{"id":333037,"date":"2025-08-10T05:03:09","date_gmt":"2025-08-10T05:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333037\/"},"modified":"2025-08-10T05:03:09","modified_gmt":"2025-08-10T05:03:09","slug":"wahlen-in-stuttgart-wie-viel-typischdeutschland-in-stuttgart-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333037\/","title":{"rendered":"Wahlen in Stuttgart: Wie viel \u201eTypischdeutschland\u201c in Stuttgart steckt"},"content":{"rendered":"<p>Ansgar Huddes Stuttgartkarte zeigt, wo Typischdeutschland beginnt, zumindest wahltechnisch: Am Berliner Platz, auf dem Haigst und da, wo es in Gablenberg den H\u00fcgel hinaufgeht in Richtung Filderebene. Ab hier w\u00e4hlt die Landeshauptstadt so wie viele andere, oft deutlich kleinere St\u00e4dte und Gemeinden in Deutschland: Hier hat die Union die Wahl gewonnen, liegt die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Alternative_f%C3%BCr_Deutschland\" title=\"AfD\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AfD<\/a> bei 20, die SPD bei 16, die Gr\u00fcnen um die 12 Prozent. <\/p>\n<p>Im Talkessel dominieren dagegen die Gr\u00fcnen. Hier ist <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, wie Huddes deutschlandweiter Vergleich zeigt, typisch Gro\u00dfstadt. Im Nordosten der Landeshauptstadt erinnern einige Nachbarschaften dagegen eher an Ostdeutschland. Hier sind die AfD und die Linkspartei besonders erfolgreich. <\/p>\n<p>Die gesammelten Ergebnisse seiner <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Studie\" title=\"Studie\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> hat der in K\u00f6ln lehrende Soziologe j\u00fcngst in Buchform ver\u00f6ffentlicht: \u201eWo wir wie w\u00e4hlen\u201c analysiert die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.bundestagswahl-2025-so-hat-stuttgart-gewaehlt-der-aktuellste-zwischenstand.b25f901f-f287-4865-932e-d9fef2eee280.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundestagswahlen 2021 und 2025<\/a> auf der kleinsten vergleichbaren Ebene, dem Wahlbezirk. Wie das Viertel w\u00e4hlt, so tickt es \u2013 sagt der Soziologe. <\/p>\n<p>\u201eTypischdeutschland\u201c und andere Muster <\/p>\n<p>Vier typische Wahlmuster hat Hudde herausgearbeitet \u2013 \u201eTypischdeutschland\u201c und drei andere. Warum? \u201eWer in einer politisch untypischen Nachbarschaft lebt, kann die allgemeine Stimmung im Land schwerer einsch\u00e4tzen und sieht die eigenen Interessen und die des pers\u00f6nlichen Umfelds m\u00f6glicherweise weniger in der \u201agro\u00dfen Politik\u2019 repr\u00e4sentiert\u201c, schreibt Hudde.<\/p>\n<p>Das sind die typische und die drei untypischen Nachbarschaften:<\/p>\n<p> <b>Typischdeutschland<\/b> \u2013 In diesen gemischten Wahlbezirken sind die Parteien im Wesentlichen so stark wie im gesamtdeutschen Ergebnis, alle politischen Lager von links bis rechts sind in etwa so vertreten wie im Bundestag. Das ist besonders h\u00e4ufig in Baden-W\u00fcrttemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen der Fall.<\/p>\n<p> <b>Konservativ <\/b>\u2013 Hier ist die Union die st\u00e4rkste Kraft mit um die 36 Prozent (bundesweiter Wert: 24 Prozent). CDU\/CSU dominieren \u2013 aber nicht zu sehr. Dieses Muster tritt vor allem in Bayern auf.<\/p>\n<p> <b>AfD trifft Linke <\/b>\u2013 Die Populisten am rechten und linken Rand kommen mit um die 25 respektive 9 Prozent auf deutlich bessere Werte als bundesweit, die politische Mitte ist eher schmal. Dieses Muster gibt es vor allem in Ostdeutschland au\u00dferhalb der Gro\u00dfst\u00e4dte, im Saarland und Teilen des Ruhrgebiets.<\/p>\n<p> <b>Gr\u00fcn-Links<\/b> \u2013 In diesen Nachbarschaften sind die Gr\u00fcnen mit um die 34 Prozent etwa doppelt so stark wie bundesweit, auch die Linke ist mit gut 11 Prozent st\u00e4rker. Dieses Muster sieht man vor allem in den Zentren der Gro\u00df- und Universit\u00e4tsst\u00e4dte. <\/p>\n<p> Wie Stuttgart wo w\u00e4hlt <\/p>\n<p>Bei der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Bundestagswahl\" title=\"Bundestagswahl\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundestagswahl<\/a> haben die Wahlberechtigten in Stuttgart im Wesentlichen nach den Mustern Typischdeutschland (Au\u00dfenbezirke und Teile der Innenstadt, 199 Wahlbezirke) sowie Gr\u00fcn-Links (Innenstadt, 58) abgestimmt. Dazu kommen acht AfD-trifft-Linke-Nachbarschaften \u2013 alle bezogen auf die Urnenwahlergebnisse vom Februar. Bei der Briefwahl verschieben sich die Zahlen leicht in Richtung gr\u00fcn-links.<\/p>\n<p>Rund um den Ostendplatz kommen die drei Wahlmuster zusammen. S\u00fcdwestlich davon, Richtung Stuttgart-Mitte, finden sich fast ausschlie\u00dflich Wahlbezirke mit dem gr\u00fcn-linken Wahlmuster. Richtung Schlossgarten und Neckar wird \u201etypischdeutsch\u201c gew\u00e4hlt. Und mittendrin, entlang der Landhausstra\u00dfe Richtung Leo-Vetter-Bad, findet sich ein \u201eAfD trifft Linke\u201c-Wahlbezirk. <\/p>\n<p>Die Nachbarschaften unterscheiden sich nicht nur im Wahlverhalten. Das Statistische Amt der Stadt hat auf Anfrage errechnet, wie hoch in den einzelnen Wahlbezirken der Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund sowie der Immobilieneigent\u00fcmer ist, au\u00dferdem die Zahl der Pkw je 1000 Einwohner und das Durchschnittsalter. Diese Zahlen lassen keine R\u00fcckschl\u00fcsse darauf zu, ob zum Beispiel junge Menschen tats\u00e4chlich \u00fcberwiegend gr\u00fcn gew\u00e4hlt haben \u2013 aber sie unterstreichen, wie unterschiedlich die Nachbarschaften sind. <\/p>\n<p>In den \u201etypischdeutsch\u201c w\u00e4hlenden Bezirken leben die meisten Autofahrer und Immobilieneigent\u00fcmer; in den AfD-Vierteln leben deutlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund und die gr\u00fcnen Wahlbezirke sind im Schnitt die j\u00fcngsten, au\u00dferdem gibt es dort die wenigsten Autofahrer. <\/p>\n<p>Analysen der St\u00e4dte K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf ergaben ganz \u00e4hnliche Verteilungen, wobei hohe AfD- und Linkspartei-Stimmenanteile vor allem in sozial benachteiligten Quartieren wie K\u00f6ln-Chorweiler beobachtet wurden. Der vorhin erw\u00e4hnte \u201eAfD trifft Linke\u201c-Wahlbezirk am Ostendplatz hat mit 61 Prozent tats\u00e4chlich einen vergleichsweise hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, und hier wohnen nur knapp sieben Prozent der Einwohner im Eigentum. <\/p>\n<p> Typisch Gro\u00dfstadt: wenig \u201eTypischdeutschland\u201c <\/p>\n<p>Generell gilt: je gr\u00f6\u00dfer die Stadt, desto weniger \u201etypischdeutsch\u201c abstimmende Wahlbezirke finden sich dort. Auf dem Land wird dagegen oft ziemlich \u00e4hnlich wie im Bundestrend gew\u00e4hlt. Diese Verteilung zeigt sich auch in Baden-W\u00fcrttemberg. Links-gr\u00fcn w\u00e4hlende Viertel finden sich fast durchweg im Herzen gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte, konservative Wahlmuster sieht man besonders in den Au\u00dfenbezirken. <\/p>\n<p>Spricht daraus eine seit Jahren beklagte <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.afd-40-mal-bundestagswahl-bw.cf04e182-95b6-4b50-ae6e-45d7897dca98.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">politische Polarisierung<\/a>? Tats\u00e4chlich untersuchen Politikwissenschaftler seit Jahren die Aufl\u00f6sung traditioneller Stammw\u00e4hlerschaften einzelner Parteien. An ihre Stelle tritt zunehmend das Prinzip \u201eW\u00e4hlen nach Wohnort\u201c: Wahlbezirke, in denen wenige politische Richtungen dominieren.<\/p>\n<p> \u201eEine Art Selbstselektion\u201c <\/p>\n<p>Das Heusteigviertel (Gr\u00fcn-links) hat mit den am Neckar gelegenen \u201eAfD-trifft-Linke\u201c-Nachbarschaften Freibergs und M\u00fchlhausens sowie der ostdeutschen Peripherie wenig gemein \u2013 doch zu \u201eTypischdeutschland\u201c z\u00e4hlen sie alle nicht. Noch sind gemischte Nachbarschaften, in denen gemischt gew\u00e4hlt wird, die Mehrheit. Doch ihre Zahl geht zur\u00fcck. Das sei ein Problem, findet Ansgar Hudde, weil dann irgendwann \u201edie Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in Nachbarschaften lebt, wo ein politisches Spektrum klar dominiert\u201c.<\/p>\n<p>Beispiel Innenst\u00e4dte: \u201eDeren Einwohnerschaft ist oft akademisch gepr\u00e4gt, und bei diesen Milieus gibt es eine Art Selbstselektion Richtung gr\u00fcn-linke Nachbarschaften\u201c, sagt Hudde: \u201eWer die N\u00e4he zu Kultur und Gastronomie sucht, wer mit \u00d6PNV und Fahrrad unterwegs ist, der lebt eher innenstadtnah.\u201c Au\u00dferdem verdienen die Innenstadtbewohner meist recht gut. <\/p>\n<p>Noch nie habe er so viele Gleichgesinnte um sich herum gehabt wie zu der Zeit, in der er in der M\u00fcnchner oder K\u00f6lner Innenstadt gelebt habe, so Hudde: \u201eDiversit\u00e4t z\u00e4hlt zum Selbstverst\u00e4ndnis der Menschen in den Innenst\u00e4dten. Tats\u00e4chlich divers sind oft aber eher die Au\u00dfenbezirke.\u201c Dort lebe man meist weniger in einer abgegrenzten Blase. In kleineren St\u00e4dten ist die Durchmischung h\u00e4ufig ebenfalls gr\u00f6\u00dfer \u2013 alles Teil von \u201eTypischdeutschland\u201c.<\/p>\n<p>   Warum \u201eTypischdeutschland\u201c wichtig ist <\/p>\n<p>Noch machen die \u201etypischen\u201c Nachbarschaften den Gro\u00dfteil Deutschlands aus. Soziologen wie Hudde oder Steffen Mau schlussfolgern daraus: Weite Teile des Landes sind nicht so polarisiert, wie es angesichts der aktuellen politischen Diskussionen den Anschein hat. F\u00fcr Stuttgarts Au\u00dfenbezirke gelte das eher als f\u00fcr die City, die anders w\u00e4hlt als \u201eTypischdeutschland\u201c. Auch in Ostdeutschland ist \u201etypisch\u201c die Ausnahme, stattdessen re\u00fcssieren dort AfD und Linke.<\/p>\n<p>Je homogener ein Viertel, desto enger wird das Weltbild der Bewohner. Das, so Hudde, k\u00f6nne eigentlich keiner wollen. Weder in den Innenst\u00e4dten noch drau\u00dfen in den Vororten oder auf dem Land.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ansgar Huddes Stuttgartkarte zeigt, wo Typischdeutschland beginnt, zumindest wahltechnisch: Am Berliner Platz, auf dem Haigst und da, wo&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":333038,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[150,1634,424,185,3364,29,30,6597,94087,18627,11748,1441,15389,94086],"class_list":{"0":"post-333037","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-alternative-fuer-deutschland","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-bundestagswahl","11":"tag-bundestagswahl-2025","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-infografik","16":"tag-ostendplatz","17":"tag-stadtteile","18":"tag-studie","19":"tag-stuttgart","20":"tag-stuttgart-ost","21":"tag-wahlverhalten"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115002724026118185","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/333037","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=333037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/333037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/333038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=333037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=333037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=333037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}