{"id":331982,"date":"2025-08-09T18:53:18","date_gmt":"2025-08-09T18:53:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331982\/"},"modified":"2025-08-09T18:53:18","modified_gmt":"2025-08-09T18:53:18","slug":"trumps-kampf-und-die-realitaet-dw-08-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/331982\/","title":{"rendered":"Trumps Kampf und die Realit\u00e4t \u2013 DW \u2013 08.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump ist bekannt daf\u00fcr, Menschen zu feuern. <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/youre-fired\/a-1165642\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;You&#8217;re fired&#8220;<\/a> wurde zu seinem Markenzeichen in der TV-Show <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/das-gl\u00fcck-der-versager\/a-1740977\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;The Apprentice&#8220;<\/a>. Und auch als Pr\u00e4sident war er mit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/donald-trumps-wei\u00dfes-haus-arbeiten-auf-dem-schleudersitz\/a-42895627\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Entlassungen<\/a> nicht zimperlich.<\/p>\n<p>Die K\u00fcndigung von Erika McEntarfer Anfang August war trotzdem etwas besonders. Sie verlor ihre Position als Leiterin des Amts f\u00fcr Arbeitsmarktstatistik (Bureau of Labor Statistics) nicht etwa, weil sie Trump kritisiert oder die Republikaner gegen sich aufgebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>McEntarfer, deren Ernennung im Januar 2024 mit gro\u00dfer Mehrheit (86 zu 8 Stimmen) von beiden Parteien im US-Senat best\u00e4tigt worden war, verlor ihren Job einfach deshalb, weil sie ihre Arbeit machte.<\/p>\n<p>&#8222;I fired her!&#8220;<\/p>\n<p>Ihr Amt legt\u00a0Anfang August turnusgem\u00e4\u00df einen Bericht zur Entwicklung des Arbeitsmarkts vor. Demnach sind in den vergangenen Monaten in den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/vereinigte-staaten-von-amerika-usa\/t-17286012\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> weniger neue Jobs entstanden als erwartet.<\/p>\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter entlie\u00df Trump die Statistikerin. Ihre Zahlen seien &#8222;phony&#8220;, was gef\u00e4lscht oder einfach nur seltsam hei\u00dfen kann, sagte Trump gegen\u00fcber US-Medien und f\u00fcgte hinzu: &#8222;I fired her.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73570920\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73570920_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"USA 2025 | Erika McEntarfer, ehemalige Kommissarin des Bureau of Labor Statistics. Im Hintergrund eine US-Flagge. Sie tragt eine Brille mit schwarzem Rand\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Erika McEntarfer, ehemalige Leiterin des Bureau of Labor Statistics, wurde am 1.8.2025 auf Anweisung von Pr\u00e4sident Trump entlassenBild: U.S. Bureau of Labor Statistics\/REUTERS<\/p>\n<p>Was genau war passiert? &#8222;Die Zahl der neu geschaffenen Jobs musste deutlich nach unten korrigiert werden, die vorherige Prognose hat sich nicht bewahrheitet&#8220;, erl\u00e4utert Hendrik Mahlkow, \u00d6konom am Institut f\u00fcr Weltwirtschaft in Kiel.<\/p>\n<p>&#8222;Es sind in den letzten zwei Monaten mehr als 200.000 Jobs weniger entstanden als erwartet. Das zeigt, dass Trumps Politik Gegenwind bekommt&#8220;, so Mahlkow im <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/p.dw.com\/p\/4yeaK\" title=\"Externer Link \u2014 DW-Wirtschaftspodcast\">DW-Wirtschaftspodcast<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcberbringer schlechter Nachrichten leben gef\u00e4hrlich<\/p>\n<p>Auf seinem Kurznachrichtendienst &#8222;Truth Social&#8220; legte Trump dann nach: McEntarfer sei &#8222;inkompetent&#8220; und habe die Zahlen ge\u00e4ndert, um ihm zu schaden.<\/p>\n<p>IfW-Experte Mahlkow sieht daf\u00fcr &#8222;keinerlei Anhaltspunkte&#8220;. Richtig ist, dass das Amt f\u00fcr Arbeitsmarktstatistik zun\u00e4chst eine Prognose erstellt &#8211; also eine Sch\u00e4tzung, wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten entwickeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4tzung basiert auf Umfragen. &#8222;Wenn dann sp\u00e4ter die wirklichen Zahlen vorliegen, die gemessenen Zahlen, wie viele Jobs neu entstanden sind, dann m\u00fcssen die Prognosen korrigiert werden.&#8220;<\/p>\n<p>Korrekturen k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich in beide Richtungen erfolgen. In diesem Fall ging es nach unten &#8211; was Trump ver\u00e4rgerte. &#8222;Der Kern von Trumps Politik ist, dass er sich als Wirtschaftslenker darstellt, der f\u00fcr Aufschwung sorgt&#8220;, sagt Mahlkow. &#8222;Wenn dann wirtschaftliche Kennzahlen nicht in sein Narrativ passen, wird der \u00dcberbringer der schlechten Nachricht gefeuert.&#8220;<\/p>\n<p>Wer jetzt denkt: &#8222;So what? So ist Trump eben&#8220;, der untersch\u00e4tzt die Bedeutung von Konjunkturzahlen f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n<p>Wie verl\u00e4sslich sind sie in Zukunft? Wird bald jede Statistik vor Ver\u00f6ffentlichung darauf gepr\u00fcft, ob sie Trump ver\u00e4rgern k\u00f6nnte? Und was ist aus der Annahme geworden, dass mit solchen Zahlen versucht wird, die Realit\u00e4t abzubilden?<\/p>\n<p>Wer braucht die Daten?<\/p>\n<p>Fragen dieser Art stellten sich auch die Anleger an den US-B\u00f6rsen, wo die Kurse am Tag der Entlassung deutlich nachgaben. Die Statistik-Chefin zu feuern sei ein &#8222;vors\u00e4tzlicher Angriff auf die Integrit\u00e4t der US-Wirtschaftsdaten und des gesamten statistischen Systems&#8220;, sagte Jed Kolko vom Peterson Institute for International Economics in Washington D.C. der BBC.<\/p>\n<p>Auch die US-Notenbank Fed ist auf korrekte Arbeitsmarktdaten angewiesen. Es geh\u00f6rt laut Mandat zu ihren Aufgaben, mir ihrer Geldpolitik Vollbesch\u00e4ftigung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die Fed jetzt den Daten \u00fcber den Arbeitsmarkt nicht mehr vertrauen kann, dann kann auch die Geldpolitik nicht mehr verl\u00e4sslich darauf reagieren&#8220;, so IfW-\u00d6konom Mahlkow.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73499130\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73499130_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"USA Washington D.C. 2025 | Donald Trump besucht das Geb\u00e4ude der US-Notenbank Federal Reserve\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Jerome Powell (rechts) wurde von Trump w\u00e4hrend dessen erster Amtszeit zum Notenbank-Chef ernannt. Zuletzt hat ihn Trump allerdings oft kritisiert und beschimpft, weil Powell die Zinsen nicht weiter senken willBild: Kent Nishimura\/REUTERS<\/p>\n<p>Jahrezehntelang seien Wirtschaftsdaten aus den USA &#8222;so etwas wie der Goldstandard&#8220; gewesen, so Mahlkow. &#8222;F\u00fcr so eine gro\u00dfe Volkswirtschaft so gute und detaillierte Daten zu haben, das hat die USA ausgezeichnet. Und das erodiert jetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Werden die USA so wie China?<\/p>\n<p>Wohin das f\u00fchren kann, sieht man schon heute in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/china\/t-17281386\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a>, nach den USA die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt. Dort legt die kommunistische F\u00fchrung gro\u00dfen Wert darauf, dass ihre Pl\u00e4ne auch eingehalten werden &#8211; mit dem Ergebnis, dass das Vertrauen in die offiziellen Angaben zum Wirtschaftswachstum gering ist.<\/p>\n<p>&#8222;Investoren, Banken internationale Organisationen betreiben einen gro\u00dfen Aufwand, um den vermeintlich wahren Zahlen auf die Spur zu kommen&#8220;, sagt Mahlkow. So werden etwa offizielle Zahlen zum chinesischen Warenexport mit den Importdaten anderer Volkswirtschaften verglichen, oder es wird versucht, von Daten zur Mobilit\u00e4t R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Wirtschaftsaktivit\u00e4ten zu ziehen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"72213471\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/72213471_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"China, Qingdao | Luftaufnahme eines Containerschiffs beim Auslaufen aus dem Hafen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Auch chinesische Containerschiffe werden beobachtet, um R\u00fcckschl\u00fcsse auf die wirkliche Wirtschaftslage des Landes zu erhaltenBild: AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>So gro\u00df ist die Skepsis gegen\u00fcber US-Daten noch nicht, so Mahlkow. &#8222;Aber die Entwicklung der letzten Monate zeigt, wie schnell eine jahrzehntelang gewachsene Vertrauensbasis erodiert.&#8220;<\/p>\n<p>Wer ist der n\u00e4chste?<\/p>\n<p>Zumal Vertrauen ohnehin selten ist in einer Zeit, da sich <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dossier-welche-folgen-haben-donald-trumps-z\u00f6lle\/a-72139590\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zoll-Drohungen, Deals und Deadlines<\/a> im Wochenrhythmus \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&#8222;Trump hat uns allen beigebracht, dass Regeln f\u00fcr ihn und die USA nicht mehr gelten. Jetzt gibt es nur noch das Recht des St\u00e4rkeren, und es wird permanent ausgetestet, wie weit man gehen kann&#8220;, sagt Florian Heider, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Institut f\u00fcr Finanzmarktforschung und Professor an der Goethe-Universit\u00e4t in Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Die damit verbundene Unsicherheit sei eigentlich Gift f\u00fcr die Finanzm\u00e4rkte. Die hatten sich zuletzt wieder etwas erholt, weil Anleger dachten, die schlimmsten Ausw\u00fcchse mit den &#8222;reziproken Z\u00f6llen&#8220; seien \u00fcberstanden.<\/p>\n<p>Ein weiteres &#8222;You&#8217;re fired&#8220; von Trump k\u00f6nnte dagegen schnell f\u00fcr Panik sorgen. &#8222;Er braucht nur den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/news-kompakt-trump-l\u00f6st-erneut-kursrutsch-an-us-b\u00f6rsen-aus\/a-72305890\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zentralbank-Chef Jerome Powell<\/a> zu feuern, weil er endlich niedrigere Zinsen haben will&#8220;, so Heider im <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/p.dw.com\/p\/4yNqn\" title=\"Externer Link \u2014 DW-Podcast. &quot;Wirtschaft im Gespr\u00e4ch&quot;\">DW-Podcast. &#8222;Wirtschaft im Gespr\u00e4ch&#8220;<\/a>. &#8222;Damit hinterfragt er die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank. Und dann kann es ganz schnell wieder bergab gehen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"US-Pr\u00e4sident Donald Trump ist bekannt daf\u00fcr, Menschen zu feuern. &#8222;You&#8217;re fired&#8220; wurde zu seinem Markenzeichen in der TV-Show&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":331983,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-331982","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115000325244518699","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=331982"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331982\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/331983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=331982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=331982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=331982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}