{"id":331730,"date":"2025-08-09T16:40:10","date_gmt":"2025-08-09T16:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331730\/"},"modified":"2025-08-09T16:40:10","modified_gmt":"2025-08-09T16:40:10","slug":"bach-und-die-gaechinger-cantorey-in-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331730\/","title":{"rendered":"Bach und die Gaechinger Cantorey in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Damals \u00fcberwog das Mitleid. Als der renommierte Bach-Experte Helmuth Rilling Anfang der 1960er-Jahre in der Stuttgarter Ged\u00e4chtniskirche mit seiner jungen Gaechinger Cantorey w\u00f6chentlich eine Bach-Kantate auff\u00fchrte, war sich das Publikum weitgehend einig: Der Chor ist wunderbar, das Orchester hat Niveau. Aber die Solisten &#8211; die waren bescheiden. Der Grund war einfach: Es fehlte an den n\u00f6tigen Finanzen, um Honorare f\u00fcr gute Solisten zahlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDamals waren viele der Meinung, wer zur Ehre Gottes singen d\u00fcrfe, solle dankbar sein und nicht auch noch ein Honorar fordern\u201c, sagt Martin Klumpp, Pr\u00e4lat im Ruhestand, im Gespr\u00e4ch. Kurz darauf fragte ein schw\u00e4bischer Unternehmer Rilling, was eine Auff\u00fchrung von Bachs Johannespassion mit guten Solisten kosten w\u00fcrde. Rilling \u00fcberschlug kurz und antwortete: 15.000 Mark (rund 7700 Euro). Wenige Tage darauf fand er einen Scheck \u00fcber genau diese Summe in seinem Briefkasten. Das war der Geburtsimpuls f\u00fcr den F\u00f6rderkreis der Bachakademie Stuttgart, der schlie\u00dflich 1965 ins Leben gerufen wurde.<\/p>\n<p>Bach auf h\u00f6chstem Niveau<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eZiel war es von Anfang an, die Bachakademie finanziell so auszustatten, dass die Musiker Bachs Musik auf h\u00f6chstem Niveau spielen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Klumpp, der seit Beginn dabei war und seit 40 Jahren zum Vorstand des F\u00f6rdervereins geh\u00f6rt. Was ihn pers\u00f6nlich an Bachs Musik fasziniert? Klumpp schaut verdutzt, als verst\u00fcnde er die Frage nicht: \u201eDass es Bach ist!\u201c Bachs Musik habe eine Tiefe, wie man sie sonst nur selten erlebe. \u201eSeine Musik bildet Leben ab, und das sp\u00fcren die Zuh\u00f6rer\u201c, sagt der Theologe. Nicht umsonst nenne man Bach, der viele seiner Werke mit \u201eSoli Deo Gloria\u201c (Allein zur Ehre Gottes) unterzeichnete, auch den 5. Evangelisten.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eBachs Musik tr\u00f6stet selbst depressive Menschen\u201c, sagt Klumpp. Er wisse von Betroffenen, die jede Kantate besuchten, weil sie Bachs Musik beruhige und tr\u00f6ste, berichtet der Pfarrer, der auch Trauernde begleitet. Bach selbst wusste um die positive Wirkung, die Musik haben kann. \u201eBey einer and\u00e4chtig Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart\u201c hatte er in seiner pers\u00f6nlichen Bibel am Rand der Stelle 2. Chronik 5,13 notiert. Dort wird von der Einsetzung der j\u00fcdischen Tempelmusik bei der Einweihung des Jerusalemer Tempels durch K\u00f6nig Salomo berichtet.<\/p>\n<blockquote class=\"tw-m-0 tw-italic tw-flex tw-items-start before:tw-hidden\">\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Bey einer and\u00e4chtig Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.<\/p>\n<p>Johann Sebastian Bach<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eMan sp\u00fcrt bei Bachs Kantaten, dass er selbst tiefes Leid durchlebt hat\u201c, erkl\u00e4rt Klumpp. Von den insgesamt 20 Kindern, die die beiden Ehefrauen Johann Sebastian Bachs zur Welt brachten, h\u00e4tten 1750, als Bach starb, noch sechs gelebt: \u201eAllein zwischen 1725 und 1731 hat er in Leipzig jedes Jahr eines seiner Kinder auf den Friedhof tragen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bach hatte sein Amt als Thomaskantor in Leipzig 1723 angetreten. Eine Ironie der Geschichte liegt darin, dass der Rat der Stadt Leipzig ihn damals lediglich als Notl\u00f6sung betrachtete: Da man die Besten nicht bekommen k\u00f6nne, m\u00fcsse man \u201eMittlere\u201c nehmen, so die damalige amtliche Verlautbarung. Mit seinen Kantaten und Motetten, Klaviermusik, Orchester- und Orgelwerken sowie gro\u00dfen Oratorien und Passionen, die er in seiner Leipziger Zeit schuf, hat er der Stadt derweil einen herausragenden Platz in der Musikgeschichte gesichert.<\/p>\n<p>Zwei Bachzentren: Stuttgart und Leipzig<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Stuttgart habe sich zu Zeiten der deutschen Teilung als \u201ewestdeutsches Pendant\u201c zu Leipzig etabliert, sagt Martin Klumpp. Man pflege enge und partnerschaftliche Kontakte. Nicht ganz ohne Stolz f\u00fcgt er hinzu, dass Fachleute Stuttgart und die Gaechinger Cantorey gegenw\u00e4rtig als Referenz bei der Bach-Interpretation empfehlen, noch vor Leipzig. Tr\u00f6stlich f\u00fcr alle Leipzig-Fans: Der Leiter der Gaechinger Cantorey und Chef der Internationalen Bachakademie Stuttgart, Hans-Christoph Rademann, ist geb\u00fcrtiger Sachse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Damals \u00fcberwog das Mitleid. 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