{"id":330683,"date":"2025-08-09T07:04:17","date_gmt":"2025-08-09T07:04:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/330683\/"},"modified":"2025-08-09T07:04:17","modified_gmt":"2025-08-09T07:04:17","slug":"sopranistin-golda-schultz-ueber-songs-und-talkshows","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/330683\/","title":{"rendered":"Sopranistin Golda Schultz \u00fcber Songs und Talkshows"},"content":{"rendered":"<p>Frau Schultz, in der Glocke singen Sie ein Programm aus Arien und Liedern von Igor Strawinsky, Erich Wolfgang Korngold, Leonard Bernstein, George Gershwin und Kurt Weill. Wilde Mischung!<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Golda Schultz: Das war die Absicht. Wir kicken die Ideen vor und zur\u00fcck. Verr\u00fcckt mag das aussehen, ist aber nicht unbegr\u00fcndet. Uns ging es darum zu zeigen, wie wichtig klassische Musik auch in den Grenzbereichen, sogar im Pop wurde. Von den genannten Komponisten war nur Strawinsky ein reiner Klassiker. Korngold hat Filmmusik komponiert, Bernstein Musicals. Gershwin ging den umgekehrten Weg, indem er nach vielen Songs auch ein Klavierkonzert schrieb. Sogar Kurt Weill landete in Hollywood. Keine abwegige Kombination also. Und umso unterhaltsamer.<\/p>\n<p>Weills &#8222;Youkali&#8220; ist ein Chanson, Korngolds &#8222;Gl\u00fcck, das mir verblieb&#8220; eine Arie, und &#8222;Somewhere&#8220; stammt aus einem Musical. Ist es wichtig, zwischen den Genres zu unterscheiden?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Stil gibt es bei mir auf Anfrage. Nat\u00fcrlich versuche ich, meine Stimme in die jeweils richtige Stillage einzuf\u00fcgen, anstatt alles \u00fcber einen Kamm zu scheren. Dass es immer die eigene Stimme bleibt, muss aber gleichfalls klar sein. Sich zu verstellen, ist f\u00fcr jeden S\u00e4nger gef\u00e4hrlich. Es kann der Stimme schaden. Tats\u00e4chlich bildet Strawinsky, von dem ich nicht genug kriegen kann, f\u00fcr mich das Zentrum des Programms. Von hier aus tr\u00e4ume ich los.<\/p>\n<p>Ist Strawinskys gro\u00dfe Arie aus &#8222;The Rake\u2019s Progress&#8220; so schwer zu singen wie sie klingt?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Wohl schon. Sie ist das Sch\u00f6nste, aber auch das Anspruchsvollste in dem ganzen Werk. Auch deswegen, weil es sich eigentlich um einen komponierten Liebesbrief handelt. Da muss man ruhig bleiben. Dummerweise ist die Arie dabei aber voll aberwitziger \u00dcberschl\u00e4ge und Koloraturen. Da noch kantabel zu bleiben, das ist die gro\u00dfe Kunst.<\/p>\n<p>Das Anspruchsvollste ist nicht immer auch das Dankbarste. W\u00e4re diese Arie daf\u00fcr ein Beispiel?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Ach, wissen Sie was: Ich bin eine gute Verk\u00e4uferin. Oder hoffe es jedenfalls. Jedes Musikst\u00fcck muss man f\u00fcrs Publikum schmackhaft machen. Nichts versteht sich von selbst. Dabei kommt es darauf an, immer etwas zur\u00fcckzubehalten \u2013 und nie alles zu geben. Ich hoffe auch, dass man die Liebe merkt, die ich gegen\u00fcber der Musik empfinde. Irgendwie muss das auch reichen.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re ein Beispiel f\u00fcr eine demgegen\u00fcber sehr dankbare Arie?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">&#8222;Deh vieni, non tardar&#8220;, die sogenannte \u201eRosenarie\u201c der Susanna in Mozarts &#8222;Le Nozze di Figaro&#8220;. Obwohl diese Arie erst im letzten Akt dran ist, nachdem man schon einen ganzen Abend lang st\u00e4ndig auf der B\u00fchne gestanden ist, f\u00fchlt sie sich an wie ein erl\u00f6sendes Bad. Vielleicht deswegen, weil danach alles bald zu Ende ist. Leider habe ich die Rolle inzwischen mehr oder weniger abgegeben. Ich singe im &#8222;Figaro&#8220; heute lieber die Gr\u00e4fin. Sie hat zwei gro\u00dfe Arien, nicht nur eine.<\/p>\n<p>Nachdem Sie auch schon Donna Elvira und Donna Anna im &#8222;Don Giovanni&#8220; hinter sich haben, k\u00f6nnte man den Eindruck gewinnen, dass Sie durch sind mit Mozart!?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Das stimmt nicht ganz. Ich habe noch nicht die Ilia im &#8222;Idomeneo&#8220; gesungen und auch nicht Zerlina. Letzteres liegt daran, dass ich schon in S\u00fcd-Afrika die etwas dramatischere Elvira sozusagen erobert hatte. Auch Fiordiligi in &#8222;Cos\u00ec fan tutte&#8220; liegt hoffentlich noch vor mir. Aber es stimmt schon: Man muss immer etwas zur\u00fccklassen in diesem Beruf. Bei Mozart aber werde ich trotzdem bleiben. Und wenn es sich auch nur um Konzertarien handeln sollte. Mozart war zuerst da. Und wird f\u00fcr immer der K\u00f6nig meines Herzens bleiben.<\/p>\n<p>Wo liegt Ihre Zukunft als S\u00e4ngerin?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Im franz\u00f6sischen Fach, denke ich. Vielleicht in der Grand Op\u00e9ra. Von Verdi m\u00f6chte ich demn\u00e4chst Luisa Miller singen. Und irgendwann in der Zukunft auch Desdemona im \u201eOtello\u201c. Zu Shakespeare w\u00fcrde ich niemals Nein sagen. Auch Alice Ford im \u201cFalstaff\u201d w\u00e4re ein gefundenes Fressen. Was f\u00fcr ein verr\u00fcckter Haufen da auf der B\u00fchne! Genau das Richtige f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Alle von Ihnen in Bremen gesungenen Werke haben einen USA-Bezug. Glauben Sie, dass Sie so etwas wie einen amerikanischen Ansatz mitbringen?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Lieber einen s\u00fcdafrikanischen! Ich habe im Englischen ja schon einen gewissen Akzent. I do it my way. Das Englische selbst ist ja sehr wandelbar. Das Englisch der Emigranten etwa war von sehr unterschiedlicher Couleur. Ich glaube, die richtige Einstellung w\u00e4re, durchaus stolz auf den eigenen Akzent zu sein. Und es nicht merken zu lassen. Wenn man es merkt, ist es schon zu viel.<\/p>\n<p>Eines Ihrer Programme tr\u00e4gt den Titel &#8222;Dark Matter(s)&#8220;. Warum?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Weil es die Nachtseite von mir widerspiegelt.<\/p>\n<p>Gibt es auch so etwas wie eine &#8222;schwarze Stimme&#8220;? Oder w\u00fcrden Sie diese Bezeichnung falsch finden?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">\n    Es gibt durchaus so etwas. Meine Stimme, ich w\u00fcrde schon sagen, ist eine &#8222;black voice&#8220;. Alles weitere geht mich nichts an. Und interessiert mich auch nicht sonderlich. Dies alles sind alte, generalisierende Kategorien, um die Leute einzukasteln. Generalisierungen, f\u00fcrchte ich, bringen uns in diesem Punkt nicht weiter.\n<\/p>\n<p>Sie beschreiben sich selbst als nerv\u00f6s \u2013 und leiden angeblich unter starkem Lampenfieber. Ist das in Ihrem Fach, wo Sie st\u00e4ndig hohe Noten treffen m\u00fcssen, nicht umso schlimmer?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Vor hohen T\u00f6nen \u2013 oder davor, sie nicht zu kriegen \u2013 habe ich merkw\u00fcrdigerweise noch niemals Angst gehabt. Ich glaube, sonst m\u00fcsste ich den Beruf wechseln. Mein Lampenfieber bezieht sich eher auf die Frage, ob ich mich in dem richtigen Zustand befinde, um gut eine Geschichte erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. \u00dcber hohe Noten dagegen darf man nicht nachdenken. Ich suche auch keine Perfektion. Denn sie ist eine Illusion. Selbst Schwalben, die wirklich gekonnte Flieger sind, ber\u00fchren zuweilen ganz kurz den Boden. &#8222;Tu dein Bestes, und zwar sofort&#8220; \u2013 das ist mein Motto.<\/p>\n<p>Man erwartet st\u00e4ndig neue Konzertkleider von Ihnen. Wo kriegen Sie die her?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Ich gehe mit Freundinnen zusammen shoppen. Wenn wir von irgendeiner neuen Designerin h\u00f6ren, machen wir uns auf den Weg. Das ist Teil der Arbeit. Aber auch ein gro\u00dfer Spa\u00df.<\/p>\n<p>Sie sind oft in Talkshows und Podcasts zu Gast. Gerne?<\/p>\n<p class=\"Interview_Antwort\">Alles was hilft, hilft. Wir m\u00fcssen uns einsetzen f\u00fcr klassische Musik, egal wie. Und ich rede gern. Es hilft mir sogar, mit gewissen stressigen Aspekten meines Berufes besser klarzukommen. Ich finde es immer gut, wenn eine Unterhaltung eine \u00fcberraschende Wendung nimmt. Das ist in Talkshows, auch in Podcasts, oft der Fall.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Kai Luehrs-Kaiser.<\/p>\n<p>                Info<\/p>\n<p>Golda Schultz tritt beim Musikfest Bremen am Sonntag, 31. August, um 19.30 Uhr mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Robin Ticciati in der Glocke auf.<\/p>\n<p>ist eine der erfolgreichsten Sopranistinnen der Gegenwart. 1983 in Kapstadt als Tochter eines Mathematik-Professors geboren, wuchs sie in Bloemfontein auf und studierte in ihrer Heimatstadt sowie an der Juilliard School in New York. 2011 wurde sie Mitglied im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. 2025 trat sie erstmals bei den Salzburger Festspielen auf. Sie ist verheiratet und lebt nach einigen Jahren in Augsburg heute in Berlin.<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc81uyir9ar0p2hb7oapr\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frau Schultz, in der Glocke singen Sie ein Programm aus Arien und Liedern von Igor Strawinsky, Erich Wolfgang&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":330684,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30],"class_list":{"0":"post-330683","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114997537243254800","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=330683"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/330683\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/330684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=330683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=330683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=330683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}