{"id":333337,"date":"2025-08-10T07:58:12","date_gmt":"2025-08-10T07:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333337\/"},"modified":"2025-08-10T07:58:12","modified_gmt":"2025-08-10T07:58:12","slug":"machtfrage-vor-dem-stadtderby-wer-regiert-hamburg-hsv-oder-st-pauli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/333337\/","title":{"rendered":"Machtfrage vor dem Stadtderby: Wer regiert Hamburg &#8211; HSV oder St. Pauli?"},"content":{"rendered":"<p>Erstmals seit 2011 spielen der HSV und der FC St. Pauli wieder gemeinsam in der Bundesliga. Doch wo fr\u00fcher die Machtverh\u00e4ltnisse klar waren, treffen nun zwei Klubs aufeinander, die rasante Wandlungen hinter sich haben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Am 16. Februar 2011 traf der FC St. Pauli letztmals in der Bundesliga im Hamburger Volksparkstadion auf den gro\u00dfen Rivalen. 1:0 siegte der Kiezklub damals, Gerald Asamoah traf, St. Pauli durfte sich Stadtmeister nennen und der damals noch gro\u00dfe HSV stand fassungslos da. Im Nachhinein wirkt es wie der Startschuss zur Neusortierung der Machtverh\u00e4ltnisse in der Stadt. <\/p>\n<p>Das Hamburger Derby ist von jeher ein Aufeinandertreffen, das die Stadt in zwei Lager spaltet. Pfeffers\u00e4cke gegen Rebellen, Vorort gegen Innenstadt, Volkspark gegen Millerntor. Ein Duell, das jetzt \u2013 14 Jahre sp\u00e4ter \u2013 zur\u00fcckkehrt auf die gr\u00f6\u00dfte Fu\u00dfballb\u00fchne des Landes: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/bundesliga\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/bundesliga\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Bundesliga<\/a>. Ende August, zweiter Spieltag, unter Flutlicht im Volkspark. Und es wirft Fragen auf: Wer ist der HSV mittlerweile? Wie hat sich St. Pauli entwickelt? Und \u00fcber allem: Wer gibt in Hamburg den Ton an?<\/p>\n<p>Die Rivalit\u00e4t zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli ist historisch gewachsen und war nicht immer so gro\u00df, wie sie heute ist. Der HSV, gegr\u00fcndet 1887, war der Klub der Titel und des Gro\u00dfb\u00fcrgertums. Sechs deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege, zwei Europapokalsiege, Gr\u00fcndungsmitglied der Bundesliga. Der Verein zog Fans aus allen Ecken der Stadt und dar\u00fcber hinaus an \u2013 aber in den 1980er-Jahren wurde es dunkel. Die Kurve wurde von rechtsextremen Gruppen wie den \u201eHamburger L\u00f6wen\u201c dominiert. <\/p>\n<p>Viele, vor allem junge HSV-Fans suchten ein neues Zuhause. Und fanden es beim FC St. Pauli, dem kleinen Stadtteilverein. Dort, auf dem Kiez, entstand eine neue Fanszene: Punks, Aktivisten und Subkultur. Der Totenkopf wurde zum Symbol. Die Spiele beider Klubs wurden bald mehr als sportliche Wettk\u00e4mpfe. Es waren politische Veranstaltungen und kulturelle Reviermarkierungen. Der HSV stand f\u00fcr das Etablierte und St. Pauli f\u00fcr den Aufstand. <\/p>\n<p>Gewalt und Grenz\u00fcberschreitungen<\/p>\n<p>Das Hamburger Derby ist mittlerweile zu einem der emotionalsten und zugleich explosivsten Spiele Europas geworden. Die Gewaltbereitschaft im Umfeld dieser Partie ist seit Jahrzehnten hoch. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen der verfeindeten Lager. 2024 kam es rund um das Osterstra\u00dfenfest zwischen beiden Fanlagern zu einer Massenschl\u00e4gerei mit mehreren Verletzten. In Buchholz \u00fcberfielen im Juni 2023 HSV-Anh\u00e4nger eine Gruppe junger St.-Pauli-Fans an einer Bushaltestelle, jagte sie durch die Stra\u00dfen. Immer wieder wird der \u201eheilige Boden\u201c des jeweils anderen \u2013 Fanl\u00e4den, Choreo-R\u00e4ume, Kneipen \u2013 zum Ziel von Angriffen. Die meisten Auseinandersetzungen werden gar nicht publik. <\/p>\n<p>Beim 111. und bislang letzten Stadtderby im Mai 2024 musste die Polizei mit 1900 Beamten eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern. Auch Hubschrauber und Reiterstaffeln kamen zum Einsatz. Die Hamburger Einsatzkr\u00e4fte ben\u00f6tigten sogar Unterst\u00fctzung aus anderen Bundesl\u00e4ndern und von der Bundespolizei. Der Mythos lebt \u2013 auch oder gerade weil er so gef\u00e4hrlich nahe an der Eskalation gebaut ist.<\/p>\n<p>Vereine im Wandel<\/p>\n<p>Die Rivalit\u00e4t ist weiterhin gro\u00df, doch die Stadt hat sich ver\u00e4ndert. Und mit ihr haben sich auch die Vereine weiterentwickelt. Der HSV ist nicht mehr der gro\u00dfe Gigant, der alles \u00fcberragt. Der Abstieg aus der Bundesliga 2018 war ein Schock. Sieben Jahre in der Zweiten Liga folgten. Jedes Jahr neue Trainer, neue Strategien und dieselben alten Fehler. Erst mit der Ankunft von Stefan Kuntz 2024 als Sportvorstand ver\u00e4nderte sich die Herangehensweise. Gemeinsam mit Finanzchef Eric Huwer strukturierte er den Verein neu. Aus dem ewigen \u201eNur der HSV\u201c wurde mehr und mehr \u201eArbeiten statt Reden\u201c.<\/p>\n<p>Kuntz hat dem HSV die Bodenst\u00e4ndigkeit beigebracht. Keine Europaeuphorie mehr, kein Platz mehr f\u00fcr Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. \u201eWas die Intensit\u00e4t angeht, werden wir extrem viel abverlangt bekommen\u201c, sagt er, \u201ewir haben in der Analyse der Vorsaison festgestellt, dass wir mit allen Laufdaten abgeschlagen auf Platz 18 der Bundesliga gelandet w\u00e4ren.\u201c Das Saisonziel? \u201eDas ist definitiv der Klassenverbleib. Wir haben ein paar Jahre nachzuholen und m\u00fcssen ein paar Jahre in der Bundesliga bleiben, um auf die einzigartige Kraft von Hamburg zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Sinnbildlich f\u00fcr diesen Neustart steht Trainer Merlin Polzin. 34 Jahre jung, sachlich, akribisch. Und mit Unterst\u00fctzung aus der F\u00fchrungsetage. Der HSV hat die Vertr\u00e4ge mit dem Chefcoach und seinen Co-Trainern Lo\u00efc Fav\u00e9 und Richard Krohn schon vor der neuen Saison verl\u00e4ngert. Sportvorstand Kuntz erkl\u00e4rt den Schritt so: \u201eWir gehen diesen Schritt aus voller \u00dcberzeugung, und unser Signal ans Trainerteam und das Umfeld ist klar: Wir wollen damit Sicherheit und R\u00fcckendeckung f\u00fcr die kommenden Aufgaben geben.\u201c<\/p>\n<p>Beim FC St. Pauli sind sie w\u00e4hrenddessen schon deutlich weiter. Still und effizient wurde gearbeitet \u2013 und nachhaltig. Unter Sportchef Andreas Bornemann und Trainer Alexander Blessin wurde eine Mannschaft aufgebaut, die in der Bundesliga nicht nur \u00fcberleben will. \u201eWir sind auf einem guten Weg, aber es ist noch einiges zu tun\u201c, sagt Blessin, \u201ewir m\u00fcssen daran arbeiten, unsere Chancen noch konsequenter zu nutzen.\u201c Die Mannschaft steht laut dem Cheftrainer zusammen: \u201eSie haben im Trainingslager viel Zeit zusammen verbracht und sich viel miteinander auseinandergesetzt.\u201c<\/p>\n<p>Mainstream und Identit\u00e4tssuche<\/p>\n<p>Mit den beiden Klubs hat auch das Derby sich ver\u00e4ndert: Es ist mittlerweile ein Kampf auf Augenh\u00f6he. Beide Vereine sind in der Bundesliga. Und beide haben ihre Identit\u00e4t \u00fcberdacht, aber nicht verloren. St. Pauli hat die Rebellion professionalisiert. Die Anti-Haltung bleibt, aber sie ist eingebettet in eine durchstrukturierte Vereinsstrategie. Der Klub, der sich \u00fcber Jahrzehnte als Anti-Marke verstand, ist heute selbst zur Marke geworden. Der Totenkopf, einst Symbol f\u00fcr Widerstand, ziert l\u00e4ngst Babystrampler, Espressotassen und Boutique-Schaufenster weit \u00fcber die Grenzen des Viertels hinaus.<\/p>\n<p>St. Pauli begeistert heute genauso die LinkedIn-affine Start-up-Gr\u00fcnder aus der Schanze wie Punks auf dem Kiez. Beim bislang letzten Derby hielten HSV-Fans ein Banner hoch: \u201eDu bist hier? Und wer trinkt dann Latte in der Schanze?\u201c Eine sp\u00f6ttische Erinnerung daran, dass der rebellische Kiezklub l\u00e4ngst im kulturellen Mainstream angekommen ist. Der politische Anspruch ist geblieben \u2013 gegen Rassismus, gegen rechts, f\u00fcr Vielfalt \u2013, aber er steht heute neben professionellem Management, Merchandisingstrategien und internationaler Markenpflege. Die Genossenschaftsstruktur, die Fanbeteiligung sind aber auch weiterhin gelebte Praxis.<\/p>\n<p>Auch der Hamburger SV hat in den vergangenen Jahren eine Wandlung durchlebt \u2013 wenn auch in eine ganz andere Richtung. Der Verein, der sich lange auf seiner ruhmreichen Geschichte ausgeruht hatte, ist nach dem Abstieg 2018 hart in der Realit\u00e4t angekommen. Aus dem selbsternannten Bundesliga-Dino, der sich \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr unantastbar hielt, wurde ein Zweitligaverein mit Identit\u00e4tskrise. Die Gro\u00dfspurigkeit fr\u00fcherer Jahre ist einer betont n\u00fcchternen Kommunikation gewichen. \u201eDemut\u201c und \u201eRealismus\u201c sind die neuen Schl\u00fcsselbegriffe. Die wirtschaftliche Sanierung ist gelungen. Auch auf den Trib\u00fcnen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Fanszene, einst zumindest in Teilen offen f\u00fcr rechte Tendenzen oder zumindest unpolitisch, zeigt heute klare Haltung: Antirassistische Statements, kreative Kurvenarbeit, eine wachsende Ultra-Kultur. Doch anders als der Stadtnachbar sucht der HSV noch nach dem neuen Selbstbild.<\/p>\n<p>Neue Saison, neue Gesichter<\/p>\n<p>In der Saison 2024\/2025 blieb St. Pauli souver\u00e4n in der Bundesliga, \u00fcberzeugte vor allem defensiv \u2013 nur Meister FC Bayern kassierte weniger Tore. Der HSV schaffte nach mehreren gescheiterten Anl\u00e4ufen endlich den Aufstieg. Doch w\u00e4hrend Hamburg noch feierte, d\u00e4mmerte es den Verantwortlichen schon: Der Bundesligaalltag wird brutal. Der HSV musste vor der Saison schmerzhafte Abg\u00e4nge verkraften. Ludovit Reis wechselte nach Br\u00fcgge, Davie Selke zu Basaksehir. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/bundesliga\/hamburger-sv\/article68889a62893b255c80db0174\/Hamburger-SV-Die-zwei-Prinzipien-der-HSV-Transfers.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/bundesliga\/hamburger-sv\/article68889a62893b255c80db0174\/Hamburger-SV-Die-zwei-Prinzipien-der-HSV-Transfers.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Doch es wurde nachgelegt<\/a>: Jordan Torunarigha (KAA Gent) soll Stabilit\u00e4t in die Abwehr bringen, Daniel Peretz (FC Bayern) den Konkurrenzkampf auf der Torh\u00fcterposition erh\u00f6hen, und Yussuf Poulsen (RB Leipzig) bringt reichlich Bundesligaerfahrung mit. Die neuen Spielidee: Intensit\u00e4t statt Ballbesitz.<\/p>\n<p>St. Pauli hingegen wirkte in der Saisonvorbereitung sortiert. Blessin will \u201eden n\u00e4chsten Schritt gehen\u201c. Der Klub setzte auf punktuelle Verst\u00e4rkung der Offensive: Morgan Guilavogui (RC Lens), Andr\u00e9as Hountondji (FC Burnley) und Ricky-Jade Jones (Peterborough) sollen f\u00fcr mehr Tore sorgen.<\/p>\n<p>Wenn am 29. August, 20.30 Uhr, im Volksparkstadion der Ball rollt, geht es nicht blo\u00df um Punkte \u2013 es geht um die Frage: Wer regiert Hamburg? Eine Frage, die so offen ist wie vielleicht nie zuvor&#8230; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erstmals seit 2011 spielen der HSV und der FC St. Pauli wieder gemeinsam in der Bundesliga. 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