{"id":328188,"date":"2025-08-08T07:41:16","date_gmt":"2025-08-08T07:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328188\/"},"modified":"2025-08-08T07:41:16","modified_gmt":"2025-08-08T07:41:16","slug":"wo-russland-militaerisch-steht-drohnenproduktion-auf-rekordniveau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328188\/","title":{"rendered":"Wo Russland milit\u00e4risch steht: Drohnenproduktion auf Rekordniveau"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Berlin taz | Bislang gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass die russische Sommeroffensive in der Ukraine scheitern wird. Moskau bleibt in Schl\u00fcsselpositionen zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegen: Artillerie und Munition, Panzer, Luftwaffe, Raketen sowie bei der Infanterie. Zu einem bis vor einem halben Jahr kaum vorstellbaren Albtraum wird nun, dass Russland die Ukraine bei Drohnen \u00fcberholt hat. Und zwar sowohl bei den teuren Langstreckendrohnen f\u00fcr Angriffe auf das Hinterland als auch bei den vergleichsweise billigen Drohnen, die an der Front eingesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Nato-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte hat sich neulich der New York Times gegen\u00fcber verwundert \u00fcber das industrielle Potenzial des gr\u00f6\u00dften Landes der Welt ge\u00e4u\u00dfert: \u201eRussland stellt sich in einer Geschwindigkeit neu auf, die in der j\u00fcngeren Geschichte beispiellos ist. Sie produzieren jetzt in drei Monaten dreimal so viel Munition wie die gesamte Nato in einem Jahr.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Das Seltsame an dieser \u201eStatistik\u201c ist, dass Rutte keine Ma\u00dfeinheit genannt hat. Spricht er von Patronen oder von ballistische Raketen? Eine detaillierte Berechnung der wichtigsten Produktionskapazit\u00e4ten der Nordatlantischen Allianz und Russlands, die der Milit\u00e4rexperte von Radio Liberty, Evgenij Legalov, durchgef\u00fchrt hat, hat gezeigt, dass in Wirklichkeit beide Seiten im Wettr\u00fcsten gleichauf liegen. Das bedeutet, dass Russland, das nicht gegen die Nato, sondern nur gegen die Ukraine Krieg f\u00fchrt, in den kommenden Monaten seine Feuer\u00fcberlegenheit zu Land und in der Luft behalten wird.<\/p>\n<p>      Russland dringt in weitere Gebiete vor<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Die materielle \u00dcberlegenheit macht sich an der Front bemerkbar. W\u00e4hrend die russische Armee von Februar bis April dieses Jahres durchschnittlich 170 Quadratkilometer pro Monat erobert hat, waren es von Mai bis Juli schon 526, also dreimal so viel, wie das <a href=\"https:\/\/deepstatemap.live\/en#6\/49.4383200\/32.0526800\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">ukrainische Analyseprojekt Deepstate<\/a> berichtet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine\/!t5008150\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ukraine-1.jpeg\" loading=\"lazy\" height=\"241\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Krieg in der Ukraine<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der gro\u00df angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im M\u00e4rz 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">\n              <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine\/!t5008150\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u279d Mehr zum Thema Krieg in der Ukraine<\/a>\n            <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Das ist zwar weniger als 1 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, aber die russischen Aggressoren sind jetzt in zwei weitere Gebiete vorgedrungen: Seit Mai hat die Infanterie die ukrainischen Verteidiger im Norden des Gebietes Sumy zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, was <a href=\"https:\/\/taz.de\/-Nachrichten-im-Ukraine-Krieg-\/!6096406\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">den Beschuss von Sumy<\/a> jetzt erleichtert. Au\u00dferdem haben die russischen Streitkr\u00e4fte die Grenze zum Gebiet Dnipropetrowsk \u00fcberschritten, auch wenn dies bislang eher propagandistische als operative Bedeutung hat.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7859763\/1200\/grafik-ONLINE-taz-250722-Ukraine-2.png\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/grafik-ONLINE-taz-250722-Ukraine-2.png\" alt=\"Eine Karte der Ukraine mit Kennzeichnung der von Russland besetzten Gebieten\" title=\"Eine Karte der Ukraine mit Kennzeichnung der von Russland besetzten Gebieten\" height=\"988\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nplanet neun<\/p>\n<p>      Erkl\u00e4rtes Kriegsziel: vollst\u00e4ndige Eroberung des Donbass<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Milit\u00e4ranalysten sind sich einig, dass sich die Russen in den kommenden Monaten auf die Eroberung des restlichen Teils der Donbass-Region \u2013 der Agglomeration Slowjansk-Kramatorsk \u2013 konzentrieren werden. Die Eroberung des gesamten Donbass ist seit Februar 2022 das erkl\u00e4rte und unver\u00e4nderte Ziel der russischen \u201eSpezialoperation\u201c. Ablenkungsangriffe an anderen Frontabschnitten, insbesondere im Norden und S\u00fcdosten, also in den Gebieten Charkiw und Saporischschja, sind m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Die Hafenstadt Odessa bleibt f\u00fcr die Angreifer eine harte Nuss, auch wenn der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj auf dem Ukraine-S\u00fcdosteuropa-Gipfel im Juni erkl\u00e4rte, dass Putins Plan darin bestehe, bis an die Grenzen der Republik Moldau und Rum\u00e4niens vorzusto\u00dfen. Die \u00dcberquerung des breiten Dnipro-Unterlaufs oder eine Anlandung vom Meer aus sind f\u00fcr die russische Armee zu teuer und zu riskant. Zumal die Ukrainer bereits einen betr\u00e4chtlichen Teil der feindlichen Flotte versenkt oder aus der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim nach Osten \u2013 nach Noworossijsk \u2013 vertrieben haben.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli wurde die Ukraine von 728 Droh\u00adnen ange\u00adgriffen<\/p>\n<p>      Russische Drohnenproduktion auf Rekordniveau<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"11\">Noch wichtiger aber ist wohl die Wende in der Luft, die wir gerade in diesen Wochen beobachten. Noch am 7. Juni hatte der Leiter der Kommunikationsabteilung der ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte, Yurii Ihnat, erkl\u00e4rt, dass Russland in naher Zukunft nicht in der Lage sein werde, 1.000 Drohnen pro Tag zu starten. Doch nun brechen die Russen in dieser Hinsicht einen Rekord nach dem anderen: In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli wurde die Ukraine von 728 Drohnen angegriffen, Raketen noch nicht mitgez\u00e4hlt. Die meisten dieser Drohnen k\u00f6nnen mit Mitteln der elektronischen Kriegsf\u00fchrung zum Absturz gebracht werden, aber die gl\u00fchenden Tr\u00fcmmer verursachen Zerst\u00f6rungen und Br\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"12\">\u00c4u\u00dferst effektiv ist dabei der Einsatz von Fake-Drohnen: Diese billigen Ger\u00e4te machen bis zu einem Drittel der auf die Ukraine fliegenden Drohnenschw\u00e4rme aus, \u00fcberlasten jedoch die ukrainische Luftabwehr und zwingen sie, teure Munition aus amerikanischen Patriot-Systemen zu verbrauchen. Am 4. Juli ordnete Selenskyj die Massenproduktion von Abfangdrohnen an. Wie jedoch der erneute Raketen- und Drohnenangriff auf Kyjiw in der Nacht zum 31. Juli zeigt, bei dem mehr als drei\u00dfig Menschen get\u00f6tet und \u00fcber 150 verletzt wurden, sind diese noch kein Allheilmittel.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"13\">Eine neue Taktik bei Drohnenangriffen ist, dass die Russen weniger als bislang wirtschaftliche oder milit\u00e4rische Einrichtungen beschie\u00dfen, sondern mehr Wohngebiete. So entgehen sie den gro\u00dfkalibrigen Maschinengewehren mobiler Abwehrgruppen, die normalerweise Drohnen in bis zu 2 Kilometern H\u00f6he treffen k\u00f6nnen. Deshalb fliegen die russischen Kamikazedrohnen jetzt in 3 Kilometer H\u00f6he und st\u00fcrzen dann einfach ab. Jetzt verursacht ein Treffer weniger Opfer und Zerst\u00f6rung als zuvor.<\/p>\n<p>      Ukrainer sehen Zukunft ihres Landes pessimistisch<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"15\">Die Ukraine ihrerseits greift verst\u00e4rkt das russische Hinterland an: Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze, R\u00fcstungsfabriken und \u00d6lraffinerien sowie Bahnh\u00f6fe werden zum Ziel von Drohnenangriffen. Wie jedoch der in der Ukraine lebende russische Milit\u00e4rexperte Kirill Michailow der taz sagte, gibt es bislang keine Beispiele daf\u00fcr, dass das milit\u00e4risch-wirtschaftliche Potenzial eines Gegners aus der Luft zerst\u00f6rt werden konnte, denn selbst die Fl\u00e4chenbombardements der Deutschen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs waren seinerzeit nicht g\u00e4nzlich effektiv.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"16\">Obwohl der Einsatz hochpr\u00e4ziser Waffen gegen den russischen Goliath von den westlichen Verb\u00fcndeten gebilligt und konsequent ausgeweitet wird, k\u00f6nnen sie dessen Kampfkraft nur langfristig entscheidend beeintr\u00e4chtigen. Doch hat die Ukraine daf\u00fcr Zeit? Nach Angaben des Kyjiwer Internationalen Instituts f\u00fcr Soziologie (KIIS) sahen im Mai und Juni fast die H\u00e4lfte der befragten Ukrainer \u2013 47 Prozent \u2013 ihr Heimatland in zehn Jahren zerst\u00f6rt und d\u00fcnn besiedelt. Noch im Dezember 2024 waren es nur 28 Prozent, trotz der damaligen Vorst\u00f6\u00dfe der Russen an der Front.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"17\">Gleichzeitig gaben im Juli 2025 laut einer Meinungsumfrage <a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/en\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">des Moskauer Levada-Zentrums<\/a> 77 Prozent der befragten Einwohner Russlands an, die Aktionen der russischen Armee in der Ukraine zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig w\u00fcnschten sich jedoch zwei Drittel der Russen die Aufnahme von Friedensverhandlungen. Mit anderen Worten: Viele der Russen, die ein Ende des Krieges w\u00fcnschen, stehen dessen Fortsetzung tolerant gegen\u00fcber. Und da die Armee, wenn auch langsam, vorr\u00fcckt, ist in den kommenden Monaten kaum mit einer grundlegenden \u00c4nderung dieser passiv-aggressiven Stimmung zu rechnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"18\">Aus dem Russischen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gaby-Coldewey\/!a23976\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gaby Coldewey<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin taz | Bislang gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass die russische Sommeroffensive in der Ukraine scheitern wird.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":328189,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-328188","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114992020698945621","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=328188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328188\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/328189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=328188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=328188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=328188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}