{"id":332027,"date":"2025-08-09T19:20:11","date_gmt":"2025-08-09T19:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/332027\/"},"modified":"2025-08-09T19:20:11","modified_gmt":"2025-08-09T19:20:11","slug":"gefaengnisseelsorge-staerkt-beziehungen-hinter-gittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/332027\/","title":{"rendered":"Gef\u00e4ngnisseelsorge st\u00e4rkt Beziehungen hinter Gittern"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Jede Woche kommen in der JVA D\u00fcsseldorf Paare zusammen und sie werden von Ihren Fachleuten der katholischen Beratungsstelle f\u00fcr Ehe-, Familien- und Lebensfragen begleitet. Paarberatung im Gef\u00e4ngnis \u2013 das klingt erst mal ungew\u00f6hnlich. In der JVA D\u00fcsseldorf ist es aber schon seit \u00fcber 30 Jahren gelebte Praxis. Worin liegen die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr Paare, wenn einer von beiden inhaftiert ist?<\/p>\n<p><strong>David Reinhaus (Leiter der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung D\u00fcsseldorf): <\/strong>Das Schwierigste sind die v\u00f6llig unterschiedlichen Lebenswelten. Die Partnerin oder der Partner drau\u00dfen muss unter Umst\u00e4nden Kinder erziehen, den Haushalt f\u00fchren und ist dadurch oft sehr gestresst und \u00fcberfordert. Der Inhaftierte hingegen hat viel Zeit, f\u00fchlt sich einsam und macht sich Sorgen um die Beziehung, ob sie die Haft \u00fcbersteht. Weil der Kontakt stark begrenzt ist \u2013 Telefonate sind selten und kurz \u2013, geht auch schnell das Gedankenkarussell los: Wo ist sie gerade? Trifft sie vielleicht jemand anderen? Diese gedanklichen Spiralen sind eine gro\u00dfe Belastung.<\/p>\n<p>        David Reinhaus<\/p>\n<p>&#8222;Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen \u2013 erst dann k\u00f6nnen sich die Paare wirklich \u00f6ffnen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Wie schaffen Sie in einer JVA einen gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr so pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che?<\/p>\n<p><strong>Reinhaus:<\/strong> Die JVA D\u00fcsseldorf steht unserer Arbeit sehr positiv gegen\u00fcber. Wir haben im Besucherbereich einen separaten Beratungsraum, in dem wir hinter geschlossener T\u00fcr vertraulich miteinander sprechen k\u00f6nnen. Vorab wird genau gekl\u00e4rt, welche Paare teilnehmen d\u00fcrfen. Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen \u2013 erst dann k\u00f6nnen sich die Paare wirklich \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Sie bieten das seit \u00fcber 30 Jahren an. Was hat sich in der Zeit ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p><strong>Reinhaus:<\/strong> Neben der Paarberatung gibt es inzwischen auch Einzelgespr\u00e4che, um solche Gespr\u00e4che vorzubereiten. Au\u00dferdem gibt es Familientage, bei denen die Inhaftierten ihre Kinder sehen. Corona hat unsere Arbeit stark eingeschr\u00e4nkt \u2013 Besuche waren zeitweise kaum m\u00f6glich. Dass es diese Unterbrechung gab, sp\u00fcren wir bis heute. Neu ist, dass das Justizministerium verst\u00e4rkt auf einen &#8222;familiensensiblen Vollzug&#8220; setzt. Das hei\u00dft: Familien sollen mehr in den Fokus ger\u00fcckt werden bei der Resozialisierung. Unsere Arbeit ist daf\u00fcr eine wichtige S\u00e4ule.\u00a0<\/p>\n<p>        David Reinhaus<\/p>\n<p>&#8222;Die Beratung ist ein gro\u00dfer Motivationsfaktor.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Inwiefern hilft Paarberatung bei Resozialisierung und Reintegration?<\/p>\n<p><strong>Reinhaus:<\/strong> Nat\u00fcrlich stellt sich immer die Frage: Wie geht das Leben nach der Inhaftierung weiter? Die Beratung bietet einen guten Raum, genau diese Frage zu kl\u00e4ren. Und ganz klar verhalten sich viele Inhaftierte besser w\u00e4hrend ihrer Haftzeit, wenn sie den Anreiz haben, ihre Familien zu sehen und fr\u00fcher rauszukommen. Die Beratung ist also auch ein gro\u00dfer Motivationsfaktor, um m\u00f6glichst schnell wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Stabile Beziehungen sind nach der Haft n\u00e4mlich ein wichtiger Schutzfaktor gegen R\u00fcckf\u00e4lle. Wer Familie und ein verl\u00e4ssliches Umfeld hat, ist motivierter, nicht erneut straff\u00e4llig zu werden und beruflich wieder Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Annika Weiler.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.domradio.de\/glossar\/gefaengnisseelsorge\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>      Gef\u00e4ngnisseelsorge<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Die christliche Gef\u00e4ngnisseelsorge hat in der Bundesrepublik eine lange Tradition. Als Leitwort f\u00fcr ihre Arbeit in Gef\u00e4ngnissen beschreibt die Deutsche Bischofskonferenz das Bibelwort &#8222;Denkt an die Gefangenen, als w\u00e4ret ihr mitgefangen&#8220;\u00a0(Hebr 13,3).\u00a0Bundesweit arbeiten rund 500 katholische und evangelische Seelsorger, in der Regel sind es Pfarrer oder Diakone. Ihr Anspruch ist es, sich jedem Menschen mit seiner eigenen Geschichte zuzuwenden. Der Gefangene soll dabei nicht auf die von ihm begangenen Straftaten reduziert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE: Jede Woche kommen in der JVA D\u00fcsseldorf Paare zusammen und sie werden von Ihren Fachleuten der katholischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":332028,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1209],"class_list":{"0":"post-332027","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duesseldorf","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115000431366117460","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/332027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=332027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/332027\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/332028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=332027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=332027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=332027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}