{"id":330412,"date":"2025-08-09T04:23:10","date_gmt":"2025-08-09T04:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/330412\/"},"modified":"2025-08-09T04:23:10","modified_gmt":"2025-08-09T04:23:10","slug":"bremer-kunstwerke-im-freien-pflege-diebstahl-und-vandalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/330412\/","title":{"rendered":"Bremer Kunstwerke im Freien: Pflege, Diebstahl und Vandalismus"},"content":{"rendered":"<p>Ihr Lieblingskunstwerk? Da m\u00f6chte sich Simone Ewald nicht festlegen. Die Referentin f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/kunst-q735\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunst<\/a> im \u00f6ffentlichen Raum, seit zwei Jahren in der Kulturbeh\u00f6rde t\u00e4tig, hat immerhin gut 600 Kunstwerke zu betreuen. Aber als die Sprache auf das Windobjekt von Hein Sinken kommt, das bis vor ein paar Jahren nahe der Wilhelm-Kaisen-Br\u00fccke \u00fcber den Tiefer-Arkaden stand, gesteht sie: &#8222;Ich vermisse es genauso wie viele andere Bremer auch. Wenn man an der Ampel stand, konnte man immer ein bisschen meditieren und schauen, ob die drei Propeller zusammenschlagen. Was sie nie taten.&#8220; Nach der Sanierung der Arkaden sollen sie wieder zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Auch Anna Barts Wandbild in der Achimer Stra\u00dfe, das Teile der dahinter liegenden Wohnzimmer zeigt, also das Private nach au\u00dfen kehrt, findet Ewald pfiffig. Es kam 2024 im Rahmen des Projekts &#8222;Street Art City Bremen&#8220; dazu. Gerade Wandbilder, im Fachjargon Murals, bilden oft markante Wegmarken, etwa die expressiven Gesichter von Markus Genesius auf dem H\u00e4uschen am Osterdeich, an dem die Werder-Fans vorbeiziehen.<\/p>\n<p>Die beliebteste Skulptur bei den Bremern? Da ist sich Ewald sicher: Es ist der unbekannte Mann mit dem Einkaufswagen in der Wallanlage am Herdentor. &#8222;Der f\u00e4llt vielen als Erstes ein, die Bremer lieben ihn.&#8220; Der anonyme &#8222;Bremer Banksy&#8220; installierte die Skulptur 2020 \u00fcber Nacht \u2013 ein Kunstwerk, das der Stadt in den Scho\u00df gefallen ist, das sie aber nun gern mitbetreut. Denn bei Kunst im \u00f6ffentlichen Raum ist Bremen europaweit federf\u00fchrend. &#8222;Bei uns ist sie \u00fcber die ganze Stadt verteilt, wir decken ein riesiges Gebiet ab, nahezu in allen Stadtteilen&#8220;, betont Ewald. Anders als etwa in Hannover, wo sich die Open-Air-Kunst zu 90 Prozent auf die Innenstadt konzentriere.<\/p>\n<p>    <strong>Wie alles begann: <\/strong>&#8222;1973 wurde in Bremen die Kunst am Bau abgeschafft&#8220;, erz\u00e4hlt die Referentin. &#8222;Die galt vielen K\u00fcnstlern oft als piefig, denn in den Jurys sa\u00dfen oft keine Fachexperten, die f\u00fcr k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t b\u00fcrgten. Zudem gab es den Vorwurf, dass aufgrund intransparenter Verfahren immer dieselben zum Zuge kamen.&#8220; Das neue Programm sollte Kunst zu den Menschen bringen, auch zu den weniger Beg\u00fcterten. &#8222;In Bremen wurde das erste kommunale Programm f\u00fcr Kunst im \u00f6ffentlichen Raum aus der Taufe gehoben, welches auf Dauer angelegt war&#8220;, unterstreicht Ewald. &#8222;Das war deutschlandweit wegweisend. Ich betrachte es als kulturelles Erbe der Stadt, das erhalten und ausgebaut werden sollte. Meine Kollegin in Wien hat mir mal gesagt: \u201aBremen ist unser Mutterschiff.\u2018&#8220;\n<\/p>\n<p>    <strong>Welche Kunst dazugeh\u00f6rt:<\/strong> Simone Ewald hat ein Auge auf Skulpturen, Plastiken und Installationen, k\u00fcnstlerisch gestaltete Brunnen und Denkm\u00e4ler, auch viele bemalte Mauern und W\u00e4nde, etwa in Unterf\u00fchrungen \u2013 alles, was nach 1973 in st\u00e4dtischen Besitz kam. Nicht zu vergessen 600 Kunstwerke auf Zeit, die nicht dauerhaft installiert wurden. Ewald vermittelt bei Anfragen von K\u00fcnstlern Kontakte zu \u00c4mtern und Geldgebern, begleitet die oft schwierigen Aufbauprozesse, achtet auf den Erhalt. Eigene Auftr\u00e4ge vergibt das Referat nicht. Daf\u00fcr w\u00e4re auch kein Geld da.\n<\/p>\n<p>    <strong>Was der Etat hergibt:<\/strong> Die meisten Kunstwerke wurden von 1973 bis zur Jahrtausendwende angeschafft, dabei halfen Gelder aus der Stiftung Wohnliche Stadt, 250.000 Euro j\u00e4hrlich. Doch diese Quelle versiegte 2015. Derzeit hat das Referat f\u00fcr die Pflege der Freiluftkunst nach 1973 j\u00e4hrlich 30.000 Euro zur Verf\u00fcgung, nicht viel, wie Ewald zugibt: &#8222;Im Zweifel m\u00fcssen wir Priorit\u00e4ten setzen. Dann ist die schnelle Entfernung eines aufgespr\u00fchten Hakenkreuzes oder die Stabilisierung eines Sockels wichtiger als eine einzelne Sprayer-Signatur.&#8220; 3000 Euro j\u00e4hrlich stehen f\u00fcr Begleitma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung wie den Stadtrundgangsflyer <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/kinderzeitung\/bunte-graffiti-und-street-art-bremens-kreative-fassaden-doc81fht29op013mx4k42g\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Kunst kucken in der City&#8220;<\/a>.\n<\/p>\n<p>    <strong>Wo die Zerst\u00f6rung droht:<\/strong> &#8222;Kunst im \u00f6ffentlichen Raum funktioniert anders als in einem Museum oder in einer Galerie: Drau\u00dfen fehlen die sch\u00fctzenden W\u00e4nde&#8220;, betont Simone Ewald. &#8222;Die Kunstwerke sind rund um die Uhr zug\u00e4nglich und Umwelteinfl\u00fcssen aller Art ausgesetzt. Das ist ihr Markenzeichen, aber es besteht immer die Gefahr, dass jemand ausflippt und dagegentritt.&#8220;\n<\/p>\n<p>Eine Zeit lang kippten Unbekannte Waschpulver in den Neptunbrunnen. Auch der Hahn von Bernhard Hoetgers Bremer Stadtmusikanten am Sieben-Faulen-Brunnen in der B\u00f6ttcherstra\u00dfe war ein Problemkind: &#8222;In den 50er-Jahren brachen ihn erstmals betrunkene Seeleute ab und verschenkten ihn als Reiseandenken. Sp\u00e4ter waren es wohl Junggesellenabschiede \u2013 einmal kam der Hahn in einem Postpaket aus der \u201aHahn-Sorry-Stra\u00dfe\u2018 zur\u00fcck.&#8220; Inzwischen wird der Hahn nicht mehr ersetzt.<\/p>\n<p>\n    Auch Autofahrer k\u00f6nnen zu Kunstkillern werden. <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-mitte\/fotos-die-ungluecksschweine-von-der-bremer-soegestrasse-doc7pxgoirdlnb17vuq1nfu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Schweinegruppe in der S\u00f6gestra\u00dfe wurde schon mehrfach umgefahren.<\/a> Beim 2024 aufgestellten <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-walle\/ueberseestadt-neues-mahnmal-soll-an-zwangsarbeit-im-hafen-erinnern-doc7e4356xvexll3dov3q4\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mahnmal f\u00fcr die Zwangsarbeiter von Michaela Meli\u00e1n<\/a> nahm offenbar ein Lkw-Fahrer eine Abk\u00fcrzung, mit dem Steinsockel der<a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-groepelingen\/mein-kiez-mit-andreas-lieberg-unterwegs-in-bremen-groepelingen-doc7y3rgrtpc2a66le63j\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> &#8222;Arbeitenden H\u00e4nde&#8220;, dem Werftarbeiterdenkmal von Bernd Altenstein in Gr\u00f6pelingen<\/a>, kollidierte ebenfalls ein Auto. &#8222;Ein paar abgebrochene Backsteine lassen sich relativ leicht ersetzen&#8220;, bemerkt Simone Ewald. &#8222;A<a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/vor-50-jahren-einweihung-der-schweinegruppe-in-der-bremer-soegestrasse-doc7xmenpdi9gk11hrf5d1n\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ber die Schweine sind schon eine bedrohte Tierart. <\/a>Das Kleine wurde so oft repariert, dass es beim n\u00e4chsten Schaden wahrscheinlich neu gegossen werden m\u00fcsste.&#8220; Die Gussformen existieren zwar nicht mehr, aber von dem Ferkel gibt es immerhin einen 3-D-Scan.\n<\/p>\n<p>    <strong>Was gestohlen wird:<\/strong> Metalldiebe machen vor Kunst nicht Halt: Die Referentin erinnert an die vergoldeten Bronze-Sitzkissen der Granitb\u00e4nke von <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-mitte\/durch-bildhauerkunst-wieder-zu-erleben-suedschiff-der-kulturkirche-doc7m8sd1flreo1gqhoqi2n\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marianne Klein<\/a> auf dem Marktplatz in Woltmershausen, die 2022 wegen Bauarbeiten eingelagert und in derselben Nacht aus dem Bauhof gestohlen wurden.<a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/osterholzer-friedhof-entsetzen-ueber-diebstahl-von-bronzefiguren-doc7p44e5fwd2v1383ksb4h\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Und an Siegfried Neuenhausens siebenteilige Skulpturengruppe mit trauernden Menschen auf dem Friedhof Osterholz, von der Diebe im Februar 2023 f\u00fcnf Figuren brutal abrissen. <\/a>Die Verluste sind in beiden F\u00e4llen unersetzbar.\n<\/p>\n<p>&#8222;Die Werke werden eingeschmolzen; der Materialwert betr\u00e4gt lediglich ein paar 100 Euro. Das steht in keinem Verh\u00e4ltnis zu dem, was da verloren geht&#8220;, bedauert Ewald. &#8222;K\u00fcnstler verlieren \u00e4sthetische Wegmarken, der Stadtteil verliert an Gesicht. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass diese Kunst uns allen geh\u00f6rt, es ist die Sammlung der Stadt.&#8220;<\/p>\n<p>    <strong>Wie man die Kunst sch\u00fctzt:<\/strong> &#8222;Wir achten darauf, Kunstwerke so stabil wie m\u00f6glich zu installieren, sodass sich nichts abrei\u00dfen, abbrechen oder zusammentreten l\u00e4sst&#8220;, sagt Ewald. Man arbeite, wo m\u00f6glich, mit speziellen Schutzschichten, um illegale Graffiti leichter entfernen zu k\u00f6nnen. Die Zeiten, in denen es zum Ehrenkodex der Sprayer geh\u00f6rte, nur h\u00e4ssliche W\u00e4nde und keine Kunstwerke zu bespr\u00fchen, seien vorbei. &#8222;Das hat in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erreicht.&#8220; Auch achte man darauf, Kunst an m\u00f6glichst belebten Orten zu platzieren und gut zu beleuchten.\n<\/p>\n<p>Als positiv empfindet es Ewald, dass viele Kunstwerke zu Treffpunkten geworden, dass sie identit\u00e4tsstiftend sind. &#8222;Wir merken es daran, dass sich die Menschen bei uns oder bei den Orts\u00e4mtern melden, wenn etwas kaputtgeht, beschmiert, abgebaut oder repariert wird. Das ist ein wichtiger Gradmesser daf\u00fcr, wie beliebt die Kunstwerke in den Stadtteilen sind.&#8220;<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc81inhhfnc9d1fj626oxp\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ihr Lieblingskunstwerk? Da m\u00f6chte sich Simone Ewald nicht festlegen. Die Referentin f\u00fcr Kunst im \u00f6ffentlichen Raum, seit zwei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":330413,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30],"class_list":{"0":"post-330412","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114996904162861626","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=330412"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330412\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/330413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=330412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=330412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=330412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}