{"id":328089,"date":"2025-08-08T06:45:12","date_gmt":"2025-08-08T06:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328089\/"},"modified":"2025-08-08T06:45:12","modified_gmt":"2025-08-08T06:45:12","slug":"kultusminister-jubelt-gew-liest-ihm-die-leviten-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328089\/","title":{"rendered":"Kultusminister jubelt, GEW liest ihm die Leviten \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Was lernt man eigentlich von Kultusministern? Sollten sie beim L\u00f6sen komplexer Aufgaben nicht Vorbild sein? Und wenn sie mit Zahlen untersetzte Ergebnisse vorlegen, nicht auch die komplette Rechnung offenlegen? Das f\u00e4llt s\u00e4chsischen Kultusministern schwer. Denn nat\u00fcrlich ticken sie nicht wie Lehrer, sondern wie Politiker, die das, was sie tun, dem gutgl\u00e4ubigen Volk immer als Erfolg verkaufen m\u00fcssen. Oder glauben, es zu m\u00fcssen. Ergebnis ist eine fortgesetzte Sch\u00f6nrechnerei des s\u00e4chsischen Bildungssystems. So wie am Mittwoch, 6. August, wieder.<\/p>\n<p>Da <a href=\"http:\/\/medienservice.sachsen.de\/medien\/news\/1089431\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meldete das S\u00e4chsische Kultusministerium:<\/a> \u201eRund 534.000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler starten am kommenden Montag (11. August) in ein neues Schuljahr. F\u00fcr rund 37.000 Erstkl\u00e4ssler beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. In Vorbereitung auf das kommende Schuljahr hat der Freistaat Sachsen bisher insgesamt 1.114 Lehrkr\u00e4fte eingestellt (2024: 1.033). Besonders erfreulich ist, dass 885 grundst\u00e4ndig ausgebildete Lehrkr\u00e4fte eingestellt werden konnten \u2013 \u00fcber 100 mehr als letztes Jahr (2024: 773).\u201c<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/520dd028c05a469ea37b32e0773e115a.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/08\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Also zeigt die s\u00e4chsische Lehrerinitiative volle Wirkung? Aus Sicht des Kultusministeriums ja: \u201eKnapp 88 Prozent aller in Sachsen ausgebildeten Lehrkr\u00e4fte haben sich auch hier beworben. Allen ausgebildeten Bewerbern wurde ein Einstellungsangebot gemacht. Davon wurden 93 Prozent eingestellt. Zudem wurden 104 Lehrkr\u00e4fte eingestellt, die in anderen Bundesl\u00e4ndern ausgebildet wurden.<\/p>\n<p>Hinzu kommen 229 Seiteneinsteiger, die sich seit dem 1. Mai in der Einstiegsqualifizierung befanden und nun beginnen, zu unterrichten.\u00a0Im Ergebnis sind damit 438,5 Vollzeit\u00e4quivalente (VZ\u00c4) mehr im Schuldienst in Sachsen als 2024\/2025.\u201c<\/p>\n<p>Ein wettbewerbsf\u00e4higes Angebot?<\/p>\n<p>Und auch Kultusminister Conrad Clemens lie\u00df sich mit Blick auf das Einstellungsergebnis mit den Worten zitieren: \u201eUnser Einsatz zeigt Wirkung. Gemeinsam mit den erfahrenen Lehrkr\u00e4ften werden die vielen neuen Lehrerinnen und Lehrer dazu beitragen, die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Dass so viele Menschen Lehrkraft in Sachsen werden wollen zeigt, wie attraktiv der Beruf ist und wie wettbewerbsf\u00e4hig das Angebot.\u201c<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Herausforderung bleibe nur die gerechte Verteilung der zur Verf\u00fcgung stehenden Lehrkr\u00e4fte in ganz Sachsen. Dies betr\u00e4fe sowohl die unterschiedlichen Regionen als auch die Schularten. W\u00e4hrend sich der Besch\u00e4ftigungsstand auf Planstellen in allen anderen Schularten gegen\u00fcber dem Vorjahr teils erheblich verbessert habe, sei er in den Oberschulen leicht gesunken (von 7.260,7 VZ\u00c4 auf 7.218,4 VZ\u00c4). Dies verdeutliche die Notwendigkeit von Abordnungen, insbesondere von Grundschulen und Gymnasien an Oberschulen, meint der Minister.<\/p>\n<p>Aber die Zahlen tr\u00fcgen. Das wei\u00df man eigentlich auch im Kultusministerium.<\/p>\n<p>Ein Bildungssystem auf Verschlei\u00df<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Watsche gab es am Folgetag. Da meldete sich <a href=\"http:\/\/www.gew-sachsen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Lehrergewerkschaft GEW<\/a> zu Wort. Und wurde dabei sehr deutlich.<\/p>\n<p>\u201eDer Schuljahresbeginn 2025\/26 in Sachsen steht unter d\u00fcsteren Vorzeichen: Zum seit Jahren bestehenden Lehrkr\u00e4ftemangel kommen nun auch massive finanzielle Einschr\u00e4nkungen durch den Freistaat hinzu. Die GEW Sachsen warnt eindringlich vor den Folgen dieser Doppelkrise \u2013 f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte, Sch\u00fcler\/-innen und die Qualit\u00e4t schulischer Bildung insgesamt.\u201c<\/p>\n<p>Und was der Kultusminister als Erfolg verkauft hat, war nicht mal ein L\u00f6cherstopfen, stellte Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, fest: \u201eJahrelang wurde der Lehrkr\u00e4ftemangel ausgesessen \u2013 jetzt wird auch noch der Rotstift beim Geld angesetzt. Das ist ein gef\u00e4hrlicher Kurs zulasten der Bildungschancen junger Menschen in Sachsen. Viele Schulen stemmen ihren Alltag nur noch mit gr\u00f6\u00dfter Kraftanstrengung. Ohne ausreichend Personal und finanzielle Mittel f\u00fcr F\u00f6rderung, Vertretung oder Unterst\u00fctzung l\u00e4uft das System auf Verschlei\u00df. Die GEW Sachsen fordert daher ein sofortiges Umsteuern in der Bildungspolitik.\u201c<\/p>\n<p>Die Liste der K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen ist lang, kritisiert die GEW die aktuellen Haushaltsbeschl\u00fcsse in der Bildung \u2013 und sie versch\u00e4rfen eine ohnehin durch den Lehrkr\u00e4ftemangel angespannte Lage: \u201eIndividuelle F\u00f6rderung wird massiv eingeschr\u00e4nkt: F\u00f6rderstunden f\u00fcr Inklusion, Ganztagsangebote (GTA), schulische Budgets und Programme wie Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfe werden gek\u00fcrzt oder ganz gestrichen.\u201c<\/p>\n<p>Auch der versprochene Ausbau der Schulassistenz bleibe aus. Viele Besch\u00e4ftigte h\u00e4tten auf Entfristung gehofft \u2013 erhielten jetzt aber erneut nur befristete Vertr\u00e4ge. Das zerst\u00f6re Vertrauen und verhindere langfristige Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Auch die Ausbildung von Nachwuchs-Lehrkr\u00e4ften werde geschw\u00e4cht: Es werde an der Betreuung und Ausbildung von Referendar\/-innen gespart. Fachberatung werde abgebaut. Das f\u00fchre zu mehr Ausbildungsabbr\u00fcchen und weniger Qualit\u00e4t in der Lehrerbildung.<\/p>\n<p>Und bei Thema \u201eAbordnungen\u201c wird es ganz haarig. \u201eTeilweise werden sogar Klassenleitungen abgeordnet: Besonders an Grundschulen ist das ein gravierender Eingriff in die p\u00e4dagogische Kontinuit\u00e4t \u2013 auch Eltern, Sch\u00fcler\/-innen und Kollegien protestieren gegen diese Entwicklung\u201c, so die GEW.<\/p>\n<p>Die \u201e21 Ma\u00dfnahmen\u201c versch\u00e4rfen die Lage zus\u00e4tzlich<\/p>\n<p>Und das Ergebnis ist folglich: Lehrkr\u00e4fte werden systematisch \u00fcberlastet. K\u00fcrzungen bei Anrechnungsstunden, bei der Alterserm\u00e4\u00dfigung, der Fachberatung sowie die Androhung zus\u00e4tzlicher Vorgriffsstunden und fl\u00e4chendeckender Abordnungen erh\u00f6hen die Belastung deutlich.<\/p>\n<p>Claudia Maa\u00df, Lehrerin und stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen, sagt dazu: \u201eDie 21 Ma\u00dfnahmen des Kultusministeriums zur Bek\u00e4mpfung des Unterrichtsausfalls zielen auf mehr Unterrichtsversorgung, verschlechtern jedoch die Qualit\u00e4t an den Schulen. Lehrkr\u00e4fte, die bereits am Limit arbeiten, sollen noch mehr schultern. Wer mit mehr Druck und weniger Ressourcen auf eine systemische Krise reagiert, gef\u00e4hrdet kurz- und langfristig die Bildungsqualit\u00e4t im ganzen Land.\u201c<\/p>\n<p>Durch die Abordnungen werde Unterricht zunehmend fachfremd und schulartfremd erteilt. Die individuelle F\u00f6rderung werde zur\u00fcckgefahren, die Betreuung im Referendariat schlechter \u2013 und Schulleitungen s\u00e4hen sich gezwungen, st\u00e4ndig mit Notl\u00f6sungen zu jonglieren.<\/p>\n<p>Die GEW Sachsen verlangt deshalb eine wirkliche Neuausrichtung der Bildungspolitik: \u201eDie Krise kann nur gemeinsam bew\u00e4ltigt werden. Das Kultusministerium muss sich endlich mit Gewerkschaften, Eltern und Sch\u00fcler:innen an einen Tisch setzen\u201c, fordert Burkhard Naumann. \u201eEs braucht gezielte Anreize f\u00fcr l\u00e4ndliche R\u00e4ume, Oberschulen und F\u00f6rderschulen \u2013 und ein Bildungspaket, das Qualit\u00e4t und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was lernt man eigentlich von Kultusministern? Sollten sie beim L\u00f6sen komplexer Aufgaben nicht Vorbild sein? 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