{"id":331027,"date":"2025-08-09T10:20:11","date_gmt":"2025-08-09T10:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331027\/"},"modified":"2025-08-09T10:20:11","modified_gmt":"2025-08-09T10:20:11","slug":"comic-legende-ralf-koenig-wird-65-bekommt-einen-jubilaeumsband-und-hadert-mit-den-nibelungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331027\/","title":{"rendered":"Comic-Legende Ralf K\u00f6nig wird 65, bekommt einen Jubil\u00e4umsband und hadert mit den Nibelungen"},"content":{"rendered":"<p>                    Eine Comic-Legende wird 65<br \/>\n                Der K\u00f6nig ringt mit Siegfried<\/p>\n<p>\t\t\t\t              08.08.2025, 08:09 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Ralf K\u00f6nig ist einer der bekanntesten Comiczeichner Deutschlands. Nicht wegen der Verfilmungen seiner B\u00fccher, sondern weil er seit Jahrzehnten Menschen zum Lachen bringt, indem er Klischees \u00fcber Homo- und Heterosexuelle persifliert. Jetzt wird er 65 &#8211; und hadert mit der Nibelungen-Saga.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Comic-Fans gibt es nichts Komischeres als die Geschichten von Ralf K\u00f6nig. Aber er selbst ist ein ernster, nachdenklicher Mann. &#8222;Ich bin ein melancholischer Typ&#8220;, sagt er. &#8222;Wenn man denkt, ich bin der Witzbold, dann ist das sicherlich falsch.&#8220; In den vergangenen Monaten ist ihm die Weltlage zus\u00e4tzlich aufs Gem\u00fct geschlagen. &#8222;Ich hab&#8216; gemerkt, dass mir das bei meiner Kreativit\u00e4t im Weg steht. Dass ich nicht mehr heiter bin. Das kann ich mir \u00fcberhaupt nicht erlauben.&#8220; Deshalb hat er seinen Nachrichtenkonsum zur\u00fcckgefahren.<\/p>\n<p>Nun feiert K\u00f6nig seinen 65. Geburtstag. In seiner K\u00fcche h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Bild mit einer Kuh auf einer Weide &#8211; das Cover des Albums &#8222;Atom Heart Mother&#8220; von Pink Floyd. Das Bild weckt in ihm Heimatgef\u00fchle. K\u00f6nig wurde in Soest geboren und wuchs in West\u00f6nnen auf. &#8222;Das ist westlich von Ost\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Sein Coming-out hatte er mit 19. &#8222;Heute relativ sp\u00e4t, aber damals ziemlich normal. Dann bin ich nach Dortmund gezogen und hatte dort meine ersten Kontakte.&#8220; Gezeichnet hat er da schon lange, eine der ersten Inspirationsquellen war ein Wilhelm-Busch-Buch im Haus seiner Eltern.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/KoenigRalf-Portraet05.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Ralf K\u00f6nig im Jahr 2014 mit einigen seiner Ver\u00f6ffentlichungen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/KoenigRalf-Portraet05.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Ralf K\u00f6nig im Jahr 2014 mit einigen seiner Ver\u00f6ffentlichungen.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Ralf K\u00f6nig)<\/p>\n<p>Mit elf Jahren fielen ihm die Comics von Robert Crump (&#8222;Fritz the Cat&#8220;) in die H\u00e4nde. &#8222;Das hat mich total angefixt, dass es Comics f\u00fcr Erwachsene gibt. Das war der Urknall bei mir. Ungef\u00e4hr gleichzeitig habe ich auch die Pornos im Schrank meines Vaters entdeckt, und da kamen dann zwei Sachen zusammen: Ich wollte Schweinkram zeichnen. Meine Mutter hat das alles gesammelt &#8211; zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich hab&#8216; schon viel Gl\u00fcck gehabt im Leben&#8220;<\/p>\n<p>Weil er nur Hauptschulabschluss hatte, machte er zun\u00e4chst eine Schreinerlehre. &#8222;Wie ich das durchgestanden habe, wei\u00df ich bis heute nicht. Aber das war eben Ostwestfalen, was will man da mit Kunst machen?&#8220; Irgendwann sagte ihm jemand, dass man in D\u00fcsseldorf an der Kunstakademie ohne Abitur studieren k\u00f6nne. &#8222;Das hatte Joseph Beuys damals durchgedr\u00fcckt. Ein toller Gedanke: Warum muss man Mathe k\u00f6nnen, wenn man Kunst machen will?&#8220; Er hat dann einfach eine Mappe eingeschickt und danach hie\u00df es gleich, er k\u00f6nne kommen. &#8222;Ich hab&#8216; schon viel Gl\u00fcck gehabt im Leben. Manchmal.&#8220;<\/p>\n<p>Eine Zeit lang waren seine Comics ein Insider-Ding, dann wurden sie von einer gr\u00f6\u00dferen linken Studentenszene entdeckt und lagen vielerorts auf den WG-Klos aus. &#8222;Damals gab es ja nur diskriminierende Schwulen-Witze. Diese Detlef-Witze, heititei.&#8220; K\u00f6nig lieferte etwas anderes, ohne dass er dabei eine Agenda gehabt h\u00e4tte. &#8222;Ich wollte coole Geschichten erz\u00e4hlen, die lustig sind. Dass damit eine Szene, die damals nicht so viel zu lachen hatte, pl\u00f6tzlich Witze hatte, war mir nicht so bewusst.&#8220; Erst sp\u00e4ter kamen die Leute zu ihm und erz\u00e4hlten, sie h\u00e4tten sich in den Geschichten wiedererkannt und das habe ihnen ihr Coming-out erleichtert.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Durchbruch kam mit dem Buch &#8222;Der bewegte Mann&#8220;, das von Bernd Eichinger mit Til Schweiger erfolgreich verfilmt wurde. &#8222;Ich hatte damit allerdings wenig zu tun und rede \u00fcber die Filme deshalb ungern. Das haben andere gemacht. Es st\u00f6rt mich ein bisschen, dass immer, wenn mein Name in der Zeitung steht, in Klammern &#8218;Der bewegte Mann&#8216; dahintersteht. Man ist da so einsortiert, das ist ein bisschen l\u00e4stig.&#8220;<\/p>\n<p>Jubil\u00e4umsband und Rente<\/p>\n<p>In der Schwulenszene hat sich in letzter Zeit vieles ver\u00e4ndert, angefangen beim Namen. &#8222;Da gibt&#8217;s jetzt das Wort &#8218;queer&#8216; und &#8218;LGBTQ&#8216;. Ich habe lange gebraucht, um das zu lernen, denn ich war schon damals im Chemieunterricht schlecht darin, mir diese Buchstabenketten zu merken.&#8220;<\/p>\n<p>Er selbst sagt weiter &#8222;schwul&#8220; und &#8222;lesbisch&#8220;, weil er es gewohnt ist. &#8222;Ich w\u00fcrde nie sagen, ich bin ein queerer Zeichner, weil mir dieses Wort ein bisschen fremd bleibt.&#8220; Allerdings fallen ihm an dieser Stelle auch die \u00e4lteren Herren aus der Dortmunder Schwulenszene um 1980 ein, die damals mit dem Wort &#8222;schwul&#8220; Probleme hatten und stattdessen von &#8222;homophil&#8220; oder &#8222;homosexuell&#8220; sprachen. &#8222;Das ist jetzt vielleicht etwas \u00c4hnliches. Pl\u00f6tzlich ist das Wort &#8218;queer&#8216; da und klingt f\u00fcr mich wie &#8218;quer&#8216;. Aber ich akzeptiere, dass es sich durchgesetzt hat &#8211; was soll ich alter Mann da sagen?&#8220;<\/p>\n<p>Zu seinem 65. Geburtstag erscheint der Jubil\u00e4umsband &#8222;Pflaumensturz und Sahneschnitten&#8220;, ein R\u00fcckblick mit Interviews, Fotos und Skizzen. Er ist zusammen mit dem Journalisten und <a href=\"https:\/\/comic-denkblase.de\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Comic-Blogger<\/a> Alex Jakubowski entstanden. Derweil arbeitet der K\u00fcnstler schon seit zwei Jahren an einer Umsetzung der Nibelungen-Sage. Aber es stockt. &#8222;Ich fing schwungvoll an, und nach 80 Seiten kamen dann die Zweifel: Sieht der Siegfried wirklich aus, wie er soll? M\u00fcsste er den Scheitel nicht rechts haben? Ich habe da einen inneren Kritiker, der ist manchmal gnadenlos.&#8220;<\/p>\n<p>In zwei Jahren bekommt er Rente. &#8222;Finde ich komisch, ist aber auch ein beruhigendes Gef\u00fchl. Obwohl ich eine gro\u00dfe und treue Lesergemeinschaft habe: Die Verlage st\u00f6hnen &#8211; das Internet \u00fcbernimmt die Regie, alle gucken nur noch ins Smartphone, B\u00fccher werden nicht mehr so richtig verkauft. Man muss sehen, wo man bleibt.&#8220; Von daher ist das mit der Rente schon okay. &#8222;Aufh\u00f6ren werde ich sicherlich nicht. Solange ich einen Stift halten kann und mir etwas einf\u00e4llt, geh\u00f6rt das zu mir.&#8220; Alles andere &#8222;w\u00e4re komisch&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Comic-Legende wird 65 Der K\u00f6nig ringt mit Siegfried 08.08.2025, 08:09 Uhr Artikel anh\u00f6ren Diese Audioversion wurde k\u00fcnstlich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":331028,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[68,32860,29,214,30,7175,1420,215],"class_list":{"0":"post-331027","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-comic","9":"tag-comicverfilmungen","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-homosexualitaet","14":"tag-koeln","15":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114998308261276260","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=331027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331027\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/331028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=331027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=331027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=331027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}