{"id":327725,"date":"2025-08-08T03:24:10","date_gmt":"2025-08-08T03:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327725\/"},"modified":"2025-08-08T03:24:10","modified_gmt":"2025-08-08T03:24:10","slug":"bischof-meier-erklaert-bedeutung-des-augsburger-friedensfestes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/327725\/","title":{"rendered":"Bischof Meier erkl\u00e4rt Bedeutung des Augsburger Friedensfestes"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Was feiern katholische und evangelische Christinnen und Christen gemeinsam beim Augsburger Friedensfest?<\/p>\n<p><strong>Bertram Meier (Bischof von Augsburg):<\/strong> Um die Bedeutung des Augsburger Friedensfestes besser zu verstehen, m\u00fcssen wir einen Blick zur\u00fcck ins Jahr 1650 werfen. Damals fand das erste Friedensfest statt. Anl\u00e4sslich der R\u00fcckkehr zur religi\u00f6sen Parit\u00e4t in der Stadt Augsburg nach einer Phase der Rekatholisierung. Schon 1555 gab es den Augsburger Religionsfrieden.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Schiedlich-friedlich&#8220; war das Motto, ein Nebeneinander von katholischen und evangelischen Christinnen und Christen. Was urspr\u00fcnglich als evangelisches Fest begann, zur Erinnerung an das Recht, den eigenen Glauben in Augsburg wieder frei aus\u00fcben zu d\u00fcrfen, hat sich l\u00e4ngst zu einem \u00f6kumenischen Fest entwickelt. Und daf\u00fcr d\u00fcrfen wir sehr dankbar sein.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Sie predigen im gemeinsamen Gottesdienst und danach geht es zur traditionellen Friedenstafel. Was hat es damit auf sich?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Meier:<\/strong> Die Friedenstafel gibt es erst seit einigen Jahren, aber ich finde, sie ist ein sch\u00f6nes Zeichen. Wir versammeln uns auf dem Rathausplatz, mitten im Herzen der Stadt Augsburg. Da werden festlich gedeckte Tische aufgestellt und es nehmen Menschen unterschiedlichster Konfessionen, Religionen und Kulturen Platz. Jede und jeder ist eingeladen, etwas mitzubringen, zum Essen, Trinken und Teilen.\u00a0<\/p>\n<p>An der Friedenstafel geht es aber nicht nur um das gemeinsame Mahl, sondern vor allem um Begegnung und Gespr\u00e4che auf Augenh\u00f6he. Und das ist, glaube ich, sehr wichtig. Ein Tisch zwingt niemanden in eine h\u00f6here oder niedrigere Position. Alle sitzen gleichberechtigt beieinander. Ich freue mich darauf.<\/p>\n<p>        Bertram Meier<\/p>\n<p>&#8222;Augsburg als &#8222;Stadt des Friedens&#8220; zeigt ganz konkret, wie Zusammenr\u00fccken m\u00f6glich ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Der Angriffskrieg Putins auf die Ukraine und die Eskalation im Nahen Osten haben uns auf ersch\u00fctternde Weise gezeigt, wie kostbar Frieden ist. Wie spiegelt sich das auf dem Augsburger Friedensfest wider?<\/p>\n<p><strong>Meier:<\/strong> Gerade bei der Friedenstafel sind nationale Spannungen und Trennungen aufgehoben. Wir erleben das auch bei anderen Veranstaltungen, etwa wenn Russen und Ukrainer gemeinsam teilnehmen. An der Friedenstafel sind alle gleich.\u00a0<\/p>\n<p>Das zweite Element ist, dass Vertreterinnen und Vertreter des Runden Tisches der Religionen Friedensw\u00fcnsche f\u00fcr ihre jeweilige Glaubensgemeinschaft aussprechen, \u00f6ffentlich auf dem Rathausplatz.\u00a0<\/p>\n<p>Augsburg als &#8222;Stadt des Friedens&#8220; zeigt hier ganz konkret, wie Zusammenr\u00fccken m\u00f6glich ist. Die politischen Konflikte sind nicht vergessen, aber sie werden durch die Friedenstafel und die Friedensw\u00fcnsche \u00fcberboten.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> &#8222;Den Frieden riskieren&#8220;, so lautet das Motto des diesj\u00e4hrigen Festes.<strong>\u00a0<\/strong>Was bedeutet das in einer Zeit, in der Aufr\u00fcstung geradezu zum guten Ton geh\u00f6rt und die Waffenindustrie boomt?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Meier:<\/strong> Ich glaube, dass wir das Friedensfest neu erfinden m\u00fcssten, wenn es diesen Anlass nicht g\u00e4be. Denn wir stehen manchmal in der Gefahr, gerade mit unserer deutschen Mentalit\u00e4t, dass wir Themen verabsolutieren. Umso wichtiger ist es, dass das Wort vom Frieden nicht in Vergessenheit ger\u00e4t.\u00a0<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten voller Unruhe, Krisen und Kriege m\u00fcssen wir immer wieder daran denken, dass das Erste, was wir tun sollten, unser Engagement f\u00fcr den Frieden ist. Dieses Augsburger Friedensfest ist ein gro\u00dfer Weckruf, die Friedensbem\u00fchungen niemals aufzugeben. Der Friede ist st\u00e4rker als der Krieg, so wie es die P\u00e4pste immer wieder sagen. Der Krieg ist immer eine Niederlage der Menschlichkeit und Menschheit. Darauf werde ich morgen auch in meiner Predigt hinweisen.\u00a0<\/p>\n<p>        Bertram Meier<\/p>\n<p>&#8222;Der Krieg ist immer eine Niederlage der Menschlichkeit und Menschheit.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Wo sehen Sie im aktuellen Spektrum die Rolle der Kirchen?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Meier:<\/strong> Ich glaube, dass die Kirchen auch unbequeme Wecker sein m\u00fcssen. Sie sollen, ohne naiv zu sein, f\u00fcr den Frieden eintreten. Frieden schaffen, ohne Waffen, ist kein einfacher Weg. Denn jedes Land hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Aber es braucht immer das Gebot der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit.\u00a0<\/p>\n<p>Gerade deshalb sind die Kirchen gefordert, klar zu sagen: Unsere Mission ist der Friede. Das hat sie nicht selbst erfunden, sondern, wie Papst Leo auch am Anfang seiner Amtszeit von der Benediktionsloggia gesagt hat, der Auferstandene, auf den wir uns ja alle berufen, begr\u00fc\u00dft die Apostel mit den Worten: &#8222;Der Friede sei mit euch&#8220;. Dieser \u00f6sterliche Friedensgru\u00df ist allen Kirchen und \u00f6kumenischen Verbundenheit ins Stammbuch geschrieben.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Hilde Regeniter.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.domradio.de\/glossar\/augsburger-friedensfest\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>      Augsburger Friedensfest<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Das Augsburger Hohe\u00a0Friedensfest\u00a0am 8. August ist der deutschlandweit einzige gesetzliche Feiertag, der nur in einer Stadt gilt. Das Fest hat einen religi\u00f6sen Hintergrund: Es wurde erstmals 1650 gefeiert, nachdem die Protestanten das Recht zur Religionsaus\u00fcbung und ihre Kirchengeb\u00e4ude wiedererlangt hatten. Zum j\u00e4hrlichen Festprogramm in der Schwabenmetropole geh\u00f6ren ein \u00f6kumenischer Gottesdienst sowie normalerweise eine \u00f6ffentliche Friedenstafel auf dem Rathausplatz und das historische Kinderfriedensfest. Coronabedingt fallen letztere zwei Veranstaltungen dieses Jahr aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE: Was feiern katholische und evangelische Christinnen und Christen gemeinsam beim Augsburger Friedensfest? 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