{"id":331528,"date":"2025-08-09T14:50:15","date_gmt":"2025-08-09T14:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331528\/"},"modified":"2025-08-09T14:50:15","modified_gmt":"2025-08-09T14:50:15","slug":"die-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331528\/","title":{"rendered":"Die Scheu der Medien vor der hei\u00dfen Kartoffel \u201eKorruptionsbek\u00e4mpfung\u201c in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nach dem Wechsel ins westliche Lager: G 7 Staaten zwingen der Ukraine Institutionen der Korruptionsbek\u00e4mpfung auf<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Einmarsch des russischen Milit\u00e4rs Ende Februar 2022 ist der Status der Ukraine als unser Alliierter enorm angestiegen. Die mediale Berichterstattung, ungeachtet des Selbstbildes als \u201ekritische Medien\u201c, ber\u00fccksichtigt das.<\/p>\n<p>Vorher galt Korruption als endemisch in der Ukraine. Die Institutionen einer aussichtsreichen Bek\u00e4mpfung der grassierenden Korruption, die aktuell auf einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wurden der Ukraine seit 2015 aufgezwungen. Das geschah Schritt um Schritt, immer im Tausch gegen neue Geldtranchen, koordiniert von den westlichen Staaten (G7), von deren Botschaftern in Kiew. Selbstverst\u00e4ndlich waren die Hauptgeldgeber, der IMF und die EU, dabei mit im Boot.<\/p>\n<p>Wir erlebten den Aufbau von neuen Institutionen: im April 2015 das National Anti-Corruption Bureau of Ukraine (NABU) und im Dezember 2015 das Special Anti-Corruption Prosecutor\u2019s Office (SAPO). Die Anklagevorbereitung in Korruptionsverdachtsf\u00e4llen wurde somit zwischen diesen beiden Einrichtungen gesplittet. Dann bedurfte es noch eines spezialisierten Gerichtshofes. Der High Anti-Corruption Court of Ukraine (HACC) wurde im Juni 2018 geschaffen. Dessen Bedarf hatte sich erst noch dadurch erwiesen, dass Korruptionsf\u00e4lle, welche das SAPO vor normalen (korrupten) Gerichten zur Anklage gebracht hatte, ausgingen wie das Horneberger Schie\u00dfen. Auch der HACC aber wurde alsbald lahmgelegt. Die Methode, die die Korruptions-Verteidiger in erprobter Salami-Taktik w\u00e4hlten: Man \u00fcberbeanspruchte den HACC mit Kleinf\u00e4llen, sodass die wesentlichen F\u00e4lle auf der Wartebank nach hinten verschoben wurden. Es war dann bereits Aufgabe des neuen Pr\u00e4sidenten Selenskyj, diese Art der Blockade durch eine gesetzliche Priorisierung der Inanspruchnahme des HACC aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der strafrechtliche Teil des Anti-Korruptionskonzepts des Westens bestand in der Abtrennung und Errichtung einer auf Korruption spezialisierten S\u00e4ule innerhalb der ukrainischen Justiz. Damit aber hatte man eine ungesch\u00fctzte Achillesferse zugelassen. Die Spezial-Institutionen der Korruptionsbek\u00e4mpfung qua Strafrecht unterstanden dem ukrainischen Verfassungsgericht, mit seinem offenkundig von der Korruption profitierenden Personal.<\/p>\n<p>Das ukrainische Verfassungsgericht hielt sich lange Jahre bedeckt, lie\u00df die G7-Botschafter ihre Institutionen aufbauen. Erst nach 4 Jahren Bem\u00fchen des Westens, mit einem Urteil vom 26. Februar 2019, begab es sich erstmals aus der Deckung: Es schoss den Schlussstein der <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-ukrainische-verfassungsgericht-outet-sich-als-korruptionsschuetzer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">rechtlichen Umsetzung des Anti-Korruptionskampfes<\/a> ab. Es erkl\u00e4rte denjenigen Artikel des Strafgesetzbuches, der vorsieht, dass Staatsbeamte, die die Herkunft ihres Verm\u00f6gens nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, mit bis zu zehn Jahren Gef\u00e4ngnis bestraft werden k\u00f6nnen, f\u00fcr verfassungswidrig. Mit diesem Urteil setzte es sich offen an die Spitze des Abwehr-Kampfes gegen die Anti-Korruptions-Strategie des Westens. Der reagierte cool: In einer G7-Erkl\u00e4rung forderte er die Revision dieses Urteils. Dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten gelang es, den Gesetzgeber dazu zu bewegen, die inkriminierte Passage im Anti-Korruptions-Gesetzbuch erneut beschlie\u00dfen zu lassen und damit erneut in Geltung zu setzen.<\/p>\n<p>Im August 2020 und am 27. Oktober 2020 folgten die n\u00e4chsten <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2020-10-30\/ukraine-a-constitutional-court-verdict-ignites-a-political-crisis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Paukenschl\u00e4ge<\/a>: Ausgel\u00f6st durch eine Petition von 47 Parlaments-Abgeordneten erkl\u00e4rte das Verfassungsgericht der Ukraine zwei Pfeiler der Anti-Korruptions-Gesetzgebung f\u00fcr verfassungswidrig.<\/p>\n<p>(i) Der Chef der Nationalen Agentur zur Verhinderung von Korruption (NABU), die auch viele Richter ins Visier genommen hatte, sei rechtswidrig im Amt.<\/p>\n<p>(ii) 18 Artikel des Anti-Korruptionsgesetzes sei verfassungswidrig.<\/p>\n<p>Der Westen reagierte wiederum mit einer <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2020-10-30\/ukraine-a-constitutional-court-verdict-ignites-a-political-crisis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">G7-Erkl\u00e4rung<\/a>, in der er feststellte, das Urteil sei unakzeptabel. Der Vereinbarung der ukrainischen Regierung mit dem IMF vom Juni 2020 \u00fcber eine weitere Kredit-Tranche von 5 Mrd. US $ und die Verschiebung f\u00e4lliger Tilgungen in H\u00f6he von 13,3 Mrd. US $ sei damit die Basis entzogen. Das half.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Selenskyj reagierte umgehend. Am 30. Oktober 2020 brachte er einen Gesetzentwurf ein, welcher ein Verfahren zum <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/print\/feature\/how-ukraine-will-destroy-rule-law-while-claiming-defend-it%C2%A0-171900\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Austausch s\u00e4mtlicher Richter am Verfassungsgericht<\/a> vorsah. Dessen Vorsitzender nannte diesen Antrag einen <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000121327722\/ukrainischer-praesident-selenskyj-will-verfassungsgericht-aufloesen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">versuchten \u201eVerfassungsputsch\u201c<\/a> \u2013 was er auch war.<\/p>\n<p>In Konflikt geraten waren die beiden Werte \u201eUnabh\u00e4ngigkeit der Justiz (Rechtsstaat)\u201c, die Verfahrens-Seite des Rechts, und \u201eSchutz gegen Korruption\u201c, die sachliche Seite des Rechts. Der Befreiungsschlag, den Selenskyj dem Parlament zur L\u00f6sung vorschlug, unterstellte: Wenn das oberste Gericht korrupt ist, ist unter Wahrung des formalen Grundsatzes, des der Unabh\u00e4ngigkeit der Justiz, das sachliche Anliegen, dem Korruptionssystem das R\u00fcckgrat zu brechen, unerreichbar.<\/p>\n<p>Wie dieses Ringen ausgegangen ist, habe ich nicht mehr verfolgen k\u00f6nnen. Ich beherrsche die ukrainische Sprache nicht. Die Berichterstattung in westlichen Medien zum Thema Korruptionsbek\u00e4mpfung brach ab. Mein Eindruck war: Pr\u00e4sident Selenskyj ist ein vertrauensw\u00fcrdiger Korruptionsbek\u00e4mpfer.<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Paukenschlag vom 22. Juli 2025<\/strong><\/p>\n<p>Am 22. Juli 2025 aber wurden mir die Augen ge\u00f6ffnet. Da <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2025-07-23\/ukraine-independence-anti-corruption-bodies-being-dismantled-amid\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">verabschiedete das ukrainische Parlament ein Gesetz<\/a>, welches das Nationale Antikorruptionsb\u00fcro (NABU) und die Sonderstaatsanwaltschaft f\u00fcr Korruptionsbek\u00e4mpfung (SAPO) der Aufsicht des Generalstaatsanwalts unterstellt. Das Gesetz wurde mit 263 Ja-Stimmen zu 13 Nein-Stimmen angenommen, also partei\u00fcbergreifend, mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit. Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete das Gesetz noch am selben Tag und begr\u00fcndete dies mit der Notwendigkeit, eine russische Unterwanderung zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Mit diesem Gesetz wurde die Unabh\u00e4ngigkeit der beiden zentralen Anti-Korruptionseinheiten, die von der G7 \u00fcber lange Jahre zielgerichtet als unabh\u00e4ngig eingerichtet worden waren, faktisch aufgehoben. Der Generalstaatsanwalt untersteht dem Pr\u00e4sidenten. Die Eile des Vorgangs, am letzten Tag der regul\u00e4ren Parlamentsarbeit vor der Sommerpause, spricht f\u00fcr sich. Die Begr\u00fcndung, die der Pr\u00e4sident angab, war keine, die die Aufhebung der Unabh\u00e4ngigkeit zu rechtfertigen vermochte \u2013 sie war also keine. Der \u00e4u\u00dferst weitreichende Vorgang tr\u00e4gt alle Spuren von Chaos wegen Eilbed\u00fcrftigkeit. Urpl\u00f6tzlich war die Bek\u00e4mpfung der grassierenden Korruption in der Ukraine wieder Thema in den hiesigen Medien. Das immerhin. Aber wie?<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Nacht- und Nebel-Aktion Selenskyjs war offenkundig, dass das NABU Ermittlungen gegen zwei h\u00f6chstrangige Politiker aus dem engsten Umfeld Selenskyjs er\u00f6ffnet hatte. D.i. gegen<\/p>\n<ul>\n<li>Olexyj Tschernyshow, mit Selenskyj befreundet und zuletzt, bis Mitte Juli 2025, Leiter des 2024 neu gegr\u00fcndeten Ministeriums f\u00fcr nationale Einheit, das anscheinend nur zu dem Zweck geschaffen worden war, ihn zum Vize-Ministerpr\u00e4sidenten machen zu k\u00f6nnen. Tschernyshow war zuvor <a href=\"https:\/\/ukraineverstehen.de\/ende-eines-zweifelhaften-ministeriums\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">faktischer Infrastrukturminister<\/a>. In dieser Funktion soll er im Jahre 2022 Voraussetzungen f\u00fcr die \u00dcbergabe eines Grundst\u00fccks an ein staatliches Unternehmen geschaffen haben, welches daraufhin Vertr\u00e4ge \u00fcber den Bau von Wohnh\u00e4usern gezielt mit bestimmten Firmen abschloss. Das Grundst\u00fcck und die dort gebauten Wohnungen wurden fast f\u00fcnfmal niedriger bewertet als dem damals \u00fcblichen Marktwert gem\u00e4\u00df. Dem ukrainischen Staat entstand ein erheblicher Schaden. Die SAPO best\u00e4tigte am 23. Juni 2025 offiziell den Verdacht gegen Tschernyschow wegen Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit. Zuvor war das Thema schon lange Gegenstand der Berichterstattung in ukrainischen Medien.<\/li>\n<li>Olha Stefanishyna. Sie war bis Mitte Juli 2025 Ministerin f\u00fcr europ\u00e4ische Integration und Justiz und als solche ebenfalls stellvertretende Ministerpr\u00e4sidentin. Dann wurde sie von Pr\u00e4sident Selenskyj urpl\u00f6tzlich ins Ausland gesandt, sie ist nun Sondergesandte f\u00fcr die Beziehungen mit den USA \u2013 was auch immer sie neben dem Botschafter dort ausrichten soll.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Verabschiedung des Gesetzes am 22. Juli 2025 ist kein isolierter Vorgang, sie markiert lrdiglich den H\u00f6hepunkt einer Kampagne mit einer weit umfassenderen Zielsetzung.<\/p>\n<p>Am 18. Juli durchsuchte das Staatliche Ermittlungsb\u00fcro (DBR) die Wohnung von Vitaliy Shabunin, dem Leiter der Anti-Korruptions-Aktions-NGO. Parallel dazu starteten regierungsnahe Medien eine Verleumdungskampagne gegen die Journalistin Inna Vedernikova, die f\u00fcr ihre kritische Haltung gegen\u00fcber der Regierung bekannt ist.<\/p>\n<p>Am 21. Juli dann hat der Selenskyj unterstellte Inlandsgeheimdienst SBU 70 Dienststellen der NABU durchsucht und einige Ermittler der Beh\u00f6rde festgenommen. Im Zentrum des SBU-Raids stand Olexandr Skomarow, der Leiter der NABU-Einheit, welche die Ermittlungen gegen Olexyj Tschernyshow f\u00fchrt. Insbesondere Unterlagen dieser Einheit seien beschlagnahmt worden.<\/p>\n<p>Letztere Informationen entstammen einem <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ukraine\/wegen-korruption-eu-drohte-der-ukraine-mit-zahlungstopp-110611427.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Bericht des FAZ-Korrespondenten in der Ukraine, Konrad Schuller<\/a>, vom 29. Juli 2025. Schuller hat einen internen Bericht der EU-Kommission zu den Vorg\u00e4ngen in der Ukraine zugespielt erhalten. In dem EU-Bericht hei\u00dfe es weiter:<\/p>\n<p>\u201eDas Beweismaterial, das NABU weggenommen worden sei, k\u00f6nne jetzt von Gerichten zur\u00fcckgewiesen werden, weil die Bedingungen von \u201e<strong>Vertraulichkeit und Legalit\u00e4t der Informationsgewinnung<\/strong>\u201c infolge der Aktion m\u00f6glicherweise <strong>nicht mehr erf\u00fcllt<\/strong> seien. In der Analyse heisst es: \u201e<strong>Das alles kann faktisch zur Einstellung der Ermittlungen gegen den stellvertretenden Ministerpr\u00e4sidenten f\u00fchren.\u201c<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Zum gr\u00f6\u00dferen Bild geh\u00f6rt zudem die langdauernde widerrechtliche Blockade der Ernennung von Oleksandr Tsyvinskyi zum Leiter des B\u00fcros f\u00fcr wirtschaftliche Sicherheit (BEB). Das BEB ist ein zentrales Exekutivorgan, welches f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Wirtschafts- und Finanzkriminalit\u00e4t zust\u00e4ndig ist. Die Nicht-Besetzung der Leitung des B\u00fcros wurde mit Bedenken hinsichtlich des Schutzes sensibler Informationen begr\u00fcndet (Tsyvinskyis Vater lebt in Russland). Diese Vorgehensweise ist ein weiteres Indiz f\u00fcr die Absicht der aktuellen Regierung, die Korruptionsbek\u00e4mpfungs- und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, die nach dem Konzept der G7 unabh\u00e4ngig aufgebaut wurden und f\u00fcr deren Existenz die Regierung der Ukraine gegen erheblichen Geldmengen Zusagen gemacht hatte, doch wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und in politisch relevanten F\u00e4llen zahnlos zu machen \u2013 und das heisst dann doch wohl: die Korruption nur unten bek\u00e4mpfen, sie aber als Mittel zu Zwecken, auch politischen, weiter zuzulassen.<\/p>\n<p><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Struktur der Anschuldigungen gegen Selenskyj und sein engstes Umfeld<\/strong><\/p>\n<p>Die im Abschnitt zuvor gegebene Darstellung hat gezeigt, dass der skandal\u00f6se Vorgang in der Ukraine nicht allein im Angriff auf die Unabh\u00e4ngigkeit der Institutionen der Korruptionsbek\u00e4mpfung besteht, sondern vielmehr aus insgesamt vier Elementen.<\/p>\n<ol>\n<li>Dem Vorgang der Abschaffung der Unabh\u00e4ngigkeit qua Unterstellung;<\/li>\n<li>der Subversion des laufenden Ermittlungsverfahrens gegen den mit Selenskyj befreundeten Ex-Vizepremier Olexyj Tschernyshow;<\/li>\n<li>dem massiven Indiz auf Korruption im engsten Umfeld von Selenskyj, mit dessen Deckung;<\/li>\n<li>die Bereitschaft Selenskyjs, Korruption auf hohen Ebenen zuzulassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vor diesem Hintergrund f\u00e4llt auf, dass die Medienlandschaft in Deutschland einhellig fast nur das erste Element als Narrativ bedient. Der aktuelle Ermittlungsvorgang oder gar der Schluss auf Selenskyjs Motiv f\u00fcr den massiven Einsatz des Inlandsgeheimdienstes, um seinen \u201eFreund\u201c zu sch\u00fctzen, sowie f\u00fcr die \u00fcberfallartige \u00c4nderung der Struktur der Anti-Korruptions-Beh\u00f6rden bleiben unthematisiert. Es gilt f\u00fcr die Berichterstattung dann doch wieder die Maxime der Abw\u00e4gung: Die Ukraine ist unser Alliierter, da m\u00fcssen sie sich in der Thematisierung schmutziger W\u00e4sche zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die angebliche \u201cHeilung\u201d durch die revidierte Gesetzgebung vom 30. Juli 2025<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem umgehenden Widerstand, den das Nacht- und Nebel-Gesetz vom 22. Juli von Seiten der Geldgeber erfuhr, hat Selenskyj zu diesem Punkt, und nur dazu, Umkehr gelobt. Eine revidierte Fassung wurde am 30. Juli 2025 als Gesetz Nr. 13533 in das Kiewer Parlament eingebracht und wurde wiederum <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2025-07-31\/ukraine-verkhovna-rada-restores-independence-anti-corruption-bodies\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">am selben Tag noch vom Pr\u00e4sidenten unterzeichnet<\/a>. Der Tenor der medialen Berichterstattung dazu ist: Der Zustand quo ante sei wiederhergestellt. Ob das eine korrekte Beschreibung ist, ist zweifelhaft. Strikte Analysen liegen bislang nicht vor.<\/p>\n<p>Explizit ist der Zustand quo ante auch nicht wiederhergestellt worden, es gab vielmehr lediglich Revisionen am Gesetzestext vom 22. Juli. Das revidierte Gesetz sieht nun lediglich vor, dass der Generalstaatsanwalt einen Fall nicht nach eigenem Ermessen von der NABU an eine andere Beh\u00f6rde \u00fcbertragen d\u00fcrfe. Erlaubt ist ihm dies prinzipiell weiterhin, aber nur dann, wenn<\/p>\n<p>\u201eobjektive Umst\u00e4nde die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde daran hindern, w\u00e4hrend des Kriegsrechts zu arbeiten oder Vorverfahren durchzuf\u00fchren\u201c.<\/p>\n<p>Das Gesetz beh\u00e4lt eine umstrittene Ma\u00dfnahme bei: Staatsanw\u00e4lte k\u00f6nnen ohne offene Ausschreibung ernannt bzw. grundlos entlassen werden, einfach aus dem banalen Anlass, dass eine Staatsanwaltschaft umstrukturiert wird \u2013 das \u00f6ffnet der Willk\u00fcr Tor und T\u00fcr. Positiv ist: Das Gesetz \u00e4ndert auch eine Bestimmung, die es einfacher macht, Durchsuchungen ohne gerichtliche Anordnung durchzuf\u00fchren. Der am 22. Juli neueingef\u00fchrte Artikel, der NABU-Beamte zur Teilnahme an obligatorischen L\u00fcgendetektortests verpflichtet, wurde beibehalten.<\/p>\n<p><strong>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bewertung<\/strong><\/p>\n<p>Die Maidan-Revolution 2014 hat die Ukraine mit einem Rucksack voll von Wackersteinen beladen in das Lager des Westens gebracht. Dessen Inhalt: Die weitverbreitete Sitte der Korruption, bis in die h\u00f6chsten Spitzen. Es war lange Zeit Russland, welches dieses System mit Finanzspritzen von au\u00dfen durchgetragen bzw. alimentiert hatte. Das geschah nicht selbstlos, das war geopolitisch begr\u00fcndet. Als der Lagerwechsel klar war, hat Russlands Pr\u00e4sident Putin im M\u00e4rz 2014 den westlichen Staatschefs in einem Brief gleichsam viel Gl\u00fcck bei der nun ihnen \u00fcbertragenen Aufgabe gew\u00fcnscht, f\u00fcr eine Begrenzung der Alimentierung zu sorgen. Er wusste, wovon er sprach.<\/p>\n<p>Den Lagerwechsel fand die EU gut, auch aus Gr\u00fcnden handelspolitischer Profite f\u00fcr private Akteure im EU-Raum; die Korruption und den daraus resultierenden Alimentierungsanspruch zu Lasten \u00f6ffentlicher Kassen lehnte sie hingegen ab. Sie verf\u00fcgte auch \u00fcber eine Strategie, die war von der OSZE im Rahmen des <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/corruption\/acn\/OECD-ACN-4th-Round-Report-Ukraine-ENG.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Istanbul Anti-Corruption Action Plan<\/a> entwickelt worden. Mit der war sie angetreten, die Korruptions-Kultur in der Ukraine \u00fcberwinden, die ukrainische Bev\u00f6lkerung von dieser Gei\u00dfel befreien.<\/p>\n<p>Man darf sich mehr Unterst\u00fctzung durch die westlichen Medien bei dieser s\u00e4kularen Aufgabe w\u00fcnschen. Totschweigen ist keine Strategie \u2013 auch wenn es der Freundschaft dienen soll.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/photos\/money-laundering-crime-fighting-1963184\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Pixabay<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/printpdf2.svg\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"height: 17px;\"\/>Ausdrucken\/PDF erstellen: <\/a><a class=\"a2a_button_whatsapp\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/whatsapp?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"WhatsApp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a class=\"a2a_button_telegram\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/telegram?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"Telegram\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a class=\"a2a_button_linkedin\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/linkedin?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"LinkedIn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a class=\"a2a_button_email\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/email?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"Email\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a class=\"a2a_button_x\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/x?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"X\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a class=\"a2a_button_facebook\" href=\"https:\/\/www.addtoany.com\/add_to\/facebook?linkurl=https%3A%2F%2Fwww.blog-der-republik.de%2Fdie-scheu-der-medien-vor-der-heissen-kartoffel-korruptionsbekaempfung-in-der-ukraine%2F&amp;linkname=Die%20Scheu%20der%20Medien%20vor%20der%20hei%C3%9Fen%20Kartoffel%20%E2%80%9EKorruptionsbek%C3%A4mpfung%E2%80%9C%20in%20der%20Ukraine\" title=\"Facebook\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\" title=\"Instagram\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/instagram_bg.svg\" width=\"32\" height=\"32\" alt=\"Instagram\"\/><\/a><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nach dem Wechsel ins westliche Lager: G 7 Staaten zwingen der Ukraine Institutionen der Korruptionsbek\u00e4mpfung auf Mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":331529,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-331528","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114999370166035586","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=331528"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331528\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/331529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=331528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=331528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=331528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}