{"id":329766,"date":"2025-08-08T21:53:12","date_gmt":"2025-08-08T21:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/329766\/"},"modified":"2025-08-08T21:53:12","modified_gmt":"2025-08-08T21:53:12","slug":"marc-elsberg-fuer-fuenf-zeilen-text-war-ich-oft-zwei-stunden-beschaeftigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/329766\/","title":{"rendered":"Marc Elsberg: &#8222;F\u00fcr f\u00fcnf Zeilen Text war ich oft zwei Stunden besch\u00e4ftigt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/33\/marc-elsberg-kuenstliche-intelligenz-buchbranche-schriftsteller\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/33\/marc-elsberg-kuenstliche-intelligenz-buchbranche-schriftsteller\" data-ct-label=\"1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 1&#8243;In Wahrheit scheitert das Ding auf Seite eins&#8220;<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 2&#8243;F\u00fcr f\u00fcnf Zeilen Text war ich oft zwei Stunden besch\u00e4ftigt&#8220;<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/33\/marc-elsberg-kuenstliche-intelligenz-buchbranche-schriftsteller\/seite-3\" data-ct-label=\"3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 3&#8243;Die KI braucht Futter, ich aber auch&#8220;<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Sie geh\u00f6ren zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Thriller-Autoren. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2022\/36\/marc-elsberg-schriftsteller-energiekrise-oesterreich\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ihr Roman <\/a><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2022\/36\/marc-elsberg-schriftsteller-energiekrise-oesterreich\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blackout<\/a>\u00a0hat sich allein hierzulande \u00fcber zwei Millionen Mal verkauft. Erwarten Leser da nicht, dass der Mensch hinter dem Namen auf dem Cover auch das Buch geschrieben hat?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Hat er ja. Wobei f\u00fcr viele Leser der Unterschied nicht mehr zu erkennen ist, das zeigen auch Studien mit Zeitungsartikeln.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Dennoch: Zerst\u00f6rt das nicht die Idee von Literatur, ihre Autonomie, ihren Eigensinn?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Ich war lange in der Werbung. Selbst Spitzenleute produzieren zu 90 Prozent Durchschnitt. Und der Witz ist: Die Kunden wollten meistens genau diesen Durchschnitt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Untersch\u00e4tzen Sie die Leserinnen und Leser da nicht?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Das ist nicht negativ gemeint. Wenn ich zum f\u00fcnften Band einer Krimireihe greife, die ich gern lese, dann genau deshalb: weil ich wei\u00df, was mich erwartet. Dasselbe gilt auch f\u00fcr Nichtserien-Autorinnen und -Autoren \u2013 bei fast allen wei\u00df man ungef\u00e4hr, was man erwarten kann. Daran ist ja nichts Schlechtes. Und selbst solche Romane bekommen KIs derzeit noch nicht allein hin.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Und wenn man mehr will? Was ist mit den letzten zehn Prozent?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Nichtdurchschnitt ist ja noch kein Qualit\u00e4tsmerkmal per se. Vielleicht werden KIs das eines Tages k\u00f6nnen, vielleicht nicht. Noch sind sie meilenweit davon entfernt, auch weil sie darauf ausgelegt sind, Mittelwerte zu liefern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Mit welchen Sprachmodellen arbeiten Sie?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Vor allem mit <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/chatgpt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ChatGPT<\/a>, Claude und Perplexity. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/internet\/2024-06\/perplexity-ai-chatbot-kuenstliche-intelligenz-kritik\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Perplexity nutze ich besonders f\u00fcr Recherchen<\/a>, weil Quellen gleich mitgeliefert werden. ChatGPT bietet das erst seit diesem Fr\u00fchjahr.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Sie nutzen KI auch zur Stoffrecherche?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Ja, absolut. Ich recherchiere Unmengen, oft auch nur Details, das kostet wahnsinnig viel Zeit.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Wie darf man sich das vorstellen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Nehmen wir eine Szene auf einem indischen Markt. Ich will Atmosph\u00e4re: Ger\u00fcche, St\u00e4nde, Ger\u00e4usche, Fisch, Fleisch, Fr\u00fcchte. Ich war selbst schon dort, aber man merkt sich ja nicht jedes Detail. Fr\u00fcher habe ich gegoogelt, stundenlang Reiseberichte gelesen, YouTube geschaut, f\u00fcr f\u00fcnf Zeilen Text war ich oft zwei Stunden besch\u00e4ftigt. Heute frage ich die KI und habe nach einer Minute eine Antwort.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Sie lassen die KI einfach schreiben?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Nein, aber sie liefert Antworten auf meine Fragen. Nat\u00fcrlich \u00fcberpr\u00fcfe ich das danach noch: Gibt es diesen Markt wirklich? Gibt es dort Lammfleisch? Werden diese Fr\u00fcchte verkauft? Je nach Thema sind zehn bis drei\u00dfig Prozent der Antworten schlicht Unsinn, sogenannte Halluzinationen. Die KI ist ein flei\u00dfiger Praktikant, dem man st\u00e4ndig auf die Finger schauen muss, der aber doch oft Zeit spart.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> W\u00fcrden Sie der KI so etwas wie Kreativit\u00e4t zusprechen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Vielleicht sollten wir da ChatGPT fragen. In den meisten F\u00e4llen ist Kreativit\u00e4t ja nichts anderes als Neukombination bestehender Dinge. Das m\u00fcssten KIs super k\u00f6nnen, weil sie mittlerweile mit mehr Informationen gef\u00fcllt sind als jedes menschliche Hirn und viel schneller als wir Bazillionen Neukombinationen liefern k\u00f6nnten. Aber im Ernst: Diese Systeme lernen aus der Vergangenheit, um in der Gegenwart halbwegs funktionierende S\u00e4tze zu produzieren. Wie genau sie zu ihren Ergebnissen kommen, das wird zunehmend undurchsichtig. Die ideale KI k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, warum sie tut, was sie tut. Aber davon sind wir noch weit entfernt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Also doch Magie?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> In gewisser Weise ja. Ich glaube ohnehin, wir bewegen uns zur\u00fcck in eine Welt, in der der Glaube wieder zentral wird. Und so neu ist das gar nicht.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Wie meinen Sie das?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Auch Wissenschaft war immer ein St\u00fcck weit Glaubenssache. Ich muss Forscherinnen und Forschern erst mal glauben, dass ihre Erkenntnisse valide sind und sie sauber gearbeitet haben. Der Unterschied zur Religion oder Ideologie ist der Beweis: In der Wissenschaft kann man \u2013 mit Zeit, Bildung, Geduld \u2013 die Erkenntnisse nachpr\u00fcfen. In Religion oder Ideologie bleibe ich auf die Behauptungen der Propheten und F\u00fchrer angewiesen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> Auch der Science-Thriller beruht auf einer stillschweigenden Pr\u00e4misse. Dass es Wissenschaft gibt. Und dass es Menschen gibt, die sie betreiben, und andere, die zumindest hin und wieder auf sie h\u00f6ren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Ja. Aber da scheinen wir heute eigentlich schon dr\u00fcber hinweg zu sein.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT:<\/strong> In Celsius spricht eine Klimaforscherin vor dem deutschen Kanzler und dem US-Pr\u00e4sidenten. Heute undenkbar.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Elsberg:<\/strong> Ja, vielleicht h\u00e4ngt das auch mit einer Entwicklung zusammen, die wir nicht erst seit KI beobachten. Schon mit dem Aufkommen von Big Data hat sich unser Verst\u00e4ndnis von Wissenschaft zu verschieben begonnen. Die klassische Aufkl\u00e4rung, die auf Kausalit\u00e4ten beruht, kommt da an ihre Grenzen. Oft lassen sich aus der Mustererkennung in gro\u00dfen Datenmengen genauso gut Erkenntnisse gewinnen \u2013 ohne aber die Kausalit\u00e4ten zu kennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1&#8243;In Wahrheit scheitert das Ding auf Seite eins&#8220; Seite 2&#8243;F\u00fcr f\u00fcnf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":329767,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[3100,3101,1784,1785,3763,675,29,214,30,80,1256,93418,1300,215],"class_list":{"0":"post-329766","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-autor","9":"tag-belletristik","10":"tag-books","11":"tag-buecher","12":"tag-buchhandel","13":"tag-chatgpt","14":"tag-deutschland","15":"tag-entertainment","16":"tag-germany","17":"tag-kultur","18":"tag-kuenstliche-intelligenz","19":"tag-marc-elsberg","20":"tag-sprache","21":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114995371301830728","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=329766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329766\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/329767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=329766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=329766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=329766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}