{"id":333154,"date":"2025-08-10T06:13:10","date_gmt":"2025-08-10T06:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333154\/"},"modified":"2025-08-10T06:13:10","modified_gmt":"2025-08-10T06:13:10","slug":"30-jahre-nach-chaos-tagen-in-hannover-wie-ginge-pluendern-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333154\/","title":{"rendered":"30 Jahre nach Chaos-Tagen in Hannover: Wie ginge Pl\u00fcndern heute?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Bremen taz | Chaostage? Gab es viele \u2013 und viele sind vergessen. Die aus Hannover haben ihren Ruhm sicher auch daher, dass sie so handfest waren: Nix da mit nettem Gammeln am Brunnen, sondern beknackte, abgefuckte AktionAktionAktion! Punk und Penny und Pl\u00fcndern, das ist dabei eine astreine Assoziationskette. Chaostage, die den Namen verdienen, stiften Unruhe. Eigentum wechselt den Besitzer, ohne den daf\u00fcr systemisch vorgesehenen Weg zu gehen. Pl\u00fcndern, fragen wir mit leise klopfendem Herzen, geht das heute noch?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Moralisch: Nein, sorry. Das ist die erste Antwort. Kapitalismuskritik hilft, ganz klar, gegen die Einw\u00e4nde von Ethik und guter Erziehung, aber trotzdem: Wenn man zu lange und zu tief dr\u00fcber nachdenkt, kann man sie nur schwer so ganz beseitigen. Das geht nur mit Bausch und Bogen.<\/p>\n<p>      Moralischen Bedenken? Ein Erbe des 20. Jahrhunderts<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"4\">Der Kollege sagt dazu mutig: Die moralischen Bedenken, die seien eh ein Erbe des 20. Jahrhunderts. Gab es fr\u00fcher nicht! Denn siehe: Queen Victoria hatte ein H\u00fcndchen \u2013 die kleine Pekinesin wurde bei der Pl\u00fcnderung des Alten Sommerpalastes bei Peking 1860 erbeutet; Victoria benannte sie mit dem treffenden Namen Looty (loot = pl\u00fcndern). Keine Scham also, nur ein royales Augenzwinkern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"5\">Na gut! Nat\u00fcrlich haben wir doch ein paar moralische Bedenken gegen diese Art der kolonialen Pl\u00fcnderung. Aber ist es nicht auch anders denkbar? Als praktische Umverteilung von oben nach unten? Als Selbsterm\u00e4chtigung? Weg vom Konsumenten, hin zum Menschen? Das ist nat\u00fcrlich Quatsch mit Pathos. Und das Sch\u00f6ne am Punk ist ja, dass er so etwas gar nicht unbedingt braucht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Ganz praktisch: Es hei\u00dft manchmal, die DJ-Kultur in New Yorks Ghettos konnte erst nach dem Gro\u00dfen Stromausfall von 1977 durchstarten, bei dem die Stadt, die niemals schl\u00e4ft, eine ganze hei\u00dfe Nacht lang dunkel war; unz\u00e4hlige Shops wurden gepl\u00fcndert. Am n\u00e4chsten Tag hatten viele junge Menschen gute Mixer, Kopfh\u00f6rer, Lautsprecher, Plattenspieler, mit denen eine neue Kulturtechnik an Fahrt aufnahm.<\/p>\n<p>      Penny-\u00dcberfall hat nicht den richtigen Effekt<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"8\">Ein solcher Effekt l\u00e4sst sich mit einem \u00dcberfall auf Penny selbstredend nicht erreichen. Unter den Non-Food-Angeboten dieser Woche finden sich Akku-Staubsauger, sogenannte Flachbodenwischer und WC-Sitze mit Palmenoptik. Produkte, deren Wirkung sich eher auf individueller Ebene abspielt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"9\">Wer jetzt als Pl\u00fcnderziel die Amazonlager in Winsen (Luhe) empfiehlt, weil er (oder sie) sich von den Produkten dort mehr Auswirkung auf die n\u00e4chste gro\u00dfe kulturelle Entwicklung erhofft, der denkt viel zu utilitaristisch, zu zweckgebunden. Das Charmante am Punk, das, was die Bewegung lange nach ihren mehrfachen Toden \u00fcber Generationsgrenzen hinweg interessant macht, das ist doch eigentlich ihr Nix-Wollen-K\u00f6nnen-M\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Nix wollen, na ja. No future, das sagt sich so. Aber irgendwie kommt die Zukunft doch und wird zur Gegenwart, und die Menschen, manche zumindest, kommen mit und machen doch noch Pl\u00e4ne, irgendwo arriviert anzukommen. Fragen Sie mal die Beteiligten von 1995 (die, die noch leben): Mutma\u00dflich ist man heute an vielen Stellen ganz froh dar\u00fcber, dass damals nicht jede Bewegung im Supermarkt von Kameras verfolgt wurde. Eine Punker-Kartei? Ha! L\u00e4cherlich, wenn die Polizei Palantir haben kann oder eine andere Spitzel-Software.<\/p>\n<p>      Automatische Gesichtserkennung und ihre Folgen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Was also hilft im Hier und Heute gegen die automatische Gesichtserkennung und ihre Folgen im Morgen? Striche und geometrische Muster ins Gesicht malen, das sieht auf jeden Fall nach was aus und ist als moderne, punkige \u00c4sthetik nur zu empfehlen. Aber ob&#8217;s noch was bringt? Ein klares Jein. Der alte Tipp mit den Dreiecken ist schon seeehr 2010 \u2013 die KI l\u00e4sst sich davon schon l\u00e4nger nicht mehr beeindrucken. Aktuell empfohlen wird Glitzer \u2013 aber \u201eaktuell\u201c, ach, das ist auch schon wieder 2020, und damit graue Vorzeit.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Vor drei Jahren haben Studis in den USA einen wilden Pullover herausgebracht, der nicht nur die KI, sondern sogar echte Menschen erfolgreich vom Gesicht dar\u00fcber ablenken konnte. Aber der n\u00e4chste \u00dcberwachungsschritt ist immer schon um die Ecke: Wenn <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kuenstliche-Intelligenz-im-Einsatz\/!6099559\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bewegungsmuster in den Fokus r\u00fccken<\/a> und irgendwann Individuen identifzierbar machen, dann muss, wer nachhaltig unerkannt bleiben will, ein paar silly walks ein\u00fcben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"14\">Vertrauen jedenfalls kann man diesen Tipps nicht mehr \u2013 die Erfolgsquoten liegen je nach System bei zwischen 5 und 70 Prozent. Robustere Techniken bieten sich an: Kameralinsen anspr\u00fchen. Oder abmontieren. Oder ganz drauf schei\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bremen taz | Chaostage? Gab es viele \u2013 und viele sind vergessen. 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