{"id":328432,"date":"2025-08-08T09:55:09","date_gmt":"2025-08-08T09:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328432\/"},"modified":"2025-08-08T09:55:09","modified_gmt":"2025-08-08T09:55:09","slug":"beulenpest-laesst-sich-mit-einer-rein-oralen-antibiotika-therapie-wirksam-behandeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/328432\/","title":{"rendered":"Beulenpest l\u00e4sst sich mit einer rein oralen Antibiotika-Therapie wirksam behandeln"},"content":{"rendered":"\n<p>Forschende aus Madagaskar haben erstmals Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Behandlung der Beulenpest vorgelegt. Wie sie im New England Journal of Medicine berichten, ist eine alleinige orale Behandlung mit Ciprofloxacin \u00fcber 10 Tage ebenso wirksam wie die bislang empfohlene Kombination aus injizierbarem Aminoglykosid-Antibiotikum und Ciprofloxacin [<a onclick=\"showToolTip(this, &#039;references&#039;, 1);\" href=\"https:\/\/deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/javascript:void(0);\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1<\/a>].<\/p>\n<p>Zu den f\u00fcr die Beulenpest am st\u00e4rksten endemischen L\u00e4ndern geh\u00f6ren heute Madagaskar, die Demokratische Republik Kongo und Peru. In Madagaskar treten w\u00e4hrend der Epidemiesaison von September bis April nahezu jedes Jahr F\u00e4lle von Beulenpest auf.<\/p>\n<p>       <b>Bisherige Therapieempfehlungen basierten auf schwacher Evidenz<\/b>  <\/p>\n<p>Zwar existieren Richtlinien f\u00fcr die Behandlung, diese beruhen bislang jedoch auf schwacher Evidenz. Eine randomisiert-kontrollierte Vergleichsstudie zu verschiedenen Therapieoptionen hatte es bisher nicht gegeben. Die nationale Leitlinie f\u00fcr Madagaskar sieht f\u00fcr Erwachsene eine sequenzielle Therapie vor \u2013 mit 3 Tagen injizierbarem Aminoglykosid (Streptomycin oder Gentamicin), gefolgt von 7 Tagen oralem Ciprofloxacin. F\u00fcr Kinder unter 15 Jahren wird Ciprofloxacin in oraler Monotherapie als Erstlinienoption empfohlen.<\/p>\n<p>\u201eDas Fehlen hochwertiger Evidenz und die Nachteile der Aminoglykoside \u2013 etwa die parenterale Gabe, potenziell schwere Nebenwirkungen und eine geringe intrazellul\u00e4re Penetration \u2013 haben uns dazu veranlasst, eine randomisierte Studie zu initiieren\u201c, schreiben die Autoren um <b>Dr. Rindra V. Randremanana<\/b> vom Institut Pasteur de Madagascar, Antananarivo, Madagaskar.<\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Das Fehlen hochwertiger Evidenz und die Nachteile der Aminoglykoside \u2026 haben uns dazu veranlasst, eine randomisierte Studie zu initiieren.<br \/>\n       Dr. Rindra V. Randremanana und Kollegen <\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>In der offenen Nichtunterlegenheits-Studie IMASOY wurden zwischen 2020 und 2024 insgesamt 450 Patienten mit klinischem Verdacht auf Beulenpest randomisiert, darunter 220 mit laborbest\u00e4tigter Infektion und 2 mit wahrscheinlicher Infektion. Das Alter reichte von 2 bis 72 Jahren, das Medianalter betrug 14 Jahre.<\/p>\n<p> <b>Beulenpest \u2013 von der Pandemie zur kontrollierbaren Infektion<\/b> <\/p>\n<p>Die Beulenpest, im Mittelalter als \u201eSchwarzer Tod\u201c gef\u00fcrchtet, hat \u00fcber die Jahrhunderte Millionen Menschenleben gefordert. Ausgel\u00f6st wird sie durch das gramnegative Bakterium Yersinia pestis, das prim\u00e4r in Nagern und deren Fl\u00f6hen zirkuliert. Auch wenn sie heute selten ist, ist sie nicht verschwunden: 2018 wurden der WHO weltweit 248 F\u00e4lle gemeldet, \u00fcberwiegend aus Madagaskar und der Demokratischen Republik Kongo.<\/p>\n<p>Erste Behandlungsm\u00f6glichkeiten boten ab den 1930er-Jahren Sulfonamide \u2013 allerdings nur bei Beulenpest, nicht bei der Lungenpest. Ein Wendepunkt kam 1948 mit dem Aminoglykosid Streptomycin, das als erstes wirksames Antibiotikum auch bei schwerer Lungenpest eingesetzt werden konnte. Nach Best\u00e4tigung durch Studien in Indien und Madagaskar galt Streptomycin jahrzehntelang als Standard.<\/p>\n<p>Erst Jahrzehnte sp\u00e4ter kam eine neue Option hinzu: In den USA wurde Ciprofloxacin 2015 unter der sogenannten \u201eAnimal Rule\u201c der FDA auch zur Behandlung der Pest zugelassen \u2013 einer Regelung, die eine Zulassung auf Basis von Tierdaten erlaubt, wenn Humanstudien ethisch oder praktisch nicht durchf\u00fchrbar sind. In der EU gibt es keine vergleichbare Regelung, hier wird Ciprofloxacin bei Pestinfektionen off-label eingesetzt.<\/p>\n<p>2017 kam es in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo zu einem gro\u00dfen Ausbruch der Beulenpest mit \u00fcber 2.400 Verdachtsf\u00e4llen. Therapiestandard waren damals noch 2-mal t\u00e4gliche Streptomycin-Injektionen \u00fcber 7 Tage. Die Epidemie machte deutlich, wie schwierig die fl\u00e4chendeckende Umsetzung dieses Therapieregimes ist.<\/p>\n<p>In der Folge passte Madagaskar seine Leitlinie an und f\u00fchrte eine sequenzielle Therapie mit 3 Tagen Streptomycin und 7 Tagen Ciprofloxacin ein. Die nun publizierte Studie zeigt, dass mit der rein oralen Ciprofloxacin-Behandlung ein noch einfacher umzusetzendes Regime zur Behandlung der Beulenpest ausreichen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>       <b>Ciprofloxacin-Monotherapie war nicht unterlegen<\/b>  <\/p>\n<p>Verglichen wurde die orale Ciprofloxacin-Monotherapie \u00fcber 10 Tage mit der sequenziellen Gabe von Aminoglykosid (3 Tage) und Ciprofloxacin (7 Tage). Der prim\u00e4re Endpunkt war Therapieversagen bis Tag 11, definiert als Tod, anhaltendes Fieber, Entwicklung einer sekund\u00e4ren Lungenpest oder Notwendigkeit einer alternativen oder verl\u00e4ngerten Pestbehandlung.<\/p>\n<p>In der Ciprofloxacin-Gruppe kam es bei 9,0% der Patienten (10 von 111) zu einem Therapieversagen, in der Kontrollgruppe bei 8,1% (9 von 111). Damit war die Monotherapie nicht unterlegen. Die Mortalit\u00e4t lag in beiden Gruppen bei rund 4%. Sekund\u00e4re Lungenpest trat bei je 3 Patienten auf.<\/p>\n<p>       <b>Vergleichbares Nebenwirkungsprofil<\/b>  <\/p>\n<p>Subgruppenanalysen best\u00e4tigten die Nichtunterlegenheit der Ciprofloxacin-Monotherapie. Nebenwirkungen wurden in beiden Gruppen \u00e4hnlich h\u00e4ufig beobachtet (18,0% vs. 18,9%). Schwere unerw\u00fcnschte Ereignisse traten bei 7,2% bzw. 5,4% auf. Kein schweres Ereignis wurde als arzneimittelbedingt eingestuft.<\/p>\n<p>Fazit der Autoren: \u201eEine rein orale Ciprofloxacin-Therapie \u00fcber 10 Tage ist einer sequenziellen Aminoglykosid-Ciprofloxacin-Therapie bei der Behandlung der Beulenpest nicht unterlegen\u201c \u2013 und k\u00f6nnte in ressourcenarmen Regionen ein praktikablerer und kosteng\u00fcnstigerer Therapieansatz sein.<\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Eine rein orale Ciprofloxacin-Therapie \u00fcber 10 Tage ist einer sequenziellen Aminoglykosid-Ciprofloxacin-Therapie bei der Behandlung der Beulenpest nicht unterlegen.<br \/>\n       Dr. Rindra V. Randremanana und Kollegen <\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Forschende aus Madagaskar haben erstmals Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Behandlung der Beulenpest vorgelegt. 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