{"id":327608,"date":"2025-08-08T02:17:20","date_gmt":"2025-08-08T02:17:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327608\/"},"modified":"2025-08-08T02:17:20","modified_gmt":"2025-08-08T02:17:20","slug":"reporterin-roschtschyna-wird-beerdigt-dw-07-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327608\/","title":{"rendered":"Reporterin Roschtschyna wird beerdigt \u2013 DW \u2013 07.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg war ihr Thema: Die ukrainische Journalistin Viktoria, kurz Vika, Roschtschyna begab sich seit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beginn von Russlands\u00a0Invasion der Ukraine<\/a> immer wieder selbst in Gefahr, um \u00fcber Menschen in den besetzten Gebieten ihrer Heimat zu berichten. Ihren Mut bezahlte die\u00a027-J\u00e4hrige mit dem\u00a0Leben: Vor zwei Jahren geriet Roschtschyna in russische\u00a0Gefangenschaft, aus der sie nicht mehr freikam.<\/p>\n<p>15 Monate\u00a0sa\u00df sie im Gef\u00e4ngnis in der s\u00fcdrussischen Stadt Taganrog. W\u00e4hrend ihrer Verlegung nach Moskau im vergangenen Herbst starb die Journalistin. Jetzt soll sie endlich in Kyjiw\u00a0ihre letzte Ruhest\u00e4tte finden: An diesem\u00a0Freitag wird Viktoria Roschtschyna auf dem bekannten Bajkowe-Friedhof in der ukrainischen Hauptstadt beerdigt.<\/p>\n<p>Als &#8222;unbekannte m\u00e4nnliche&#8220; Leiche \u00fcbergeben<\/p>\n<p>Ihr Tod wurde am 10. Oktober 2024 bekannt. Roschtschyna, die w\u00e4hrend einer Reise in die russisch besetzten Gebiete der Ukraine verschwand,\u00a0hatte vergeblich auf ihre Freilassung gewartet. Andrij Jussow vom ukrainischen Milit\u00e4rgeheimdienst sagte dem ukrainischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender Suspilne, Roschtschyna sei f\u00fcr einen Gefangenenaustausch eingeplant gewesen. Doch dazu kam es zu ihren Lebzeiten nicht.<\/p>\n<p><a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> \u00fcbergab der Ukraine die Leiche der Journalistin erst am 14. Februar &#8211;\u00a0zusammen mit den Leichen von 756 gefallenen Soldaten. Viktoria Roschtschyna war als letzte mit der Nummer 757 sowie dem Vermerk &#8222;nicht identifizierte m\u00e4nnliche Person&#8220;. Laut dem ukrainischen Webportal &#8222;Graty&#8220; wurde der Vater der Journalistin in einem Brief des russischen Verteidigungsministeriums informiert, dass seine Tochter am 19. September 2024 gestorben sei.<\/p>\n<p>Investigativjournalisten des internationalen Viktoriia Project\u00a0gingen der Sache nach. Das Projekt wurde vom Journalistennetzwerk &#8222;Forbidden Stories&#8220; unter Beteiligung f\u00fchrender Medien weltweit initiiert, darunter die ukrainische\u00a0Webzeitung &#8222;Ukrajinska Prawda&#8220;.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Rechercheteams hatten nach der \u00dcberf\u00fchrung ukrainische Pathologen festgestellt, dass es sich bei der Leiche mit der Nummer 757 um eine Frau handelte. Und die von Ermittlern der Generalstaatsanwaltschaft durchgef\u00fchrte Untersuchung ergab eine 99-prozentige \u00dcbereinstimmung mit der DNA der Journalistin Viktoria Roschtschyna.<\/p>\n<p>&#8222;Aufgrund des Zustands der Leiche und ihrer Mumifizierung konnte die Todesursache bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung jedoch nicht festgestellt werden&#8220;, sagte im April Jurij Bjelousow, Leiter der Kriegsabteilung der Generalstaatsanwaltschaft. Ihm zufolge wurden an der Leiche viele Spuren von Folter und Misshandlung gefunden, darunter Absch\u00fcrfungen und Blutungen an verschiedenen K\u00f6rperteilen sowie eine gebrochene Rippe.<\/p>\n<p>Spuren von Folter<\/p>\n<p>Experten fanden auch m\u00f6gliche Anzeichen daf\u00fcr, dass Roschtschyna mit Elektroschocks traktiert wurde. &#8222;Die Verletzungen wurden ihr zu Lebzeiten zugef\u00fcgt. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass sie gefoltert wurde&#8220;, stellte Bjelousow damals fest.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr den Todesfall zust\u00e4ndige ukrainische Ermittlungsteam best\u00e4tigte dem Viktoriia-Project, dass an Roschtschynas Leiche zu erkennen war, dass bereits in Russland eine Autopsie vorgenommen worden sei. Die Journalisten des Projekts erfuhren au\u00dferdem, dass einige innere Organe fehlten: das Gehirn, die Aug\u00e4pfel und ein Teil der Luftr\u00f6hre. Das Viktoriia-Project Projekts bat auch internationale\u00a0Experten um eine Einsch\u00e4tzung. Ein\u00a0angefragter Pathologe sagte, dass das Fehlen dieser Organe m\u00f6glicherweise verschleiern solle, dass Roschtschyna durch Strangulation oder Ersticken starb.<\/p>\n<p>Die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine hat ein Strafverfahren zum Verschwinden von Viktoria Roschtschyna eingeleitet. Die Ermittlungsbeh\u00f6rde\u00a0f\u00fchrt\u00a0den Fall als &#8222;Kriegsverbrechen in Verbindung mit vors\u00e4tzlichem Mord&#8220;.<\/p>\n<p>Gefangen in der &#8222;H\u00f6lle auf Erden&#8220;<\/p>\n<p>Viktoria Roschtschyna\u00a0war bereits zuvor einmal in Gefangenschaft geraten: Im\u00a0M\u00e4rz 2022 wurde sie vom russischen Sicherheitsdienst in der s\u00fcdukrainischen Hafenstadt Berdjansk festgenommen und anschlie\u00dfend inhaftiert. Der Vorwurf lautete damals: Spionage. Zehn Tage sp\u00e4ter wurde die junge Reporterin jedoch im Austausch gegen russische Soldaten wieder freigelassen. Roschtschyna kehrte nach Saporischschja zur\u00fcck.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"70474294\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/70474294_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Demonstranten zeigen Fotos von von Viktoria Roschtschyna im abendlichen Kyjiw (11.10.2024)\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Trauer-Kundgebung f\u00fcr Viktoria Roschtschyna in Kyjiw im Oktober 2024Bild: Igor Burdyga\/DW<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren verschwand sie dann erneut w\u00e4hrend einer Reise in die besetzten Gebiete, von der sie nie wieder zur\u00fcckkehren sollte. Ihre Familie verlor am 3. August den Kontakt zu ihr und fast ein Jahr lang galt Roschtschyna als verschollen. Erst im Mai 2024 best\u00e4tigte Russland offiziell ihre Festnahme und ihren Aufenthalt in der Russischen F\u00f6deration. Bis dahin war nichts \u00fcber Roschtschynas Schicksal bekannt.<\/p>\n<p>Das\u00a0Untersuchungsgef\u00e4ngnis, in dem die Journalistin zuletzt festgehalten wurde, sei ein brutaler Ort. So beschreibt Tetjana Katritschenko von der Medieninitiative f\u00fcr Menschenrechte den Knast von Taganrog.<\/p>\n<p>&#8222;Es wird als H\u00f6lle auf Erden bezeichnet. In Taganrog werden insbesondere Verteidiger des umk\u00e4mpften Stahlwerks Asowstal in Mariupol festgehalten. Die Freigelassenen berichten von schrecklichen Folterungen&#8220;, so Katrichenko auf ihrem Social-Media-Kanal. Roschtschyna sei in Taganrog mindestens von Mai bis September 2024<strong> <\/strong>in einer Einzelzelle festgehalten worden.<\/p>\n<p>&#8222;Sie stand fest zu ihren \u00dcberzeugungen&#8220;<\/p>\n<p>Unter Kollegen sorgte ihr Tod f\u00fcr Best\u00fcrzung und viel Anteilnahme. Laut Tetjana Kosak, Chefredakteurin des Online-Portals &#8222;Graty&#8220;, war Viktoria Roschtschyna &#8222;mutig&#8220; und sie &#8222;stand fest zu ihren \u00dcberzeugungen&#8220;. Sie sei eine talentierte Journalistin gewesen, die noch eine gro\u00dfe berufliche Zukunft vor sich gehabt habe. &#8222;Doch im Krieg gingen bei ihr alle Sicherungen durch, weswegen sie in ihre erste Gefangenschaft geriet&#8220;, so Kosak.<\/p>\n<p>&#8222;Vika war eine der schwierigsten Journalistinnen, mit denen ich je gearbeitet habe&#8220;, schrieb Jewhen Buderazkyj, stellvertretender Chefredakteur der Online-Zeitung &#8222;Ukrajinska Prawda&#8220;. Manchmal sei\u00a0Roschtschyna unertr\u00e4glich. Jede Korrektur habe sie pers\u00f6nlich genommen:\u00a0&#8222;Aber egal, was passierte, Vika blieb sich als Journalistin treu. Man konnte sie nicht aufhalten, wenn sie sich etwas vorgenommen hatte&#8220;, so\u00a0Buderazkyj:\u00a0&#8222;Russland hat sie get\u00f6tet, egal was man jetzt dort sagt.&#8220;<\/p>\n<p>Kein Lebenszeichen in 15 Monaten Haft<\/p>\n<p>Nach Angaben der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/pressefreiheit\/t-18405726\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">internationalen Nichtregierungsorganisation &#8222;Reporter ohne Grenzen&#8220;\u00a0(ROG)<\/a> befinden sich aktuell insgesamt 29 ukrainische Medienschaffende in russischer Gefangenschaft. &#8222;Wir sind zutiefst schockiert \u00fcber Viktoria Roschtschynas Tod und trauern mit ihren Angeh\u00f6rigen&#8220;, lie\u00df ROG-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin\u00a0Anja Osterhaus verlauten, als Roschtschynas Tod bekannt wurde. &#8222;W\u00e4hrend der gesamten 15 Monate, in denen die Journalistin in Haft sa\u00df, haben sich die russischen Beh\u00f6rden nicht zu Gr\u00fcnden oder Vorw\u00fcrfen ge\u00e4u\u00dfert. Trotz wiederholter Versuche von Reporter ohne Grenzen und Roschtschynas Angeh\u00f6rigen gab es kein Lebenszeichen&#8220;, so Osterhaus.<\/p>\n<p>Roschtschyna stand noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie war erst gut sechs Jahre als Journalistin t\u00e4tig. Zu ihren Auftraggebern geh\u00f6rten die &#8222;Ukrajinska Prawda&#8220; und die Nachrichtenseiten &#8222;Nowosti Donbassa&#8220; und &#8222;Censor.net&#8220;. Au\u00dferdem arbeitete sie f\u00fcr die Sender Radio Free Europe\u00a0und Hromadske.<\/p>\n<p>Sie galt als kritische und entschlossene Journalistin. Im Jahr 2022 verlieh ihr die International Women&#8217;s Media Foundation den &#8222;Courage in Journalism Award&#8220; f\u00fcr ihre Berichterstattung \u00fcber die russische Invasion in der Ukraine seit 2022.<\/p>\n<p>Staatliche Auszeichnung f\u00fcr Victoria Roschtschyna<\/p>\n<p>Im Mai richtete das ukrainische Parlament eine Bitte an den Pr\u00e4sidenten: Wolodymyr Selenskyj solle Viktoria Roschtschyna posthum den Titel &#8222;Heldin der Ukraine&#8220; verleihen. 246 Abgeordnete stimmten daf\u00fcr. &#8222;Alle entsprechenden Untersuchungen laufen. Sobald sie abgeschlossen sind, wird der Pr\u00e4sident Viktoria Roschtschyna eine staatliche Auszeichnung verleihen. Die entsprechende Entscheidung ist bereits gefallen&#8220;, best\u00e4tigte das Pr\u00e4sidialamt.<\/p>\n<p>An diesem Samstag\u00a0zeichnete Selenskyj dann posthum Roschtschyna mit dem Orden der Freiheit aus. Diese Auszeichnung wird f\u00fcr b\u00fcrgerschaftlichen Mut und Patriotismus verliehen, sowie f\u00fcr den &#8222;selbstlosen Einsatz zur Verteidigung der Souver\u00e4nit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit des ukrainischen Staates sowie der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Rechte und Freiheiten des Menschen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Krieg war ihr Thema: Die ukrainische Journalistin Viktoria, kurz Vika, Roschtschyna begab sich seit Beginn von Russlands\u00a0Invasion&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":327609,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-327608","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114990747122720932","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=327608"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327608\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/327609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=327608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=327608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=327608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}