{"id":33291,"date":"2025-04-15T07:19:09","date_gmt":"2025-04-15T07:19:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33291\/"},"modified":"2025-04-15T07:19:09","modified_gmt":"2025-04-15T07:19:09","slug":"frankreich-soziale-medien-duerfen-temporaer-abgeschaltet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33291\/","title":{"rendered":"Frankreich: Soziale Medien d\u00fcrfen tempor\u00e4r abgeschaltet werden"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/master_macron_fr-cafa5919f007da30.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\"><a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/berlin-germany-20240905-french-president-emmanuel-2486691759\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Bild<\/a> (2024): shutterstock<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Conseil d\u2019Etat (Staatsrat): Netzsperren sind m\u00f6glich. Bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden. Unter bestimmten Bedingungen. Was das TikTok-Urteil bedeutet.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich entschied der franz\u00f6sische <a href=\"https:\/\/www.conseil-etat.fr\/content\/download\/227070\/document\/Communiqu%C3%A9%20de%20presse%20-%20TikTok%20en%20Nouvelle-Cal%C3%A9donie%20-%20web.pdf\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Conseil d\u2019Etat (Staatsrat)<\/a>:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden kann die Regierung den Zugang zu einem sozialen Netzwerk vor\u00fcbergehend unterbrechen, allerdings unter bestimmten Bedingungen.&#8220;<\/p>\n<p>Das Urteil ruft gespaltene Reaktionen hervor.<\/p>\n<p>Unruhen in Neukaledonien<\/p>\n<p>Hintergrund dieses Urteils war eine Entscheidung des damaligen Premierministers Gabriel Attal im Mai 2024. W\u00e4hrend eines Aufstandes in der franz\u00f6sischen Inselgruppe Neukaledonien, die im Pazifik liegt, hatten <a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/societe\/en-nouvelle-caledonie-une-troisieme-journee-de-tensions-a-feu-et-a-sang-20240515_FCVZFPSDQFFOTMWLXDI52ELZVY\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">vier Menschen ihr Leben verloren<\/a>.<\/p>\n<p>Am 15. Mai 2024 verh\u00e4ngte Attal den Ausnahmezustand und schaltete zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs den Zugang zum sozialen Netzwerk TikTok ab. Zwei Wochen sp\u00e4ter hob die Regierung diese wieder auf.<\/p>\n<p>Zwei Verb\u00e4nde und drei Einzelpersonen haben diese Entscheidung vor dem Staatsrat angefochten.<\/p>\n<p>Illegal<\/p>\n<p>Das h\u00f6chste Verwaltungsgericht Frankreichs erkl\u00e4rte nun in seiner <a href=\"https:\/\/www.conseil-etat.fr\/content\/download\/227070\/document\/Communiqu%C3%A9%20de%20presse%20-%20TikTok%20en%20Nouvelle-Cal%C3%A9donie%20-%20web.pdf\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Entscheidung<\/a>, dass die Unruhen in Neukaledonien au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde darstellten. Im weiteren f\u00fchren sie an:<\/p>\n<blockquote class=\"rte__textbox-blockquote\">\n<p>Da der Premierminister festgestellt hat, dass die Nutzung des sozialen Netzwerks TikTok aufgrund der Algorithmen, die dieses Netzwerk verwendet, eine Rolle bei der schnellen Ausbreitung dieser Unruhen spielte, war er in Ermangelung anderer sofort verf\u00fcgbarer technischer Mittel berechtigt, eine Ma\u00dfnahme zur vor\u00fcbergehenden Unterbrechung des Zugangs zu diesem Netzwerk zu erlassen. <\/p>\n<p>Eine solche Ma\u00dfnahme konnte jedoch nur unter der Bedingung rechtm\u00e4\u00dfig ergriffen werden, dass ihre Dauer von Anfang an so festgelegt wurde, dass sie f\u00fcr die Suche und Umsetzung &#8211; gegebenenfalls in Verbindung mit dem Anbieter des Dienstes &#8211; von anderen alternativen Ma\u00dfnahmen als der reinen Unterbrechung, wie insbesondere die Sperrung bestimmter Funktionen, erforderlich war. <\/p>\n<p>Der Premierminister beschloss jedoch eine vollst\u00e4ndige Unterbrechung des Dienstes auf unbestimmte Zeit, die allein mit dem Fortbestehen der St\u00f6rungen der \u00f6ffentlichen Ordnung zusammenhing, ohne die Aufrechterhaltung davon abh\u00e4ngig zu machen, dass keine alternativen Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden konnten. Daher urteilt der Staatsrat, dass die Sperrung von TikTok im Mai 2024 rechtswidrig war, da sie einen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Eingriff in die von den Kl\u00e4gern geltend gemachten Rechte und Freiheiten darstellte.<\/p>\n<p>Conseil d\u2019Etat\n   <\/p><\/blockquote>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr Abschaltung<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Kl\u00e4ger zwar \u00fcber das Urteil, die Abschaltung sei illegal gewesen, jubeln konnten, bereiten ihnen weitere Ausf\u00fchrungen des Staatsrat keine Freude.<\/p>\n<p>Denn das Gericht pr\u00e4zisierte drei Bedingungen, unter denen der Premierminister durchaus die Sperrung eines sozialen Netzwerk vor\u00fcbergehend verh\u00e4ngen kann:<\/p>\n<blockquote class=\"rte__textbox-blockquote\">\n<p>Sie muss unerl\u00e4sslich sein, um auf Ereignisse von besonderer Schwere zu reagieren, es darf keine technischen Mittel geben, die es erm\u00f6glichen, sofort alternative Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die weniger in die Rechte und Freiheiten eingreifen, und die Unterbrechung muss f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum erfolgen, der f\u00fcr die Suche und Umsetzung dieser alternativen Ma\u00dfnahmen notwendig ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Pyrrhussieg<\/p>\n<p>Entsprechend verhalten waren die Reaktionen der Kl\u00e4ger. Der Rechtsanwalt <a href=\"https:\/\/www.nouvelobs.com\/societe\/20250401.OBS102193\/le-blocage-de-tiktok-en-nouvelle-caledonie-lors-des-emeutes-en-2024-etait-illegal.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Vincent Brengarth<\/a>, der drei klagende Privatpersonen vertritt, erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Das ist ein Pyrrhussieg, denn obwohl er f\u00fcr die Freiheiten in schlechten Zeiten wertvoll ist, best\u00e4tigt er vor allem das Prinzip, dass ein soziales Netzwerk unter au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden gesperrt werden kann.&#8220;<\/p>\n<p>Der Rechtsanwalt Patrice Spinosi, der die Klage der Liga f\u00fcr Menschenrechte bei der Klage ber\u00e4t, warnte:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Die Argumentation des Staatsrats ist f\u00fcr die Zukunft bedrohlich. Eine populistische Regierung k\u00f6nnte sich von dieser Entscheidung inspirieren lassen und sie dazu missbrauchen, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die die Freiheiten aller B\u00fcrger einschr\u00e4nken, indem sie sich lediglich auf &#8218;au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde&#8216; beruft.&#8220;<\/p>\n<p>VPN<\/p>\n<p>So diskussionsw\u00fcrdig das Urteil ist, so wichtig erscheint auch ein Kommentar der Webseite <a href=\"https:\/\/www.clubic.com\/actualite-559545-le-gouvernement-francais-peut-il-vraiment-couper-l-acces-aux-reseaux-sociaux.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Clubic<\/a>, die \u00fcber technologische Nachrichten berichtet. M\u00e9lina Loupia gibt zu bedenken:<\/p>\n<blockquote class=\"rte__textbox-blockquote\">\n<p>Anstatt die Nutzung von TikTok zu verringern, hatte die Blockade zu einem explosionsartigen Anstieg der Anmeldungen bei VPN-Diensten zur Umgehung der Zensur gef\u00fchrt. <\/p>\n<p>Den ver\u00f6ffentlichten Zahlen zufolge verzeichnete Proton VPN im Vergleich zu Anfang Mai 2024 einen Anstieg der neukaledonischen Nutzer um 2.500 Prozent, w\u00e4hrend NordVPN einen Anstieg um 500 Prozent verzeichnete.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bild (2024): shutterstock Conseil d\u2019Etat (Staatsrat): Netzsperren sind m\u00f6glich. Bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden. Unter bestimmten Bedingungen. 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