{"id":329090,"date":"2025-08-08T15:45:09","date_gmt":"2025-08-08T15:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/329090\/"},"modified":"2025-08-08T15:45:09","modified_gmt":"2025-08-08T15:45:09","slug":"krieg-in-der-ukraine-letztes-geleit-fuer-die-journalistin-wiktorija-roschtschyna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/329090\/","title":{"rendered":"Krieg in der Ukraine: Letztes Geleit f\u00fcr die Journalistin Wiktorija Roschtschyna"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Berlin taz | Auf dem eleganten schwarzen lackierten Sarg, unter dessen geschlossenem Deckel ein wei\u00dfer, gemusterter Stoff hervorschimmert, liegt auf einem ukrainischen Handtuch ein frisch gebackener Brotlaib. Nach ukrainischer Tradition symbolisiert Brot das Leben \u2013 der Platz auf dem Sarg steht f\u00fcr den Respekt gegen\u00fcber der Verstorbenen und den Wunsch, dass ihre Seele in der jenseitigen Welt Frieden finden m\u00f6ge.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Fast ein Jahr nach ihrer Ermordung in russischer Gefangenschaft wurde die ukrainische Journalistin Wiktorija Roschtschyna an diesem Freitag in Kyjiw mit einer Zeremonie verabschiedet. Inmitten von Kerzen und begleitet von kirchlichen Ges\u00e4ngen wurde zun\u00e4chst ein Trauergottesdienst in der Michaelskathedrale abgehalten \u2013 einem der bedeutendsten Symbole der orthodoxen Kirche in der Ukraine.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Hunderte Menschen kamen, um dem von Trauer gezeichneten Vater und der j\u00fcngeren Schwester der Journalistin, die mit tr\u00e4nenerf\u00fcllten Augen nebeneinander an der Seite des Sarges sa\u00dfen und sich an den H\u00e4nden hielten, ihr Mitgef\u00fchl zu zeigen. Unter den Anwesenden waren Kol\u00adle\u00adg:in\u00adnen f\u00fchrender ukrainischer Medien, f\u00fcr die Wiktorija gearbeitet hatte, Ver\u00adtre\u00adte\u00adr:in\u00adnen von Medienorganisationen, Freund:innen, Di\u00adplo\u00adma\u00adt:in\u00adnen mehrerer EU-Botschaften und viele andere Menschen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Nach dem Gottesdienst bewegte sich der Trauerzug von der Kathedrale durch die Stra\u00dfen von Kyjiw bis zum Unabh\u00e4ngigkeitsplatz. Dort nahmen zahlreiche Menschen kniend Abschied von der Journalistin, bevor die Beisetzung auf dem Baikowe-Friedhof erfolgte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">\n        <strong>Zu Tode gefoltert<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Wiktorija Roschtschyna war eine der wenigen ukrainischen Journalistinnen, die \u00fcber russische Verbrechen in den besetzten Gebieten berichteten. Im Juli 2023 reiste sie in die Region Saporischschja, um die Existent von geheimen Haftzentren aufzudecken und FSB-T\u00e4ter zu identifizieren. Dabei geriet sie selbst in Gefangenschaft \u2013 und wurde sp\u00e4ter ermordet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Am 10. Oktober 2024 erhielt ihr Vater eine formelle Mail der russischen Milit\u00e4rpolizei: Seine Tochter sei am 19. September verstorben \u2013 ohne Angaben zur Todesursache. Erst sechs Monate sp\u00e4ter, im Februar 2025, wurde ihre Leiche im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen Russland und der Ukraine \u00fcbergeben \u2013 in einem Sack mit der Aufschrift \u201eunbekannter Mann, akute Verletzung der Koronararterien\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Als die Ermittler den Sack \u00f6ffneten, fanden sie jedoch die misshandelte Leiche einer jungen Frau \u2013 der gefrorene und mumifizierte K\u00f6rper wies zahlreiche Blutungen und Quetschungen, gebrochene Knochen, Spuren von Elektroschocks, abrasierte Haare und Anzeichen f\u00fcr eine Autopsie auf. Eine genaue Untersuchung ergab, dass das Gehirn, die Aug\u00e4pfel und ein Teil des Kehlkopfes fehlten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Ein DNA-Test best\u00e4tigte eine \u00dcbereinstimmung von 99,9 Prozent und es wurde klar, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Verstorbene-ukrainische-Journalistin\/!6042176\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass Russland die Leiche der Ukrainerin erst eineinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden zur\u00fcckgegeben hatte<\/a>.<\/p>\n<p>      Aus der Zelle geholt<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Wiktorijas ehemalige Zellennachbarin berichtete, sie sei am 8. September zusammen mit anderen Gefangenen, die f\u00fcr den Austausch vorbereitet wurden, aus ihrer Zelle geholt worden, um eine Videoaufnahme mit Aussagen zu machen \u2013 danach verlor sich ihre Spur. Auch beim Austausch am 14. September tauchte sie nicht auf. Was mit der Journalistin passiert ist, ist nach wie vor unklar.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Ukrainische Ermittler:innen, Men\u00adschen\u00adrechts\u00adak\u00adti\u00advis\u00adt:in\u00adnen und Jour\u00adna\u00adlis\u00adt:in\u00adnen vermuten, dass die Russen Wiktorijas Leiche der Journalistin absichtlich so lange zur\u00fcckgehalten und einige Organe aus dem K\u00f6rper entfernt hatten, um die Todesursache der 27-J\u00e4hrigen zu verschleiern. Im Juli verlieh Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj Roschtschyna posthum den Freiheitsorden, eine der h\u00f6chsten staatlichen Auszeichnungen der Ukraine.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">\u201eIhr Kampfgeist war nicht zu brechen. Lediglich der menschliche K\u00f6rper hat die Folter in russischer Gefangenschaft nicht \u00fcberstanden. Wir werden unsere Kollegin Wiktorija in ewiger Erinnerung behalten und ihr unseren Respekt zollen. Wir werden alles tun, damit die Verbrecher, die sie get\u00f6tet haben, bestraft werden. Respekt und Dankbarkeit allen Kolleg:innen, die weiterhin die Wahrheit \u00fcber die Verbrechen Russlands sagen, \u00fcber den Krieg berichten und dabei ihr Leben riskieren\u201c, schrieb die Direktorin des ukrainischen Instituts f\u00fcr Masseninformation, Oksana Romaniuk, auf ihrer Facebook-Seite nach der Trauerfeier f\u00fcr Wiktorija Roschtschyna.<\/p>\n<p>      Als Kriegsverbrechen eingestuft<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"15\">Laut der ukrainischen Polizei <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ukrainerin-in-russischer-Haft\/!6085543\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">soll sich der ehemalige Leiter des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses Nr. 2 in der russischen Stadt Taganrog wo die ukrainische Journalistin<\/a> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ukrainerin-in-russischer-Haft\/!6085543\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zum letzten Mal lebend gesehen wurde, der Folter, Misshandlung, K\u00f6rperverletzung und Dem\u00fctigung von Wiktorija Roschtschyna schuldig gemacht haben<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"16\">Die Ermittlungen ergaben, dass diese Verbrechen vors\u00e4tzlich organisiert waren: Der Leiter der Haftanstalt soll seinen Untergebenen pers\u00f6nlich Anweisungen gegeben haben, um physischen und psychischen Druck auf die Journalistin auszu\u00fcben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"17\">Nach internationalem humanit\u00e4rem Recht werden die Handlungen des Verd\u00e4chtigen als Kriegsverbrechen eingestuft, f\u00fcr die es keine Verj\u00e4hrungsfrist gibt. Im Falle seiner Festnahme und Verurteilung drohen ihm bis zu zw\u00f6lf Jahre Freiheitsentzug. Die Ermittlungen dauern an. Sie betreffen weitere Personen, die sich an Kriegsverbrechen gegen ukrainische Soldaten und Zivilgefangene in russischen Haftanstalten beteiligt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin taz | Auf dem eleganten schwarzen lackierten Sarg, unter dessen geschlossenem Deckel ein wei\u00dfer, gemusterter Stoff hervorschimmert,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":329091,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-329090","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114993923645445941","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=329090"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329090\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/329091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=329090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=329090"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=329090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}