. Allein im Jahr 2024 steigerten diese 146 Personen ihr Verm\u00f6gen um 48,7 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Riesige Geldspritzen f\u00fcr die R\u00fcstungswirtschaft haben dazu gef\u00fchrt, dass eine ganze Kaste, die mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung steht, gro\u00dfe Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft hat. Diese Kaste genie\u00dft nun einen viel h\u00f6heren Lebensstandard als der Rest der Bev\u00f6lkerung, die bereits die Hauptlast der Krise tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Wachsendes Defizit im Staatshaushalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Zeitraum Januar bis Mai 2025 belief sich das Haushaltsdefizit bereits auf 3,4 Billionen Rubel (43,3 Mrd. US-Dollar). Dieses Defizit ist bereits gr\u00f6\u00dfer als in den Jahren 2022 und 2023 und hat fast das Niveau des Jahres 2024 erreicht. Der Anstieg des Haushaltsdefizits im Vergleich zu den urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4nen ist in erster Linie nicht auf eine Erh\u00f6hung der Staatsausgaben zur\u00fcckzuf\u00fchren (die im Vergleich zu 2024 nur geringf\u00fcgig gestiegen sind), sondern auf den R\u00fcckgang der Einnahmen aus \u00d6l- und Gasverk\u00e4ufen aufgrund der sinkenden Weltmarktpreise f\u00fcr Rohstoffe, verbunden mit einem starken Wertverlust des Dollars gegen\u00fcber dem Rubel. Beides ist eine direkte Folge von Trumps Handelskrieg.<\/p>\n<p>Das st\u00e4ndige Defizit zwingt den russischen Staat dazu, Kredite aufzunehmen und mehr von seinen Reserven auszugeben, die durch den dreij\u00e4hrigen Krieg bereits weitgehend ersch\u00f6pft sind. Diese Situation treibt Putins Regime unweigerlich zu einem Gegenangriff auf die Arbeiterklasse. W\u00e4hrend die Preiserh\u00f6hungen eine Antwort des Kapitals auf die steigenden L\u00f6hne sind, reagiert der Staat seinerseits mit einer Versch\u00e4rfung der Arbeitsgesetzgebung.<\/p>\n<p>Bereits im April dieses Jahres diskutierten die Beh\u00f6rden \u00fcber \u00c4nderungen des russischen Arbeitsgesetzes, die es den Kapitalisten erlauben w\u00fcrden, die t\u00e4gliche Arbeitszeit unter dem Deckmantel von \u00dcberstunden von 8 auf 10 bis 12 Stunden zu erh\u00f6hen. Diese \u00dcberstunden w\u00fcrden mit nur 150 Prozent des normalen Lohns verg\u00fctet werden, anstatt mit 200 Prozent, wie es die geltende Gesetzgebung vorsieht. Diese \u00c4nderungen sind noch nicht verabschiedet worden, aber angesichts der Lage k\u00f6nnte es bald dazu kommen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist es den Beh\u00f6rden bereits gelungen, \u00c4nderungen f\u00fcr Minderj\u00e4hrige (Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren) zu verabschieden, die nun auch an Wochenenden und in den Ferien arbeiten d\u00fcrfen. Damit wird die bereits weit verbreitete Arbeit von Jugendlichen an Tagen, die eigentlich zur Erholung dienen sollten, legalisiert.<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich, am 7. Juni, verabschiedete Putin \u00c4nderungen zu Artikel 135 des Arbeitsgesetzes, wonach die Arbeitgeber nun das uneingeschr\u00e4nkte Recht haben, bis zu 20 Prozent des Lohns der Arbeiter wegen \u201eVerletzung der Arbeitsdisziplin\u201c abzuziehen. Dies stellt eine teilweise R\u00fcckkehr zum System der Geldstrafen in Russland dar, das 1917 nach der Februarrevolution abgeschafft wurde.<\/p>\n<p><strong>Die Krise im Bildungs- und Gesundheitswesen<\/strong><\/p>\n<p>Eines der schwerwiegendsten systemischen Probleme in Russland ist der Niedergang des \u00f6ffentlichen Bildungswesens. Auf ideologischer Ebene greift der Staat immer aggressiver in die Lehrpl\u00e4ne ein, um den gro\u00dfrussischen Chauvinismus und die nationalistische Geschichtsf\u00e4lschung des Putin-Regimes durchzusetzen. Gleichzeitig werden die Geh\u00e4lter und Arbeitsbedingungen der Lehrer verschlechtert.<\/p>\n<p>Die Probleme im Bildungswesen sind so akut, dass Lehrer im April dieses Jahres einen offenen Brief an Putin schickten, in dem sie den tragischen Zustand der Schulen im Land offen ansprachen. Sie nannten als Hauptproblem, dass es \u00fcberall im Land nicht gen\u00fcgend Lehrer gibt.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Ministers f\u00fcr Arbeit und sozialen Schutz, Anton Kotjakow, werden bis 2030 mehr als 480.000 Lehrer fehlen. In vielen Regionen des Landes liegt der Mangel an Schulpersonal zwischen 30 und 40 Prozent.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_988_7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_962_0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Eines der auff\u00e4lligsten Beispiele ist der R\u00fcckgang an Physiklehrern von 61.000 im Jahr 2002 auf 31.000 im Jahr 2022. Infolgedessen schreiben sich nur wenige Studierende in die f\u00fcr viele Industriezweige so wichtigen technischen Studieng\u00e4nge ein, wodurch nur 37 Prozent des erforderlichen Nachwuchses f\u00fcr technische Fachbereiche abgedeckt werden.<\/p>\n<p>Angesichts der ernsten Lage ist es eine Ironie des Schicksals, dass es aufgrund des harten Wettbewerbs um die staatlich finanzierten Pl\u00e4tze in den Lehrerausbildungsst\u00e4tten sehr viel schwieriger geworden ist, Lehrer zu werden. Gleichzeitig verdienen junge Lehrer nur etwa 25.000 Rubel pro Monat (318 US-Dollar) und geh\u00f6ren damit zur \u00e4rmsten H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Die Bildungskrise ist eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr die Durchschnittsfamilie, die immer mehr von ihrem eigenen Geld investieren muss, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten und ihre Kinder auf die staatlichen Pr\u00fcfungen vorzubereiten, indem sie private Nachhilfelehrer engagiert.<\/p>\n<p>Die Bildungskrise wird noch durch eine Krise im Gesundheitswesen erg\u00e4nzt. Diese Krise hat sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 und im Zusammenhang des Kriegs noch weiter versch\u00e4rft. Es sei daran erinnert, dass die Bev\u00f6lkerung Russlands im Jahr 2021 um 1,4 Millionen Menschen geschrumpft ist, weil das Gesundheitssystem nicht in der Lage war, die Corona-Pandemie zu bew\u00e4ltigen, was durch die Politik des Putin-Regimes noch versch\u00e4rft wurde. Dem Beispiel ihrer \u201ewestlichen Partner\u201c in diesem Bereich folgend, hat die russische Oligarchie nie wissenschaftlich fundierte Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie ergriffen, sondern fr\u00fchzeitig alle verbleibenden Ma\u00dfnahmen aufgehoben und dem Virus freien Lauf gelassen. <\/p>\n<p>Wie im \u00f6ffentlichen Bildungswesen herrscht auch im Gesundheitswesen ein gravierender Personalmangel. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums fehlen 69.000 \u00c4rzte und 65.000 medizinische Fachkr\u00e4fte. Die stellvertretende russische Ministerpr\u00e4sidentin Tatjana Golikowa sch\u00e4tzt die Lage sogar noch schlechter ein:<\/p>\n<p>\u201eBis 2030 ben\u00f6tigen wir 496.000 medizinische Fachkr\u00e4fte mit mittlerer Fachausbildung und Hochschulabschluss, um altersbedingt ausscheidendes Personal zu ersetzen und zus\u00e4tzlich junge Menschen f\u00fcr die Branche zu gewinnen: 276.000 \u00c4rzte verschiedener Fachrichtungen sowie 220.000 Fachkr\u00e4fte mit mittlerer medizinischer Ausbildung.\u201c<\/p>\n<p>Um diese Zahl an medizinischem Personal bis 2030 zu decken, m\u00fcssten j\u00e4hrlich 55.000 Studierende ihre medizinische Ausbildung abschlie\u00dfen. Im vergangenen Jahr haben sich jedoch nur 35.000 Personen eingeschrieben, und nicht mehr als 20.000 haben ihre Ausbildung abgeschlossen und ihre Arbeit in ihrem Fachgebiet aufgenommen. Gleichzeitig sind die medizinischen Fachkr\u00e4fte in vielen Regionen gezwungen, bis zur Ersch\u00f6pfung zu arbeiten. Im Durchschnitt arbeiten sie 30 Prozent mehr Stunden als an einem normalen Arbeitstag. \u00a0 <\/p>\n<p>Die Krise im russischen Gesundheitswesen versch\u00e4rft den jahrzehntelangen Zusammenbruch des aus der Sowjetunion \u00fcbernommenen staatlichen Gesundheitssystems, w\u00e4hrend die private Gesundheitsversorgung weiter floriert. Da das staatliche Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, Patienten schnell und wirksam zu behandeln, werden diese in die Arme privater Kliniken getrieben, wo die Kosten f\u00fcr Medikamente und Behandlung f\u00fcr die meisten Arbeiterfamilien unerschwinglich sind.<\/p>\n<p><strong>Eine Perspektive f\u00fcr die Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Die offensichtlichen Probleme in vielen Bereichen der Wirtschaft und der Gesellschaft nehmen vor dem Hintergrund des andauernden Krieges rasant zu. Diplomatische Man\u00f6ver erweisen sich nur als vor\u00fcbergehende Ablenkung von der realen Lage an der Front, wo der Krieg nicht blo\u00df weitergeht, sondern eskaliert. Der SBU [Sicherheitsdienst der Ukraine] setzt seine Sabotageoperationen seit Anfang Juni fort und habt sogar Sibirien und die Arktis erreicht, was unterstreicht, dass der Krieg in der Ukraine Teil eines viel umfassenderen Kriegs gegen Russland ist.<\/p>\n<p>Auch die Gesamtsituation an der Front ist schwierig. Obwohl die ukrainische Armee insgesamt mehr Verluste erlitten hat als die russische Armee, sind auch die russischen Verluste erheblich gestiegen. In ihrer konservativen Sch\u00e4tzung der Verluste bis zum 24. Februar 2025 gibt die pro-ukrainische Onlinezeitung Meduza 160.000 Tote an. Glaubt man diesen Zahlen, so hat die russische Armee in den drei Jahren des Krieges durchschnittlich 146 Soldaten pro Tag verloren. Zum Vergleich: Nach den Daten von Meduza vom 24. Februar 2024 lag der Durchschnitt in den ersten beiden Kriegsjahren bei 103 Soldaten pro Tag. Dies bedeutet, dass Russland im dritten Kriegsjahr 232 Soldaten pro Tag verloren hat. Wenn dieser Anstieg der Verluste anh\u00e4lt, wird Russland im vierten Jahr des Krieges 520 Menschen pro Tag verlieren. Ein solcher Anstieg der Verluste wirft unweigerlich die Frage nach einer neuen Mobilisierungskampagne in Russland auf. Der Ansatz, Freiwillige durch hohe Bezahlung zu rekrutieren, hat sich bereits so gut wie ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Um einen direkten Krieg mit dem US-Imperialismus zu vermeiden, will Putin einen Deal mit Trump eingehen. Trumps Hauptstrategie besteht jedoch darin, die USA auf den Beginn eines Kriegs mit China vorzubereiten, der immer unvermeidlicher wird, da der Handelskrieg die Auswirkungen des wirtschaftlichen Niedergangs des US-Imperialismus nicht umkehren kann. Au\u00dferdem werden die europ\u00e4ischen M\u00e4chte, von denen die Fortsetzung des Krieges in der Ukraine zunehmend abh\u00e4ngt, immer aggressiver. Die j\u00fcngste Reise des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich die Initiative im Krieg gegen Russland von den USA nach Europa verlagert. Das europ\u00e4ische Aufr\u00fcstungsprogramm ist beispiellos seit den 1930er Jahren, also den Jahren unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Das Putin-Regime hat dagegen keine fortschrittliche Strategie oder rationale Antwort auf die allgemeine Eskalation des Krieges weltweit und auf die imperialistische Kriegsstrategie gegen Russland im Besonderen. Es st\u00fctzt sich auf das Erbe des Stalinismus und der kapitalistischen Restauration und versucht verzweifelt, die Interessen einer Oligarchie zu verteidigen, die v\u00f6llig abh\u00e4ngig vom Imperialismus und selbst tief gespalten ist. Infolgedessen ger\u00e4t Putins Regime unweigerlich in einen offenen Konflikt mit der eigenen Arbeiterklasse, die zunehmend die Hauptlast der russischen Wirtschaftskrise zu tragen hat.<\/p>\n<p>Die russische Arbeiterklasse ist erneut mit den grundlegenden historischen und sozialen Problemen konfrontiert, die zur Oktoberrevolution von 1917 gef\u00fchrt haben: imperialistischer Krieg und immense soziale Ungleichheit. Um diese Probleme zu l\u00f6sen, muss sie wieder die Perspektive der sozialistischen Weltrevolution aufgreifen, die die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki vertraten, als sie die Arbeiterklasse 1917 zur Machteroberung f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Die internationale Isolierung der Russischen Revolution f\u00fchrte zur b\u00fcrokratischen Degeneration der Sowjetunion und zur Aufgabe der Perspektive der Weltrevolution durch den Stalinismus. Der politische V\u00f6lkermord des Stalin-Regimes an den Revolution\u00e4ren spielte eine zentrale Rolle dabei, Hitlers Aufstieg und den Beginn des Zweiten Weltkriegs zu erm\u00f6glichen. Dieser Verrat gipfelte in der Aufl\u00f6sung der UdSSR durch die Sowjetb\u00fcrokratie, die die objektiven Bedingungen f\u00fcr den Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die imperialistische Aufteilung der gesamten Region schuf. \u00a0 <\/p>\n<p>Heute stellen die Widerspr\u00fcche des Weltkapitalismus die Welt erneut vor die Aussicht auf eine Weltrevolution der Arbeiterklasse. Die objektiven Bedingungen sind gegeben, um die russischen, ukrainischen und europ\u00e4ischen Arbeiter ebenso wie Arbeiter in den USA, Asien, Lateinamerika und vielen anderen Regionen international zu vereinen und einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.<\/p>\n<p>Doch damit diese objektiven Bedingungen zum Vorteil der internationalen Arbeiterklasse genutzt werden k\u00f6nnen, muss die Frage der politischen F\u00fchrung der Arbeiterklasse gel\u00f6st werden. In Russland und den L\u00e4ndern der ehemaligen Sowjetunion ist dies umso dringlicher, als die arbeitenden Massen durch die Politik des Putin-Regimes und die Verbrechen des Stalinismus desorientiert sind.<\/p>\n<p>Um diese Orientierungslosigkeit zu \u00fcberwinden, ist es notwendig, eine russische Sektion und weitere Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion aufzubauen. Nur durch den Aufbau von Sektionen der Weltpartei der Sozialistischen Revolution wird die Arbeiterklasse in der Lage sein, die Aufgaben zu bew\u00e4ltigen, die ihr durch die historische Krise des Kapitalismus auferlegt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ehrengardisten bei der Probe f\u00fcr die Milit\u00e4rparade zum 9. Mai auf dem Dvortsovaya-Platz zur Feier des 80. 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