{"id":328336,"date":"2025-08-08T09:04:12","date_gmt":"2025-08-08T09:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328336\/"},"modified":"2025-08-08T09:04:12","modified_gmt":"2025-08-08T09:04:12","slug":"us-dominanz-in-europa-behoerden-spiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328336\/","title":{"rendered":"US-Dominanz in Europa &#8211; Beh\u00f6rden Spiegel"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00e4hrend Europa die verteidigungstechnische Souver\u00e4nit\u00e4t predigt, w\u00e4chst der Anteil US-amerikanischer Technologie in der R\u00fcstungsbeschaffung. Bei vielen Technologien ist der alte Kontinent nicht konkurrenzf\u00e4hig.<\/strong><\/p>\n<p>Aus Sicht der US-amerikanischen Verteidigungsindustrie gaben die Quartalsberichte der gro\u00dfen R\u00fcstungsunternehmen des Landes viel Anlass zur Freude. Sowohl Raytheon als auch Northrop Grumman verbuchen Gewinnzuw\u00e4chse. Northrops Umsatz f\u00fcr das am 30. Juni zu Ende gegangene Quartal belief sich auf 10,4 Milliarden US-Dollar \u2013 ein Prozent mehr als im Vorjahr. Raytheon, das mit dem Tochterunternehmen Pratt &amp; Whitney unter anderem die Triebwerke f\u00fcr den Kampfjet F-35 produziert, meldet eine Umsatzsteigerung von acht Prozent im vergangenen Quartal. In absoluten Zahlen entspricht das sieben Milliarden US-Dollar.<br \/>Der angeschlagene Boeing-Konzern steigert seine Ums\u00e4tze weiter und konnte den Verlust im Vergleich zum letzten Quartal senken. <\/p>\n<p>Weniger rosig sehen die Zahlen jedoch f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte US-amerikanische Verteidigungsunternehmen Lockheed Martin aus. Weil geheime Entwicklungsprojekte mit der US-Regierung nicht nach Plan verlaufen, brechen die Ums\u00e4tze des Luftfahrtexperten ein. Das Unternehmen verbuchte im zweiten Quartal 2025 zus\u00e4tzliche Vorsteuerverluste in H\u00f6he von 950 Millionen US-Dollar. Urs\u00e4chlich f\u00fcr diese Entwicklung sind die Inflation und die damit einhergehenden Kostensteigerungen in der Produktion. Die vor mehreren Jahren abgeschlossenen Entwicklungsauftr\u00e4ge mit der US-Regierung haben den Kostenzuwachs der letzten Jahre noch nicht eingepreist.<\/p>\n<p>Zu den \u00fcberwiegend positiven Zahlen der US-R\u00fcstungsindustrie tr\u00e4gt in nicht geringem Ma\u00dfe das Gesch\u00e4ft in Europa bei. So verzeichnet Northrop Grumman einen Umsatzanstieg im internationalen Gesch\u00e4ft im Quartalsvergleich von 18 Prozent, wie die Pr\u00e4sidentin des Unternehmens, Kathy Warden, beim Shareholder-Meeting bekannt gab.<\/p>\n<p>Das Ziel der R\u00fcstungssouver\u00e4nit\u00e4t r\u00fcckt weiter in Ferne<\/p>\n<p>Schenkt man dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) Glauben, dann bel\u00e4uft sich der Anteil US-amerikanischer Produkte an den R\u00fcstungsbeschaffungen auf dem alten Kontinent im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 auf 64 Prozent. W\u00e4hrend der Periode zwischen 2015 und 2019 lag er noch bei 52 Prozent. Es muss festgestellt werden: Trotz der Forderung nach mehr r\u00fcstungstechnischer Souver\u00e4nit\u00e4t Europas hat der Anteil US-amerikanischer Waffensysteme in der EU seit dem Ukrainekrieg zugenommen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen auf der Hand: In vielen Technologiefeldern k\u00f6nnen europ\u00e4ische Hersteller nicht mit der Technik aus den Vereinigten Staaten mithalten. In einigen F\u00e4llen existiert ein europ\u00e4isches Konkurrenzprodukt \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Daraus machte auch der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Besuch in Washington im vergangenen Monat keinen Hehl: \u201eDie Reichweite dieser Waffensysteme ist deutlich gr\u00f6\u00dfer als die, die wir bislang in Europa haben\u201c, gab Pistorius im Zusammenhang mit der angek\u00fcndigten Beschaffung des Luftverteidigungssystems Phyton bekannt.<br \/>Das im US-amerikanischen Zungenschlag als Strategic Mid-Range Fire System (SMRF) bezeichnete Waffensystem soll den deutschen Streitkr\u00e4ften die F\u00e4higkeit verleihen, gezielt tief hinter gegnerischen Linien wirken zu k\u00f6nnen.<br \/>In Europa gibt es bisher schlicht keine Technologie, die das leisten k\u00f6nnte. Zwar ist mit der Long-Range Strike Approach (ELSA)-Initiative ein Entwicklungsprojekt angesto\u00dfen, das diesen Mangel beheben soll, doch bis die gemeinsame Entwicklung tats\u00e4chlich F\u00e4higkeiten vorweisen kann, werden noch Jahre vergehen. Nicht einmal ein Datum, wann das System einsatzf\u00e4hig sein k\u00f6nnte, liegt bislang vor.<\/p>\n<p>In der Luft hinten an<\/p>\n<p>Doch die europ\u00e4ische Abh\u00e4ngigkeit ersch\u00f6pft sich nicht in der F\u00e4higkeit zum Deep Precision Strike. Besonders in der Luftfahrt sind die US-amerikanischen Unternehmen ihrer Konkurrenz auf dem alten Kontinent enteilt.Statt einen europ\u00e4ischen Transporthubschrauber als Nachfolger des in die Jahre gekommenen CH-53 zu beschaffen, kaufte das BAAINBw den US-amerikanischen Chinook vom gr\u00f6\u00dften US-Luftfahrtuntrenehmen Boeing. Dieser setzte sich gegen den gleichfalls aus den USA stammenden CH-53K KING STALLION durch. Europ\u00e4ische Systeme standen bei der CH-53-Nachfolge nicht zur Debatte. Das deutsch-franz\u00f6sische Projekt Future Transport Helicopter (FTH) scheiterte im Jahr 2014.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich gestaltet sich die Situation bei den Starrfl\u00fcglern. Ein Kampfjet der f\u00fcnften Generation europ\u00e4ischer Bauart existiert schlicht nicht. Deutschland entschied sich deshalb f\u00fcr die Beschaffung des US-Multirollenkampfjets F-35. Rund 8,3 Milliarden Euro sind der Bundesrepublik 35 Kampfjets dieses Typs wert. Sie sollen die nukleare Teilhabe Deutschlands sicherstellen und die in die Jahre gekommenen Tornado ersetzen. Zu den Kosten f\u00fcr die Beschaffung kommen allerdings noch weitere Aufwendungen, um die Voraussetzungen f\u00fcr den Einsatz des Kampfflugzeuges zu schaffen. Ab 2027 sollen die F-35 auf dem Flugplatz B\u00fcchel in der Eifel stationiert werden. F\u00fcr den Umbau des Standortes wurden zun\u00e4chst 700 Millionen Euro kalkuliert. Im letzten Jahr stieg diese Summe bereits auf 1,2 Milliarden Euro an. <\/p>\n<p>Aufr\u00fcstung mit Hindernissen<\/p>\n<p>Wie die Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche berichtete, wird aber auch dies Summe nicht ausreichen, um unter anderem die Start- und Landebahn und einen Teil des Rollfeldes auszubauen. Die Bundesregierung rechnet mit Mehrkosten im Umfang von 640 Millionen Euro. Wie beim Raketensystem Typhoon sollen die F-35 eigentlich nur als Zwischenl\u00f6sung dienen. Die US-amerikanischen Jets sollen Mitte der 2040er Jahre durch das Future Combat Air System (FCAS) abgel\u00f6st werden. Dabei handelt es sich um ein franz\u00f6sisch-deutsch-spanisches Entwicklungsprojekt mit dem Ziel, einen Kampfjet der sechsten Generation zu bauen. Allerdings gestaltet sich die Durchf\u00fchrung schwierig. Das franz\u00f6sische Unternehmen Dassault Aviation ist bei der Entwicklung federf\u00fchrend. F\u00fcr den deutschen Entwicklungsanteil sorgt Airbus. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen funktioniert alles andere als reibungslos. So monierte Dassault-CEO Eric Trappier geh\u00e4uft, dass sein Unternehmen mehr Anteile an und mehr Entscheidungsgewalt in der Entwicklung haben sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend Europa die verteidigungstechnische Souver\u00e4nit\u00e4t predigt, w\u00e4chst der Anteil US-amerikanischer Technologie in der R\u00fcstungsbeschaffung. 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